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Donnerstag, 7. Dezember 2023

Stiefel für den größeren Bedarf

 

Den kleinen Mäusen knurrt der Magen. Ausgerechnet heute hatten sie mit reicher Beute gerechnet, wenn sie die Stiefel rechtzeitig vor die Tür bekommen. Aber der Nikolaus hat sich im Wetterchaos verspätet. Pink sieht darin sofort eine Riesenchance: "Packt diese Mickey Maus Galoschen weg. Ich hab was Besseres!" 

Sie hat einen Riesensocken angeschleppt, da können Pearl und Genny nur staunen. Der ist so riesig, dass sie noch nicht einmal oben reinschauen können. Wird der unglaubliche Hulk nicht sauer, wenn er jetzt nur noch einen Socken hat? "Ist doch egal!" Pink will lieber das große Ganze sehen und nicht dieses tägliche Kleinklein. Sie meint damit besonders diese Micker-Nikolaus-Stiefel...  

Wenig später hat Pearl sogar einen zweiten Socken gefunden. Der gehört wohl Gulliver, Grendel oder Godzilla oder jemand anderen mit geräumigen Flunken. Den Mäusen wird ganz schwindelig beim Gedanken an den ganzen Süßstoff, die ein Nikolaus in dieses Strumpfwerk versenken könnte.

Aber vielleicht erkennt der Nikolaus ja gar nicht, dass er die großen Strümpfe füllen soll. Vielleicht hält er sie ja für zufällige Dekostücke, die jemand im Flur vergessen hat, weil sie sowieso nicht in die Sockenschublade passen. Schweren Herzens opfern sie einiges Naschwerk, damit auch dem letzen Nikolaus klar ist, dass es sich nun nur noch in den Mauken vermehren muss.

Alles ist bereit, jetzt nichts wie weg, bevor der Nikolaus nun doch noch endlich kommt, um die Stiefel zu füllen. "Schnell, schnell," drängelt Pearl. "Ich höre schwere Schritte!" Hoffentlich niedergedrückt von der schweren Last der Süßwaren im großen Sack auf dem Rücken.

Wenig später ist der Nikolaus tatsächlich angekommen, zusammen mit einer neuen Knecht*in, da es mit dem Gewaltmonopol eines Knecht Ruprecht oder der kulturellen Aneignung eines schwarzen Piets auch für Nikoläuse immer unübersichtlicher wird. Und tatsächlich stapft der Nikolaus mit schweren Schritten umher. Aber nicht wegen des Süßwarensacks … den hat er unten gelassen, um erst einmal die Lage zu sondieren. Er trampelt vor Wut über die unverschämten Mietstiefel auf der Auslegeware umher. "Hier wohnen doch nur Mäuse mit zarten Tripplefüßchen. Das weiß ich genau! Diese Monstersocken passen doch jetzt schon kaum durch deren Tür!

"Ich kann kaum über den Rand gucken," schimpft der Nikolaus. "Noch nicht einmal, wenn ich mich auf Zehenspitzen auf den Schlitten stelle!" Er rollt fast vom Kufenteil, als er versucht, in den Wollschlund zu linsen. "Das ist doch die pure Gier! Die Sucht nach Zucker" Der süße Tod! Alle Diabetis, alle!" Die Knechteline hatte sich den Job nicht so melodramatisch vorgestellt. Das bisschen Süßkram in frei fliegendes Schuhwerk verteilen, kann doch nicht so schwer sein. Das kriegen zur Not sogar Eltern hin. Im nächsten Jahr wird wahrscheinlich sowieso nur noch Obst und Gemüse verteilt oder irgendwas "Gesundes" aus dem Genlabor.

In diesem Jahr wird es aber wohl noch einen Zuckerschock geben. Wobei sie noch nicht weiß, woher sie die ganzen Säcke mit Süßigkeiten nehmen soll. Den sie mitgebracht haben, können sie wahrscheinlich allein in diesen Socken schon zweimal kippen. "Ach was," schnappt da der Nikolaus. "Hier gibt es nur die Standardration und basta!" Ist ihm doch egal, wenn sich das in dem Riesengewölbe verliert und kaum wiederzufinden ist. "Hol den Sack und dann nichts wie weg!"


Idee: SchneiderHein       Text: Hein


Die Idee war einfach: Riesensocken aus München und ein paar Weihnachtsmäuse zum Nikolaus. Doch dann hatte nicht nur der Nikolaus Verspätung sondern hier der ganze Beitrag...

Sonntag, 8. Dezember 2019

Zuckerschwer


Der gedeckte Tisch bleibt heute leer. Der Kakao unter der Sahnehaube ist längst wieder abgekühlt. Heute stürmt kein Mausemädchen die Tafel, putzt den Teller leer und ruft lautstark nach mehr.

Buttercup liegt hilflos auf dem Rücken. Selbst die Schokolade ist ihr aus den Pfoten gerutscht, bevor sie ein Stück abbeißen konnte.

Auch Pink hängt träge über der Sofalehne. Ihr Bauch ist zum Platzen gefüllt, da passt kein Blatt mehr rein, geschweige denn ein Plätzchen. "Ich bin ja sooo satt," stöhnt die Maus auf dem Boden.

Der Nikolaus war da und hat kurz nach Mitternacht alle Stiefel und Schuhe gefüllt, die die Mausemädels vor die Tür gestellt hatten. Danach haben die Mädchen ihre Beute reingeholt und haben sich durchgefuttert. Auch die Zwillinge haben inzwischen einen schweren Zuckerschock.

Victoria muss grinsen. Da hat sie heute Morgen doch zwei verschiedene Schuhe erwischt und hat sich die ganze Zeit gewundert, warum sie die ganze Zeit leicht humpelt.

"Stimmt," murmelt Albert. Als er heute morgen in den Schuhschrank schaute, ist ihm aufgefallen, dass kein Paar zueinander passte. Dafür sahen sie alle ziemlich hastig reingestopft aus.

"Warum hast du nichts gesagt?" fragt Victoria und rafft noch mal den Rocksaum. "Warum lässt du mich einen ganzen Vormittag auf verschieden hohen Absätzen laufen?" Albert zuckt mit den Schultern: "Ich dachte, du machst das absichtlich." Absichtlich! Victoria schnaubt. Männer! Vielleicht sollte sie lieber über ein Vorhängeschloss am Schuhschrank nachdenken.

Den Mädels kann ganz es egal sein. Im Moment haben sie mehr als genug aus den Schuhen genascht. Und Nikolaus ist ja erst wieder in einem Jahr. Vielleicht waren es doch ein … zwei Schuhe zu viel. Es hätten ein paar weniger Behälter für Süßkram sein können. Also soll Victoria erstmal wieder ihren Schrank sortieren. Börps!


Idee: SchneiderHein    Foto: W.Hein

Das war mal wieder eine "Auftragsarbeit", die bei allem Zeitdruck viel Spaß gemacht hat. Es gibt offensichtlich viele Ecken in den Geschichten, die mit neuen Wendungen und Details ausgeschmückt werden können. Vieles passiert auch erst beim Einrichten und Fotografieren. Da kommt nicht immer das Erwartete heraus – aber die Gesamtrichtung stimmte diesmal und die SchneiderHeins sind zufrieden.


Damit es am Ende nicht noch ein paar lose Enden gibt: Der Nikolaus konnte zwar mit der Kreditkarte der Robbenbank zahlen. Sein Elend war deshalb aber noch lange nicht vorbei: Er konnte mit dem prallen Sack wieder zurück zu den Mäusemädels laufen. Denn sein Assi Piet Swart hatte für den Transport wieder so eine knallenge rote Knutschkugel besorgt. Da passten neben dem Fahrer nur noch die zusätzlichen Einkaufstaschen rein. Kein Nikolaus und kein Sack hatte Platz, um sich noch dazu quetschen zu können.

Hella hat morgens schnell die Vorräte aufgefüllt und steht auch am Nikolaustag pünktlich hinter dem Tresen von 'BlitzSAUber'. Es ist doch ein ganz normaler Arbeitstag. Vielleicht kommt ja noch so ein abgehetzter Stiefelfüller und sorgt wieder für ordentlich Umsatz. Aber eigentlich fragt sich die kleine Buntsau: Warum gibt es keinen "Sankt Putzteufel"? Wo jeder seinen Wischeimer rausstellt und ein guter Geist die leeren Gefäße mit Allesreiniger, Scheuermilch, Putztüchern und Teppichklopfern füllt. Das wäre doch ein gelungenes sauberes Fest für alle. Und es wäre sicher ein gutes Geschäft für ihren kleinen Laden.


Freitag, 6. Dezember 2019

Der Nikolaus hat Schwein


Hier ist er richtig. Der Nikolaus ist froh, dass er überhaupt noch einen Laden gefunden hat, der sich nicht an den Ladenschluss hält und noch nach Mitternacht offen bleibt. Wie soll er sonst Nachschub für diese Mädels mit Schuhschränken bekommen, die all ihre Schätze zum Befüllen vor die Tür gestellt haben. Obwohl … das scheint so ein richtiger Tante-Emma-Laden zu sein.

Wenn schon, dann ein Tante-Hella-Laden. Die Buntsau ist mit ihrem Einzelhandel "blitzSAUber" umgezogen und hat neben Putzmitteln und Reinigungstüchern das Sortiment erweitert. Nun hofft sie auch auf späte Kunden, die 'dies und das' oder 'alles mögliche' verzweifelt suchen, weil es nicht Zeit bis zum nächsten Morgen hat.

Hella kennt sich inzwischen auch aus mit modernen Verkaufsmethoden. Der abgekämpfte Bär soll doch erst einmal einen Glühwein nehmen. Das hebt die Stimmung und die Verkauflsaune für lockere Geschäfte. Doch der Nikolaus hat keine Zeit für Lockerungsübungen. Er braucht Naschwerk, Süßkram und bunte Zuckerbomben. Am Besten alle, die es hier im Laden gibt! Da muss die Putzsau erst einmal überlegen. Ihr altes Sortiment kennt sie natürlich aus dem Effeff. Kann es nicht auch ein Kehrblech, ein Putzlappen, eine Schlagbohrmaschine oder ein Fensterklar sein? Der Geschenkebringer überlegt einen kurzen Moment. Der Gedanke ist verführerisch, mit so einer Rolle Klopapier oder einem Verbandskasten ist ein Schuh schnell gefüllt. Doch es muss wohl der übliche Süßstoff als Zimtstern, Mandelsplitter, Lebkuchen oder Dominostein sein. Gibt's das denn nicht auch noch?

Da entdeckt er unten ein unbeleuchtes Fach mit Süßwaren, dass Hella schon vergessen hatte. Hoffentlich fragt der Bär nicht nach den Haltbarkeitsdaten. So lange die Schokolade nicht weiß ist und die bunten Kekse nicht an der Klarsichtverpackung kleben. Schnell gegessen stört das keinen großen Geist oder kleinen Mausemagen.

Eifrig räumt das geschäftige Schwein das Regal, das Lager, die toten Winkel und stapelt alles auf dem Tresen. Der Nikolaus nickt zufrieden. Damit kommt er wenigstens einen Wohnblock weiter. Wenn da nicht noch weitere Tausendfüßler wohnen.

Die Buntsau hilft gern auch beim Packen. Doch der Sack quillt schon über und auf dem Tresen stapeln sich immer noch die Kisten, Kartons und Kästen. Aber Hella weiß sich zu helfen. Sie verkauft gern noch einige Tragetaschen mit weihnachtlichen Motiven, damit der Nikolaus sich damit auch auf der Straße zeigen kann. Aber eigentlich will er ja lieber unerkannt bleiben und lieber heimlich arbeiten. Warum trägt er dann dieses Feuerrot statt einem schwarzen Fledermauskostüm wie Batman?

Weil der Nikolaus so ein guter Kunde ist, hat er beim Bezahlen die Wahl bei der kostenlosen Zugabe. Einen Eisbeutel, weil er dabei so ins Schwitzen gekommen ist, eine Wunderkerze auf den tollen Einkauf oder eine Taschentuchbox, weil ihm zum Heulen zu Mute ist, wenn er gleich die Rechnung sieht.

Rechnung? Ein Nikolaus zahlt doch eigentlich nie. Für Bargeld hat er noch nicht einmal eine große Tasche im Norweger. Da muss er erst einmal schauen, ob er überhaupt eine Kreditkarte von der Robbenbank am Nordpol hat. Und dann muss er noch überlegen, wie er den ganzen Haufen Süßkram zu den kleinen Naschmäusen bekommt. Er hat ja keinen 8RS-Schlitten wie der Weihnachtsmann. (RS = Rentierstärken ist ein veraltete Maßeinheit – heute wird in HW = Huftierwaden gemessen.) 


Idee: SchneiderHein     Fotos: W.Hein


Die allerletzte Meile


Da geht dem roten Mann die Mütze hoch. Das ist doch das Allerletzte. Wenn hier nicht gerade eine Großfamilien-Veranstaltung stattfindet und sich die Bewohner hinter der Tür bis unter die Decke stapeln … dann hat hier jemand den Nikolaus-Brauch missbraucht und will kräftig einsacken.

Dabei hat er doch nur einen Sack für alle. Eigentlich sollten doch ein paar gefüllte rote Stiefel reichen.

Er schüttelt noch mal den Sack, aber nicht die kleinste Schokolinse fällt noch heraus. Er hat alles aufgeteilt und dennoch sind viele Schuhe leer. Bei seiner Nikolaus-Ehre, das kann er so nicht stehen lassen.

Er muss nochmal los, Nachschub holen.


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein


Donnerstag, 5. Dezember 2019

Das Mädchending



"Nein, es ist noch nicht zu spät," Pink ist erleichtert, "Wir kommen rechtzeitig." Es ist die Nacht zum sechsten Dezember. Wenn der Nikolaus kommt und herrenloses Schuhwerk mit süßen Einlagen füllt. Hier hätte er bis jetzt unverrichteter Dinge abziehen müssen. Aber vor den anderen Türen der Nachbarn stapelt sich auch noch kein Naschwerk in den einsamen Tretern. Also hat der rote Mann seine Runde wohl noch nicht gemacht.

"Los schnell, wir holen unsere Schuhe." Buttercup ist ganz aufgeregt. "Leider haben wir so kleine Füße." Doch Pink hat eine Idee: "Wir stellen einfach Paare raus."

Sie haben schnell mit Sue zwei helfenden Pfoten gefunden, die ihre Schuhe mitbringen. "Ist das nicht ein bisschen eklig, die leckeren Naschereien dort einzufüllen, wo vorher meine Mauken drin steckten?" Sie schwenkt nochmal die Schuhe, um sie etwas auszulüften.

Das sieht alles noch sehr übersichtlich aus und wird sicher nicht für alle Hausbewohner reichen. "Wir sollten noch mal gucken, wer heute nacht seine Schuhe nicht braucht." Eigentlich sollten doch alle schon im Bett liegen.

Die Stiefel sind großartig. Nicht wegen der Fransen. Aber sie haben hohe Schäfte – da passen sicher doppelt so viele Kekse rein. Und die Schoko-Weihnachtsmänner haben einen besseren Stand.

Inzwischen helfen auch die Zwillinge mit. Sie haben unterwegs Victorias Schuhschrank entdeckt und geplündert. Leider sind die meisten Paare flache Pantoletten. Sicher werden sich die Lebkuchenherzen in den Schnallen verheddern. Und so ein Dominostein passt gar nicht bis in die vordere Spitze. Dafür hat Victoria aber mehr als ein Paar pro Wochentag.

"Zählen Rollschuhe auch?" Buttercup hat sie zur Sicherheit mitgebracht. "Die machen sicher schnelle Spekulatius'." Wenn die flachen Kekse unterwegs nicht runterfallen und dabei zerbrechen.

Endlich sind die Mädels fertig und schließen wieder die Tür. Pink zieht schnell die vorwitzige Nase aus dem Spalt. Der Nikolaus kann kommen! "Hoffentlich." flüstert Buttercup.


Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein