Samstag, 12. Januar 2019

Schleifen

 
was bisher geschah (die Zeitreisen)

Es kommt scheinbar aus dem Nichts geschossen. Das kennt der kleine Mäuserich schon. Auch die naseweise Fahrerin zieht routiniert die Zeitmaschine nach oben.

Jack hat sich rechtzeitig in Schal und Mütze geprummelt, weil die Zeitmaschine bei der Ankunft immer mit einer Eisschicht überzogen ist. Wenn er im anderen Fahrzeug jemanden erspähen könnten, würde er nur sich selber auf dem Beifahrersitz sehen.

Seit sie immer wieder an dieselbe Stelle und Zeit nach Japan hin und zurück reisen, um den Schwertkampf von einem alten Sensei in unzähligen Übungen zu erlernen, ist es unausweichlich, dass die Zeitschleifen sich kreuzen.

Weil Jack das alles schon kennt, kann er bis zur Landung noch etwas dösen.

Dösen … nicht schlafen … schlafen … vielleicht auch träumen …  

Es kommt Jack alles so erschreckend bekannt vor. Plötzlich ist er umringt von lauter missgelaunten Bö-Botzen.

Sie jagen ihn mit allerlei fiesen Gerätschaften. Der Unterschied zu seinem letzten Traum? Sie waren das letzte Mal noch sauberer … irgendwie geleckter …

Zum Glück ist Jack klein und flink. Wenn er jetzt untertaucht, laufen sie vielleicht vorbei und verlieren seine Spur.   

Mist! Das hat diesmal noch nicht pfunsioniert.

Wenig später ist der Mausejunge doch noch wie vom Erdboden verschluckt.

Die Bö-Botze halten inne und beginnen die Büsche zu durchkämmen.

Zweiauge mit dem Teppichklopfer ist ofensichtlich der stählerne Obermotz, der die anderen Blechbüchsen zur Suche einteilt.

Manchmal ist es von Vorteil, wenn Riesen die Verfolger sind. Jack bleibt flach geduckt, als er sich immer weiter davon stiehlt.

Geschafft! die Hotzen-Botze sind weg. Doch dann begegnet Jack einem weiteren alten Bekannten.
Bei diesem vergessenen Astronaut will der Kleine nicht bleiben.

Wach auf! Wach Auf! Wach auf!


Draußen ist alles noch normal. In einer weiteren Schleife begegnen sie sich wieder nur selbst.


Jedes Mal sieht Jack sein Spiegelbild auf der anderen Seite.


Und doch ist diesmal etwas anders. Er pellt sich unbehaglich aus den Wollsachen.


Die Zeitmaschine gegeüber ist über und über mit Staub bedeckt und hat so altmodisches Gerümpel auf die Fronthaube geschnallt. Da muss doch etwas passiert sein? Doch was? Wenn Jack es nicht kennt, liegt es wohl noch in der Zukunft.


Der Mäuserich rutscht unruhig auf dem Sitz umher. Warum müssen sie mit einem halben Wrack fliegen? Sind das ihre einzigen Schwierigkeiten? Geht es ihnen gut? Oder gibt es verschiedene Zukünfte? Und das alles passiert einem anderen Jack? Für seine Pilotin ist das alles kein Problem. Sie stellt die Zeitmaschine auf Autopilot.


Fotos: W.Hein

Ein Teil der Bilder zu "Schleifen" waren schon mal ganz kurz veröffentlicht. Um zu prüfen, dass beim Hochladen in Etappen jedes Bild auch richtig mitgekommen ist. Es fehlten aber auch hier noch die Abbildungen zu den Zeitreisen. Hier mussten erst noch Vorlagen geschossen werden, die dann mit Wolken, Blitzen, Lichteffekten dramatisch ins Licht gerückt werden sollten. Die Vorlagen dafür liefert mal wieder Shutterstock. Dabei ist das Ganze wieder eine kleine Episode, die in eine ganz große Erzählung passen könnte. Diese große Geschichte mit Zeitreisen bis in eine ferne Mausezukunft braucht auch zerstörerische Bö-Botze und Area 51b für die UFO-Angst im Diner der 50er oder die Fast-Headliner 'Painful Plaid' von Woodstock, die gefährlichsten Cola der Welt aus den Händen von Elvis und die selbsternannte Lieblings-Hafenspelunke der Beatles in Hamburg. Einige Szenen, wie die Jukebox-Halle oder der erste Test für Zeitreisen sind hier schon vorgestellt worden. Vieles schlummert noch in wilden Planungen und Vorratskisten. Aber im Moment müssen diese kleinen Schnipsel reichen, wenn hier zum Beispiel die fremde Landschaft der Mausezukunft in den Nebel gehüllt wird und wir alle auch mehr über die Natur der Zeitreisen erfahren.


 Jack ist jetzt hellwach. Das ist auch besser so, wenn diese Träume warten …

Hinter Fenstern aus Papier


was bisher geschah
(Der Link zu den Zeitreisen)

Die beiden Langnasen sind zurück. Fast. Es ist natürlich wieder Japan – aber bei dieser Papierstube waren sie noch nicht. Jack schiebt vorsichtig die Tür auf, um hinein linsen zu können. Die kleine weiße Maus wundert sich derweil, was eine ganze Kiste mit Äpfeln auf der Terrasse macht. Wenn sie jetzt davon einen nimmt, wird das wohl niemanden stören.

"Lass uns wieder gehen, hier ist niemand." Vielleicht genau dieser niemand, den es doch stören würde, wenn die beiden Apfel kauend hier herum laufen. Das diese Japanbutzen nicht abgeschlossen sind, heißt ja wohl nicht, dass jeder sofort willkommen ist.

"Schie habn jemand erwaaarded," mampft die weiße Maus mit vollem Mund. Der Tisch ist gedeckt und kalte Platten stehen bereit. "Aber sicher nicht uns," murmelt Jack. Sie wussten doch bis eben selber nicht, dass sie nun hier sein würden. Und wer den kleinen Mäuserich kennt, weiß auch, dass diese kalten Happen viel zu fischig sind.

"Vielleicht kennt dieser niemand aber unseren alten Schwertmeister. Wir könnten warten, um ihn zu fragen." Die weiße Maus nimmt auf dem Kissen Platz. Der Tisch ist wirklich nicht für sie gedeckt. Der ist zwar niedriger, aber doch immer noch etwas für große Tiere.

Jack ist schon wieder an der Tür. Er möchte hier auf keinen Fall erwischt werden. "Wir suchen den alten Wolf selber. Hier drin kann er uns beim Schwerterfuchteln auch nichts beibringen." Der kleine Matrose drängelt: "Bitte, wir gehen."

Honshu der alte Japanwolf, hat im Moment alle Pfoten voll zu tun. Er fuchtelt zwar nicht mit einem Schwert, aber auch die Bambusstöcker tun höllisch weh, wenn sie auf das Fell klatschen.

Mit einem mächtigen Sprung stürzt sich der Affe auf den schon etwas abgehangenen Sensei, der bis jetzt noch jeden Angriff parieren konnte. Die beiden Schüler drücken sich bei dem raumgreifenden Duell der beiden Schwertmeister lieber ganz dicht an die Papierwände.

Doch was ist das? Noch bevor der Schlag den alten Wolf erreicht, ist dieser verschwunden…

Er hatte es für einen Moment vergessen. Den alten Wolf hat der Affe nur in seiner Vorstellung auf die Matten bitten können. Seit der letzten Begegnung in seinem Haus hat er diesen merkwürdigen Meister nicht wieder gesehen. Aber in seinen Gedanken schon viele Male beim Kendo besiegt. Oder war dicht dran – wenn wie jetzt – der Gegner vor dem entscheidenden Hieb entschwindet.

Honshu ahnt nichts von der entgangenen Gefahr. Er liest noch ein gutes Buch – natürlich von hinten nach vorn. Das ist doch die natürliche Form, durch ein Buch zu blättern. Das machen sogar die Langnasen aus dem Westen so. Er hat die beiden Mäuse genau beobachtet, wenn ihn die Zeitreisenden mal wieder unangemeldet vor der Tür standen.

Dem Sensei fröstelt ein wenig. So hat der Kohei einen Heizstrahler aufgestellt.

Jetzt köchelt im Raum die Suppe mit Tofu. Der alte Japanwolf genießt die Ruhe. Wie schön, wenn das Leben mal ohne ihn lärmt, keine Touristen reinplatzen oder wilde Affen zu bändigen sind.

Er reibt sich an der elektrischen Hitze die Pfoten und auch der Schüler wartet bis die Tofustücke im Sud durchgezogen sind: "Das Essen ist gleich fertig."

Verdammt, verdammt, verdammt. Der Affe muss sich zwingen, nicht mit dem Bambusstock auf den Boden einzuhämmern. Er kann sich diesen alten Zausel nicht mehr als Gegner vorstellen. Allein kann er doch nicht siegen. Es muss ein Gegner her: "Kohei!" grollt es tief aus seiner Brust.

Der Schüler hat es schon befürchtet. Fast jede Übungsstunde endet so. "Nur einen Moment, mein Meister. Ich bin gleich bereit."

"Ich werde dich unterrichten." Der Affe stellt sich in Positur: "Du weißt, am Schnellsten lernt der Schüler in der Praxis." Der Kohei kann nur stumm nicken, als sein Lehrer fordert: "Nimm das Bambusschwert und stell dich dem Duell."

Etwas unsicher schwankt der Schüler mit dem Übungsschwert zur Mitte des Raumes. Er hat sich einen Helm gegriffen, der leider immer wieder über das gute Auge rutscht.

"Los, Kohei, das kannst du besser." Der Affe gleitet mit einer geschmeidigen, fließenden Bewegung in die Ausgangsposition. "Nimm Haltung an und wedel nicht so mit dem Bambus."

Der erste 'Hieb' ist nur ein sanftes Tätscheln, das leicht gegen das Bambusschwert des Schülers tickt. "Wehr dich und halte deine Waffe fest. So segelt sie dir gleich wieder davon, wenn ich mit deiner Ausbildung beginne."

Die beiden Kämpfer sind so in ihre Aufgabe vertieft, dass sie noch nicht einmal bemerken, wie hinter ihnen die Tür aufgeschoben wird. Die beiden Mäuse haben endlich den Übungsraum wiedergefunden. Aber vom Sensei keine Spur – nur diese unbändig grobe Affe brummelt und gurgelt auf einen kleinen roten Helmträger mit einem schwankenden Holzstecken ein.

"So wird das nichts." Die weiße Maus zuckt mit den Schultern. Der Übungsraum ist besetzt und den Sensei müssen sie auch noch finden. "Wir fliegen eine Zeitschleife und schauen, ob wir dann mehr Glück haben."

Im Übungsraum muss der Kohei sich endlich Mühe geben.

Dennoch saust der nächste Hieb wieder mit voller Wucht auf den Helm.

Einen Moment verliert der Schüler die Orientierung und dreht seinem Meister sogar den Rücken zu. "Ich bin hier," grummelt dieser höhnisch. Er wartet sogar einen Moment.

Dann setzt er den nächsten Hieb.

Das ist kein Gegner. Und wird es vielleicht nie werden. Ganz anders als dieser alte Wolf in seinem abgetragenen Kimono. Das ist sicher nur eine Täuschung, um zu verbergen, dass hier ein großes Kämpferherz ein Nickerchen hält.


Fotos: W.Hein

Das ist mal wieder eine wilde Bilderhatz und eigentlich keine Werbung. Denn diese Japanwelten lauern nicht an jeder Ecke des Internets. Dennoch war es Zeit, dass die Japanstuben eingelagert werden sollten. So sind diese Bilder schon im Spätherbst entstanden, aber die Idee, dass zur Zeitreise auch die richtigen Bilder gehören, hat doch zu einer Verspätung geführt. Hier sind sie:



Die beiden sausen durch die Zeit, als plötzlich etwas direkt vor ihnen auftaucht.


Woah! Die weiße Maus kann die Zeitmaschine gerade noch nach oben reißen. Bevor der entgegenkommende Wagen unter ihnen durchschießt.


Vorher kann Jack noch schnell einen Blick in das Cockpit des Geisterfahrers erhaschen. Darin sitzt ein kleiner Matrose und eine weiße Maus.


Der Mausejunge folgt der Erscheinung mit weit aufgerissenen Augen. "Was ist das?"


"Ach," die weiße Maus schwenkt wieder in die ursprüngliche Route ein. "Das sind doch nur wir." "Wir?" Jack schaudert's. "Wenn wir so oft nach Japan reisen, kreuzen sich die Zeitlinien und wir begegnen uns dabei immer wieder." Aber muss man sich dabei gleich über den Haufen fahren und gibt es denn keine Verkehrsregeln für Zeitreisen?

PS: Der Fuji in Japan und die wilden Wolken und Blitze einer Zeitreise wären ohne die bildgewaltige Unterstützung von Shutterstock nicht möglich gewesen.