Dienstag, 2. April 2019

Ekspedididiom



Das mit dem Labor hat doch nicht so geklappt. Die blauen Roboter haben den Greifarm nicht überlistet, sondern stattdessen die beiden Mäuse festgesetzt, die offensichtlich wertvolle Ausrüstung entführen wollten. Stattdessen werden die weiße Maus und Jack mit einem hohen Räderding auf Ekspedididiom geschickt.

Sie sollen blaue Funkelsteine finden und die zurück zur Laborstation bringen. Dann dürfen sie wieder zur ihrer Zeitmaschine und bekommen vielleicht sogar noch eine Belohnung. "Ich nehme dann so einen Augenblitzeschießer am Stirnband," verkündet die naseweise Maus unter dem Helmglas. Jack schaut sich um. Das wäre auch kein Gelände für ihre Zeitmaschine – die ist ja eher so ein flach gelegter Sportwagen, der im Tiefflug mit Höchstgeschwindigkeit durch die Jahrzehnte saust.

Da ist ihr Ekspedididioms-Rower mit seinen hochbeinigen Rädern für die Suche viel praktischer. Noch viel praktischer sind die beiden Roboter mit Greifzangen, die sie mitbekommen haben und jetzt vor die Tür setzen.

Den ersten blauen Funkelstein hat der erste Blechmann gleich am Wickel – oder besser gesagt im Greifer. Das geht ja fix, da kann die weiße Maus ja schon mal den Elektromotor warm laufen lassen. Wenn das in dem Tempo weitergeht, sacken sie schnell die Steine ein und können sich auf der Heimfahrt überlegen, wie groß die Belohnung wird.

Ganz so einfach hat es Jack nicht, Sein Gehilfe stochert noch etwas ziellos im Boden herum. "Bzz … hieer izzt niechtzz … bzzz." Das sieht Jack auch: "Hast du denn keine Antennen für so etwas?" Der Roboter verdreht die Augenringe: "Die … bzz … siind fürrr diiie Kommuniiikatiion. Iiich habeee eiinen … bzzzz … Steindeeetektorrrr." Jack seufzt: "Dann nimm den!" und stapft zurück zum Räderwagen.

Die beiden Roboter suchen mit dem Steindetektor und spitzen Zangen nach den Steinen. Von Zeit zu Zeit werden sie auch fündig und bringen die blaue Beute zurück zum Fahrzeug. Hier werden die Steine zur Sicherheit in einem Außenfach verstaut. Bevor die blaue Funkelstrahlung irgendwelche Dinge verändert, die maus gar nicht verändert haben will.

Drinnen haben es sich die Mäuse im Rowermobil gemütlich gemacht, so weit das mit den unpraktischen Helmen geht. Sie zuckeln den beiden Blechmännern hinterher und warten, bis sie mit einem neuen Fund angewackelt kommen.

Vielleicht dauert die ganze Ekspidididiom doch viel länger, als die kleine weiße Maus gedacht hat. Sie haben vergessen zu fragen, wie viele Steine eigentlich gebraucht werden.

Draußen fragen sich die beiden Roboter, ob diese ganze "Industrie 4.0", bei der die Maschinen für sich allein arbeiten sollen, nicht nur ein fieser Trick ist. Die beiden Mäuse halten sich schön raus, sitzen kuschlig im Wagen und rollen entspannt des Weges und sie müssen hier schuften.


Fotos: W.Hein

Noch so ein Zukunftsding: Die Maschinenarbeit ohne uns. Zum Glück sind die Maschinen noch viel zu beschäftigt, um sich zu fragen, ob das gerecht ist. Zu unserem Unglück werden wir nicht gefragt. Das Expeditionsmobil kommt hier schon mal zum Einsatz, obwohl noch ein großes Tuning geplant ist. Mal sehen, wann endlich dafür Zeit ist. Wo das ja schon mit den zeitigen Postings so hakelig ist.


Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Ah, wie schön, endlich gibt es Neues von den Mäusen :O))) Eine tolle Ekkspedition :O)))
Herzlichen Dank Euch beiden!
Ich wünsche Euch einen freundlichen Wochenteiler!
♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

Calendula hat gesagt…

Solch eine Ekspedididiom lobe ich mir! :-)

Jaaa, sobald die Roboter anfangen sich zu fragen, ob das gerecht ist, dass sie die ganze Arbeit machen, während die Menschen/Mäuse ausruhen und abkassieren, dann kann es ungemütlich werden. Erinnert mich an Stanley Kubricks "HAL".

Liebe Grüße
Calendula

heinwerken hat gesagt…

@ Claudia
wie schön, das Du wieder vorbeigeschaut hast und lange Pausen daran nichts ändern. Herzlichen Dank für die Grüße und die guten Wünsche.

@ Calendula
Das wirklich Beunruhigende ist ja, dass HAL nicht fragen wird, ob die Arbeitsverteilung gerecht ist. Er wird seine Aufgabe unbeirrt erfüllen und sich höchstens fragen, ob Menschen/Mäuse dabei benötigt werden oder ob sie dabei nicht sogar stören. Und dafür wird er sich selbst optimieren - schon weit entfernt von den Vorstellungen seiner menschlichen Schöpfer, die längst nicht mehr verstehen, was im Inneren vor sich geht. Bei 2001 war HAL noch schön in einer Konservendose auf dem Weg zum Jupiter und weit von uns entfernt. Wir werden dieses Experiment unter uns auf der Erde starten. Dabei zeigt ja Facebook, wie gut unsere Kontrolle ist. Gestartet als Studentenulk, erkennt der Schöpfer, der die Idee gekapert hat, dass es doch ein prima Spielzeug für alle wird. Und um unseren Komfort, unsere Abhängigkeit und irgendwann das große Werbegeld zu optimieren bekommen wir Filter, die uns immer wieder unsere Vorlieben zeigen. Mit dem Ergebnis, dass nicht die Gemeinsamkeit und das Verständnis füreinander wachsen, wenn plötzlich scheinbar die ganze Welt miteinander verbunden ist. Es entstehen parallele Welten, alle leben nur in ihren eigenen Blasen und können gut nebeneinander sich isolieren. Und dann entdecken irgendwelche Menschen, dass dies der ideale Nährboden ist, um Angst, Einsamkeit und enges Denken auszubeuten, und wir haben danach eine Welt mit offenem Radikalismus, Trump und Brexit. Das hat keiner gewollt oder geahnt - hat aber wenig mit dem Versprechen von Freiheit und Teilhabe zu tun, mit der uns das Internet gelockt hat. Oder wer hat eine Idee, wie man diesen Geist wieder in die Flasche bekommt?

LG Wolfgang