Dienstag, 12. November 2019

Schwere Rohre



Knirschend rutscht das Hinterrad weg, als er scharf in den Rücktritt steigt. Peter nickt zufrieden. Mit seinem Fahrrad tritt er nicht nur so schnell an, dass fast das Vorderrad abhebt, wenn er sich in den Bananensattel presst. Er kann, wenn er rechtzeitig den Lenker abkippen lässt, auch aufregend bremsen.

Leider ist der Waldradler noch allein auf der Betonpiste unterwegs. Niemand sieht, wie großartig er schon dieses Drahtross beherrscht. Dabei wollte er sich mit einem Piratentreter hier im Garten treffen.

Da wird er noch eine Runde drehen müssen. Ach was, was heißt 'müssen' … er KANN noch eine Runde drehen.

Endlich trifft Peter den Huck auf seinem roten Piratenrad. Der hat natürlich schon ewig gewartet und kann froh sein, dass er dabei nicht eingerostet ist. Sein Rad hat er zur Sicherheit vorher gut geölt.

Schon schießt er davon wie ein geölter Blitz. "Hast du meinen Torpedoscheinwerfer auf dem Vorderrad gesehen?" ruft Huck dem hinterhetzenden Peter zu. "Kannst du ja nicht. Du siehst ja immer nur meine Rücklichter."

Das lässt sich Peter nicht zweimal sagen und kämpft sich schnaufend ran. "Das werden wir sehen, ich kann ja in den dritten Gang gehen. Und dann ziehe ich auf und davon." Er zeigt auf die Schaltbox auf der doppelten Mittelstange.

 "Hah, ich habe ja nur weniger den Wind geschnitten," prahlt der Pirat. "Damit ich dich wieder abhängen kann." Er hat nur den Kopf geschüttelt, als er Peters Rad das erste Mal gesehen hat. Jede Menge Bling-Bling und schwere Rohre.

 Jetzt zieht er wie ein Torpedo wieder davon und lässt den Waldschleicher hinterherhecheln, bis er immer leiser wird, weil er immer weiter zurückfällt.

Fluchend tritt Peter in die Bremse, damit der rote Bock knirschend seitlich wegrutscht. "Angeber!"


Bilder: W.Hein

Dieser Post hat nur einen Zweck. Das Abfeiern des Bonanza-Rads oder Stingray, Krate oder High-Raiser wie es seine Erfinder in den USA seit 1963 es genannt haben. Als Chopper begann der Siegeszug in den 70ern in England. So war das Bonazarad von Kynast 1968 schon ein Plagiat, das über die Neckermann-Versandkataloge in die deutschen Haushalte kam. Mein damaliger Freund hatte zuerst eine leichte Version in Orange mit kurzer Lehne und vereinfachter Lenkstange. Mein rotes Bonaza-Rad kam als Antwort direkt vom Werksverkauf des Herstellers und hatte am Sattel und dem doppelläufigen Hirschgeweih-Lenker funktionslose Federn. Dazu doppelt soviele Rohre am Rahmen wie es eine effiziente Konstruktion benötigen würde. Schön schwer – daran konnte auch die Drei-Gang-Sachsschaltung nichts ändern. Mehr Gänge hatte bisher noch keines meiner fünf Tretgefährte (das Kettcar eingerechnet). Später wurde es durch ein Hollandrad ersetzt danach kam noch ein ultrastabiles Antikrad aus der Vorkriegszeit, das inzwischen im Keller Staub ansetzt. Ich habe wohl noch nie viel vom Leichtbau gehalten. Als ich in den letzten Wochen wieder über ein Zweirad nachdachte, wurden am Ende doch nur wieder die Bären ausgestattet. Die Bonazaräder gaben sich damals sehr robust und geländegängig. Das war aber immer nur Show - die echte Lösung für die Aufgabe wurden dann die BMX-Räder der 80er.


Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wer schreckt die Schrecker?



Kürbisse rollen, Nebel wallen, Geister heulen – vor Lachen. Denn es ist wieder Halloween!

Die kleinen Schrecker sind ganz schön weit weg von zuhause. Die Chefin hat sie ganz, ganz weite Wege geschickt, um die Nachbarn zu schaudern und dafür um Ihren Süßkram zu erleichtern.

Der Nachteil von ganz, ganz weiten Wegen zu den Nachbarn sind die ganz, ganz weiten Wege wieder zurück. Da kann der Schrecker vom Wege abkommen, den Weg verlieren und dabei alles weg schnabulieren.

Die Frage ist nicht, 'wer' schreckt die kleinen Schrecker. Sondern 'was' schreckt sie: Allein durch die Nacht zu tapsen – was sie wenigstens zusammen tun. Auch die Mäuse schleppen sich müde durch das Dickicht und die Kürbismieten. "Werden die morgen wieder zurückgegeben beim 'Rent-a-Pumpkin'?" Immer noch besser als 'Rent-a-Pumpgun' – in Amerika wären das sicher zwei Läden direkt nebeneinander.

Die Chefin ist selber aufgebrochen, um ihre hungrigen Horden der Schlickerkramsammler wieder einzusammeln. 

Doch so schnell die Ringelstrumpfspinne auch über die Betonfläche mit flirrenden Achtbeinen hastet, von ihren kleinen Schreckern findet die kleine, weiße Maus keine Spur.

Die naseweiße Chefin zeigt mit dem Zauberstab immer wieder in neue Richtungen. Und das Spinnentier folgt willig dem Stern. Aber bis jetzt finden sie nur einsame, hämisch grinsende Kürbisse, die voller Schadenfreude eine immer hektischere Suche begleiten. Die anderen Mäuse hat scheinbar der sanfte Nebel zwischen Gräsern und buntem Blattwerk verschluckt.

Hinter den Nebeln haben die kleinen Mäuse immerhin die drei Monster gefunden. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall ist es gut, dass sie nicht mehr allein sind.

Die Gruselmaus ist schon jetzt mit den Nerven fertig. Die ganzen gesammelten Vorräte sind längst als Wegzehrung wieder draufgegangen. Ihre Sammelbox nimmt sie nur mit, um für das nächste Jahr auf den Kurzstrecken wieder einsacken zu können.

Sie haben die letzten Vorräte zusammengelegt und es ist ein echtes Drama. Wie sollen sie mit den paar Schlickersachen nur bis zum Haus kommen? Weiß überhaupt jemand, wohin sie jetzt laufen müssen?

Voller Panik greift sich die grüne Maus im Karorock einen Spinnenkrapfen und schlingt ihn hastig runter. Die anderen können nur fassungslos zusehen, wie schnell die Zuckerladung in der Schnute verschwunden ist. Wieder ein Stück weniger. Die Vorräte werden nie und nimmer reichen. Sie werden unter Unterzuckerung darben.

Auch andere scheinen ihre missliche Lage zu ahnen.

Die Hexe hat das große Monster mit neuen Zuckerwaren ausgeschickt.

Eine riesige Box voller Naschwerk, mit Gummifledermäusen, Schokovampiren und Schaumkürbissen eilt zu den kleinen Schreckern. Wenn sich jemand mal zeigen würde. Unsichtbare Schrecker sind eigentlich gar keine. Weil sich dann niemand gruseln kann.

Die "Unsichtbaren" drängen einander zum Aufbruch. Wenn sie noch länger hierbleiben, wird es nicht besser werden. Es wird bald dunkel und die letzten Keksreserven werden sicher nicht bis zum nächsten Morgen reichen.

Da entdeckt Midnight bunte Lichter, erst ganz verschwommen mit breiten Höfen. Dann werden sie knatternd, knarzend immer kräftiger, bis sie zu einem Lastwagen mit Blink-Blink-Girlande werden.

Das ist offensichtlich eine Kehrauskarawane, die kleine Schrecker einsammelt und nach Hause fährt, bevor sie noch verloren gehen.

Die Mäuse und Monster sind begeistert – sie werden gerettet. Aufgeregt winken sie mit den Gruselstäben in den Pfoten und laufen zu den Lastwagen – ach was – Lustwagen.

Der erste Wagen scheint aber schon voller Findlinge zu sein. Denn er fährt einfach durch – ohne anzuhalten.

"Wir nehmen den nächsten…" Zurück bleiben wollen die Mäusemädchen auf keinen Fall. Wenn es schon eine Mitfahrmöglichkeit gibt, wäre es doch blöd, diese fahren zu lassen.

"Es wird Zeit, da kommt der letzte Wagen." Die Maus drängt und das schwarze Monster wird ganz wuschig. Wo ist die Umhängetasche geblieben? Sie ist längst leer, aber sollte deshalb nicht einfach verlegt werden. Verlegen murmelt es "gleich, ja gleich" und blickt dabei immer 'unauffälliger' in die Runde.

"Jetzt geht's los!" Die Mäusemädchen sind erleichtert. Das blaue Monster popelt verwundert in der Nase. Geht's … geht's … es sind doch Kraftwagen, die auf Rädern rollen?

Schnell klettern Monster und Mäuse auf die Ladefläche. Die Flattermaus reicht von oben eine helfende Pfote, damit es schneller geht.

Die Lastwagen haben sich schon wieder in Bewegung gesetzt, als plötzlich eine Maus aufschreit: "Wir haben jemanden vergessen." Das schwarze Monster ist erst aufgeregt zwischen den Wagen umhergelaufen, konnte sich nicht entscheiden. Dann hatte es seinen Beutel zwischen den Kürbissen vergessen. Als es endlich bereit ist, sind die Schrecktransporter schon unterwegs.

Die neuen Schlickervorräte werden wohl zu spät kommen. Oder sie machen drei Speisewagen auf, wenn sie den Konvoi der Laster einholen können.

Dabei stehen die Chancen gar nicht so schlecht, denn zu schnell kommen die Wagen nicht voran. Vielleicht hätten die Fahrer weniger Wert legen sollen auf eine dramatische Beleuchtung ihrer Gesichter von unten. Wenn es immer dunkler wird, würden die weißen Scheinwerfer mehr helfen, den Weg nach vorn auszuleuchten.

Inzwischen holt das schwarze Monster doch noch mit drei sausenden Rädern auf.

Eifrig winkt die Maus: "Schneller! Schneller! Sonst sind wir weg." Das soll dem Monster nicht noch mal passieren, so tritt es kräftig in die Pedale. Das muss es auch, damit der Schwung hält, bis die andere Pedale sich nach oben schiebt. Monster haben leider zu kurze Beine, um bis nach unten durchtreten zu können. Aber die Angst, wieder zurück zu fallen, ist ein kräftiger Motor.

Die kleine weiße Maus kratzt sich mit dem Zauberstab hinterm Ohr. Sie irrt schon so lange durch den Nebel. Von ihren Schreckern sind immer noch keine Schwanzspitze, Mäusespeck oder Flatterflügel zu sehen.

"Wir müssen nach rechts. Nein, nach links. Oder volle Spinne mitten durch." Oder doch ganz woanders hin.

Fotos: W. Hein

Die kleinen Schrecker sind alle von Deb Canham. Da es inzwischen noch nicht einmal die eigene Webseite gibt, hat sie für sich das Kapitel 'Miniaturmäuse & mehr' wohl leider abgeschlossen.

Ungeduldig haben die kleinen holden Unholden im Haus gewartet, dass sie die Nachbarn heimsuchen konnten. Doch im strahlenden Sonnenschein schreckt es sich nicht so gut. Dann tollen auch zu viele graue Katzen durch den Garten, die mitspielen wollen. Manchmal bleiben die Samtpfoten aber auch bis zum Abend …


Freitag, 17. Mai 2019

Ein kleiner Sprung für die Katze …



Die weißen Punkte huschen plötzlich vorbei. Darunter zuckelt ein geringeltes Band über die Steine. Der kleine Kater wird ganz aufgeregt – diesen lila Luffi will er haben.

Ein kurzer Sprung nach vorn und Marcu hat das Seil in den Pfoten.

Wenn er eifrig zieht, discht der Ballon nach unten und tänzelt träge dem Band hinterher. Aber die ganze Zeit sperrt er sich gegen das Vorankommen des Miezelmanns. So bekommt Marcu den Widerspenstling nie ins Haus.

Der Kater wird dem Luffi zeigen, wer hier der Herr im Haus … äh … Garten ist.

Er zieht sich am Bande auf den Luftballon, der sofort heftig schwankt und schwenkt.

Schon liegt der Kater unter dem Ballon.

Neuer Anlauf. Schnell zieht er sich am Band wieder hoch. Es ist eine ganz schön wackelige Angelegenheit – doch ein Kater wird sich doch von einem Haufen bunter Luft nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

Der Ballon dreht sich langsam unter dem Kater. Er droht wieder abzurutschen. Der Ballon neigt sich immer weiter. Bald verliert er das Gleichgewicht. Da hilft nur rein …

… krallen. Ups! Das war wohl nicht so ein guter Plan.

Die Krallen zieht er ganz fix wieder ein.

Doch es ist zu spät. Vom lila Luffi bleibt nur ein schlapper Rest.

Er könnte sich ein schickes Cape daraus machen.

Oder – wenn er zum Himmel hinaufblickt – vielleicht doch lieber eine Regenhaube, damit er trocken hinter den Ohren bleibt.

Fotos: W.Hein

Der Luftballon war überfällig, er hielt schon über drei Monate die Luft. Da kam die Frage auf, was damit gemacht werden könne. Vielleicht passend zu den violetten Akeleien im Garten. So ist es eine Katzengeschichte geworden, die ausnahmsweise mit wenigen Requisiten auskommt. Dafür aber viel zu lang geworden ist. Kleine Miezen sind halt zu fotogen. Egal ob sie von Teddyana gemacht worden sind, oder wie eine Krümeline das Fotoshooting stürmen, um alles umzureißen.