Montag, 31. Dezember 2018

Die Zukunft – keine Zeit



Sir Hopsalot drückt sich in den harten Plastiksessel. Das ist doch ein ganz billiger Budenzauber. Wahrsagen aus der Kristallkugel - wenn das mal nicht von A-Z erfunden ist.

Was soll dieser fusseliger Zipfelschrat schon von dem aufregenden Hasenlauf wissen, den Sir Hopsalot jeden Tag auf's Neue hinlegt.

Doch dann haut es den Hasen fast vom Sessel. "Ich sehe viel Bewegung in ihrem Leben. Und das mit hoher Geschwindigkeit." Das rote Männlein beugt sich nach vorn, um sich tief in die Reflexionen der Glaskugel zu versenken. "Das neue Jahr bringt große Veränderungen. Die meisten von A nach B … und dann sausen Sie mit fliegenden Ohren nach C und immer weiter im Alphabet …" Das ist doch ein Wunder. Woher weiß das Hutzelchen all diese tollen Dinge?

Der kleine grüne Drache zeigt aufgeregt auf sein Schmart-Foon in der Klaue. Das ist doch das wahre Wunderding, das alles kann. Alladin nuckelt für Wunder lieber an der Wasserpfeife oder reibt gleich die güldene Blechkanne.

Den nächsten Teil seiner Zukunft findet der Hase eher ermüdend. Was interessieren ihn Aszendenten, Häuser und Dekane oder Sonne, Mond und Sterne und dann noch unbekannte Widder, gegenläufige Krebse und anderes Viehzeug? Er will lieber wieder etwas über das Pesen, das Rasen und das Davoneilen hören.

"Ich nehme diese ganzen Sausedinge und zwar sofort." Der Hase will das Ganze abkürzen. "Ich habe ja nicht so viel Zeit, wenn ich gleich mit Riesenschritten ins neue Jahr stürmen muss."

 Doch dann haut es in wieder aus den Latschen. So funktioniert die Wahrsagerei nicht … "Das Leben nimmt seinen Lauf." Lauf ist ja schon gut, Rennen wäre noch besser.

Der weise Bär erklärt ihm, die Zukunft kommt im eigenem Tempo. Es wird künftig auch mal schnell und aufregend werden. Aber wann und wie entscheidet das Schicksal und kein hektischer Hase.

"Und das steht da drin." Sir Hopsalot würde die Kugel am liebsten schütteln. Vielleicht rieseln dann die tollen Abenteuer von 2019 nach unten. Wie bei einer Schneekugel. Und dann können die ja gleich ab dem neuen Jahr durchstarten. Er ist auf jeden Fall bereit.

Doch es hilft nichts. Keine wahnwitzige Geschwindigkeit überfällt den Hasen und es saust keine verirrte Feuerwerks-Rakete durch den Raum, die er sofort entern könnte. "Ich muss weg. Wenn die Zukunft so trödelt, kann ich nicht warten." Sir Hopsalot stürmt davon.

Der alte Wahrsager schüttelt den Kopf und pocht hart mit dem Stab auf den Boden. Das passiert ihm in letzter Zeit immer häufiger. In der heutigen Zeit der "Sofortness" müssen alle Erwartungen immer pronto befriedigt werden. Sonst stürmen die neuen Hektiker gleich zum nächsten Angebot. Vielleicht klappt es dort ja mit Instant-Glück und Gleich-Zufriedenheit.

Das war wohl der letzte Eil-Kunde in diesem Jahr. Der Sekt ist kalt gestellt und die Knallbonbons warten für schnelle Sofort-Freuden.


Fotos: W.Hein


Sonntag, 30. Dezember 2018

Feuerreiter


Zweimal Werbung – einmal unfreiwillig und die zweite mit voller Absicht:

Am Anfang waren die Höllenengel auf ihren Feuerstühlen doch etwas unheimlich. Mit lauten Böllern und aufheulenden Dröhnen waren sie plötzlich über die Betonpiste gedonnert.

Doch dann haben sie Alice und Jack nur einmal kurz umrundet und ihre wilden Maschinen langsam brubbelnd ausrollen lassen. Die beiden Mäuse werden sogar freundlich begrüßt: "Howdydowdy Folks!"

So von nahem sind es fast gewöhnliche Hasen, Bären und was auch immer. Und Jack könnte sich vorstellen, wenn er groß wird, auch so ein Monsterbeik zu fahren. Wobei eine Maus vielleicht nie groß wird, um vom Sitz aus den Lenker für diese meterweit vorauseilenden Vorderräder zu erreichen. Aber träumen kann maus doch immer.

So schnell wie er aufgetauchte, ist der Spuk auch wieder vorbei. Mit einem weiteren "Howdy" verabschieden sich die wilden Reiter. Sie sind nur vorbeigekommen weil der ungestüme Rotschopf seine Bassgitarre hier im Haus vergessen hatte, die sie nur noch schnell abholen wollen.

Schon donnern sie davon, es bleibt der Nachhall kreischend beschleunigter Motoren, wenn sich die drei nach vorn auf den Lenker pressen, damit die Vorderräder bei so viel ungezügelter Kraft nicht abheben.

"Ich dachte, es ist ein Tretauto," ächzt Alice, als sie Jack über die Fläche schiebt. Der Mausejunge genießt die Fahrt, wenn er nur lenken muss. "Ich möchte die Pedale noch nicht so schnell abnutzen." Außerdem fährt er viel besser, wenn er sich nur auf eine Sache konzentrieren kann. "Es ist ja nicht mehr weit. Wir sind ja gleich in der Garage."

"Irgendwie kommt mir dieser Feuerstühler bekannt vor," murmelt der Mausejunge, als sie das Auto gut abgestellt haben. Alice zuckt mit den Schultern. Sie kann Jack nicht helfen. Dabei ist er sich sicher: Er hat diesen roten Feuerkopf schon mal gesehen. Und vergisst dabei auf die Plakatwand der Garage zu schauen.


Fotos: W.Hein

Noch schnell vor dem offiziellen Beginn von 2019 kommt hier der traditionelle Hinweis auf den "Teddy & Co Kalender 2019" aus dem Kawohl-Verlag, den es wieder in den drei üblichen Größen Wandkalender, Postkartenkalender und Aufkleber-Kalender gibt. Wir haben unsere eigene Bestellung erst vor wenigen Tagen abgewickelt, sodass der Hinweis auf den neuen Jahresbegleiter auch spät erscheint. Noch ist er an den üblichen Verkaufsstellen verfügbar, während beim Verlag schon die Vorbereitungen für die Edition 2020 laufen. Ein Bild aus diesem Post (folge dem Link) wird das neue Titelbild. Und beim Kawohl-Verlag wird damit ausgelotet, ob, in welcher Auflage und in welchen Formaten der neue Kalender aufgelegt wird. So ist der Hinweis auf die aktuellen Kalender dann doch eine Werbung in eigener Sache. Denn vom Erfolg hängt auch ab, wie lange das Projekt noch weitergehen wird. Dabei gilt, dass wir vom Verkauf der Kalender keinen direkten Nutzen haben. Wir haben ein Honorar im Vorfeld bekommen, dass eigentlich gerade den Aufwand der Bereitstellung der Bilder abdeckt. Am Verkaufserlös sind wir nicht beteiligt und der Link zum Onlineshop des Kawohl-Verlages ist eine unentgeltliche Information und bringt uns keine Provision. Da der Straßenkreuzer von Jack eine Nachbildung einer Werbeaktion von "Coca Cola" ist, machen wir damit unfreiwillig auch fahrende Werbung für die braune Zuckerbrause. Wer sich davon jetzt verführt sieht, möge bedenken, dass ich seit meiner Diabetis-Diagnose einen weiten Bogen um diese Getränke mache.


Der zweite Fahrer im Bild, kann sich noch gut an die kleine graue Maus erinnern, die sie beide damals auf ihrer Fahrt der Sonne entgegen mitgenommen haben. Er hat sich aber lieber für die Ausgabe mit selbstklebenden Werkstattpostern für seine Motorradgarage entschieden. 


Donnerstag, 27. Dezember 2018

Aus alten Zeiten



Bei der Weihnachtslogistik haben wir bis jetzt nur erfahren, was sich ein kleiner Mausejunge kaum vorstellen kann…


Nun möchte Alice wissen, wie denkt sich Jack eigentlich diesen ganzen Geschenkewahn hinter den Kulissen:

Nun es gibt viele Weihnachtshelfer, Wichtel, Elfen, Schneemänner und was sonst noch alles beim Weihnachtsmann anpacken muss. Nur haben nicht alle Lust auf die ganze Arbeit und verstecken sich lieber auf dem Boden hinter den leeren Kisten vom Vorjahr, bis der Trubel endlich vorbei ist.

"Pssst! Es wird unten schon leiser. Wir haben's bald. Hat jemand noch eine Zuckerstange?"

Eine Etage tiefer stehen die Werkbänke. Die Gehilfen räumen inzwischen zusammen – für diese Saison werden hier keine Geschenke mehr gebaut. Der Lack wäre erst im neuen Jahr trocken. Und wer will schon verklebte Pfoten beim Auspacken?

Hier basteln sie alles – vom Schaukelpferd bis zum Fernlenkauto. Denn Jack wünscht sich in diesem Jahr so einen ferngesteuerten Flitzer und das klappt natürlich nicht, wenn hier immer noch Holzräder an Nachziehkäfer geschraubt würden.

Auf dem Balkon machen die Helfer eine Pause.

Früher wurde hier eifrig was weggequarzt und der große Aschenbecher rundherum genutzt. Aber das Rauchen ist auch am Pol längst verpöhnt. Es stehen hier alle nur noch aus guter Gewohnheit in der frischen Luft.

Unten wird der Nachwuchs an die richtige Baumauswahl herangeführt. Am kleinen Modell wird die beschneite Variante erklärt. Die darf natürlich nicht rieseln, so wie die meisten Baumnutzer auch kein Nadeln mögen. Am Sichersten sind hier die falschen Fichten aus Plastik. Die sehen im Wohnzimmer zusammen mit den elektrischen Flackerkerzen in deren schummrigen Dämmerlicht schon ziemlich echt aus.

Der Chef prüft noch mal die letzten Bestellungen und nimmt dazu einen Espresso. Zum Glück machen sie hier bald Werksferien – sonst bekommt er noch einen Herzkasper. Nein, nein, er hat dafür keinen Clown gefrühstückt.
  
Die Helfer kippen die Werkzeuge zusammen und fegen die Arbeitsplätze. Mit der Auslieferung haben sie nichts zu tun.

Der Fahrdienst kommt und prüft die Lieferscheine.

Vor der Tür wird schon gepackt. Auch die Spezialisten für Lebkuchen wuseln zwischen den Verladern. Sie passen auf, dass die Schokolade nicht schmilzt, keine Ecken wegbröseln oder die Verpackungen eingedrückt werden.

Den Weg bis zum Rentierflughafen nehmen sie den alten Laster. Auf der Ladefläche sortiert der Vorarbeiter die Geschenke, verstaut sie in den Ecken und treibt die Geschenketräger zur Eile. Sie liegen schon jetzt hinter der Zeit. Da werden die Rentierflieger wieder einiges aufholen müssen.

 Die Eile hat sich noch nicht bei allen Helfern rumgesprochen, es wird überall noch geklönt und lieber vorgeführt als getragen. "Es ist ja auch jedes Mal eine furchtbar umständliche Schlepperei." "Wann gibt es endlich ein Förderband?" "Wollte der Chef nicht längst einen neuen Transporter anschaffen?"

Die Geweihträger verhandeln noch über den richtigen Weg. Alle Wege führen vom Pol. Aber nicht jede rote Nase macht einen guten Kompass. Manche kommt auch vom Glühwein.

"He! pass auf! Wir werden doch nie fertig, wenn du die Hälfte fallen lässt."

Hoffentlich waren das jetzt nicht die Milchkännchen aus hauchfeinem Porzellan für die Schwiegermütter. Die Mause-Elfe hat selbst die Pfoten voll und kann nicht nachsehen, was da inzwischen klappert.

Dem Lademeister dauert das viel zu lange, wenn bei jedem Träger immer nur so ein paar Mickerpakete auf der Ladefläche ankommen.

Wenn sie jetzt noch Pakete im Müll entsorgen, wird es unterm Baum eng. Hoffentlich gibt es genug Jokerpakete mit Socken, Schlipsen, Tosca-Parfüm und Kantenhockern. Alles Dinge, die sich niemand wünscht, aber sich auch nicht wundert, wenn sie plötzlich auftauchen.

Der Weg ist endlich geklärt, aber starten können sie noch lange nicht. Die Ladefläche ist noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt.

Es ist das Wunder der Weihnacht, dass es jedes Jahr eine schöne Bescherung gibt. Und mehr als ein Fest im Jahr würde das Team auch nicht schaffen. Nach dem ganzen Stress brauchen alle erst einmal Urlaub. Und jedes Jahr schwören sich alle, dass sie mit Weihnachten schon im Sommer anfangen. Das tun die ganzen Zuckerbäcker und Plätzchenfabrikanten schließlich schon seit Jahren.


Jack könnte sich noch Stunden lang die Plackerei ausmalen, bis alles unterm Baum landet. Doch Alice hat genug gehört. Sie braucht dringend einen neuen Kakao.

"Pssssst! Sind sie endlich weg?"

Fotos: W.Hein

Bis vor einem Jahr hätte Jack recht gehabt. Nun haben die Drachen Weihnachten übernommen. Und im nächsten Jahr wahrscheinlich die Drohnen… Diese Geschichte hat sich schnell reingedrängelt, damit nicht alle irritiert sind die schon den "Schleifen"-Post suchen. Aus Versehen früh veröffentlicht, bleibt der verschwunden, bis die letzten Bilder gemacht sind.


Montag, 24. Dezember 2018

Bei allen Polen



Es ist die Nacht vor Heiligabend. Jack kann noch nicht schlafen. Es ist alles viel zu aufregend für das kleine Mauseherz. Morgen ist Bescherung – die einzig gute Bescherung im Jahr. Und er fragt sich, ob das mit dem Wunschzettel pfunsioniert hat. Kommen alle Geschenke? Sind sie schon unterwegs? Wie bekommt der Weihnachtsmann auch die sperrigen Sachen durch den Kamin? Bestimmt ist an seiner Werkstatt am Nordpol noch Hochbetrieb. Gern wäre Jack da jetzt Mäuschen.
  
Wie es am Nordpol zugeht, kann sich ein kleiner Mausebengel wohl kaum vorstellen. Nun, der Roboter, der zum Schneeschippen angeschafft worden ist, würde Jack sicher nicht überraschen. Schließlich müssen die ganzen Verkehrswege eisfrei gehalten werden. Vielleicht hätte der Weihnachtsmann seine Werkstatt lieber in der Südsee oder wenigstens auf den Azoren eröffnen sollen, die etwas verkehrsgünsiger liegen.

Der Botz kann es nicht fassen. Diese Erdlinge haben doch keine Ahnung von ehrlicher Maschinenarbeit. Sie geben ihm eine Schneeschaufel in Mausegröße. Da kann er ja gleich einen Teelöffel nehmen. Er schnauft heftig und macht kleine Feinstaubwolken des Protests mit seinem Dieselmotor. So kann er doch nicht arbeiten!

Drinnen werden die Bestellungen im 'Fulfilment Center of Successful Sending' bearbeitet. Der 'Chief Inspector of Customer Happiness' beugt sich über den Ordner mit Reklamationen. Diese Hochglanzpapiere der diesjährigen 'High Attention'-Geschenke sind so flutschig, dass viele Geschenke entweder unsauber verpackt aus den Wickelautomaten kommen oder den Boten bei der Übergabe einfach aus der Hand rutschen.

Am nächsten Tisch werden legt der 'First Contact Officer for Grumpily Customer Calls' endlich den Hörer wieder auf die Gabel. Auch hier sind die Flutschpakete ein Thema. Dazu kommen noch die ganzen Anrufe wegen fehlender Sendungen so kurz vor der Familienübergabe. Wenn jetzt nicht bald was käme, sehe der Tannenbaumständer verdammt nackt aus. Da hilft es auch nicht, dass der freundliche Mitarbeiter immer wieder darauf hinweist, dass die 'Customer First Desk Hotline' leider ein kostenpflichtiges Ferngespräch zum Nordpol ist.

Der 'Department Head Operator of Better Customer Experience' ist zufrieden. Dieses Jahr läuft bis jetzt viel reibungsloser als die vorangegangenen. Das liegt sicher an dem neuen "Supervising Program for Increasing New Transparency', kurz SPRINT, das alle Abläufe beschleunigt hat, indem viele Zwischenfrager und Bedenkenträger einfach entschlackt worden sind. Und die Kundenrückfragen wurden in einer einzigen Warteschleife zentralisiert. Dafür kann man im Internet schon vorab die Antworten für die häufigsten Fragen bekommen, damit die Nummer der Hotline nicht mehr so oft eingeblendet werden muss. Eigentlich gar nicht, wenn es nach dem DHOoBCE geht.

Die Weihnachtslogistik von heute hat nichts mehr mit einer verschnarchten Wichtelwerkstatt zu tun. Heute ist man ohne Fachchinesisch vollkommen aufgeschmissen. Vielleicht ist das auch der Grund, dass hier nur noch Drachen arbeiten.

Der Chief Inspector verstaut seine letzten geschriebenen Reporte im Schreibtisch. Das hat bald ein Ende. Er freut sich schon auf die Einführung von SAP, dem 'Safe Arrival Program' für die Geschenke, das den Klimawandel berücksichtigen soll. Eine weiße Weihnacht steckt wohl noch in vielen Köpfen. Für seine Lieferungen sind eisfreie Straßen und trockene Wege dagegen eine Riesenerleichterung. Und mit SAP wird jetzt mit dem ganzen Unsinn von Schlechtwettergeld, Schneeketten und Winterzulage bei den Geschenkeboten aufgeräumt. Dafür gibt es vielleicht eine Sonnenbrille und ein neues Cap mit erhabenem X-MAS-Logo für den Außendienst.

Die Drachenbrut hat heute noch schneefrei. Sie steckt in riesigen Schneebällen und tobt über das Außengelände. Hier am Nordpol wundern sie sich immer, wozu überhaupt Hawaihemden und Surfbretter zu Weihnachten verschickt werden müssen. Da wären eine warme Mütze, ein Eiskratzer und ein Schlittenhund viel nützlicher.

Im Besprechungsraum erklärt der 'President of Strategic Excessive Growth' gerade die Zukunft von Weihnachten. Für ihn ist das laufende Fest längst Geschichte. Hier wird über den 'Big Gift Transfer Event 2019' verhandelt, wenn es nicht eigentlich schon längst zu spät ist.

Aus aller Welt nehmen die Weihnachtsmänner, Nikoläuse, Knecht Ruprechte und Gevatter Frost in seinem Sessel Platz, um zu erfahren, wie sie sich künftig neu ausrichten müssen. Als Gesicht der Weihnacht haben sie genug mit der Repräsentation zu tun. Da sollen sich Fachleute um die ganze Ausstattung und Präsentefragen kümmern. Das tun die Drachen gern, wenn man in ihrem 'X-mas Supervising Consulting Council' auf die Empfehlungen des Managements aufmerksam hört.

Im nächsten Jahr werden zum Beispiel die Geschenke wieder viel mehr 'trustable vintage'. Diese glitschigen Glanzpapiere sind so etwas von 2018. Die haben die Drachen gleich vom Tisch gefegt, bevor sie die neue Linie von individuellen Motiven aus dem Hochleistungsdrucker auf den Tisch gelegt haben. "Sie sind ein blauer Weihnachtsmann? Kein Problem, ein Knopfdruck und es ist ihr 'Personal-X-Mas-Style' in Blau!"

Noch beeindruckender ist der Glitzerstern, den jetzt der 'Head of Holy Shit Development' vorstellt. Seine Designer haben ultimative Größe mit einem günstigen Transportgewicht kombiniert. Und wo die Sperrgut-Tarife zu hoch werden, kann der Stern fast vor jeder Haustür aus jedem 3D-Drucker gezogen werden.

Wenn der blaue Santa noch etwas Zeit braucht, die Vorteile zu erkennen, ist Zeit für eine Runde Glühwein. Ganz traditionell aus dem Porzellantopf. Die Infrarotheizung ist unsichtbar verbaut, arbeitet demnächst mit einer Brennstoffzelle und gesteuert wird das Ganze über die Hohoho-App oder ganz kundenfreundlich zentral von hier am Nordpol. An der Gesichtserkennung mit der Minikamera im i-Punkt wird noch gearbeitet. Dann kann der Chef genau festlegen, wieviel Glühwein seine Mitarbeiter trinken sollten und jeder Gastgeber hat genaue Infos über die Vorlieben seiner Gäste. Da kann der Bedarf doch viel besser geplant werden.

 Der Mause-Elf hatte schon vorher geahnt, dass es eine anstrengende Sitzung werden würde. Hoffentlich lässt sich sein Chef nicht jede neumodische Idee der freundlichen Drachen aufschwatzen.

Denn bei allen vollmundigen Versprechungen – hier wird auch ganz traditionell bei hundertprozentiger Erfolgsgarantie mit hochprozentigen Argumenten gearbeitet.

Draußen machen sich die 'Facility Manager' des Schneeräum-Dienstes bereit. Mögen sie drinnen schon längst mit dem Klimawandel planen. Noch müssen die Wege ganz analog geräumt werden.

Doch dies alles kann sich sicher ein aufgeregter kleiner Mausejunge in seinem heimischen Sessel kaum vorstellen.


Fotos: W.Hein
X-Mas-Charts: Shutterstock

Es gab hier schon einige Theorien, wie die Weihnachtslogistik am Nordpol aussieht. Dieser Einzug der Moderne fing mit der Frage an: "Findest du nicht, dass wir inzwischen zu viele Drachen haben?"