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Sonntag, 9. Januar 2022

Ein Lebenszeichen




 Neugierig wie ein junger Hund – nur etwas größer und eckiger. Jack hätte jetzt gern einen Schraubenschlüssel oder einen anderen Metallknochen, um den Roboter mit Apportieren ablenken zu können…


Ich habe mir heute selber zum Geburtstag ein Geschenk gemacht. Das Foto kommt zwar aus der Retorte, aber in den letzten Monaten hat es einfach nicht gepasst. Deshalb ist auch nichts Neues entstanden und die guten Ideen in der Schublade geblieben. Viele Helden sind dafür im Karton gelandet und die Ausstattungsflut ist – zum Glück – etwas abgeebbt. Aber einige Geschichten waren schon längst fotografiert, die Bilder schlummerten schon bearbeitet auf dem Server, nur der Text fehlte zur Veröffentlichung. Das habe ich gestern und heute nachgeholt. Vielleicht ist da auch einiges etwas eingerostet, trotzdem bin ich froh, dass die Bilder endlich sichtbar werden. Hier sind die Links zu den einzelnen Geschichten:

Weihnachtshelfer-Auszeit vom 31.01.2017 

Die blaue Maus hat Katzenjammer vom 18.09.2019

Tüdderkram aus aller Welt vom 15.08.2015

Der schnellste Weg zum Sonntagsbrötchen vom 30.08.2020

Die Windbeutel vom 26.10.2019


Nach fünf guten Nachrichten folgt leider ein Nachruf. All diejenigen, die einen Bärenkalender für das Jahr 2022 vermissen, muss ich leider sagen, dass es in diesem Jahr keinen neuen Kalender gibt. Nach 10 Jahren hat der Kawohl-Verlag die Serie eingestellt. Es liegt also nicht nur an dem schwarzen Loch der letzten Monate, dass hier kein neuer Kalender aufgetaucht ist.


Liebe Grüße Wolfgang

 

Sonntag, 14. Februar 2021

Der Tag zuvor

 

Die Hasenmäuse sind schon neugierig, wie es wohl werden wird. Die Straße ist heute schon wieder abgesperrt. Und morgen soll hier doch tatsächlich der nächste Rosenmontagsumzug stattfinden.
 
Die Polizisten werden streng aufpassen, dass sich alle an das Sicherheitskonzept halten. Deshalb werden sie die meisten Sperren nicht mehr abbauen und halten für alle Fälle das Corona-Absperrband bereit, um weiträumig alles unter Quarantäne zu stellen.

Die Narren haben alles vorbereitet, sie gehen nur noch mal schnell ihre Strecke ab. Morgen werden sie nicht mehr so viel Bewegungsfreiheit haben.

Die Roboter suchen die besten Standpunkte für ihre Kameraaugen. Sie werden morgen den ganzen Zug ins Internet übertragen. Sie können überall hingehen – ohne sich oder andere anzustecken. Und sie halten länger durch als die vorher getesteten Drohnen. Die fielen nämlich schon nach einer Stunde vom Himmel. 

Die Security testet noch einmal das Hygienekonzept für die kontaktlose Übergabe der Kamelle.

Die beiden Bären bringen noch schnell die einarmigen Banditen zum Mottowagen der Erdmänner. Was haben denn die mit der Impfkampagne zu tun?

Buttercup, Valentina und Pretty schauen sich die Vorbereitungen genau an. Es wird irgendwie ein ganz anderer Rosenmontag werden. Selbst wenn es Kamelle und andere Süßigkeiten geben soll, ob es sich lohnt, wieder die großen Beutel mitzubringen?



Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein

Und jetzt wird es spannend, wann hier der nächste Rosenmontagsumzug zu sehen ist ...


Montag, 9. März 2020

Rosenmontag #6: Nachweispflicht zum wilden Treiben


Das passt doch gut zu Victorias Käse. Die Zwillinge schlecken nur schnell das Eis auf. Es gibt Brot und Brötchen kistenweise. Jetzt fehlen nur noch freigiebige Butterkühe (so als "die bunten Muhs") oder wenigstens ein Wagen der Raps-Ernter ("Schmierig in Gelb-Grün i.V.") mit Margarine.

Es sind erst einmal aber die "Bürokratie-Monster," die hier Backwaren verteilen. Ganz korrekt natürlich mit Bon. Und für alle die in den letzten Wochen ihren Bon an der Kasse vergessen haben, bringen sie körbeweise die so verwaisten Bons zu den Zuschauern. Jeder kann sich den passenden Beleg raussuchen.

Die Begeisterung der Narren am Straßenrand hält sich in Grenzen. Schon wieder herzhaft und dann mit Bonpflicht? Da hätten sich die Monster die aufwendige Wickelarbeit sparen können.

Das nächste Mal nehmen sie lieber Bürolocher und machen gleich Konfetti aus dem Thermopapier. Obwohl dann sicher das Gemaule losgeht: "Das ist ja alles nur weiß – wie öde!" Aber das ist vielleicht auch die Lösung für den Einzelhandel. Bons auf bunten Papier, die Rollen gleich vorgeschnitten und geritzt. Dann bekommt man mit jedem Brötchen gleich einen Satz Miniluftschlangen. Das müssen die "Bürokratiemonster" jetzt nur in eine Verordnung fassen und gleich an die Hersteller von elektronischen Kassensystemen weiterleiten.

Einige Besucher waren doch so vernünftig, an das Frühstück am nächsten Morgen zu denken. Sie entscheiden sich für ein Baguette und lassen das Schwarzbrot gern in der Auslage liegen.

Dann müssen sich die Monster ranhalten und die ganzen Körbe mit Brot wieder weitertragen. Wenn es hier noch keinen reißenden Absatz gab, der Zug durchläuft ja noch viele Straßen. Vielleicht sind die dortigen Narren einsichtiger, dass auch die freien Gaben am Rosenmontag der Nachweispflicht genügen sollten. Damit alles – auch die Freiheit der tollen Tage – doch noch seine Ordnung hat.

Zwischen Netzen und allerlei Meeresgetier rekelt sich eine Meerjungfrau mit ihrem Schuppenschwanz. Ihr Netz quillt aus einer ollen Blechdose für Ölsardinen, die wiederum von einem Gabelstapler durch die Menge gehoben wird.

Die Nixe sieht nicht glücklich aus, dabei hockt sie doch auf einen riesigem Haufen Plastik, das jedes Mal knistert und nachgibt, wenn sie sich rekelt und streckt. 

Vielleicht wäre dem Wasserwesen das korrekte Mikroplastik lieber gewesen, es wäre sicher weicher und bequemer. Aber die Wagenmacher haben gedacht, dass die Zuschauer das Mikroplastik vielleicht nicht erkannt hätten, weil es ja so winzig ist, dass es unsichtbar verschluckt wird und überall in den Körper gehen kann. Und außerdem gibt es inzwischen auch die riesigen Plastikstrudel mitten in den Ozeanen mit Makroplastik. Da kann man es zusammen mit dem Beifang auch mal abfeiern. 

Eigentlich wollte der Gabelstapler noch Finn, den weißen Hai ohne Flossen zeigen. Aber dann hat der Staplerfahrer lieber den Wagen der Raben angekoppelt. Den schwarzen Vögeln war zu Beginn des Zuges ihr Trecker verreckt. Ohne eigene Zugmaschine hätten sie nicht am Umzug teilnehmen können: Ihr Wagen ist so hoch beladen und die Raben sind so schwer geladen, dass sie ihr Motto nicht nur mit Rabenkraft hätten ziehen können.

Schwer geladen klingt für die hungrigen Mäuler am Wegesrand verheißungsvoll. Aber die Raben sind doch alte Landwirte. Da ist es wohl wieder Essig mit dem Süßkram.

So ist es – es gibt doch nur wieder Nachschub für Brot, Möhren und Käse. Die Elfe oben auf der Telefonzelle verkündet als erste die betrübliche Nachricht: "Ich sehe nur Gemüse. Das aber in rauen Mengen."

Die Raben haben den Schnabel voll. Wenn sie für ihr Gemüse von den Discountern noch nicht einmal das Geld bekommen, das sie selbst aufwenden müssen, um es anbauen, dann … ja dann können sie es auch verschleudern. Und das machen sie jetzt auch!

Nur die Maus mit Hasenohren ist begeistert von noch mehr Gemüse. Sie mag nicht nur Karotten und freut sich, wenn sie für das Gemüse nun noch nicht mal mehr Centpreise zahlen muss. "Ich achte immer auf die Sonderangebote. Das lohnt sich."

Kein Wunder, dass die Raben murren: "Geschenkt ist noch zu billig!" Vielleicht merken es jetzt alle mal, dass es so auf Dauer nicht funktionieren kann - wenn sie die ganzen Gerippe auf dem Wagen sehen ...

Die 'Abräumer' folgen den Raben auf dem Fuße. Doch sie haben nicht viel zu tun. Die Raben grummeln und die Zuschauer muffeln. Also bleibt das meiste Gemüse in dieser Kurve des Zuges auf dem Wagen. Die drei Handkarren müssen hier nichts aufsammeln, bevor es von den nachfolgenden Zugteilnehmer platt gemacht oder zermatscht würde.

Die kleinen Mäuse sind ganz aufgeregt. Endlich kommt ein richtig wichtiger Mottowagen. Sie stürmen auf die Straße und drängen sich dicht an den nächsten Lastwagen: "Bittebittebitte, Biiieette!" "Mir! Mir! Mir!" "Passt bloß auf!" "Ich auch! Ich auch!"

Das ist doch mal ein tolles Motto: "Bonbon ohne Bon" Endlich der reine Süßstoff ohne Komplikationen. So drängen immer mehr Leckermäuler zu dem blauen Schild.

Von oben werfen die Clowns die ganze Zeit Lollis in Plastik und Tüten mit Kamelle. Die Arme werden schon langsam lahm. Aber das Rufen und Betteln von unten hört nicht auf. Was haben denn die anderen Wagen verteilt? Rizinusöl?

Die eifrig bettelnden Narren, sind sich einig. Schon für diesen Wagen hat sich die ganze Warterei gelohnt. Sie überlegen nur, ob sie für das nächste Jahr nicht ein Bürgerkomitee einberufen sollen. Das könnte festlegen, dass der Zuckerpegel bei den ganzen Wurfwaren aller Wagen im Rosenmontagszug nicht zu tief fallen darf. Am besten schreiben sie gleich die Einkaufszettel.

Die Clowns verteilen die Kamelle beutelweise. Sie brauchen dabei nicht mal zielen. Egal wohin die Tüte mit den süßen Bonbons hinfällt, es finden sich sofort flinke Pfoten, die danach greifen.

Dem begehrten Laster folgt unauffällig ein grüner Kleinwagen, der in der Aufregung kaum Beachtung findet. Die Beutegreifer haben jetzt nur noch Augen für die Bonbons vom großen Wagen.

Die Sektflasche vor dem Kühler ist eigentlich nur eine karnevalistische Tarnung. Der kleine Anhänger ist die wahre Mission des grünen Flitzers. Darin befinden sich weitere Lollis und Kamelle. Wenn die Wurfvorräte bei den Clowns oben auf dem Wagen knapp werden, bekommen sie sofort Nachschub aus dem Anhänger.

Die ernsten schwarzen Männer fixieren scharf die Umgebung. Sie werden niemanden ohne Passierschein zum Marketender-Wagen durchlassen. Dies ist ein Hochsicherheitstransport von Süßwaren. Da wird nichts direkt verteilt. Das kommt erst auf den Wagen zu den Clowns, bevor es bei den kleinen Hungerleidern landet.

Jack folgt dem Bonbon-Wagen mit seinem Roboter. Große Aufgaben erfordern große Gesten. So winkt er heftig mit dem riesigen Robotarm, um die armen Süßkram-Opfer vor großen Gefahren zu schützen. Zucker ist doch so gefährlich – schaltet jede Lebensmittelampel auf tiefrot. Also hat Jack einen Riesensack mitgebracht, damit alle ihre gesammelten Zuckervorräte gleich wieder abliefern können.

Das ist gut für ihre Gesundheit. Sie werden danach sicher ewig leben. Und Jack kümmert sich inzwischen persönlich um die Vernichtung der Zuckergefahr.

Doch kleine Mäuse wollen gar nicht ewig leben, wenn sie dafür auf Zucker verzichten müssen. So hat Jack bis jetzt nur einen Trostlolli einsammeln können …


Idee. SchneiderHein      Fotos: W.Hein

Fast geschafft! Nur noch eine Etappe, dann ist der Rosenmontag endlich durch. Aber es sind ja auch über 145 Bilder und noch viel mehr Worte …

Freitag, 27. Dezember 2019

Weihnachten-Zwei-Punkt-Null oder schon mehr

Achtung! Dieser Post enthält reichlich Produktplatzierungen. Anders als die schicken Dienstwagen von Fernseh-Kommissaren finanziert dies hier nichts. Und der Konsum von Zuckerwasser wird davon nicht gesünder oder Computerspiele haben deswegen nicht weniger Suchtpotenzial. Eine markendurchseuchte Welt ist einfach unsere Realität … wie alles, was wir hier zeigen.

Die Pakettransporter 'Elf-o-mat 3000' kehren erst am nächsten Tag wieder zurück. Sie haben autonom bis zum 24. Dezember die Geschenke und Pakete für den Heiligen Abend zu den zentralen Zubringern gebracht, bevor eifrige Paketboten mit rotem Mantel und weißem Rauschebart die letzte Meile übernommen haben.

Pfeifend senken sich die schweren Maschinen in die Ruheposition, wenn die Pneumatik die zentralen Aufbewahrungsbox absenkt, damit die Drachen die ordnungsgemäße Übergabe kontrollieren können.

Notwendig ist das eigentlich nicht, schließlich wird der gesamte Transport lückenlos überwacht mit Sensoren und Kameras. Aber es gibt den Drachen an der Rampe einfach ein besseres Gefühl, wenn sie ein Auge darauf haben dürfen.

So perfekt das System der Geschenkeübergabe inzwischen auch organisiert ist – Rückläufer gibt es immer noch. Sei es, dass die Adresse falsch angemeldet wurde, sei es, dass beim Wünscheaufnehmen nicht richtig zugehört wurde oder die Bedürfnisse des Beschenkten wurden einfach schlichtweg ignoriert.

Einzeltransporte erledigen die Drohnen, die inzwischen auch leer wieder einschweben. Wenn sie nicht Retouren in letzter Minute mitnehmen müssen. Was ist nur aus dem guten alten Geschenkeumtausch im Einzelhandel in den ersten Arbeitstagen nach dem Fest geworden? Nun, Wunschzettel waren schon immer so eine Art Onlinehandel und ohne die Beschaffung direkt im Einzelhandel gibt es keine kurzen Wege mehr, auf denen die Falschwaren zurückgegeben werden können.

 Da schwebt jemand ein, der mächtig Schnee aufwirbelt.

Jack will diesmal nicht alles nur auf dem Sofa erzählt bekommen. Er will selber sehen, wie der 'Weihnachtsmann das alles macht'. Obwohl er schon längst weiß, dass es in Wirklichkeit nicht der Weihnachtsmann ist, sondern ein Haufen Drachen, die mit einem Diplom in Fachchinesisch den Hai-Tech-Laden längst schmeißen.

Sie sind fast da – die Drachen haben wohl aufgestockt. In diesem Jahr sitzen die meisten in der ersten Etage und sind auch am 25. Dezember noch so schwer beschäftigt, dass Jacks Anflug offensichtlich von niemandem bemerkt wird.

Der kleine Mäuserich legt das Comic-Heft beiseite und bittet den Fahrer sich unauffällig in die Büsche zu schlagen, während er alles genau untersuchen will. Er hat schon seine Geschenke bekommen, aber wer weiß, ob nicht mehr drin gewesen wäre. Jack muss doch seine Möglichkeiten kennen, wenn er vernünftig wünschen soll. Also will er kein Aufsehen erregen und sich lieber heimlich in die Zentrale schleichen.

Bei der Verladerampe wird der Anflug der Drohnen mit dem Computer überwacht und die aktuelle Flugnummer zur Sicherheit mit der Liste der Flugverbindungen abgeglichen. Aber eine leer heimkehrende Drohne ist (bis auf Widerruf) eine erfolgreiche Mission und wird höchstens noch mit einem Last-Minute-Auftrag bestückt, wenn für den Verwandtenbesuch an den ersten Weihnachtstagen plötzlich noch ein Geschenk fehlt. Da gibt es natürlich keine große Auswahl: Neben den klassischen SOS-Geschenken (Schlips Oberhemd Socken), haben sie nur die Top-Drei der Bestseller-Bücherlisten, den Duft des Jahres und für die Kleinen ein Spotify-Radio oder weiße kabellose Ohrstöpsel.

So lange die Weihnachtslogistik noch nicht voll automatisiert ist, arbeiten an der Rampe noch kasachische Zirkusdrachen. Sie sind das Jonglieren mit vielen unhandlichen Dingen gewöhnt, werden auf Zeit nach osteuropäischen Tarifen bezahlt und nehmen die Arbeitszeiten nie so genau. Wenn es noch was zu tun gibt, wird eben weiter gearbeitet.

Jetzt bestücken sie eben die Drohnen mit den Overtime-Geschenken für unerwartete Gäste oder vergessene Verwandte und überwachen im Mini-Laptop den Stand der Dinge.

Sie müssen nur aufpassen, dass die startenden Quadrokopter nicht mit den einfliegenden Drohnen kollidieren, wenn die schwer beladen eine Rücksendung abliefern.

Was machen sie nur mit den ganzen Retouren, die inzwischen die Rampe verstopfen? Wieder auspacken bedeutet viel Arbeit und ein Jahr einlagern für die nächsten Weihnachten macht bei den meisten Geschenken keinen Sinn. Die wären dann längst überholt und aus der Mode. Vielleicht gibt es ja demnächst eine Zweithandel, wenn der Osterhase sie als Second Hand-Ware verteilt. Sollen sich doch die da oben in der obersten Etage darüber den Kopf zerbrechen.

Den Weihnachtsbaum haben sie ja auch neu erfunden, indem sie einfach das Grün weggelassen haben. Das spart auch Transportgewicht. Nun stehen überall im Haus die hippen hohlen Drahtkegel mit den bunten Lichtern. Ganz traditionell ist dagegen die alte Werbepartnerschaft mit der braunen Brause, die dafür kostenfrei ins Haus kommt. Sonst wäre Weihnachten seit Jahrzehnten nicht Rot-Weiß sondern vielleicht Lila-Gelb oder Rosa-Türkis.

Neben der Rampe ist das Wartezimmer. Missmutig hocken hier die Weihnachtsmänner aus aller Welt und warten auf ihren Termin. Eigentlich wollten sie ab dem 24. in den Urlaub verschwinden, aber die Drachen haben sie sofort wieder antanzen lassen. Schließlich ist kein Jahr mehr Zeit bis zum nächsten Fest. Und es gibt viel zu tun … die Klassiker und Erfolge vergangener Jahre wie Puppe, Teddybär oder Holzeisenbahn ziehen längst nicht mehr und locken immer weniger Kids hinterm Smartphone hervor.

Es gibt einen gut gelaunten Empfang und die Drachendame bemüht sich nach Kräften für eine freundliche Stimmung.

Doch im Vorraum gibt es bewusst nur Wasser und keine bunten Ablenkungen. Wenn die Geschenkeboten endlich zu den Einzelgesprächen gebeten werden, sollen sie richtig ausgehungert und wach sein. Nur so entfaltet die frohe Botschaft die maximale Wirkung.

 Der Weihnachtsmann aus Hawaii ist stinkesauer. Sie haben ihn in der Badehose vom Surfbrett geholt. Neben ihm sitzt Luxemburg, das mit einem kleinen Boten auskommt.

Auch Kanada und Norwegen warten ungeduldig auf ihren Termin. Was soll schon so aufregend anders werden. Jedes Jahr werden Dinge in buntes Papier gepackt und in Säcke gesteckt. Der Inhalt mag sich immer ein wenig ändern – aber dafür gibt es doch die Wunschzettel. Sie müssen doch nur liefern! Jack hat hier genug gesehen.

Er muss unbedingt in die erste Etage. Dort scheinen die spannenden Entscheidungen gefällt zu werden. Er schleicht die Treppe rauf, vorbei am Drachen, der überlegt, ob die Pause für ein Retro-Game in einer guten alten Arkade-Computerkiste reicht, die hier zur Ablenkung aufgestellt ist.

Eine Etage höher spielt ein Drache auch mit pixeligen 16-Farben ein frühes Computerspiel. Ein Raumschiff zielt auf eine Wolke anrückender Flugobjekte. Er stellt sich vor, dass dies alles ihre Geschenkedrohnen sind und er findet den Gedanken sehr befriedigend.

Jack wieselt zwischen den Drachen und schaut sich genau um. Das scheint die Versandzentrale zu sein … aber wie ein Büro sieht es gar nicht aus. Das war vor einem Jahr noch ganz anders.

Die Drachen fläzen sich an irgendwelchen niedrigen Tischen, wie es ihnen gefällt. Sie klappen den Computer auf und versinken danach in den bunten Tabellen, die mit rasender Geschwindigkeit wechseln. Niemand braucht Papier oder füllt einen Ordner. Dafür steht überall Essen und bunter Krimskrams. Auch machen sie Pause, wie es ihnen gefällt und laufen plötzlich durch den Raum, um an einer anderen Stelle weiter zu arbeiten.

Offensichtlich ernähren sie sich hauptsächlich von Pizza und Hamburgern. Das gefällt Jack sogar. Vielleicht wäre es später auch ein Job für ihn. Obwohl er immer noch nicht versteht, wieso sie ein ganzes Jahr für einen einzigen Tag arbeiten müssen. Das sollte doch einen Monat vorher auch zu erledigen sein. Wenn der Rest Urlaub wäre, ist das doch ein Traumjob.

Der Chef steckt unvermittelt den Kopf herein: "Geht das auch etwas leiser? Wir machen nebenan die Zukunft." Er wartet einen Moment - ob es diesmal Wirkung zeigt. "Ich muss wieder rein, bevor die Weihnachtsmänner mental aussteigen." Er dreht sich auf der Schwanzspitze. "Aufräumen wäre auch von Vorteil." Noch wird hier jeder Kunde durchgeführt.

Wenig später ist der Geräuschpegel wieder oben. Sie kennen diese Ansagen schon und wissen, dass es gut für das Image ist, dass sie so ein wilder und ungezähmter Haufen sind. Dafür stellen sie die Heavy Metal-Musik auch erst an, wenn die Kunden wieder weg sind.

Der blaue Drachen macht mal Pause. Er ist froh, dass die neuen Kooperationspartner noch nicht das Catering übernommen haben. Lachende Pakete vom Onlinehandel und die bunten Buchstaben von Alphabet sind vielleicht die Zukunft, aber satt wird ein Feuerkopf davon nicht.

Jack wundert sich noch immer, dass diese Jungs in ihrer eigenen Welt leben. Niemand scheint ihn zu bemerken, oder wenn doch, kümmert es keinen. Sie schlurfen an ihm vorbei und werden erst hellwach, wenn sie bei jemand anderem in den Monitor blicken können. Und dann versteht Jack kein Wort von dem Kauderwelsch, das die Drachen dabei untereinander sprechen. Ist das überhaupt eine Sprache?

Dagegen sind die Sätze im Nebenraum klar verständlich. Also jeder Satz für sich. Aber was das Ganze soll … davon hat Jack noch keinen Schimmer. Da wird er wohl genau zuhören müssen.


Fotos: W.Hein

Das geht noch weiter… 

(erst recht nach Weihnachten – denn nach dem Fest ist doch immer nur vor dem Fest)