Mittwoch, 7. November 2018

Zur Unzeit


+++ am Ende doch Werbung +++

Vor einer Woche steppte der Bär und die Bärin über das Kürbisfeld.

Es war Halloween und die Gespenster huschten durch die Dachgemäuer. Ein leises "Buh!"Die Kürbismaus erschreckte damit schon die beiden lila Petze, die "Huch!" den getarnten Nager zwischen all den orangenen Herbstfrüchten bis jetzt übersehen hatten.

Damit konnte doch niemand rechnen: das kleine Schrecker wirklich schrecken. Jetzt wurden alle bunten Schwellkörper genau untersucht, ob sie wirklich nur ein Gesicht haben oder sich ein zweites Gesicht dahinter verstecken könnte.

Der Gruselhase wartete immer noch vergeblich auf die ersten Abnehmer seiner Suppe, die weiß dampfend vor sich einkochte.

Die Maus auf der Katze hat sich hinter den alten Baumstumpf geduckt, während davor noch die Gesichterkontrolle der Kürbisse stattfand.

Da könnten die Geister noch so schaurig heulen, Katzenmaus und Katzenkleid strebten nach unten, wo es laut und lustig lockte.

Die einzige Ausnahme war diese Kammer der grüngiftigen Herrin des Hauses, die außerhalb der Partyzone lag.

Langsam hob und senkte sich der schwarze Spitzhut auf der Decke. Die grüne Hexe des Westens hatte endlich in einen unruhigen Schlaf gefunden.

Einen Raum weiter untersuchte die kleine weiße Maus immer noch den Bücherschrank voller alter Lederschwarten, vergessener Schriftrollen und muffiger Staubfänger mit geheimnisvollen Zeichen auf dem Einband. Hier musste doch der Zauberspruch zu finden sein, der jeden Besen von der schnöden Haushaltshilfe in ein schnittiges Fluggerät verwandeln würde.

Diese Kürbisse in der Kiste hatten offensichtlich schon bessere Tage gesehen, als sie noch prall und bunt waren.

Der kleine Knochenmann stand immer wieder fassungslos vor dem überbordenden Schränken und Regalen. Wozu sammelte eine Hexe all diese Dinge, wenn sie danach in aller Ruhe Staub ansetzen konnten? (Er konnte ja nicht ahnen – genau dafür, dass er vor dieser Kulisse einer althergebrachten Zauberklause steht. Einen Hexenort stellt sich wohl jeder unübersichtlich vor und dabei voller geheimnisvoller Hilfsmittel, Werkzeuge und Lagerwaren. So wie jeder Backwarenhandel doch eine echte Backstube hat, aus der der Brötchenduft heraus weht und nicht vom Duftspender kommt, weil hinten die Lieferwagen aus der Backfabrik die halbfertigen Rohlinge aus Osteuropa reinschieben.)

Das lila Monster hatte wohl zu tief in den Kessel mit dem blubbernden Zaubertrank geschaut. Und dabei den einen oder anderen Tropfen probiert, die wohl nicht alle so harmlos waren, wie es die tanzenden Augen in der Suppe zum Anschein hatten.

Das Federmonster schwelgte auf dem Sofa noch in den schrägsten Erinnerungen voll glücklich-schauriger Momente. Da konnte eine kleine Maus nur mit offenem Mund neidisch zuhören, wenn die Nachbarin von ihren schrecklich-schönen Reisen mit einer ständig aufs Beste missgelaunten Hausherrin berichtete.

Die grüne Hexe ging derweil auf eine ganz andere Reise – weit … weit weg in ihren schönsten Albträumen.

Sie hatte dafür Ihre Koffer gepackt und war in den Süden geflogen, bevor die kleinen Schrecker in ihr Haus eingefallen wären.

Ihre geflügelten Unholde hatten erst gemuffelt, weil sie keinen Urlaub "am Arsch" machen wollten. Die Hexe wollte mit Ihnen an die 'Kot' reisen: "An die 'Kot' und nicht an den Kot!" Diese Affen sollten mal zuhören, wenn sie von der Kot-Da-Sür spricht.

In einen sonnigen Süden würde eine kleine weiße Maus jetzt auch gern fliehen. Diese Bücher hatten längst viel zu viel Eigenleben. Doch ohne diese verdammte Zauberformeln fürs Besenfliegen wusste der naseweise Nager nicht, wie er so schnell dorthin kommen soll.

Die Küchenmonster mussten immer wieder Kohlen nachlegen, damit die Gruselkeks-Produktion nicht zum erliegen kommt. Das nächste Mal bleibt die Küche kalt und nur die mitgebrachten Vorräte werden umverteilt. Dann könnten die Monster mitfeiern und müssten auch nicht für all im Maschinenraum der Feier schwitzen. 

Das Magendrücken eines lila Monsters war nicht besser geworden. Doch, ob das hier die richtige Hausapotheke war, um die Schmerzen zu lindern? Die meisten Schilder und Zeichen sahen nicht besonders vertrauenserweckend aus. Und bei vielen Inhalten wusste auch keiner der Anwesenden zu sagen, was da genau in den Gläsern zerreiben wurde oder noch träge in trüben Wassern schwimmt. 

Am Buffet hatte das geflügelte Monster eine fleischfressende Pflanze zwischen all den Naschereien entdeckt. Die ging hier wohl selbst auf die Jagd und wollte sich nicht mit einem Platz am unteren Ende der Nahrungskette abfinden.

Die Party war noch lange nicht auf dem Höhepunkt angekommen. Bis Mitternacht war ja noch so viel Zeit. Bis jetzt störte es niemanden, dass die Hausherrin schon längst abgetaucht war und die Gäste sich selbst überlassen hatte.

In ihren Träumen war die Dame des Hauses weit weg von diesem Trubel. Sie lag auf dem Balkon in der Sonne. Ihren Bikini wollte sie später suchen, wenn sie wirklich angekommen ist. Bis dahin sollten die geflügelten Helfer ihr auf die Schnelle einen Imbiss besorgen.

Doch diese Affen haben ihr nur dieses überall gleiche Schnellessen gebracht. Dafür mussten sie noch nicht einmal etwas Neues lernen – das kannten sie auch von zuhause. An der Strandpromenade gibt es auch hier labrigen Brötchen mit Hackplatten in Schnitzelsalat und dazu große Eimer mit süßbrauner Brause, die mit dem Strohhalm eingesogen werden sollte, damit das ganze Eis beim Trinken nicht an die Zähne schlägt.

Morgen lässt sie die Helfer wieder ausschwärmen. Und wehe, die Flügelprimaten kommen ohne knuspriges Stangenweißbrot, in Knoblauch geschwenkten Meeresfrüchten und einem anständigen Rotwein zurück. Es sind schließlich ihre Albträume – da muss sie nicht alles in sich hineinfressen.


Fotos: W.Hein

Da ist wieder so ein böses Logo, das hier alle Leser willenlos macht. Kaum hält unsere Hexe von Deb Canham den roten Becher mit weißer Schnörkelschrift ins Bild, schon stürmen alle zum Kühlschrank und ärgern sich, wenn dort nur eine Pepsi steht. Das ist diese schleichende Werbung, die hier alles durchzieht. Und natürlich gilt das auch für die nun folgende Erwähnung der Schöpfer all dieser wunderbaren Miniaturen, die diese Bilder erst so reich und übervoll machen: Dreamhobby, Fietelinke, Georgia Marfels, Melliminis, Mellimirco, Minis1to12, Minisforall, Ruthsminis, Smiletigger, Soallerlei, um nur einige alphabetisch zu nennen. Denn eigentlich sind wir nur Ausstatter und Regisseur, die hier in Szene setzen, was andere erst in liebevoller Kleinarbeit geschaffen haben. Und die dafür auch dann noch in vergangenen Zeiten schwelgen, wenn alle längst schon in Weihnachtsstimmung kommen und auf den ersten Schnee warten …

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Halloween fällt aus!



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 "Jetzt ist Schluss!" Die grüne Hexe will endlich ins Bett. Sie ist todmüde und drängt ihre Affen in der Hexenküche zum Aufbruch.

 Ihre geflügelten Gehilfen kann sie nicht allein weiter wirbeln lassen. Die reißen mit den Flügel alles von den Tischen, wenn die Hexe sie nicht ständig unter der Fuchtel hält und immer wieder vorsorglich anpfeift.

 Deshalb müssen jetzt alle einpacken, wenn die Chefin schon wieder ein Gähnen unterdrücken muss. Einiges muss noch auf kleiner Flamme weiterköcheln. Das andere Hexenwerk kann bis morgen warten. Unwirsch winkt sie den Affen heran. Er soll endlich den Saft abdrehen und zusammenpacken.

 Endlich schiebt sie den letzten Gehilfen aus dem Arbeitsraum. Dafür flattert schon wieder ein Affe durch die Luft. Den zieht sie schnell am Fell zu Boden, bevor er noch einen Glaskolben zu Boden fegt. Nun muss sie die drei nur noch durch die Geheimtür scheuchen …

 Dann steht sie wieder in ihrer alten Hexenküche, Die behält die grüne Hexe eigentlich nur für die Folklore. Denn niemand glaubt an Zaubertränke, die aus einem blitzsauberen Labor kommen.

Wenn die fliegenden Unholde unbedingt noch werkeln wollen, können sie hier ja noch aufräumen. Eine gewisse Unordnung ist ja verkaufsfördernd, aber sie möchte hier doch ein Eckchen für das Frühstück behalten.

Sie geht inzwischen ins Bett.

Doch vor dem Schlafzimmer wird die grüne Hexe abgefangen. Die kleinen Schrecker sind gekommen, um hier Halloween zu feiern. Sie können sich noch genau an die rauschenden Feste der vergangenen Jahre erinnern.

 "Halloween fällt aus!" brummelt die Hexe. "Ich habe nichts vorbereitet und will nur noch schlafen."

 "Waaaaas!" "Och nö!" Die Gruselnager können es nicht glauben. Das ist doch nur einmal im Jahr. Wie Weihnachten, Geburtstag oder Ostern. Nur eben viel schrecklicher, schauriger und schöner. Das muss doch gefeiert werden. Und sie sind schon mal hier.

 Die Hexe ist zu müde zum Streiten. Dann sollen sie doch bleiben! So lange die kleinen Schrecker gefälligst leise bleiben, "Ich will stille Halloween!" raunzt sie, bevor sie die Tür zum Schlafraum zuknallt.

 Betreten schauen die Mäuse nach unten. Und gleich hellt sich die Miene auf. Da stehen doch einige Süßigkeiten auf der Truhe. Mit ihnen hat vielleicht niemand gerechnet, aber verhungern werden sie hier nicht.

Schon mischen sich die ersten Monster unter die schaurigen Gäste. Die Mausemädchen schauen voller Ehrfurcht in die offenen Schränke. Vielleicht wollen sie doch nicht so genau wissen, was sich da alles auf den Brettern stapelt und gefährlich wackelt, wenn ein kleiner Schrecker gegenläuft.

Die Hexe macht sich bereit zur Nacht. Sie öffnet den Tresor, um dort hinein ihre Brille zu packen. Das ist der einzige Platz wo sie ihre Sehhilfe am nächsten Morgen wiederfindet.

 Sie steigt ins Bett und zieht die Bettdecke bis unters Kinn. Dann setzt sie sich auf und horcht aufmerksam in die Runde. Noch scheint alles ruhig zu bleiben. Ihre Ansage wirkt.

Draußen wird es immer voller. Es hat sich herumgesprochen, wo in dieser Nacht die beste Party stattfindet. Die kleinen Schrecker kommen mit Katz und Fledermaus.

 Der Gruselhase setzt eine warme Suppe an. Nach der langen Anreise sollen sich die Gäste stärken, bevor sie die Treppe ins Hexenhaus runtersteigen. Von unten wird das Gelächter lauter und die ersten Gläser klingen und klirren, wenn sie unvorsichtigerweise wegrutschen.

 Die Kürbismaus mag zu viel Trubel eigentlich gar nicht. Da bleibt sie mit dem Kostüm immer zwischen den Feiernden hängen. Da schaut sie lieber zur Kürbisdeko. Vielleicht sollte sie lieber darin abtauchen.

Noch haut sich keiner den Bauch voll, auch wenn er schon ein wenig knurrt. Auf dem Tisch stehen leckere Zuckerstücke – aber das Buffet ist doch ziemlich übersichtlich. Wird das reichen, wenn jemand anfängt, und den ersten Krapfen nimmt?

 Das kleine Monster mag sich nicht vordrängeln. Aber es wird auf jeden Fall in die anderen Räume linsen. Da könnten sich die Tische unter den Süßigkeiten biegen und keiner hat es gesehen.

 Dafür sieht die grüne Knochenmaus mehr als sie je erwartet hätte. Woher hat die Hexe nur all den Krempel? Und warum stopft sie ihr Haus damit voll? Einiges ist sicher Sondermüll – aber das meiste darf doch in einen normalen Container …

 Hier gibt es das kalte Buffet, das kleine Monster suchen. Bis dahin greifen die Mäuse zu. Es ist viel bequemer, sich die Süßigkeiten nicht erst draußen erschrecken zu müssen. Wenn noch mehr Gäste kommen, müssen sie wohl doch noch ein paar Sammler in die Nachbarschaft schicken: "Süßes oder Saures!" Mit Betonung aus Süßes. "Süß oder Herzhaft" klingt einfach nicht so gut.

 Einer der geflügelten Unholde spielt die Schurkenorgel zum Fest. Ein anderes Musikmachding gibt es im ganzen Hexenhaus nicht, Die Orgel klingt zwar schön schaurig, aber nicht wirklich fetzig. Da wünschen sich manche sogar einen Dachbodenfund mit Musik-ist-Trumpf-Schallplatten mit Röhrenradio und einem Plastikplattenspieler für Mono.

 Hier sind nicht nur die kleinen Schrecker hungrig, auch einige Bücher sehen ganz schön bissig aus.

 Die kleine Maus blickt unsicher auf ihre Geisterpizza. Muss zu Halloween alles angegruselt werden?

In der Küche schmeißen inzwischen wieder die Monster die Schose. Sie backen und köcheln, was der alte gusseiserne Ofen hergibt. Sie bereiten alles für den Mitternachtsimbiss vor und schicken auch dazwischen allerlei gruselige Kreationen. Sie behaupten, dass damit nur die Optik gemeint ist.

 So gibt es einen erdgruftigen Schokokuchen mit Grabstein, der schon angebissen die Küche verlässt. Das liegt am Vorkoster, der – börps – schwer an seinem Amt trägt.

 Die überschäumende Fettaugensuppe ist doch nur Deko. Dem lila Monster wird davon schon ganz schwummerig. "Die Augen starren mich an! Die ganze Zeit" jammert es nach dem ersten Löffel.

 Eine kleine weiße Maus nutzt das ganze Durcheinander. Sie hat sich einen Hexenhut aufgesetzt und sich mit dieser Verkleidung unter die kleinen Schrecker gemischt. Nun kann sie in Ruhe den Hexenbücherschrank nach dem besonderen Zauberbuch durchforsten. Die weiße Maus sucht immer noch das Buch, in dem der magische Spruch steht, der normale Besen in Fluggeräte verwandelt.

 Das sieht doch vielversprechend aus. Hoffentlich ist es nicht in fremdländisch geschrieben. Denn sonst bleibt das Besengeschwader bei dr nächsten Walpurgisnacht wieder am Boden kleben. Dann können sie wieder nur das Flugfeld fegen.

 Die kleine Maus kann den ganzen Bücherschrank auf Kopf stellen. Sie wird kein Glück haben. Das gesuchte Zauberbuch liegt noch in der geheimen Hexenküche.

Die grüne Hexe sitzt kerzengerade im Bett. Längst wackelt und bebt das ganze Haus. Das drohende Unheil schreckt wohl niemanden mehr … noch nicht mal diese Nagerwichte. Die Orgel wummert, ständig klappern Teller und Bleche auf dem Weg aus der Küche und die Gäste? "Die singen ja! Die singen ja!"


Fotos: W.Hein

Die Erklärungen folgen später …