Montag, 9. März 2020

Rosenmontag #6: Nachweispflicht zum wilden Treiben


Das passt doch gut zu Victorias Käse. Die Zwillinge schlecken nur schnell das Eis auf. Es gibt Brot und Brötchen kistenweise. Jetzt fehlen nur noch freigiebige Butterkühe (so als "die bunten Muhs") oder wenigstens ein Wagen der Raps-Ernter ("Schmierig in Gelb-Grün i.V.") mit Margarine.

Es sind erst einmal aber die "Bürokratie-Monster," die hier Backwaren verteilen. Ganz korrekt natürlich mit Bon. Und für alle die in den letzten Wochen ihren Bon an der Kasse vergessen haben, bringen sie körbeweise die so verwaisten Bons zu den Zuschauern. Jeder kann sich den passenden Beleg raussuchen.

Die Begeisterung der Narren am Straßenrand hält sich in Grenzen. Schon wieder herzhaft und dann mit Bonpflicht? Da hätten sich die Monster die aufwendige Wickelarbeit sparen können.

Das nächste Mal nehmen sie lieber Bürolocher und machen gleich Konfetti aus dem Thermopapier. Obwohl dann sicher das Gemaule losgeht: "Das ist ja alles nur weiß – wie öde!" Aber das ist vielleicht auch die Lösung für den Einzelhandel. Bons auf bunten Papier, die Rollen gleich vorgeschnitten und geritzt. Dann bekommt man mit jedem Brötchen gleich einen Satz Miniluftschlangen. Das müssen die "Bürokratiemonster" jetzt nur in eine Verordnung fassen und gleich an die Hersteller von elektronischen Kassensystemen weiterleiten.

Einige Besucher waren doch so vernünftig, an das Frühstück am nächsten Morgen zu denken. Sie entscheiden sich für ein Baguette und lassen das Schwarzbrot gern in der Auslage liegen.

Dann müssen sich die Monster ranhalten und die ganzen Körbe mit Brot wieder weitertragen. Wenn es hier noch keinen reißenden Absatz gab, der Zug durchläuft ja noch viele Straßen. Vielleicht sind die dortigen Narren einsichtiger, dass auch die freien Gaben am Rosenmontag der Nachweispflicht genügen sollten. Damit alles – auch die Freiheit der tollen Tage – doch noch seine Ordnung hat.

Zwischen Netzen und allerlei Meeresgetier rekelt sich eine Meerjungfrau mit ihrem Schuppenschwanz. Ihr Netz quillt aus einer ollen Blechdose für Ölsardinen, die wiederum von einem Gabelstapler durch die Menge gehoben wird.

Die Nixe sieht nicht glücklich aus, dabei hockt sie doch auf einen riesigem Haufen Plastik, das jedes Mal knistert und nachgibt, wenn sie sich rekelt und streckt. 

Vielleicht wäre dem Wasserwesen das korrekte Mikroplastik lieber gewesen, es wäre sicher weicher und bequemer. Aber die Wagenmacher haben gedacht, dass die Zuschauer das Mikroplastik vielleicht nicht erkannt hätten, weil es ja so winzig ist, dass es unsichtbar verschluckt wird und überall in den Körper gehen kann. Und außerdem gibt es inzwischen auch die riesigen Plastikstrudel mitten in den Ozeanen mit Makroplastik. Da kann man es zusammen mit dem Beifang auch mal abfeiern. 

Eigentlich wollte der Gabelstapler noch Finn, den weißen Hai ohne Flossen zeigen. Aber dann hat der Staplerfahrer lieber den Wagen der Raben angekoppelt. Den schwarzen Vögeln war zu Beginn des Zuges ihr Trecker verreckt. Ohne eigene Zugmaschine hätten sie nicht am Umzug teilnehmen können: Ihr Wagen ist so hoch beladen und die Raben sind so schwer geladen, dass sie ihr Motto nicht nur mit Rabenkraft hätten ziehen können.

Schwer geladen klingt für die hungrigen Mäuler am Wegesrand verheißungsvoll. Aber die Raben sind doch alte Landwirte. Da ist es wohl wieder Essig mit dem Süßkram.

So ist es – es gibt doch nur wieder Nachschub für Brot, Möhren und Käse. Die Elfe oben auf der Telefonzelle verkündet als erste die betrübliche Nachricht: "Ich sehe nur Gemüse. Das aber in rauen Mengen."

Die Raben haben den Schnabel voll. Wenn sie für ihr Gemüse von den Discountern noch nicht einmal das Geld bekommen, das sie selbst aufwenden müssen, um es anbauen, dann … ja dann können sie es auch verschleudern. Und das machen sie jetzt auch!

Nur die Maus mit Hasenohren ist begeistert von noch mehr Gemüse. Sie mag nicht nur Karotten und freut sich, wenn sie für das Gemüse nun noch nicht mal mehr Centpreise zahlen muss. "Ich achte immer auf die Sonderangebote. Das lohnt sich."

Kein Wunder, dass die Raben murren: "Geschenkt ist noch zu billig!" Vielleicht merken es jetzt alle mal, dass es so auf Dauer nicht funktionieren kann - wenn sie die ganzen Gerippe auf dem Wagen sehen ...

Die 'Abräumer' folgen den Raben auf dem Fuße. Doch sie haben nicht viel zu tun. Die Raben grummeln und die Zuschauer muffeln. Also bleibt das meiste Gemüse in dieser Kurve des Zuges auf dem Wagen. Die drei Handkarren müssen hier nichts aufsammeln, bevor es von den nachfolgenden Zugteilnehmer platt gemacht oder zermatscht würde.

Die kleinen Mäuse sind ganz aufgeregt. Endlich kommt ein richtig wichtiger Mottowagen. Sie stürmen auf die Straße und drängen sich dicht an den nächsten Lastwagen: "Bittebittebitte, Biiieette!" "Mir! Mir! Mir!" "Passt bloß auf!" "Ich auch! Ich auch!"

Das ist doch mal ein tolles Motto: "Bonbon ohne Bon" Endlich der reine Süßstoff ohne Komplikationen. So drängen immer mehr Leckermäuler zu dem blauen Schild.

Von oben werfen die Clowns die ganze Zeit Lollis in Plastik und Tüten mit Kamelle. Die Arme werden schon langsam lahm. Aber das Rufen und Betteln von unten hört nicht auf. Was haben denn die anderen Wagen verteilt? Rizinusöl?

Die eifrig bettelnden Narren, sind sich einig. Schon für diesen Wagen hat sich die ganze Warterei gelohnt. Sie überlegen nur, ob sie für das nächste Jahr nicht ein Bürgerkomitee einberufen sollen. Das könnte festlegen, dass der Zuckerpegel bei den ganzen Wurfwaren aller Wagen im Rosenmontagszug nicht zu tief fallen darf. Am besten schreiben sie gleich die Einkaufszettel.

Die Clowns verteilen die Kamelle beutelweise. Sie brauchen dabei nicht mal zielen. Egal wohin die Tüte mit den süßen Bonbons hinfällt, es finden sich sofort flinke Pfoten, die danach greifen.

Dem begehrten Laster folgt unauffällig ein grüner Kleinwagen, der in der Aufregung kaum Beachtung findet. Die Beutegreifer haben jetzt nur noch Augen für die Bonbons vom großen Wagen.

Die Sektflasche vor dem Kühler ist eigentlich nur eine karnevalistische Tarnung. Der kleine Anhänger ist die wahre Mission des grünen Flitzers. Darin befinden sich weitere Lollis und Kamelle. Wenn die Wurfvorräte bei den Clowns oben auf dem Wagen knapp werden, bekommen sie sofort Nachschub aus dem Anhänger.

Die ernsten schwarzen Männer fixieren scharf die Umgebung. Sie werden niemanden ohne Passierschein zum Marketender-Wagen durchlassen. Dies ist ein Hochsicherheitstransport von Süßwaren. Da wird nichts direkt verteilt. Das kommt erst auf den Wagen zu den Clowns, bevor es bei den kleinen Hungerleidern landet.

Jack folgt dem Bonbon-Wagen mit seinem Roboter. Große Aufgaben erfordern große Gesten. So winkt er heftig mit dem riesigen Robotarm, um die armen Süßkram-Opfer vor großen Gefahren zu schützen. Zucker ist doch so gefährlich – schaltet jede Lebensmittelampel auf tiefrot. Also hat Jack einen Riesensack mitgebracht, damit alle ihre gesammelten Zuckervorräte gleich wieder abliefern können.

Das ist gut für ihre Gesundheit. Sie werden danach sicher ewig leben. Und Jack kümmert sich inzwischen persönlich um die Vernichtung der Zuckergefahr.

Doch kleine Mäuse wollen gar nicht ewig leben, wenn sie dafür auf Zucker verzichten müssen. So hat Jack bis jetzt nur einen Trostlolli einsammeln können …


Idee. SchneiderHein      Fotos: W.Hein

Fast geschafft! Nur noch eine Etappe, dann ist der Rosenmontag endlich durch. Aber es sind ja auch über 145 Bilder und noch viel mehr Worte …

Freitag, 6. März 2020

Rosenmontag #5: Blubb, Blubb, Blububb



Eine riesige Biene schwebt über der Menge. Sie wackelt an einer dünnen Stange über dem nächsten Wagen des kleinsten Zuges. "Eine Biene macht noch keinen Frühsommer," ruft eine Maus am Wegesrand ihrer Nachbarin mit dem großen Hut zu. "Ich frage mich ja nur, wie groß dafür die Blume sein muss?" Die Hutträgerin schaut beeindruckt nach oben.

Ach, es geht ja gar nicht um Riesenblumen, es geht um das Bienensterben. Es ist eben nur noch eine einzige Biene, die gefährlich lebt: "Summ, Summ, Summ, Bienchen kommt herum". Der Vorteil des schwarzgelben Insekts ist ja, dass alle die Bienen mögen, die so puschelig und hübsch eingefärbt sind. Außerdem sorgen sie dafür, dass es Obst und Honig gibt. Dabei können sie auch nicht so stechfreudig wie z.B. Wespen sein. Aber kommen jetzt noch Wagen für Kellerasseln, Feuerwanzen, Mistkäfer, Eintagsfliegen oder Spinnen? Reicht es wirklich, dass nur die "netten" Insekten wie Bienen und Schmetterlinge besonders schmerzlich vermisst werden?

Die Narren in der Menge bedauern sicher die schwindenden Hautflügler. Doch viel wichtiger ist ihnen aktuell, dass die Blumenelfen auf dem Wagen Honiggebäck und andere Süßigkeiten mit Bienenbeteiligung verteilen. Damit alle die Bienen künftig erst recht vermissen.

Danach gibt es wieder nur einen reinen Augenschmaus. Die 'Vierzylinder' kommen mit leeren Pfoten – aber dafür hoch zu Stahlross. Damit sie auch nicht absteigen müssen, wenn der Zug mal stoppt, nutzen alle antike Dreiräder. Die sind leider ziemlich rar und hindern sie deshalb daran, einen Fünfzylinder oder gar mehr zum Laufen zu bringen. Eine weitere Bratröhre für das Haupt würden sie schon noch auftreiben können.

So folgen sie jetzt nur zu viert der einsamen Biene, deren Wagen am Heck verkündet: "Eine Biene macht noch keinen Schwarm."

Die Katzen haben sich mit ihrer Beute in den Hintergrund verzogen. Sie sind sich nur noch sicher, ob sie mit dem gefangenen Mäusespeck und Schaummäusen nicht doch ein wenig reingelegt worden sind.

Die Planungen laufen schon: Im nächsten Jahr verstärken sich die 'Vier Zylinder' durch eine Tanzgruppe mit Maiskolben, 'den Kolbenfressern'. Und haben auch über ein Nachtspektakel mit 'den Zündkerzen' nachgedacht. Die Zuschauer hätten lieber freigiebige "Taktgeber". Doch die Elektromobilität kommt. Wie lange werden diese radelnden Narren noch ohne Erklärungsschilder auskommen? Wenn demnächst keiner mehr einen Verbrennungsmotor kennt, und alles in Wikipedia nachgucken muss. Dann brauchen sie ja neue Kostüme mit Spulen, Ankern und seltenen Erden.

Die Karnevalisten sehen nun den "Trend zur Zweitbiene" mit schwirrenden Teller-Flügeln. Die kann man sicher auch als Pfannkuchenwender oder auf dem Tennisplatz gebrauchen. Eigentlich war die Nachziehfigur die Sicherheitsreserve für die Blumenelfen, wenn die Schwebebiene zu schwer für den Wagen geworden wäre. Aber es wäre auch schade gewesen, die Biene in der Garage stehen zu lassen, wenn nun doch so wenige Insekten unterwegs sind.

Obwohl, auch eine Zweitbiene macht immer noch keinen Schwarm. Die ungeduldigen Zugbesucher stöhnen: "Menno, wir haben es doch kapiert." Und futtern schnell noch eine Honigwaffel, bevor es keine mehr gibt.

"Keine Zeit!" "Keine Zeit!" jammern die beiden erfahrenen Experten für knappes Zeitmanagement. Die Hasengruppe im Zug hat ihre weißen Hektiker mit den Taschenuhren nach vorn gestellt. Die lassen sich von niemanden, erst recht nicht vom eigenen Kollegen übertrumpfen und feuern sich gegenseitig zu noch mehr Eile an. Die meisten Vereinsmitglieder schnaufen schon. Aber sie müssen laufen, haben sie doch ihren Wagen voll geladen. Die Zuschauer freut's…

"Haddu Möhrchen?" Die Hasen auf dem Wagen machen ihrem Vereinsmotto alle Ehre. "Wenn nich – dann hier!" rufen sie, wenn sie frische Möhren in die Menge werfen. Sie geben sich viel Mühe mit diesem Hasenlispeln durch die langen Schneidezähne: "Muddu essen, is gesund!"

Die Narren finden den Traditionswitz der Hasen schon seit mehreren Jahrzehnten passender für den Karnevals-Umzug des nächsten Kindergartens. Dazu kommt, dass diese 'Naturkamelle, regional geflogen' ganz schön wuchtig sind. Die Mausemädchen sind froh: Ihre großen Hüte verhindern – wie ein weicher Schutzhelm, dass die Möhren direkt den Kopf treffen. Sie ziehen die Krempe etwas tiefer, bis der Hasenwagen wieder vorbei ist. Die Maus im Hasenkostüm sammelt dagegen eifrig einen Karotten-Vorrat. Das ist sie wohl ihrer Maske schuldig.

Der Verein 'Tradition Häschchenwitz von 1976' blickt auf eine lange Geschichte zurück, seit der erste Vorsitzende den ersten Häschenwitz aus der damaligen DDR mitbrachte und der bisherige Vereinsname "Klein-Fritzchen & Klein-Erna" dafür ersatzlos gestrichen wurde. Nach der Phase "Isch weiß, wo dein Haus wohnt und sag's meinem Bruda" hat sich der Verein endlich wieder auf seine Wurzeln besonnen und verteilt diese nun wieder ausgiebig.

"Zu spät!" "Viel zu spät!" Die Berufshektiker schauen auf ihre Uhren und überlegen, ob sie den restlichen Zug nicht umfahren können, um schneller zum Ziel zu kommen. Nächstes Mal übernehmen sie lieber gleich die Zugspitze und ziehen alle mit. Dann wären sie sicher schon längst fertig und würden hier nicht immer noch in Rosenmontag machen.

Es geht eine Raunen durch die Menge: "Oh, eine Maske aus dem Karneval in Venedig!" "Das wird sicher schön." und "Das ist nach den Hasen doch noch echte Tradition." Die Zuschauer sind nur etwas irritiert, dass vorab die Abordnung vom 'Hüftgold e.V.' läuft. Wollen sie darauf hinweisen, dass es in Venedig mit dem Lido einen eigenen Badestrand gibt.

Als die große Maske endlich den Blick auf den Wagen freigibt, staunen alle über das gelbe Unterseeboot. Die beiden Augenmasken mit ihrem fein durchbrochenen Goldrankengeflecht gehen in dem Aufbau fast unter.

'Untergehen' scheint überhaupt das große Thema zu sein. Rund um das knallige Unterwasserschiff wuchern riesige Korallenriffe mit bunten Fischen und anderen Meeresbewohnern. Das soll nun der prächtige Karneval in der weltberühmten Lagunenstadt sein?

"Der Kanal ist voll" johlen einige Karnvalisten auf der Seitenlinie. Es bilden sich auch die ersten Sprechchöre mit dem Wagenmotto: "Blubb, blubb, Blububb!" Wer in 25 Jahren Venedig besuchen will, tut dies sicher unter Wasser. Die ganzen Kreuzfahrschiffe, die wolkenkratzerhoch heute noch quasi mitten durch die Stadt fahren, bekommen dann garantiert einen Glasboden.

Der lila Mausedoge im Bootsturm zieht sich immer wieder die Larve vor die Augen und grüßt huldvoll alle Anwesenden von der Serenissima. Es ist vielleicht doch sein Glück, heute nicht Venedig zu sein, denn nur die dunklen Doktoren mit Pestmaske zeigen hier den Coronaviren ihre sprichwörtlich lange Nase. Die Zukunft wird doch noch gut, denn es gibt keine Tröpfcheninfektion mit Unterwasser-Viren.

Das Fahren ist mit der riesigen Maske auf dem Schlepper nicht einfach, da einäugige Masken vom Typ "Polyphem" fast nie gebaut werden. Der Fahrer muss sich auf seinem Sitz weit rüber beugen, um seitlich vorbei linsen zu können.

Dennoch ist seine Sicht so eingeschränkt – wer schön sein wolle, müsse leiden – dass zur Sicherheit eine Maus rittlings auf der Motorhaube sitzt. Sie warnt den Fahrer, damit er keiner 'Hüftgold'-Tänzerin im Schwimmreifen in die Hacken fährt.

Einige Besucher überlegen, ob sie wirklich mit einem Besuch bis 2045 warten sollten? So lange für den Markusplatz nur ein paar Gummistiefel reichen und sie noch keine Schwimmflossen brauchen.

Die Gruppe 'Mimikri' zeigt die verschiedene Wesen von Bären, die offensichtlich nicht in der eigenen Haut stecken mögen. Ob Kuh, Drache oder Pinguin, heute ist sowieso alles erlaubt … und den Rest des Jahre nicht verboten.


Idee: SchneiderHein     Fotos: W.Hein


Venedig hat den Karneval verkürzt, dieser Rosenmontagszug braucht dagegen noch mindestens zwei Stationen, um alle Zugteilnehmer vorstellen zu können.


Donnerstag, 5. März 2020

Rosenmontag #4: Tiefflieger des guten Geschmacks


Der rote Schlepper zieht Victorias bestes Stück. Und ist damit sicher vollkommen unterfordert. Er könnte Tonnen durch die Stadt wuchten. Auch Tonnen von Wurfwaren für die kleinen Narren, deren knurrenden Mägen fast schon das Gejohle und die Gesänge übertönt, mit dem immer noch die meisten Zuschauer jeden neuen Wagen hoffnungsvoll begrüßen.

Endlich gibt es Schmackofatz frisch vom Wagen. Doch Victoria findet einen übergroßen Zuckerkonsum nicht vorteilhaft. So hat sie ihre heißgeliebte Käsevitrine auf den Anhänger wuchten lassen. Und ganz viel freifliegenden Käse dazu. Sie verteilt sowieso lieber herzhaft als süß.

Es kommen Käseminis im Ganzen geflogen und Käsedreiecke aus dem Leib geschnitten werden von ihr und Albert direkt überreicht. Sie winken die kleinen Hungergeister heran und drücken den überraschten Neugierigen schnell ein würzige Kleinigkeit in die Pfote.

Das Mausemädchen aus der Bälledusche der Erdmannen sieht darin schon einen Fortschritt. Käse ist deutlich besser als klebrige Filzkugeln. Aber sie schaut sich schnell um, ob jetzt noch Wagen mit Brötchen, Butter, Frühstücksbrettchen und kleinen Käsemessern kommen. Dann würde es ja ein kleiner Zwischenimbiss werden.

Victoria findet ja, dass Albert die Beschriftung des Wagens vergeigt hat. 'Der Käse, der aus den Löchern fliegt', das verstehe wer will. Aber "Baby(bel)-Weitwurf" – das ist doch nur geschmacklos verschwurbelter Kopfkäse. Zumal sie den Käse nur ungern fliegen lässt. Lieber sorgt sie persönlich dafür, das jedes Stück in gute Pfoten kommt.

Die 'Tiefflieger' haben genug von der ständigen Reise im Kreise. Da haben sie ihre Flugzeuge genommen und sich in den Zug eingereiht. Nun hoffen sie, dass Alberts Magnum-Sektflaschen dem ständige Geruckel im Wagen standhalten und ihnen die Korken nicht noch um die Ohren fliegen. Sie würden ja gern eine Extrarunde fliegen und sich hinten im Zug wieder einreihen. Aber bis jetzt will niemand mit ihnen tauschen.

Giulio weiß, das heute seine Eisdiele "Il Pinguino" kein Geschäft machen wird. So hat er im Fahrrad den Straßenverkauf eröffnet. Und einen Pinguin auf den Eiskasten gesetzt. Guilio ist schon ein Schelm, der Arges dabei denkt. Er verteilt gern sein Eis, muss sich dann nur immer wieder abstrampeln, um danach die Lücke zu den 'Tieffliegern' zu schließen.

Die Zwillinge haben sich schnell ein Eis besorgt und den Käse erst einmal beiseite gelegt. Hoffentlich haben sie es aufgeschleckt, bevor die nächsten Süßwaren anrücken. Damit sie wieder beide Pfoten zum Fangen freihaben.

Bei den 'Tieffliegern' hat die Katze mit dem Jet die Führung übernommen und zieht die Flügelmänner in der Formation nach. Sie vertraut auf ihren Tretdüsentrieb und gibt einfach Stoff, wenn die Flaschen gefährlich wackeln sollten. Dann schießen sie einfach am zuckelnden Käsekasten mit seinem trägen Schlepper vorbei und bringen sich beim Bauwagen der Erdmannen in Sicherheit.

Hinter Giulio dieselt der zweite Bö-botz im Zug. Er hat sich unter ein grünes Dach begeben. Ein dichter Tuff von echter Flowerpower schmückt sein Haupt.

Der Blechläufer steht zum 'Klimawandeln'. Wenn der Winter ausfällt, kommen die Sommerblumen schneller. Das passt doch in die neue Zeit, in der niemand Zeit hat. Weder die Gartencenter noch die Kleingärtner. Kaum ist die weiße Weihnacht ausgefallen, träumen alle von bunten Frühlingsbeete weit vor Ostern und fabulieren von frühen Blühwundern mit Rosen und Großstauden.

Dafür steht auf seinem Kopf auch Robin Tutuut, der Rächer der getopften Baumarkt-Begonien und ausgesetzten Betonkübel-Betunien. Auch das sind Lebewesen, die sich Mühe geben, Farbe und Freude in unser Leben bringen.

Zwei kölsche Jungs ziehen den kleinsten Zug der Welt dem Riesenrummel zum Rosenmontag am Rhein vor. Hier wird man noch gesehen, wenn sie den kleinsten Polizistenkorso der Welt geben.

So tuckern sie in Uniform mit ihren Harleys zufrieden durch die Straßen. Alle jubeln ihnen begeistert zu und sind sogar glücklich, besonders strenge Ordnungshüter zu sehen.

Die Zuschauer feiern die beiden Jungs auf ihren Maschinen ab … aber wenn die beiden dafür leckere Knöllchen verteilen könnten … sie warten dann doch sehnsüchtig auf den nächsten Wagen, der sich Zeit lässt.

Er hat offensichtlich etwas zu verteilen, immer wieder wirft die Besatzung irgendwelche Flugobjekte in die Menge. Es sind die Farbmäuse, die sich unter dem Motto "Wir sind bunt" zusammengeschlossen haben.

Sie haben Zeit, denn sie fahren unter dem Banner "Hetz mich nicht so". Sicher sind hier die meisten Zuschauer schlicht Grau, Weiß oder Braun. Aber auf diesen Wagen kommt nur, wer es ein bißchen bunter treibt. Und das ist schon eine besondere Gemeinschaft. Sie sind aber in erster Linie Mäuse, wie viele Besucher am Straßenrand und Teilnehmer am Zug. So können sie sich ganz entspannt unter Gleichen treiben lassen und haben nur Ärger mit den Geschenken.

Als sie die Wurfwaren eingekauft haben, war das Verteilen von bunten Filzbällen noch eine gute Idee. Das passte doch genau zu ihrem Motto. Da konnten sie ja noch nicht wissen, das kurz zuvor die Erdmannen wahllos riesige Haufen klebrig-bunter Bälleberge hinterlassen haben und keiner mehr weitere Filzkugel sehen kann.

Sie konnten doch nicht ahnen, dass andere Mitfahrer die gleichen Einkaufsquellen haben. Im nächsten Jahr versuchen sie vor die Erdmannen in den Zug zu kommen. Und sie werden bunte Lollis oder pinke Zuckerwatte verteilen. Oder anderes klebrige Zeug statt klebriger Bälle …

Sie stehen für echtes Greenwashing: Statt fremde Pflanzen zu kidnappen und Bäume und Sträucher in Gärten gefangen zu setzen, wäre es doch viel nachhaltiger, wenn Bären, Drachen und Mäuse lieber selbst grüne Pflanzenanzüge tragen würden. Das befriedigt die Lust auf Natur und Grün. Es muss dann natürlich von Zeit zu Zeit ausgelüftet und gewaschen werden. Am besten in Handwäsche, weil dieses blickdichte Körperdickicht bei der ganzen Lauferei doch ziemlich warm und schweißtreibend ist.


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein

Der kleinste Zug zieht sich – viele Gruppen warten noch auf ihren Auftritt und Wagen  auf ihre  Auffahrt bis endlich der Karnevalsprinz im letzten Wagen den Umzug schließt. Aber es sind ja auch in Mainz, Köln und Düsseldorf viele Stunden abzuguckende Fernsehzeit bis dort alle Rosenmontagszüge durch sind.