Montag, 19. Februar 2024

In Saus und Braus

Eine kleine Reise weit zurück in die Vergangenheit:

Diese Geschichte gibt es schon sehr lange 
– mindestens seit Herbst 2007 –
 wurde hier aber noch nie gezeigt.

Die Zeichnungen sind entstanden als eine Selbstvergewisserung: 
Ob sich die Investition in Rutscherautos für Bären lohnen würde...

Ob es denn Bären gäbe, die damit spannende Rennen fahren könnten…

Ob es denn eine spannende Geschichte würde…

Und natürlich bräuchte man dann auch ein Storyboard, 
für die späteren Fotos.

Die Autos für die Bären gibt es inzwischen natürlich ;-)

Aber vom "großen Rennen" gab es nur einen Test auf dem Gartensteg … als dieser noch durchgehend befahrbar war. Dabei haben wir uns immer ausgemalt, wie es wäre, wenn wir mit Freunden und den Rennwagen sowie fast allen Bären als Zuschauer ausziehen würden, um in der Siedlung die leicht abschüssige Straße am Friedhof für das Fotoshooting zu sperren. Und dann die ganzen Stunts an den diesen tempomordenden Straßenschwellen zur Verkehrsberuhigung – warum die so sanft "Krefelder Kissen" heißen, ist wohl nur ein Scherz der Verkehrswacht. Mittendrin Marie mit ihrem Dreirad zwischen den donnernden Boliden. Das wäre wahrscheinlich ein Straßenfest geworden.

Marie hat damals natürlich ihren Schutzengel bekommen. 
Obwohl ihn die kleinen Mäuse im Haus wahrscheinlich eher gebrauchen konnten.


Zeichnungen und Fotos:
W.Hein

Die Fotos kommen aus zwei älteren Geschichten:
Renntage vom März 2008
Das Glück auf Erden vom Februar 2013

Sonntag, 14. Januar 2024

Was für Zeiten!

 Der schnelle Silvesterbesuch (ein Rückblick)

Hektisch huscht der hibbelige Hase in den Sessel. Kurz vor Mitternacht kommt doch noch Sir Hopsalot zu Besuch. Albert hat ihn schon mit Häppchen erwartet. Dann kann er gleich mit Victoria und ihm mit einem Glas Rhabarber-Wein auf das neue Jahr anstoßen.

Doch der Hase ist viel zu aufgeregt. Schon springt er auf und eilt zum Fernrohr, um weiter nach vorn zu schauen. Er sieht aber nur eine vergrößerte Zimmerecke. Wenn Victoria das wüsste, wäre es ihr gar nicht recht. Albert könnte häufiger die Spinnweben wegmachen.

"Ihr habt eine neue Uhr!" Der Hase hat einen kurzen Moment wieder Platz genommen. "Ja," nickt Albert, "Victoria will sehen, wie die Zeit vergeht."

Aufgeregt spring Sir Hopsalot aus dem Sessel: "Das ist es ja! Genau das! Zeit geht!"

"Und das ist so quälend!" Fast hätte der Hase sich hingesetzt. "Manchmal ist es sogar noch viel schlimmer!"

"Es gibt Minuten, in denen die Zeit schleicht." Damit Albert es sich besser vorstellen kann, zeigt es ihm der Hase besser gleich.

"Wenn die Zeit danach wenigstens hoppeln würde … aber nein … sie kriecht!" Er überlegt: "Immer noch besser als rückwärts oder stillstehen… " Dabei hätte Albert bisweilen gar nichts dagegen, wenn die Zeit stehen bliebe, und er manchen Augenblick zufrieden noch länger geniessen könnte. 

Das ist nichts für den Vollzeitdynamiker, die inzwischen auf der Uhr gelandet ist: "Kann Zeit denn nicht sausen, rennen, rasen? Wenn die Sekunden nur so davonfliegen!"

"Wenn sie wenigstens springen, tanzen und Haken schlagen würde." Für Sir Hopsalot ist die Zeit viel zu träge und langweilig. 'Mögest du in aufregenden Zeiten' leben ist für ihn keine Drohung sondern eine Verheißung.

Der Mäuserich versteht den Hasen nicht. Er schaut auf die Uhr, sie geht doch. Albert versucht den Hasen abzulenken. Er hat ja gerade die alten Zeitungen noch schnell ausgelesen und da ging es auch um die Eisenbahn und deren fehlende Pünktlichkeit: "Ich habe gelesen, die Deutsche Bahn hat Probleme mit der Zeit…"

"Meine Rede!" ruft Sir Hopsalot: "Ich sage nur Bummelzug. Und wenn ein Schnellzug ausfällt, dann ist er gleich aus der Zeit gefallen!" Wer bekommt eigentlich die ganze Zeit, die dann plötzlich über ist? "Wahrscheinlich wird die mir aufgebrummt, damit sie bei mir dann nur noch schleichen kann!"

"Deshalb: Keine Zeit!" Schon verabschiedet sich der Hibbelhase. Er muss noch schnell zu Herrn Kröt, der die Zeit zu Silvester wenigstens ordentlich knallen lässt. "Wenn die Zeit explodiert, dann bin ich dabei," ruft Sir Hopsalot. Albert ist nicht unglücklich – so bleibt mehr Rhabarberwein für ihn. Und das neue Jahr wäre mit dem hektischen Hasen sicher sehr anstrengend gestartet. Da macht er mit Victoria lieber wieder langweilige Silvester.


Idee: SchneiderHein     FotoText: Hein

Manche Geschichten brauchen eben etwas länger, bis sie auf dem Blog erscheinen. Und dann können sie später immer noch auf das richtige Datum geschoben werden ;-)


Dienstag, 2. Januar 2024

Mit ganz viel Glück

 Vor dem Silvesterabend hatten Victoria und Albert noch Besuch:

Victoria sortiert gerade ihr Käsekabinett neu. Sie muss dringend Platz schaffen. Vielleicht sollte es am Abend ein Käsebuffet geben. Wenn da nicht noch ein Linsengericht auf sie warten würde.

Albert versucht noch schnell vor dem Jahreswechsel die Zeitungen der letzten Wochen aufzulesen, um keine alten Nachrichten ins neue Jahr mitzunehmen. Er hat dafür die Zeitungen nach Datum sortiert. Der Mäuserich ist gerade in einem Flutbericht vertieft und hört das leise Kichern nicht: "So ein Glück, so ein Riesenschweineglück!"

So zuckt Albert richtig zusammen, als ihn die Mäusemädchen plötzlich ansprechen: "Hast du schon mal so viel Glück in jeder Pfote gesehen?"

Die Mausemädchen sind ganz aufgeregt. Jede von ihnen hat mindestens zwei vierblättrige Kleeblätter gefunden und "auf jedem Blatt sitzt sogar ein Glückskäfer!" "Wo gefunden?" Victoria ist misstrauisch … "In einem unscheinbaren, braunen Papierumschlag lag das Glück ganz unbeobachtet im Flur. Vielleicht hat es ja jemand dort vergessen. "Das hat auf uns gewartet!" Oder derjenige brauchte es nicht mehr … "Quatsch, jeder kann doch Glück gebrauchen." Hier kann offensichtlich jeder so viel Glück haben, wie er will. "Ich hab' drei!" ruft Sunshine.

Was kann man mit so viel Glück alles machen. "Wir könnten den 'dicken Mann' gewinnen." Die Mädchen meinen die berühmte Lotterie in Spanien, bei der Kinder die Gewinnzahlen singen müssen. "Die ist doch gerade vorbei! Das dauert doch fast wieder ein Jahr bis zur nächsten Ziehung." Ob das Glück so lange hält? "Wieso, hat Glück eine Haltbarkeit?" Oder verbraucht es sich? Auch wenn es doppelt und dreifach vorhanden ist? "Ich dachte, ich habe jetzt einfach Glück für immer." Kann man Glück überhaupt verdoppeln? Sonst sollten sie lieber teilen.
 
Victoria kann es nicht glauben. Was soll das für ein Glück sein, wenn es immer gleich aussieht und aus Kunststoff ist. "Überhaupt, vierblätterigen Glücksklee muss maus suchen und finden…" "Haben wir doch!" maulen die kleinen Mauselinen. "In einem braunen Papierumschlag," schnaubt Victoria.

"Das ist doch nur ein Glück von der Stange in handelsüblichen Mengen." Victoria möchte nicht, dass die kleinen Mäusemädchen enttäuscht sind, wenn die Kleeblätter doch nur schnöde Deko sein sollten. "Das kommt sicher aus Asien und eure Glückskäfer sind diese bissigen asiatischen Marienkäfer."

Doch davon wollen die Mädchen nichts hören. Sie glauben an ihr Glück en Gros und nehmen es mit ins neue Jahr. "Lass uns nach draußen laufen und das Glück testen." Alle sind begeistert: "Vielleicht finden wir ja einen Glückscent." "Wir treffen nur nette Passanten und alle grüßen" "Wir bekommen noch die Eisenbahn." "Es fährt überhaupt eine!" "Und niemand tritt in Hundehaufen."

Victoria kann da nur noch den Kopf schütteln. Sie drückt den Mausemädchen beide Daumen, dass sie im Übermut keinen Unsinn machen. Wenn jetzt nichts Schlimmes passiert, ist kein Unglück ja auch schon ein Glück. Doch sie muss sich dringend um ihren Käse kümmern, bei der offenen Tür können ihr sonst einige Sorten davon laufen.


Idee: SchneiderHein

Das Glück der Mausemädchen ist eigentlich ein Versehen. Bestellt waren Holzsterne für die Winterdeko. Geliefert wurde dieser 24fache Glücksklee, der dann schnell doch noch eine Verwendung gefunden hat. Welch ein Glück!


Montag, 1. Januar 2024

Stößchen!

 

Albert fühlt sich wie ein matter, schwerer Plumpssack in seinem Sessel. Es sind nur noch wenige Minuten vor Mitternacht und eigentlich soll der Topf mit Linsen auf dem Tisch noch leer werden. Wenigstens hat er keine Linse auf dem Teller gelassen.
 
Victoria hätte gern schon einen Käseschnitz aus ihrem Kabinett genascht. Aber so lange noch Linsen da sind, ist das zu gefährlich. Denn Käse schließt schließlich den Magen.

Es ist fünf vor zwölf! Victoria seufzt. Das mit dem weiteren Wohlstand können sie vergessen. Auch wenn jede gegessene Linse an Silvester doch einen Taler oder eine Lire im neuen Jahr bringt. Weil die Tradition wohl aus Italien kommt. Aber diese Linsen im Topf schaffen die beiden Mäuse in dem alten Jahr nicht mehr. Und dann bleibt noch die Frage des Umrechnungskurses von Taler in Euro.
 
Albert ist erleichtert. Mehr Reichtum verkraftet sein Magen heute nicht mehr. Und muss doch nicht sein: War die große Standuhr doch Victorias letzte Anschaffung. Nur weil sie fand, ihr Wohnzimmer "sei ein bisschen aus der Zeit gefallen."

Jetzt hätten sie fast Neujahr verpasst. Albert wälzt sich hastig aus dem Sessel, um mit Victoria vor der neuen Uhr die Gläser für 2024 klingen zu lassen. "Stößchen!" Fast perfekt. Victoria lächelt. Im nächsten Jahr bekommt sie ihren Albert endlich dazu, dass aus dem ollen Rhabarberwein doch noch ein feinperliger Sektkelch wird.

Idee: SchneiderHein


Da das Thema Linseneintopf zu Silvester nicht überall gebräuchlich ist, hier also doch mal wieder die Erklärung: Wie und wann der Brauch jedoch von Italien nach Braunschweig kam, ist weder meiner Mutter aus der Kindheit bekannt, noch habe ich etwas über diese Tradition in Braunschweig herausgefunden. Allerdings scheint sie in Süddeutschland auch häufiger vertreten zu sein.

Den Ursprung scheint diese Tradition jedoch in Italien zu haben. Dort sollen die kleinen Linsen kurz vor Mitternacht als Eintopf gegessen kleine Münzen symbolisieren. Sie stehen also für Geld, und bringen hoffentlich Reichtum für das nächste Jahr. Und je mehr man von den Hülsenfrüchten ist, umso besser ...

Nachdem ich heute mit meiner Mutter mal wieder vesucht hatte herauszufinden, seit wann sie den Brauch kennt, war sie der Meinung, dass sie die Linsen zu Silvester mindestens seit Anfang der 40er kennt. Allerdings kennen wir die Version sogar noch mit 1 Linse = 1 Taler = 3 DM. Der Ursprung muss also noch viel weiter in der Vergangenheit liegen. Vielleicht kommt dieses 'Muss' auch von der Familie meiner Großmutter - aus dem kleinen Dorf Geitelde in der Nähe von Braunschweig. Oder von meinem Großvater, der in Braunschweig aufgewachsen ist. Doch eventuell liegt der Ursprung ganz woanders - als meine Mutter und Großmutter im Krieg in einem kleinen Ort am Rande vom Elm bei dem Pastor evakuiert waren. Denn da brachte die Pastorenfrau zum Silvester-Mittagessen jedes Jahr den Linseneintopf auf den Tisch.

Aber in unserer Familie wurde dieser Brauch wohl sogar noch etwas verschärft: Es durfte keine Linse übrig bleiben, denn dann wäre man im nächsten Jahr verschwenderisch. Also mußten Serviergeschirr, Bestecke, Teller und Topf genau kontrolliert werden. Es durfte keine Linse daran kleben bleiben und so plötzlich im Abwasch landen.

Wolfgang hat diese Tradition gleich im ersten Jahr, als wir uns 1986 kennengelernt hatten, gerne übernommen. Und wir konnten uns bisher nicht beklagen. Auch wenn es seitdem das ein oder andere Jahr mit unerfreulichen oder unnötigen Ausgaben gab. Aber wir konnten sie zumindest bezahlen.

Unsere Studienfreunde in den Folgejahren zum langweiligen Silvester mit Linseneintopf einzuladen wurde nur mäßig angenommen. Und seit 2001 feiern wir wegen unserer grauen Katzenmädchen ohnehin nahezu alleine. Seitdem schlagen wir uns lieber den Bauch mit Linsen voll, damit unsere Katzenmädchen auch im nächsten Jahr noch genug Futterauswahl haben.

Was nun in diesem Jahr mit Albert und Victoria geschieht, ist spannend. Denn eigentlich haben sie ja große Sammlungen und brauchen auch den entsprechenden Platz dafür. Ob es wegen der restlichen Linsen im Topf und auf den Tellern jetzt Probleme gibt? Andererseits sind das ja gar keine richtigen Reste, denn die Linsen sind eingegossen und gehören zu unserer gesammelten Miniaturenwelt, in der es sogar Teller mit Essensresten gibt ...


Donnerstag, 7. Dezember 2023

Stiefel für den größeren Bedarf

 

Den kleinen Mäusen knurrt der Magen. Ausgerechnet heute hatten sie mit reicher Beute gerechnet, wenn sie die Stiefel rechtzeitig vor die Tür bekommen. Aber der Nikolaus hat sich im Wetterchaos verspätet. Pink sieht darin sofort eine Riesenchance: "Packt diese Mickey Maus Galoschen weg. Ich hab was Besseres!" 

Sie hat einen Riesensocken angeschleppt, da können Pearl und Genny nur staunen. Der ist so riesig, dass sie noch nicht einmal oben reinschauen können. Wird der unglaubliche Hulk nicht sauer, wenn er jetzt nur noch einen Socken hat? "Ist doch egal!" Pink will lieber das große Ganze sehen und nicht dieses tägliche Kleinklein. Sie meint damit besonders diese Micker-Nikolaus-Stiefel...  

Wenig später hat Pearl sogar einen zweiten Socken gefunden. Der gehört wohl Gulliver, Grendel oder Godzilla oder jemand anderen mit geräumigen Flunken. Den Mäusen wird ganz schwindelig beim Gedanken an den ganzen Süßstoff, die ein Nikolaus in dieses Strumpfwerk versenken könnte.

Aber vielleicht erkennt der Nikolaus ja gar nicht, dass er die großen Strümpfe füllen soll. Vielleicht hält er sie ja für zufällige Dekostücke, die jemand im Flur vergessen hat, weil sie sowieso nicht in die Sockenschublade passen. Schweren Herzens opfern sie einiges Naschwerk, damit auch dem letzen Nikolaus klar ist, dass es sich nun nur noch in den Mauken vermehren muss.

Alles ist bereit, jetzt nichts wie weg, bevor der Nikolaus nun doch noch endlich kommt, um die Stiefel zu füllen. "Schnell, schnell," drängelt Pearl. "Ich höre schwere Schritte!" Hoffentlich niedergedrückt von der schweren Last der Süßwaren im großen Sack auf dem Rücken.

Wenig später ist der Nikolaus tatsächlich angekommen, zusammen mit einer neuen Knecht*in, da es mit dem Gewaltmonopol eines Knecht Ruprecht oder der kulturellen Aneignung eines schwarzen Piets auch für Nikoläuse immer unübersichtlicher wird. Und tatsächlich stapft der Nikolaus mit schweren Schritten umher. Aber nicht wegen des Süßwarensacks … den hat er unten gelassen, um erst einmal die Lage zu sondieren. Er trampelt vor Wut über die unverschämten Mietstiefel auf der Auslegeware umher. "Hier wohnen doch nur Mäuse mit zarten Tripplefüßchen. Das weiß ich genau! Diese Monstersocken passen doch jetzt schon kaum durch deren Tür!

"Ich kann kaum über den Rand gucken," schimpft der Nikolaus. "Noch nicht einmal, wenn ich mich auf Zehenspitzen auf den Schlitten stelle!" Er rollt fast vom Kufenteil, als er versucht, in den Wollschlund zu linsen. "Das ist doch die pure Gier! Die Sucht nach Zucker" Der süße Tod! Alle Diabetis, alle!" Die Knechteline hatte sich den Job nicht so melodramatisch vorgestellt. Das bisschen Süßkram in frei fliegendes Schuhwerk verteilen, kann doch nicht so schwer sein. Das kriegen zur Not sogar Eltern hin. Im nächsten Jahr wird wahrscheinlich sowieso nur noch Obst und Gemüse verteilt oder irgendwas "Gesundes" aus dem Genlabor.

In diesem Jahr wird es aber wohl noch einen Zuckerschock geben. Wobei sie noch nicht weiß, woher sie die ganzen Säcke mit Süßigkeiten nehmen soll. Den sie mitgebracht haben, können sie wahrscheinlich allein in diesen Socken schon zweimal kippen. "Ach was," schnappt da der Nikolaus. "Hier gibt es nur die Standardration und basta!" Ist ihm doch egal, wenn sich das in dem Riesengewölbe verliert und kaum wiederzufinden ist. "Hol den Sack und dann nichts wie weg!"


Idee: SchneiderHein       Text: Hein


Die Idee war einfach: Riesensocken aus München und ein paar Weihnachtsmäuse zum Nikolaus. Doch dann hatte nicht nur der Nikolaus Verspätung sondern hier der ganze Beitrag...

Mittwoch, 1. November 2023

Blaue Schreckerstunde

 

Die kleinen Schrecker sind da. Victoria hat zur Halloweenparty im Naturkunde-Museum geladen und reichlich Süßes und etwas Saures versprochen. Das Herzhafte hat sie nicht erwähnt und das stört auch keinen großen Geist. Da kann maus ja drum rum greifen.

Kurz vor Mitternacht hat die Halloweenparty endlich begonnen. Das ist für keine Schrecker schon ganz schön spät, Normalerwiese ziehen sie ja schon kurz nach dem Dunkelwerden los. Also haben sie am frühen Abend nur eine kleine Runde in der Nachbarschaft gedreht – es muss ja noch Platz im Magen bleiben. Und sie haben vorgeschlafen, damit sie nicht am Buffet einnicken. 

Die grüne Treat kann es nicht fassen. Ein ganzes Tablett mit Kürbistörtchen und sie hat die freie Auswahl! Wenig später ist sie verzweifelt. Sie hat die freie Auswahl und kann sich nicht entscheiden. Wenn sie von Tür zu Tür zieht, werden die Süßigkeiten zugeteilt. Das ist dann doch der einfachere Weg. Nimmt sie jetzt den vorne links … dann bleibt der hinten in der Mitte stehen. Oder doch umgekehrt … vielleicht sollte sie mit was anderem anfangen. Schokomürbegeister oder Fratzenmuffins. Aber wenn dort auch zu viel Auswahl ist …

Die kleine Gruselelfe staunt über die sanft blubbernde Fledermausbrühe. Sie sollte schnell die Konfekttütchen davor sichern, bevor die grüne Tunke über den Rand geht und alles einschwämmt. Aber viel lieber hätte sie ja gern auch so einen kleinen Saurier als Kuscheltier.

Tabita hat nicht lange gefackelt und gleich zwei tiefstehende Saurier eingesackt, als die Museumshelfer abgelenkt waren. Dazu noch ein Konfektbeutel und jetzt ist noch Platz für zwei Kürbisküchlein. Eines kommt in den Beutel und das zweite gleich in den Bauch.

Das Einsacken ist doch die zweite Natur der kleinen Schrecker. Sie haben extra Taschen und Beutel mitgebracht. Doch nun wissen die Mäuse nicht so recht, ob sie die Packhilfen an der Garderobe abgeben müssen. Beim Buffet gilt wohl nur 'All you can eat' und nicht A'll you can pack' ... 

Die beiden Grünlinge überlegen noch mit der Mitternachts-Kürbissuppe. Ist die nicht viel zu gesund? Vielleicht verträgt sie sich auch nicht mit den ganzem Zucker, Palmfett und Schokoglasur, von denen sie sich normalerweise an Halloween ernähren. Sie hätten wahrscheinlich lieber eine Fruchtkaltschale oder grünen und roten Wackelpeter.

Der Buffettisch mit dem Süßkram kann sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Er musste schon ein paar mal nachlegen und viele Gäste schielen auf die noch leere Vampirtüte. Da würde noch viel mehr reinpassen, wenn maus mit einer eleganten Armbewegung die Tischdeko abräumt, die dann zufällig in die Tasche rutscht.

Auch Jack und Alice haben sich unter die Gäste der Halloweenparty im Museum gemischt und sich ihren Anteil an Süßkram gesichert. Das war ganz einfach, da hat niemand nach einer falschen Warze gefragt oder warum sie nicht komplett in Klopapier eingewickelt sind. Für alle Fälle hatte sich Alice noch eine LED-Stabtaschenlampe gesichert, um sich schnell von unten das Gesicht anleuchten zu können. Jack wollte dagegen ein 'Klabautermann incognito' sein, also einer, dem man das Klabauter-sein nicht ansieht. Alice findet das aber nicht besonders geistreich.

Die Schreckerspinne langweilt sich fürchterlich und wird übergriffig. Wenn alles dicht gedrängt auf Tischen liegt, hat die Tragkraft nicht viel zu tun. Alice und Jack überlegen, wie sie die acht Beine wieder vom Dino runter bekommen, bevor Victoria es sieht. Jack kennt sich zwar mit eigenen Klettertouren aus, aber bei Fremdbesteigungen ist er auch überfragt.

Die kleine Treat kann sich immer noch nicht entscheiden, welches der sechs Törtchen die meiste Cremefüllung hat. Dabei ist die Lösung doch so einfach. Wenn sie einfach eines nehmen würde, könnte sie sich danach noch ein zweites schnappen. bevor jemand am anderen Ende der Halle den letzten Kokosschokoriegel mit Gruselglitter abgegriffen hat.

Victoria ist endlich entspannt – fast. Es läuft gut und die kleinen Schrecker scheinen begeistert zu sein. Kurze Wege – reiche Beute! Und selbst Maulfaule bekommen reichlich Futter bis zur Maulsperre. Das könnte maus im nächsten Jahr noch mal machen. Albert ist dagegen froh, dass kein Rhabarberwein verteilt wird. Das würde die kleinen Meistergeister doch nur schläfrig machen und sie wollen doch durchhalten, bis auf den letzten Krümel. Albert hat nichts dagegen: Mehr für ihn, Hicks!

Das kleine Monster macht Pause am großen Gerippe. So eine Halloweenparty zur Mitternacht schlaucht ganz schön.Es hätte jetzt gern einen Hallowach-Kaffee. Oder ein Kürbiskernkissen. Das wäre jetzt sicher weicher als der nackte Knochenfuß.

Die blaßgrünen Vampire schlendern noch mal um die Tische. Wo sind die Beutel mit Himbeerblut oder wenigstens kleine Weingummivampire? Zur Not würden sie ja auch Lutscher als Sargnägel oder entspiegelte Schaumeier nehmen. Es sollte ein Schwarzes Brett geben – oder ein Flippchart – wo sie ihre Wünsche für das nächste Halloween aufschreiben könnten.

So langsam haben die kleinen Schrecker ihre Bettschwere und schleichen nur noch von einer Schlickerstation zur nächsten. Es wurmt sie dann doch, dass es noch Vorräte auf den Tischen gibt, weil die Augen dann doch größer als der Magen sind und Victorias Helfer immer noch eifrig nachlegen. Die Schrecker holen jetzt doch noch ihre Beutel und sacken noch etwas Wegzehrung ein. Es ist ein langer, ein sehr langer Heimweg und sie wollen zuhause sein, bevor der Morgen dämmert.


Idee: SchneiderHein    Fotos: Hein