Sonntag, 13. Mai 2018

Eine Handvoll Reispapier



Der Sensei wird schon wissen, was er tut. Der Kohai ist gewohnt, nicht allzu viele Antworten auf seine Fragen zu bekommen. So sammelt er inzwischen wortlos die ganzen Papiere ein, die sein Meister beim Studium im ganzen Raum verteilt hat.

Der Sensei nimmt einen Tee – auf die Schnelle ohne lange Zeremonie – bevor er das nächste Dokument greift. Eigentlich kennt er die Schriftzeichen längst auswendig, aber im Raum zwischen ihnen – dort wo sie nicht sind – liegt wahrscheinlich die wahre Bedeutung seiner ständigen Bemühungen.

Deswegen darf sein Schüler die Reispapiere auch nur ein wenig zur Seite schieben, um den Tisch mit einem leichten Mahl zu decken. Zwei dürre Sardinen, etwas Misosuppe und einen kleinen Sake zum Spülen der inneren Organe. Der sollte nur etwas mehr als Zimmertemperatur haben, doch der Kohai hat ihn fast aufkochen lassen.


Es wird Zeit, den Wandschirm vor dem Fenster wegzurücken. Der schützt den Schlafplatz vor zu viel Licht. Den Futon will der Schüler gerade einrollen, um etwas mehr Platz im vollgestopften Sechs-Matten-Raum zu bekommen. 

Doch schon hat der Meister auf dem Bodenbett Platz genommen, um eine neue Folge seine Lieblingsserie "Tokyo Police Squad" im Schwarzweißfernseher zu sehen. Das findet er deutlich spannender als diese sieben Samurai oder ein Schloss im Spinnwebwald. Nur, das ist der Nachteil eines Lebens ohne Stechuhr und Sekundentakt – die Serie läuft noch gar nicht. Stattdessen ruckelt es draußen an der Schiebetür … schnell schieben die beiden den Wandschirm wieder vor die Glotze.

Der alte Wolf greift zum Langschwert und stellt sich den Eindringlingen. Wer auch immer unangemeldet hier reinplatzen will: Er ist bereit.

Das Schwert ist eigentlich nur ein besserer Brieföffner. Aber das wissen die da draußen ja nicht. Der Schüler soll sich nur hinter seinem Rücken halten. "Kommt nur – es ist offen!"

Die Schiebetür öffnet sich einen Spalt und eine kleine weiße Maus schiebt sich mit Jack herein. "Äh hallo," ruft sie dem riesigen Wolf in seinem abgewetzten Kimono zu, der sie gleich in einer 'Äkschnpose' mit gezücktem Schwert begrüßt. "Da sind wir froh, dass wir Euch gleich gefunden haben. Das ist nämlich gar nicht so einfach bei diesen Zeitreisen."

In Japan sind sie auf Anhieb gelandet. Das mit der passenden Zeit müssen sie noch sehen. Es ist auf jeden Fall die Kirschblüte im Frühjahr.

Die Maus studiert die Karte. Japan ist viel größer als gedacht, wenn es überhaupt der richtige Plan ist. Raum-Zeitreisen sind vielleicht unheimlich praktisch, aber eben auch ziemlich unübersichtlich. Jack hat sich inzwischen längst daran gewöhnt, dass der Wagen immer vereist ist, wenn sie irgendwo ankommen. Er hat sich längst mit Mütze und Schal gewappnet und passt auf, dass er mit bloßen Pfoten nicht das eisekalte Blech berührt.

Die beiden Nager haben sich mit Händen und Pfoten zum Meister durchgefragt und sind überglücklich, dass sie ihn so schnell gefunden haben. Er muss ihnen unbedingt ganz eilig helfen.

Der Kohei packt rasch die verstreuten Papiere und Dokumente zusammen. Wenn der Sensei sicher den beiden helfen kann, braucht er doch Platz.

Der Schüler lässt die Dokumente hinter dem Wandschirm verschwinden, der immer sehr praktisch ist, wenn etwas aus dem Blick sein soll.

Ein Blatt Reisparpier hat der Kohai dabei übersehen. Jack hebt es auf und wundert sich, dass übergaupt jemand diese Krakel lesen kann. Er weiß ja noch nicht einmal, ob das Ganze von links nach rechts, oben nach unten oder wie auch immer gelesen wird. Das sei alles möglich, wird er belehrt, denn es ist ein japanischer Pass. Den hätte früher jeder Samurai gebraucht, der sich frei im Lande bewegen und nicht als Ronin geächtet werden wollte.

Die beiden Gäste staunen nicht schlecht, wovon so ein riesiger japanischer Wolf satt werden will. Hier sind ja nicht nur die Tische winzig, die Portionen sind es auch. Doch sie sind ja nicht gekomen, um fremde Tischgebräuche zu studieren.

Doch es wird Zeit für ihr Anliegen. Die Mäuse sind gekommen, um Juijitschubidu und Kara-Tee zu lernen. Am besten natürlich von einem echten Meister. Und wenn sie schon mal da sind, am Besten auch noch den Schwertkampf mit Samuraiklingen.

Die kleine weiße Maus führt gleich vor, was sie schon alles kann.

Und landet im Überschwang gleich auf den Matten, um wie ein Käfer auf dem Rücken zu strampeln.

Die Nager brauchen all diese Kampftechniken, weil in letzten Zeit sie immer wieder auf riesige Roboter gestoßen sind. Diese Stahlkolosse blicken mit ihren rot durchdringenden Leuchtaugen immer so unheimlich auf die Mäuse. Freunde der "Erdlinge" sind sie auf keinen Fall. Also müssen die Mäuse unbedingt die Selbstverteidigung beherrschen und die Meister dafür sitzen doch alle in Asien und besonders in Japan. Weil dort alle auch so klein sind. Und sitzen müssen die beide als Erstes üben. Sitzen … alles abstreifen … das Gefäß leeren … die eigene Mitte spüren.

"Können wir nicht erst …" die kleine weiße Maus hat eigentlich nicht so viel Zeit. Doch der Meister schüttelt den Kopf und bedeutet ihr mit einem Kopfnicken weiter zu schweigen. Die beiden brauchen wirklich Hilfe, da kann er ihnen den Unterricht nicht abschlagen. Das wird viel Zeit brauchen. Und so hektisch die beiden noch sind – sehr viel Zeit. Und das mit den Schwertern können sie auch vergessen. Sein Raum ist so klein, da würden die beiden Neulinge vorher alle Wände in feine Streifen schneiden, bevor sie auch nur einen richtigen Hieb beherrschen würden.

Die Mitte finden ist ganz schön öde. Hoffentlich bleibt dann noch Zeit, diese Juijitsufufukaratebudozeugs zu lernen. Rumsitzen konnten die beiden Mäuse doch schon vorher.

Auch der Sensei fragt, ob es nicht etwas voreilig war, die neuen Schüler so schnell anzunehmen. Die brauchen sicher Wochen, bis sie so weit sind, den ersten Handkantenschlag zu tun. Und in wenigen Menuten beginnt doch sicher seine Lieblingsserie im TV hinterm Schirm.

Wenig später muss die noch flüchtige Mitte mal Pause machen. Der Gehilfe hat ein großes Buffet aufgetischt. Wenn sie schon Gäste haben, können sie sich doch nicht lumpen lassen. Es reicht ja schon, dass der alte Meister nicht aus seinem abgewetzten Kimono schlüpfen mag.

"Pst! Hättest du nicht draußen auftischen können." Der Sensei nimmt seinen Kohei beiseite. Dann hätte er inzwischen die Polizei Squad bei ihren Verfolgungsjagden verfolgen können. Er hätte den Ton ganz leise gstellt, denn die hellhörigen Wände sind ja nur aus Papier. 'Draußen'? Der Schüler zuckt verständnislos mit den Schultern. Sie haben doch nur diesen einen Raum. Na dann wäre es eben ein Picknick geworden.

Die beiden Mäuse sind froh, dass endlich dieses Stillsitzen aufhört. Da hat der Gehilfe wirklich dick aufgetragen. Alles ist so bunt und … wirklich … also alles … ist fischig …

Und dazu gibt es nur diese dünne grüne Plörre. Jack hätte gern Pommes und eine Cola, wenn es gleich mit der Schwerstarbeit hoffentlich endlich losgeht. Sie sollten nur dorthin Zeitreisen unternehmen, wo die Versorgung mit seinen Lieblingsspeisen gesichert ist.

Jetzt müssen sie wohl höflich sein, um den Meister nicht zu verärgern. Wenn er sich dabei die Nase zuhält, bekommt Jack vielleicht so einen bunten Happen mit einem Happs hinunter.

Jack kann sich noch nicht entscheiden, mit welchem Sushi-Stück er beginnen soll. Nicht zu groß und etwas ohne Kanten und Fransen. Der Sensei wartet und wartet. Er schielt inzwischen zum Wandschirm. Dahinter verhört der Kommissar Ito-San sicher schon den ersten Verdächtigen.


Fotos: W.Hein

Honshu im Kimono kommt von Victoria Kukalo (Ukraine). Einem japanischen Wolf konnte ich nicht widerstehen, zumal er schon in der japanischen Mythologie ein Verteidiger der Hilflosen und Schwachen ist. Vielleicht ist sein Bild so positiv, weil er von allen Wölfen der Kleinste gewesen ist und deswegen viel weniger gefährlich als seine europäischen und amerikanischen Verwandten. Für seine Rolle musste er noch ein wenig warten, bis ein passendes Heim gefunden war. Und auch die beiden Mäuse von Deb Canham mussten ihre Zeitmaschine erst wieder starten. Der Kohei kommt ebenfalls aus Amerika ist über den Pazifik gehüpft um in Japan anzukommen. Die DeLorean-Zeitmaschine landet dort in Nara mit der Hilfe der Bilder von Shutterstock (ESB Professional, Sean Pavone, ElessarDesign).


 
Als sie endlich lang genug den Mattenboden gedrückt haben und der Meister genug Folgen der Tokyo Police Squad verpasst hat, kann er ihnen nichts mehr beibringen. Den Schwertkampf haben sie noch nicht geübt, aber das hindert eine kleine weiße Maus nicht daran, etliche Mitbringsel einzupacken. Wenn sie in der Zukunft eifrig mit den blitzenden Klingeln umherfuchtelt, kann ja keiner wissen, was sie alles gelernt hat. Als Roboter wäre sie auf jeden Fall vorsichtig.

Sie setzt schon die Sonnenbrille für den Start auf, damit sie die grellen Lichter nicht blenden. Endlich kommt Jack. Er hat sich verspätet, weil er schnell noch den japanischen Pass geholt hat.

Der Mäuserich weiß ja nie, wohin ihn die nächste Zeitreise verschlagen wird.


Sonntag, 6. Mai 2018

Besenrein



'Putzmunter' ist Hella den ganzen Tag. Sie steht jetzt tagsüber die ganze Zeit im eigenen gleichnamigen Laden für Putzmittel, Besen und Haushaltshilfen, um als Reinigungsfachkraft den hereinkommenden Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können.

'Im Laden stehen' ist eigentlich nicht die richtige Berufbezeichnung für Hella. Denn untätiges Herumstehen ist nicht die Natur einer Putzsau. So schwingt sie in der kundenfreien Zeit eifrig den Staubwedel, putzt die Auslagen und Regale. Wie soll eine Expertin der Reinlichkeit mit ihrem Sortiment glänzen können, wenn alles eine feine Staubschicht bedecken würde?

Und dieser Staub ist dazu noch ein eifriger Gesell'. Er nutzt jede Minute, um alles, was dort steht und liegt, einhüllen zu können. Da hilft es nur, noch eifriger und schneller zu sein.

So führt Hella auch gern ihre Staubsauger im laufenden Betrieb vor. Die sacken den Staub gleich ein. (Damit Platz für neuen Staub wird.) Die Putzsau hängt jeden Tag am Gerät – auch am Wochenende. Deshalb verkauft sie aus eigener Erfahrung die Geräte gern im Doppelpack. Damit der Sauger auch farblich zur Einrichtung passt und im Notfall sofort das Ersatzgerät weitersaugen kann. Schon ein Flüchtigkeitsfehler beim hastigen Beutelwechsel kann die Arbeit von Tagen mit einer einzigen Staubwolke wieder zunichte machen.

Die Glocke klingelt, die Ladentür schwingt auf. Endlich kommen die ersten Kunden des Tages. Und es sind wirklich Kunden und niemand, der beim schönen Wetter ihre pinke Welt mit dem "Il Pinguino", der Eisdiele nebenan, verwechselt hat.

Aber ein bisschen merkwürdig sind die Ladenbesucher schon. SIe sind so aufgeräuscht und tragen etwas unpraktische Gewänder für den Hausputz. Hella bedauert, dass sie noch keinen Kleiderständer mit bunten Kittelschürzen aufgestellt hat. Diese eng geblümten Plastikkleider, die so bunt gemustert sind, dass kein Fleck darauf auffällt. Noch nicht einmal die Schweißflecken beim Hochleistungsputzen im Hochsommer.

Die Dame in Rot ist begeistert. "Der liegt gut in der Pfote." Sie lässt den Reisigbesen locker auf und ab schwingen. Zielsicher hat sie das Vintage-Modell aus der Auslage gezogen. Die Versuche von Hella, auf die modernen Reiniger mit Kabel und Stecker zu verweisen, hat sie gleich abgewimmelt.

Sie braucht keinen elektrischen Schnickschnack. Den kann ihre Putzfrau nehmen. Sie braucht einen neuen Reitbesen. Den Vorgänger hat sie auf der letzten Walpurgisnacht vor ein paar Tagen durchgetanzt. Mit dem abgerockten Teil kann sie sich beim nächsten Hexensabbat auf keinen Fall sehen lassen. Also muss Ersatz her und hier haben sie ja eine wahre Goldgrube entdeckt. Der Besen ist spottbillig, weil er ja für niedere Arbeiten angeboten wird. Dabei ist jeder Besen zu Höherem berufen und wird als Flugbesen zu horrenden Preisen im Internet angeprisen. Am Schlimmsten treiben es die Händler, die überall ein "Harry Potter geprüft'-Schild dranhängen.

Auch die anderen Besucher sind froh, wenn die grüne Hexe schon gute Laune hat, seit sie den Fuß in den Laden gesetzt hat. Die Flugaffen, Drachen und Magier wissen nur zu gut, wie viel Unheil gestiftet werden muss, wenn dunkle Wolken das Hexengemüt umschwirren. Und eben nur die eifrige Verteilung von Pech und Unheil eine schwarzgrüne Seele aufheitern kann.

Die grüne Unholdin muss sofort einen Probeflug machen. Das kann sie als Kundin wohl verlangen. Nicht, dass die Borsten sofort bei der ersten ruppigen Landung abknicken. Oder der Stiel in der ersten scharfen Kehre birst. So ein Fluggerät muss viel mehr aushalten können, als nur ebenerdig ein paar Ecken zu kehren und danach gemütlich im Besenschrank zu landen. Davon kann sie auch ihre holde Begleiterin nicht abbringen, die längst bemerkt hat, wie sehr Hella schon lange leidet.

Die hilfsbereite Ladeninhaberin ist hin und her gerissen. So schön es ist, endlich Kunden zu haben – müssen es gerade solche sein? Die mitten im Laden stehen und mit den armen Putzmitteln Löcher in die Luft stechen. Weil sie ständig den offenen Reisigkopf nach vorn stoßen: "Um zu sehen, dass die Borsten halten und sich nur sanft im Gegenwind biegen."

Ein Besen für Fernreisen? Hella mag es gar nicht, wenn ihre Putzmittel so zweckentfremdet werden. Am Liebsten würde sie ihre kostbaren Waren nur an diejenigen verkaufen, die damit wirklich putzen wollen. Kann sich sau nicht die Kunden aussuchen? Sie handverlesen vorlassen, wenn sie einen Termin vorab gemacht haben? Und muss sie jedes Geschäft mitnehmen, weil sie Schotter, Kohle und Kies für die eigene Schweinevilla braucht? Vielleicht sprechen alle ja deswegen auch vom dreckigen Geld. Das sie nimmt, auch wenn ihr Herz für den armen Besen blutet.


Fotos: W.Hein

Hella, die schwäbische Buntsau von Hanne Mahnke, wird noch schwere Stunden im Putzladen haben. Wenn zufriedene Kundinnen, wie die Oz-Hexen von Deb Canham, ihren Laden weiterempfehlen als Toppadresse für Hexenbedarf: "So günstig, eine echter Geheimtipp. Die haben ja keine Ahnung, was für Schätze sie dort verkaufen." Das wird sich schneller verbreiten, als Hella lieb sein kann. Die fliegenden Helfer der grünen Hexe kommen weit herum, kommen sie doch wie alle Geschöpfe von Deb Canam ursprünglich aus Amerika.

Dienstag, 1. Mai 2018

Klappe!



Cheeky nimmt die Beine in die Hand.


Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sonst würde er ja keinen Schritt vorankommen. Dabei sind ihm zwei Wagen dicht auf den Fersen, in denen echte Polizisten und ein wütender Zylinderträger ihn unerbittlich verfolgen.
 

 Und kann Cheeky doch nichts dafür – aber im Moment ist er ein falscher Polizist.

 Er musste sich die Uniform "leihen", um das Mädchen zu sehen. Doch gleich darauf tauchte dieser zornige Bär mit dem Zylinder auf und versuchte ihn zu würgen, bis er ihm entkommen konnte. Der falsche Polizist rannte auf die Straße so schnell er konnte. Doch der Grobian ist in das nächste Auto gesprungen und hinterher gebraust. Nun hat er Cheeky fast eingeholt. Der sieht nur noch eine Möglichkeit. Er springt selber auf das Fahrzeug, das ihm so hartnäckig im Nacken sitzt.

 Das beruhigt den Zylinderträger nicht wirklich. Im Gegenteil, er beginnt noch lauter zu schreien und fuchtelt wütend mit den Fäusten: "Stoppt ihn! Jaa, stoppt den Kerl."

 Der so Gescholtene klettert geschwind über die Motorhaube auf das weiche Dach des Wagen. Er muss aufpassen, dass er nicht mit einem Fehltritt ein Loch in das dünne Verdeck reißt.

 Außerdem muss er dem wild um sich schlagenden korpulenten Bär mit dem Zylinder ausweichen, der selbst versucht, auf das Dach zu kommen.

 Cheeky konnte doch nicht wissen, dass die Kleine verheiratet ist. Und dann noch mit so einem groben Klotz. Und noch weniger konnte er ahnen, dass der tobende Ehemann gleich die echte Polizei mitbringt! Die folgt im zweiten Wagen, der immer dichter aufschließt.

Da hilft nur ein beherzter Sprung vom Auto des unleidlichen Hutträgers auf das nächste Autodach, als der Polizeiwagen gerade überholen will.

 Doch so viel besser wird damit die Situation des Autoakrobaten nicht. Denn die Polizisten fuchteln aufgeregt mit ihren Schlagstöcken, um ihren falschen Kollegen gleich wieder vom eigenen Dach zu pflücken.

Am Liebsten würden sie ihn direkt eine Etage tiefer hinter Gitter packen.


Da springt Cheeky bei der nächsten Gelegenheit weiter … auf die Ladefläche eines vorbeikommenden Lieferwagens.

Die Polizisten sind erst sprachlos und dann abgehängt. Der Polizeiwagen stoppt sofort und die drei Blauhelme sind auch sofort auf der Straße. Doch der falsche Kollege saust längst in der Gegenrichtung davon.

 Der zylinderte Ehemann kann es nicht fassen. Die behelmten Hüter des Gesetzes stehen nur untätig rum und zucken hilflos mit den Schultern.

Es ist doch nicht ihre Schuld, dass es einen Gegenverkehr gibt.

 "Dann macht kehrt und hinterher!" Das ist doch kein Rennwagen, womit dieser Teufel flieht. Die Polizei dein Freund und Schnarcher! "Vorsicht mein Herr." Der Polizist tippt mit seinem Schlagstock an die aufgebracht bebende Brust des Ehemanns. "Noch so eine Beleidigung und wir stecken SIE in unsern Käfig auf Rädern!"

 "Pah, dafür habe ich keine Zeit!" Der Ehemann springt wieder auf seinen Wagen und gibt dem Fahrer hektische Zeichen.

"Los hinterher! Den Schuft holen wir uns!"

Das werden noch wilde Tage für Cheeky.
"Und abblenden!"

"Das wird ein Knaller an der Kasse."


Der Regisseur ist ausnahmsweise zufrieden. Der Dreh ist bis jetzt perfekt gelaufen und der neue Teufel hat seine Sache ziemlich gut gemacht. Er hätte ja auch wie seine drei Vorgänger beim Springen zwischen die Autos und unter die Räder kommen können.

Jetzt können sie auch den Anfang machen. Also: "Die Turteltäubchen, eins, die erste. Klappe! und Äkschen."


Jetzt kommt der romantische Teil. Wenn der Teufel in der "geliehenen" Uniform das Mädchen anhimmelt. "Steh nicht da wie ein Holzklotz!" ruft der Regisseur. "Schäker mit ihr. Schmachte sie an." Er schüttelt das Haupt. "Muss man euch Kraftpaketen denn alles erklären?" Pause "Also gut, du fasst ihre Hand und blickst ihr tief in die Augen." Zum Glück gibt es keinen Ton. Er wird dem ungelenken Schlacks jeden Schritt vorbeten müssen.

"Ähem, ich bin gahanz hin und wech …" stammelt sich Cheeky durch die Szene. Zum Glück ist die Kleine ein Vollprofi, die sich gleich an seinen Hals werfen wird. Der Neue muss sich erst daran gewöhnen, dass im Film zuerst alles durcheinander erzählt wird.

Fotos: W.Hein