Montag, 27. November 2017

Eiskalte Endscheidung



Die Kapitisse setzt mit eiskalter Entschlossenheit durch: "Heute bleibt die Kombüse kalt!" Doch beim nächsten Foto muss sie aufpassen: Wieso landet eine Kapitisse überhaupt hinterm Herd? Sollte sie nicht auf der Brücke stehen – im Hintergrund eine großartige Aussicht auf Hafenanlagen mit geschäftig surrenden Kränen. Oder sich mutig ins Steuerrad krallen, wenn draußen ein wilder Sturm tobt? Da ist sie doch wieder in so eine gedankliche Falle getappt, was denn die weibliche Seite der Schiffsführung sei. Wenn das so weitergeht, kommandiert sie im nächsten Bild Wäscheleinen und Feudel! "CONROY, wir müssen zur Maschsee und dort auf die Brücke vom größten Passagierdampfer!" "Das fährt inzwischen ohne Dampf mit Solarernergie. Und ist jetzt schon in der Winterpause." "Na gut, dann aber gleich im nächsten Jahr. So ein Kalender wird doch immer wieder neu gebraucht!"


Idee: SchneiderHein    Foto: Conroy 


Antonetta, das Kowagörl von Tonni Bears, macht viel, um schneller zu Aufmerksamkeit und Kalender zu kommen. Da kommen schon jetzt ein paar Jugendsünden zusammen: "Ich war jung und brauchte den Ruhm."


Sonntag, 26. November 2017

Meuterei in der Kombüse



Die Kapitisse wollte für das Novembermotiv ihres Kalenders einen maritimen Hintergrund. Und damit ist nicht Fiete als Ultraleichtmatrose gemeint.

Aber muss es ausgerechnet die Kombüse sein? Eine Kapitisse hat an Bord doch Besseres zu tun, als den Kochtopf zu schwingen. Sie trifft zum Beispiel ganz kühle Entscheidungen: "Heute bleibt die Küche kalt!"

Doch sie hat die Rechnung ohne den leichteren Schiffsjungen gemacht: Fiete besteht darauf, dass erst der Ofen und dann sein Magen ordentlich befüllt wird. Die Heuer ist noch nicht so wichtig, wenn er rechtzeitig satt wird.
 
Da ist es praktisch, dass der Seebär zufälligerweise ein Megafon dabei hat: "HUNGER! HUNGER! HUNGER" dröhnt es dumpf aus dem Trichter. Die Kapitisse kann sich bei dem Lärm gar nicht auf das Fotoshooting konzentrieren. Zumal Conroy als Fotograf noch nicht an Bord ist.

"Ist ja gut, ist ja gut!" Die Rättin beeilt sich, schnell etwas in die Futterluke des Ofens zu werfen. So ein Schaumzuckerbollen geht doch immer bei kleinen Seebären.

Fiete brummelt, dass man den Schaumzucker nicht backen kann. Er will etwas Handfestes, das richtige Seebeine macht. Also Backfisch in Stabform oder ein Pfanne Krabbenrührei oder Matjestopf mit fettigen Bratkartoffeln. Und sie soll sich bloß nicht einfallen lassen, so eine labbrigen Labskaus-Plörre aus der Dose aufzutischen. Kräftig kauen und verdauen kann er noch selber.

"MITTACH! MITTACH! MITTACH!" röhrt das Megafon. Fiete hört nicht eher auf, bis was Richtiges aufgetischt wird! Antonetta hält sich entsetzt die Ohren zu. "HAUPTGANG! HAUPTGANG! HAUPTGANG!" Hoffentlich kommt Conroy bald. Dann machen sie schnell das Foto und suchen eine Imbissbude mit Fischbrötchen. "MENÜ! MENÜ. menü?" Ne, das klingt nicht. Also besser: "MENNO! MENNO …"


Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein

November im Kowa-Görl-Kalender-Projekt das ist ja fast schon die Zielgerade. Darüber ist die Rätin auch froh. Denn nochmal Kapitisse möchte sie nicht sein, wenn die Mannschaft schon meutert, nur weil sie Schiffsschofföse und keine Kombüsenfee ist.



Donnerstag, 23. November 2017

Mit fremden Federn


Victoria und Albert sind etwas sprachlos, als der Ehrengast für die Thanksgiving Feier etwas früher eintrifft.

Und das liegt nicht an dem üppigen Blumenstrauß, den er der Gastgeberin mitgebracht hat. Albert überlegt noch, ob er dem Gast aus irgendetwas heraushelfen kann oder warten sollte, bis der Bär ihm immerhin den Hut gibt. Da findet Victoria die ersten Worte: "Guten Abend! Wie schön dass Sie gekommen sind als … als …" Schon verebbt die Konversation.

"… als Vogel. Auch Ihnen einen wunderschönen Abend," ergänzt der Gast. "Sie sagten etwas von einer großen Vogelfeier. Und ist das nicht das Fest, an dem sich alle verkleiden?" Er stutzt: "Und was stellen sie dar?" "Nur die Herrin des Hauses," nuschelt Victoria. Das ist ihr ein wenig peinlich, dass bei der Einladung einiges durcheinander gekommen ist. Halloween mi den Verkleidungen war schon und dem Karneval bieten sie hier im Hause keine frühe Hochburg. Es gibt nur ein Essen mit Truthahn und das ist der einzige Vogel, mit dem sie heute gerechnet hat. Zum Glück für den Gast ist der schon seit Stunden in der Bratröhre.
 
Sie nimmt schnell die Blumen entgegen, deutet einen Knicks an und murmelt etwas von: "Die müssen schnell ins Wasser."

Albert kann den großen gelben Vogel an den Ehrenplatz an der Tafel führen. Victoria huscht schnell in die Küche. Sie ist froh, dass sie dort einen anderen Vogel festlich begießen kann. Hoffentlich mag der Vogel Geflügel zum Hauptgang und pickt nicht nur Körner. "Korn?" stutzt Albert. "Ich dachte eigentlich an Rhabarberwein."

So geht es weiter …




Fotos: W.Hein

Diese Bilder gibt es eigentlich nur, weil ich festgestellt habe, dass ich bisweilen etwas betriebsblind bin, was unsere Helden angeht. Mir ist natürlich klar, dass hier ein Bär als großen gelber Vogel in einem Federkostüm steckt. Auch wenn an der Tafel die großen orangenen Füße unterm Tisch verschwunden sind und er nun keinen Schnabel trägt. Das wäre beim Essen auch etwas unpraktisch. Deshalb gibt es jetzt die Ankunft, bei dem jeder seine Federarme, Vogelfüße und Sterz bewundern kann. Jetzt müssen nur noch die Mäuse beim Essen genau betrachtet werden, um zu sehen, dass die Jungen in den Tretautos vorher nicht am Tisch sitzen, sondern wohl von einem Katzentisch im Nebenraum kommen. Oder schon längst hätten im Bett liegen sollen: "Wir sind doch keine Schlafwandler – sondern Schlafrenner!"
 



Vogelseidank


  
Albert nippt am Rhabarberwein. Und nimmt dann einen kräftigen Schluck hinterher. Diese großen Familienfeiern kosten immer einige Nerven. Da kann er eine Stärkung vorab gut gebrauchen.

Als Vorspeise gibt es – passend zur Jahreszeit – Kürbiscremesppe. Victoria hat zur großen Tafel gebeten. Sie will unbedingt "Thanksgiving", diesen amerikanischen Erntedank mit einem großen Truthahn feiern.

Der Ehrengast hat sich dafür extra als großer Vogel kostümiert. Er hat das mit dem Truhthan am Tisch wohl falsch verstanden. "Beim Erntedank verkleidet man sich doch nicht," klären ihn gerade die Zwillinge an seinen Seiten auf. Das weiß der Gast inzwischen auch. Aber er hat leider keine Kleider zum Wechseln mitgebracht und Albert hat leider überhaupt nicht seine Konfektionsgröße.

Nicht vor jedem steht ein dampfendes Kürbissüppchen. Damit Jack überhaupt mit am Tisch sitzt, bekommt er wieder seine Pommesschranke. Vielleicht nimmt er später vom Bratvogel doch noch etwas weißes Fleisch dazu.

Suzie nimmt dafür gleich die Abkürzung zum Kompott. Vergnügt wackelt sie im Schaukelstuhl mit einer Riesenschüssel Erdbeerquark und muss nur aufpassen, dass sie bei der ganzen Wipperei nicht das Festtagskleid bekleckert.

Der Bär unter Federn hat sich über Victorias Einladung sehr gefreut. Auch wenn die Unterhaltung mit den beiden Zwillingen manchmal etwas anstrengend ist.

Denn beide plappern fast immer gleichzeitig: "Bist du der große dumme Aushilfsvogel für die Sesamstraße?" Und bombardieren ihn von beiden Seiten mit immer neuen Fragen: "Schwitzt du nicht unter den ganzen Flusen?" Er sucht noch der ersten Antwort: "Kennst du den nackten Vogel im Ofen?" Es giggelt gleich auf der anderen Seite: "Das waren sicher seine Federn!"

"Pst Albert, wir sind noch nicht einmal beim Hauptgang." Bevor Victoria noch einmal in die Küche schlüpft, um den Braten zu begießen, beugt sie sich rüber und inspiziert dabei im Augenwinkel den Pegel von Alberts roter Weinflasche. Die kleinen Mäuse bekommen natürlich nur roten Beerensaft.

Kaum ist Victoria in der Küche verschwunden und hat dabei die Tür einen Spalt offen gelassen, sausen zwei rasant rasende Rennfahrer in den Raum.

  In der Küche wollte Victoria die beiden nicht mehr weitere Runden um den Zubereitungstisch drehen lassen. Sie hat jetzt keine Zeit aufzuräumen und bei immer enger werden Kurven, war es nur eine Frage der Zeit, wann ein Hagel aus gekochten Kartoffeln, Kürbisresten, schweren Topfdeckeln, schmutzigen Tellern und spitzen Messern auf die wilde Hatz der beiden Renner herab regnen würde.

Jetzt pesen die beiden Tretboliden die große Runde um Festtagstafel. Die Gäste müssen dafür aber auf ihren Stühlen bleiben und könnten höchstens noch etwas enger an den Tisch rücken. Wenn's ihnen nichts ausmacht.


Durch die Engstellen arbeiten sie sich mit einem "Tschuldigung! Tschuldigung! Tschuldigung!" Der Stuhl von Alice kommt dabei gefährlich ins Schwanken, bevor die beiden Sausemeister in der breiteren Spur rasch wieder Fahrt aufnehmen.

Dann wird es Zeit für den ersten Tankstopp. Der kleine Mäuserich an der Säule ist eigentlich schon bettfein. Aber vorab gibt er noch gewissenhaft den Tankwart an der Musiktruhen-Ausfahrt. Schlafen kann er noch alle Tage… wenn hier im Haus keine Feiertagsrennen stattfinden.

Der blaue Renner braucht natürlich auch frischen Sprit. Diese Raserei um den Festtagsbraten verbrennt alles mögliche: Energie, Kalorien, Nerven und eben auch massenhaft Rennbenzin. Die Tischgäste genießen derweil die ungewohnte Ruhe. Wenn keine Motoren aufheulen und beim Schnippeln der Kurven nicht immer wieder die Stühle wackeln.

Der gelbe Renner macht sogar noch einen längeren Boxenstopp. Da hält es die Jungen am Tisch nicht länger auf den Stühlen. Ohne groß zu fragen sind sie aufgesprungen und bewundern jetzt ausgiebig das schnittige Tretauto, das sich für die höheren Geschwindigkeiten ganz flach auf den Boden drückt.
 
Der blaue Renner auf einer Extrarunner saust dafür in den Festtagsbraten auf dem Weg zum Hauptgang.

Victoria kann kaum den Vogel und das ganze Kullergemüse auf der heißen Platte halten, als sie versucht dem Zusammenstoß doch noch auszuweichen. Sie hatte nicht mit einem Raser gerechnet, als sie mit dem schweren Truthahn aus der Küche balancieren wollte.

Albert nimmt noch einen Schluck. Er fragt sich, warum auf jeder Familienfeier plötzlich immer eine stinkende Tanksäule mitten im Esszimmer steht.


Idee: SchneiderHein     Fotos: W.Hein


Die Mäuse feiern dieses Jahr 'Thanksgiving'. Das ist nach 'Halloween' schon das nächste amerikanische Ereignis im Mausefesttagskalender. Vielleicht auch nur, weil ich für eine Hafenspelunke acht Holzstühle besorgt habe, und Silke dabei sofort an eine Festtafel dachte. Sie bei 'Melliminis' dafür gleich Kürbissuppe für acht Mäuse bestellt und den großen Truthahn sogar dazubekommen. Dazu hat sie die Küchenzubereitung der Suppe sowie Kürbis-Cupcakes, die Etageren mit kleinen Sünden und noch ein paar Kleinigkeiten ergänzt. Da ist es schade, dass die ganze Szene bei drei wilden Jungkatzen, die inzwischen bei uns eingezogen sind, schon nach wenigen Stunden wieder in Kartons verschwinden muss.



Sonntag, 19. November 2017

Herrenlose Herrentorte



Manche würden es kitschig nennen – Rosie nennt es nur lecker. Da hat jemand eine herrenlose Herrentorte auf Fuß mitten in einem Traum aus pastösen Schaumzucker und Marzipanrosen stehen lassen.

Wer macht so etwas? Und vor allen Dingen, wer lässt die ganzen Köstlichkeiten unbeaufsichtigt? Es gibt da sicher unverantwortliche Naschkatzen und -mäuse. Anders als Rosie, die sich höchstens ein, zwei oder drei Stücke abschneiden würde.

Auch ein vorbeistreunender Herr Reinicke hat keine Ahnung, wer diesen Traum jeder Prinzessin im Tütü hier im Garten aufgebaut hat. Er ist sowieso mehr für herzhaft als süß. Mehr als etwas Preiselbeerkompott zum Gänsebraten braucht es für ihn nicht zu geben.

Die kleine Maus kann ihr Glück nicht fassen: Ein zuckersüßes Kuchenbuffet – nur für sie. Passend zu Haarschleifchen und Organza-Kleidchen. Wobei … sie würde es auch nehmen, wenn sich die Farben beißen würden. Wenn sie reingebissen hat, bleiben am Ende doch nur Krümel.

Auch der alte Dachs erhebt keine Ansprüche. Er ist da eher neugierig, woher der Fuchs die Eichel am Bande hat. So eine Hartschalentasche hätte er auch gern. Weil man ja nie wissen kann, was man im Wald am Wegesrand findet.

Das ist eine Öko-Frühstücksbox. Und ein Geschenk. So kann der Fuchs leider nicht sagen, woher sie kommt und mag die Eichel – weil sie ja ein Geschenk gewesen ist – auch nicht einfach weitergeben.

"Aber ich habe auf dem Weg hierher Kastanien gesehen, die fest und prall im Laub leuchteten. Wenn wir zurückgehen, kann man davon sicher ein ganzes Reisegepäck basteln." Herr Reinicke ist ein höflicher Fuchs und dem Dachs gern behilflich.

"Nein, nein," grantelt der Dachs. "So wichtig ist es nicht." Dabei ärgert es ihn schon, dass er nicht weiß, wo es solche Eichelboxen gibt. Leider sind Dachse Einzelgänger ohne große Sippschaft. Da gibt es keinen, von dem er sich die Hartschalen-Tasche zu Weihnachten wünschen könnte. Er verabschiedet sich hastig, denn er wird gleich weiter die Augen aufhalten müssen, wenn er die passenden Eicheln finden will. Oder jemanden treffen, der seine Naturdose leichteren Herzens weitergibt.

"Und Dir? Kann ich dir helfen?" fragt freundlich der Fuchs den aufgeregt umherwuselnden Nager. "Soll ich Dir beim Kuchen essen Gesellschaft leisten." Doch die Maus winkt ab. "Das ist nicht nötig, ich bin Einzelmaus und das Alleinessen gewohnt." Der Fuchs verabschiedet sich in aller Form und zieht beruhigt ab. Auch Rosie ist erleichtert. Wer weiß denn schon, wie viel Cremefüllung in so ein großes Tier passt?

Doch Rosie hat sich zu früh gefreut. Denn schneller als sie 'papp' oder gar 'satt' sagen kann, sind die Mitesser da.

Da kann die Maus noch so viel zetern, die Mädchen finden, dass ihre Kleidchen mindestens genauso gut zu den Küchlein und Torten unter den pastellfarbenen Marzipan-Überzug passen. "Man ist was man isst," verkündet der auf Krallenspitzen tänzelnde Balletdrache. Rosie hat zwar das Gefühl, dass damit eigentlich etwas anders gemeint sein müsse.Aber sie fühlt sich angesichts dieser hungrigen Übermacht etwas hilflos. Sie unternimmt noch einen letzten Versuch: "Es wäre doch schade, wenn wir uns die schönen Kleidchen bekleckern würden. Jemand müsste Teller und Kuchengabeln holen."


Ja, das sollt jemand tun. Wenn dieser jemand den anderen trauen könnte.


Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein


Rosie und die kleinen Mitesser kommen von Deb Canham, einer Britin in Florida. Fuchs und Dachs sind als gefilzte 'TenderMouse' von Sophia aus Luxenburg. Der weiße Pavillion sollte eigentlich irgendwelchen Hochzeitstafeln zu einem glanzvollen Höhepunkt verhelfen. Jetzt hat Johanna, eine liebe Blogfreundin, gedacht, dass er auch gut die Feste unserer Mäuse, Bären und Hasen schmücken könnte. Unter seinem Dach werden die schönsten Rosentorten und Cupcakes von Mellisminnis dargereicht. Die gibt jetzt nicht nur im 'Il Pinguino' Eiscafé, sonder auch bei jedem gehobenen Gartenfest der kleinen Sahneschnuten.

Samstag, 18. November 2017

Das böse Blech

Es bleibt unheimlich. Die Mäuse fühlen sich immer etwas unwohl, wenn kalte Maschinenaugen sie fixieren. Selbst wenn der Riesentrum sich nicht bewegt und ihnen nur die rot leuchtende Optik sirrend folgt. So ganz geheuer sind ihnen diese Roboter nicht, die plötzlich immer häufiger auftauchen.

 

  Die Mäuse haben ja nicht unrecht. Diese zweibeinigen Maschinen sind immer so missvergnügt. Das macht sie so unleidlich für ihre Umgebung. Warum sind die Roboter eigentlich solche dumpfen Spaßbremsen? Was macht sie eigentlich zu Bö-Botz? Gibt es überhaupt böse Elektroden? Da muss Wolfgang wohl noch etwas erklären. Und weil er die passenden Fotos nicht zur Pfote hat, hat er schnell ein paar Zeichnungen gemacht. Also die Roboter sind solche Muffköppe, weil sie wohl so etwas wie gefallene Helden sind, die ihren besseren Tagen nachtrauern. 

Bevor sie zu den Bö-Botz wurden, waren sie glänzende Ritter in strahlenden Rüstungen. Als militärische Geheimnisträger standen sie unangefochten an der Spitze des technologischen Fortschritts. Denn natürlich haben sind sie für das Militär entwickelt worden. Wer hat sonst Geld ohne Ende, alle Zeit der Welt und kann es sich leisten, unzählige Spezialisten und Militärs in geheimen Labors werkeln zu lassen? Die erste Aufgabe war der Schutz ihrer eigenen Geburtsorte, die ständige Bewachung dieser geheimen Einrichtungen. Denn die lagen schon immer an den unwirtlichsten Ecken der Welt. Mitten in der Wüste oder am Polarkreis. Hauptsache dort, wo niemand freiwillig hin will. Das galt natürlich auch für die menschlichen Soldaten. Und irgendwann mussten die ja wieder zurück zu ihren Familien und wurden gefragt, was sie die letzten Wochen und Monate so getrieben haben. So wurde es immer schwieriger, diese ganzen Geheimnisse auch wirklich geheim zu halten. 


Hier waren Roboter eine geniale Idee. Roboter haben keine Familie und müssen nicht nach einigen Wochen wieder abgelöst werden. Als Wache werden sie nie müde und passen rund um die Uhr auf. In der Nacht sehen ihre Sensoren mit Restlicht-Verstärkern immer noch jede Bewegung. Ihre Mikrofone schlafen nie ein, auch wenn der Dienst 24 Stunden dauert. Außerdem waren sie ja selbst ein so streng geheimes Projekt, das niemand kennen sollte. Wie diese anderen Geheimprojekte von Tarnkappenflugzeugen, schlimmeren Bomben und später die Satellitenabwehr im Weltraum. So schützten sie als Geheimwaffe die anderen Geheimnisse in den trockensten Wüstenhangars und den kältesten Eislabors. Als Geheimnisträger konnten sie ja nirgendwo anders hin. Alles was je jemand von ihnen gesehen hatte, passte in diese ganze Aufregung um UFOs und Außerirdische. Sie kamen von einem anderen Stern oder alle sollten es wenigstens glauben. Denn dann war jeder froh, wenn sie unsichtbar blieben.


Froh wären die beiden Mäuse heute auch, wenn dieser Roboter unsichtbar geblieben wäre. Plötzlich kommt Bewegung in die Arme aus Stahl. Kreischend und ächzend heben sich die Arme, klackend klicken die Metallglieder der Hände. Summend zoomt das Auge, wenn es die Nager fixiert und jede Bewegung der beiden nachführt.

Die Erfinder dieser Maschine haben sich viel Mühe mit dem selbstständigen Denken gegeben. Und offensichtlich kein besseres Vorbild gekannt als den eigenen Geist und die dabei in Kauf genommen, dass die Maschinen dabei auch eigene Gefühle mitbekommen. Denn warum sollte sich sonst ein Roboter am Kopf kratzen, wenn er für sich noch keine eindeutige Handlungsanweisung gefunden hat? So lange kratzen, bis der Flugrost von der angegriffenen Kopfschale rieselt.


Das selbstständige Denken war eines der größten Erfindungen für die Maschinen. Dabei waren am Anfang die Aufgaben auch noch viel übersichtlicher. Doch schon bald wurden ihre Herren immer maßloser in den Wünschen. Konnte man sie nicht in geheime Missionen einbinden? Sollten die Gegner sie nicht fürchten lernen, wenn sie mit kalter Maschinenpräzision und kühl kalkulierend auf die Schlachtfelder künftiger kalter Kriege ziehen würden? Deshalb wurden die Programme immer komplizierter. Die Programme für die Roboterköpfe und die Planungen für immer waghalsigere Aktionen. Dabei gab es schon in den 6oern die ersten Risse in der glänzend schimmernden Fassade des Botz-Programms:

Sie passten einfach nicht mehr zu den modernen schmutzigen Kriegen, die ein selbsternannter Weltpolizist führen wollte. Diese Maschinen waren viel zu groß und schwerfällig für die kleinen schmutzigen Dschungel- und Wüstenkonflikte, in denen scheinbar ungebildete Bauern und Hirten den hochgerüsteten industriellen Militärapparat an seine Grenzen brachte. Die schweren Maschinen tappten oberhalb des im Dschungel aufsteigenden schwülen Nebels über den Ho-Chi-Min-Pfad. Oder verirrten sich in den Sandstürmen der iranischen Wüste. Sie konnten immer noch massive Schäden anrichten und sinnlos wüten und zerstören. Aber wie jede große Maschine nur mit groben Rastern und oft bar jeder Vernunft. Für einen guten Frieden waren sie damit denkbar ungeeignet.

Die letzten großen Heldentaten der Roboter begannen, als die Amerikaner feststellten, dass die ganze Mondmission nicht funktionieren würde. Weil zwischen der Erde und dem Mond der für die damalige Technik unüberwindbare Van-Allen-Gürtel mit seiner für die Astronauten tödlichen Strahlung liegt. So wurde alles am Boden im Studio von einem bekannten Hollywoodregisseur inszeniert. Der große Schritt für die Menschheit hing die ganze Zeit an dünnen Drähten. Und die „Beweise“ für die amerikanischen Mondmissionen wurden später von diesen Robotern auf den Mond gebracht. Deshalb gibt es inzwischen auch die Fahnen und gestrandeten Mondmobile an den richtigen Stellen auf dem Erdtrabanten. Es wurde einfach notwendig, da die Erd-Teleskope immer besser wurden. Das erklärt auch, warum so viele Space-Shuttle-Missionen geheim waren und warum es einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Mondgestein auf der Erde gibt.

Die beiden Mäuse hätten jetzt auch gern so einen Mondstein oder besser ein ganzes Mondgebirge, das zwischen ihnen und diesem quietschenden Stahlmonstrum stände. Dann müssten sie es nicht sehen. Und noch besser diese fiese rotleuchtende Maschinenauge könnte sie nicht sehen.


Es ist wohl besser, sie verschwinden hier. Noch ist genug Platz, dass sie nicht immer auf diese Stahldinger treffen müssen. Sie können schnell einen anderen Weg wählen. Und wenn sie sich beeilen, sind sie weg, bevor dieses Monster eine Entscheidung gefällt hat. Und vielleicht doch noch gefährlich wird.

Mit dem Ende des kalten Krieges begann der Abstieg für die Roboter. Das Militär legte sie auf Eis und wer Glück hatte, wurde nur entlassen. Wer brauchte in diesen unübersichtlichen Zeiten noch diese teuren Roboterprogramme? Wie sollte man diese Riesen weiter geheim halten, wenn überall – auch aus den gar nicht so rückständigen Gebieten – Handyfilme blitzschnell ins Internet hochgeladen werden? So eine Drohne fliegt viel schneller und ohne großes Aufsehen zu ihrem niederen Zielen. Und inzwischen schickt man lieber nur einen Computervirus, um einen Gegner zu lähmen.

Überhaupt diese alten Elektrogehirne in ihren schwerfälligen Rüstungen. Die künstliche Intelligenz entwickeln sich immer schneller. Und das können diese alten Schaltungen nicht mehr aufholen. Früher hätte ihre Rechenleistung für eine ganze Apollo-Mission gereicht, heute ist jeder Heizungsthermostat klüger. Und dazu laufen die Botz noch mit einem Dieselmotor. Damals schien es der ideale Antrieb zu sein und welches Militär achtet schon auf den Umweltschutz? Aber heute – und nicht erst seit dem Dieselskandal der Autoindustrie – will niemand mehr riesige Dreckschleudern, deren Luftverschmutzung jede Tarnung überflüssig macht. So wurden die Botz längst ausgemustert. Eine Zeitlang hielten sie sich noch bei privaten Sicherheitsfirmen über Wasser. Einige sollen immer noch bei der russischen Mafia durchgreifen. Aber der Abstieg war unaufhaltsam. Viele wurden Reinigungskräfte, also schlechtere Putzroboter in dreckigen Industrieanlagen, dort wo niemand anders noch arbeiten wollte. Oder sie arbeiten in Mülldeponien und im staubigen Tagebau mit all den staubigen Schadstoffen und der Gefahr von der nächsten Sprengung begraben zu werden.


Einige Botz wurden sogar an den Küsten im indischen Ozean gesichtet, wo sie den Ärmsten der Armen dabei helfen, die riesigen Seeschiffe mit bloßen Händen abzuwracken. Sie werden mit den Altölresten aus den Schiffswracks „bezahlt“. Das ist für die Reeder eine billige Entsorgung, denn die Botz brauchen jeden Tropfen Energie, selbst wenn es nur die verseuchte Teerpampe ist, die sie aus den alten Tankresten kratzen. Wen kümmert es schon, wenn dort giftige Zusätze mit ihren immer noch ungefilterten Abgasen freigesetzt werden? So schrumpft die Zahl der überlebenden Botz ständig. Die Überlebenden sehen dabei auch immer abgerissener aus. Niemand nimmt sich die Zeit für einen schönen Anstrich. Dazu werden die Gelenke immer träger. Sie verharzen, rosten fest und andere werden dafür immer lockerer mit ausgeschlagenen Lagern. Dabei gibt es für alte Militärtechnik kaum noch Ersatzteile. Und woher sollen sie bei ständig steigenden Energiepreisen den benötigten Diesel bekommen? Ihre Jobs werden immer schlechter bezahlt. Und was wird, wenn der Diesel irgendwann vollkommen geächtet wird?


So ist verständlich, dass die Botz längst zu missmutigen 'Bö-Botz' geworden sind, die verbissen um Energie, Aufgaben und Bedeutung kämpfen. Die neidisch auf diejenigen blicken, die leicht durchs Leben kommen. Besonders auf so kleine Lebewesen, die wie diese Mäuse in so schönen Welten leben. Kleine Wohlstands-Gewinnler, die sich immer wieder anpassen und unbeschwert durch ein reichgedecktes Buffet der Möglichkeiten hüpfen. Ihre Vorfahren hausten noch in Löchern unter der Erde. Und unterhöhlten mit anderen Nagern den Boden, auf dem die Botz stehen. Wenn der jetzt immer mehr zu schwanken beginnt, ist sicher die Bautätigkeit dieser ganzen verdammten Nager schuld. Eben diese "Erdlinge", die schon immer die Quelle allen Übels für die Maschinen gewesen sind. Denn sie versteckten sich schon immer mit kleinen Trippelschritten in den größten Werkhallen, knabbern an Kabeln und dreckeln alles ein!

Das würde Pinkie nie so sagen. Nicht weil er es nicht denken würde, aber er würde es nicht sagen.

Schließlich gehört er zu den letzten Generationen der Roboterentwicklung. Er ist deshalb einfach viel zu intelligent, sich frühzeitig in die Karten gucken zu lassen.

Stattdessen beobachtet er diese wuselnden Nager. Hier sind schon wieder zwei unterwegs.


Bis auf einen kleinen Fingerzeig, verrät seine eiserne Miene nichts über seine Gedanken.


So ahnen die beiden nicht, warum überall diese abgerissenen Maschinenwesen herumstehen. Bis jetzt tun sie zum Glück nichts und die beiden Mäuse verdrängen immer mehr den Gedanken an die unheimliche Kälte, die diese eigentlich einschüchternden Stahlkolosse ausstrahlen.


Dann, wenn keiner mehr darauf achtet, beginnt Pinkie zu zählen.

Das wird ein Wolf wohl besser im Auge behalten …



Fotos: W.Hein    Zeichnungen: Wolfgang

Die Mäuse kommen von Deb Canham, der Wolf von Teddyana. Die beiden Roboter und die Vorlagen für die Zeichnungen hat Ashley Wood entworfen und ThreeA produziert. Eigentlich sind die Roboter in einer Art Dauer-Pupertät gefangen mit riesigen Wummen, umgeben von leichtgeschürzten Damen mit riesigen Samurai-Schwertern und zuhause in der indifferenten Militärromantik einer Welt aus den Schrecken der beiden Weltkriege. Das kann man eigentlich so nicht lassen. Da wird es spannend, wie sich die Bö-Botz in die heile Welt von Haus und Garten einfügen werden.