Sonntag, 1. Mai 2016

Ein sauberer Tag



Einsam dreht sich das letzte Käsestück auf dem Plattenteller. Die kleinen Schrecker begrüßen keinen neuen Tag – dazu sind sie viel zu müde. Sie liegen in den Ecken und blinzeln höchstens ein wenig, ob da noch ein Monsterkeks oder ein Gruselkuchen überlebt hat.

Ob Tanz in den Mai, das Vertreiben des Winters oder das Abfeiern der Wapurgisnacht … das ist alles verdammt anstrengend und nur mit ganz viel Rababbasprudel zu schaffen. Trotzdem sind die Unholde und die Gruselnager total geschafft und dösen matt in den Tag danach.

Nur Hella ist schon wieder eifrig dabei, die Drachen, Gebeine und Zauberzutaten abzustauben. Doch so ein Hexenhaushalt ist schrecklich unübersichtlich und furchtbar vollgestopft. Das alles sauber zu kriegen, ist an einem Tag nicht zu schaffen. Auch nicht als eifriges Putzschwein. Hella versucht es schon seit Stunden und hat noch nicht einmal einen Raum geschafft.

So sammelt Hella inzwischen lieber ihre Besen und Schrubber wieder ein, die sich die kleinen Schrecker für den Walpurgis-Hexenritt zum Brocken ausgeliehen hatten. Diese Luftfahrt ist dieses Jahr zum Glück wieder ausgefallen – Hella ist froh, dass ihren Besen kein Haar gekrümmt wurde. Und damit es dabei bleibt, sucht sie überall im Haus ihre Putzflieger, bevor die in dem ganzen Durcheinander doch noch verloren gehen.

Ein kleiner Gruselnager schaut enttäuscht in eine leere Käseglocke. Sie achtet dabei gar nicht auf das Schwein, das aus allen Ecken die Besen zusammenträgt und für den Transport verpackt. Nur der schwarzen Katze entgeht das Einsammeln der Fluggeräte nicht. Sie wünscht sich, dass das eifrige Schwein die ganze Nagerbande gleich mit den Putzsachen einsacken könnte.
 
Hella ist glücklich, dass ihre Putzmittelsammlung wieder vollständig ist. Aber das Schwein wird wohl mehrfach laufen müssen. Alle Stiele kann sie nicht auf einmal raffen. So oft sie es auch versucht, immer wieder rutschen einige weg, bevor Hella sie mit ihren Hufen festhalten kann.

Endlich sind alle Besen wieder zuhause verstaut. Mit einem tiefen Wohlbehagen schließt das Schwein den Besenschrank. Als der gestern von den Gruselnagern geplündert wurde, ist da eine riesige Lücke entstanden.

Ein fröhliches Liedchen summend nimmt Hella dann den Staubwedel und beginnt endlich ihren Tag der Arbeit. Gibt es einen schöneren Anlass, die Küche wieder glänzen zu lassen. Denn sau-ber kommt sicher von dem 'sau' einer glücklichen Putzsau.


Idee: SchneiderHein     Fotos: W.Hein

Hella, das arbeitsselige Reinemacheschwein, kommt von Hanne Mahnke aus der Bärenhöhle Hannover. Die wilden Walpurgis-Flieger sind Mäuse, Monster und Hasen von Deb Canham. Die werden ihren Partyrausch noch ausschlafen und dann sicher danach im Hexenhaus die großen Sammelaktionen zu Halloween planen.


Autsch!



Zahlreich sind die Zutaten in der Hexenküche: Teufelskralle und Schlangenaug, Fliegenbein und Mückenschleim, Drachenzahn und Bilsenkraut garniert mit Totenkopf und Knochenmehl liegen zwischen Geheimrezepten, Tiegeln, Gläsern mit Glibberzeug, eingelegten Tieren sowie schrecklich spitzen Silberwerkzeugen.

Die grüne Hexe fuchtelt aufgeregt mit dem Kupferschaber, es gibt heute viel zu tun. Nur sind es heute eher Zucker, kandierte Früchte und Marmelade, die von den Küchenunholden verkocht oder verbacken werden sollen. Das Naschwerk soll vielleicht gruselig aussehen, aber total lecker schmecken. Da geht es natürlich auch nicht, wenn alles nachtschwarz aus dem Ofen kommt.

Tuffs kommt da schwer ins Schwitzen. So anstrengend hatte er sich die Hexenküche nicht vorgestellt: Ein wenig im Zauberkessel den Sud rühren, mit leichter Hand ein paar Kräuter einstreuen oder kleine Pillen drehen. Doch so eine Gruselfeier mit vielen hungrigen Schreckern ist dagegen Schwerstarbeit. Immer neue Bleche müssen belegt und den Ofen geschoben werden. Und wenn er noch dampfend das Nachwerk nach oben ans Büffett bringt, kann er gleich die leergefutterten Bleche wieder abräumen. Die dann wieder neu gefüllt werden müssen.

Das Vorratsregal ist schon gut geplündert, nur die Mauseohren und Nagerschwänze bleiben heute in den Schubladen. Aber auch scharfe Adlerkrallen und goldenes Teufelshaar dürfen die Unholde nur einschmuggeln, wenn die Hexe mal nicht aufpasst. Sonst fehlen die Haare in der Suppe, wenn es wirklich darauf ankommt.

Die Hexe gibt Truly die letzten Anweisungen für den Ofen. Sie hätte ja gern schon längst einen Umluftherd mit Ceranfeldern eingesetzt. Aber noch müssen die humpelnden Helfer am klassischen Kohleofen schwitzen. Doch einige ihrer Hexenschwestern haben sogar noch einen Kessel am offenen Feuer in der Küche hängen – die bleiben einfach immer im Mittelalter. Dafür kochen sie ihre Zaubertränke wahrscheinlich auch nach der Steinzeitdiät.

Die Unholde sollen auch nicht so viel Chaos bei der Zubereitung hinterlassen und das rechtzeitige Spülen nicht vergessen. Sonst haben sie alle Flächen zugestellt und könnten die nächste Fuhre nur noch am Boden zusammenmengen. Und das will die Hexe in ihrer Küche nicht sehen.

Überhaupt, haben sich die Unholde die Pranken gewaschen oder nach dem letzten Teigkneten nur die Finger geleckt? Es wird ja immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu bekommen. Und die Kinderstube von Unholden findet Grunzen, Kloppen, Rückenkratzen und Angsthasen-Schrecken viel wichtiger als so einen steten Waschzwang.

Dann muss die Hexe weg zur eigenen Walpurgisparty und die Unholde bleiben allein in der Küche zurück. Die Mahnungen zum Abschied sind zahlreich, denn die hochgewachsene Küchenchefin weiß, dass das Meiste davon in Unholdohren zu einen Seite rein und sofort zu anderen Seite wieder raus geht.

Schon zieht Truly die nächsten Blechfuhre aus dem Ofen mit Totenkopfkuchen und Fledermauskeksen. Natürlich mit Schokoladenflügeln und Früchten in den toten Augen.

Noch muss das Naschwerk ein wenig ruhen und die Backwaren auskühlen. Sonst verbrennen sich die feiernden Gruselgäste gleich die gierigen Mäuler. Wenn die Leckereien erst einmal aufgetischt werden, gibt es kein Halten mehr und niemand will warten, bis jemand schneller zugreift.

Tuffs ist wieder zurück vom letzten Büffettbefüllen. Die leeren Bleche hat er zwar vergessen, aber vielleicht denkt er ja bei der nächsten Lieferung daran.

So übergibt Truly dem drängelnden Unhold schon jetzt das nächste Blech mit den Horror-Keksen: "Vorsicht heiß und fettig!"

"Autsch! ist doch gar nicht fettig!" Tuffs versteht diese Küchenwitze nicht. Er kann das rote Einauge ja fragen, wenn er wieder zurückkommt. Doch dafür muss er erst einmal loslaufen. So pustet der schwere Grünling auf Pranken und Backwaren, bevor er mit dem heißen Metallbrett davoneilt.

Langsam wird es auf dem Büffett schon wieder sehr übersichtlich. Midnight schaut mit Schrecken auf die sich leerenden Schalen und dahinschwindenen Kekse. Besser sie stopft sich noch schnell eine Pfotenvoll ins Mäulchen, bevor es eine andere Maus tut.

Da kommt der Nachschub gerade recht, als der grüne Unhold wieder in Tür steht. Das Backblech wechselt er ständig von einer Pranke in die andere und würde gern auf die Begrüßung verzichten, um schnell zum Tisch zu kommen.


Wanda lässt den Unhold gleich durch. Dafür muss er nur –'autsch, ist das heiss'– etwas süßen Wegezoll bei ihnen lassen: "Oha, so heiheiss, da hilft nur pff pff pff ganz schnelles Pusten."

Im großen Raum sitzt ein verzweifeltes Schwein. Hella hat sich überreden lassen, mit den Mäusen gemeinsam Walpurgisnacht zu feiern. Obwohl die Feier schon beim letzten Mal so ein usseliger Mausestall war, den sie kaum sauber bekommen hat. Jetzt hängt sie in diesem Hexenhaus voller Spinnweben, Staubflusen und Dreckecken fest. Die Putzsau hat zwar ihren Staubwedel mitgebracht. Aber wie soll sie das hier alles sauber bekommen?


Idee: SchneiderHein        Fotos: W.Hein


Das Hexenhaus stand bis vor wenigen Wochen auf einem Dachboden. Silkes Urgroßvater hat es schon vor vielen Jahrzehnten für Silkes Mutter gebaut. In die Jahre gekommen haben sich die Räume von der letzten Verschönerung mit d-c-fix noch nicht wieder so ganz erholt. Inzwischen sind die alten Tapeten auf den Wänden wieder zum Vorschein kommen. Sie sehen jetzt ohne die Folien recht etwas mitgenommen aus, passend zu den abgewetzten  Türrahmen mit ihren Plaka-Farbresten. Die Wände und der Boden kleben auch noch leicht von den angezogenen Klebefolien, da halten inwischen die Spinnweben sehr gut. Und zum Glück sorgen die frisch ausgelegten Teppiche für sorgloses Mausegetrippel. Die kleinen Nager für das Trippeln, die Hexe für das herrschaftliche Schreiten und die Unholde für die schweren Tritte kommen von Deb Canham aus Amerika. Hella, die überfordete Buntsau von Hanne Mahnke, hatte da von der Bärenhöhle Hannover einen deutlich kürzeren Anreiseweg.


Samstag, 30. April 2016

Huch!



Es knarzt im Gebälk und ein Lichtschein fällt von oben herab. Der scheue Unhold im roten Ohrensessel spitzt die Ohren und lässt vor Schreck das Buch fallen.

Schon klappt eine Leiter mit deutlichem Quitschen aus der Decke und setzt ächzend auf der Holztruhe auf. Wenig später krabbelt eine kleine, weiße Maus die Stufen herab.

Der kleine Naseweis kommt aus dem Staunen nicht heraus. Oben im Hexenhaus hat sie eine versteckte Klappe im Fußboden hinter der großen Treppe entdeckt. Kaum hat sie die Klappe geöffnet und die Falttreppe abgesenkt, findet sie nun in eine geheime Kammer unter dem Fetenraum der kleinen Gruselschrecker.

Nur ein kleiner Unhold poppelt hier bisher heimlich in der langen Nase und überlegt nun fieberhaft, was zu tun ist.

Er könnte einfach tief in den Sessel kriechen und ganz still und leise die Tiefen seiner Nase ausloten. Hier steht, liegt und hängt so viel Krempel rum, da fällt ein kleiner Unhold doch nicht weiter auf.

Es ist schon erstaunlich, was Hexen so alles horten. Alle Regale und Schränke sind vollgestopft mit dem merkwürdigsten Sims und dem unheimlichsten Sums.

Sogar die Bücher sind voller Knochenklappergestelle oder unverständlicher Zeichen. Aber offensichtlich sollen sie auch unverständlich bleiben. Damit hier nicht jeder Hausbesucher durchstapft, verstecken sich diese geheimnsvollen Hexenschätze heimlich tief im Keller. Da konnte Snoot in aller Ruhe seine Tiefbohrungen im Riechkolben machen, ohne dass ihn neugierige Blicke dabei ständig mustern.

Doch nun kennt noch jemand diesen geheimen Ort. Und da ist es sicher besser, wenn ein Popler weiter unerkannt ins Dunkle verschwindet.
 
Eine kleine weiße Maus wundert sich, warum aufgeschlagene Bücher auf dem Boden liegen. Sie dachte schon, sie hätte etwas gehört, als sie die Treppe runtergestiegen ist.

Aber sie kann sich noch so viel umsehen, wie sie will, hier ist niemand. Oder? Da wird es Zeit endlich Wichtigeres zu tun.

Sie hat offensichtlich ein Hexenstudierzimmer voller Geheimwissen gefunden. Sie muss jetzt nur noch herausfinden, ob sich das in den dicken Wälzern, den staubigen Dosen, den merkwürdigen Instrumenten, den Gläsern voller Unaussprechlichkeiten oder den unheimlichen Figuren in den Schränken versteckt.

Wie soll maus in diesem Durcheinander nur das finden, was sie jetzt so gut bebrauchen könnte? Das Geheimnis, wie so ein verdammter Hexenbesen überhaupt fliegt. Damit sie mit den kleinen Schreckern endlich zum Brocken fliegen kann. Am besten findet sie gleich etwas mit Fastlichtgeschwindigkeit. Sie haben schon so viel Zeit verloren, dass sie ohne Düsenantrieb für die Besen wohl nur noch einen Rundflug über die Siedlung schaffen, bis der Mai reinpoltert.
 
Wonach sucht sie eigentlich? Einen Zauberspruch oder eine Hexentinktur? Eine Geheimkarte, eine Wunderlampe oder ein Flugpulver? Einen Drachenzahn, einen Tarnumhang, einen Koboldstein oder den Zwergenzauberspiegel? Es kann ja alles mögliche sein, und nichts ist hier ordentlich beschriftet. So eine Hexe macht sich offensichtlich einen Riesenkopf für all diese Dinge. Wie soll sie sich sonst sonst alles merken? Oder sie zaubert halt mit dem, was gerade zufällig rumliegt.

Doch halt, das ist es! Die weiße Maus zieht einen schönen Zauberstab aus der vollgestopften Kiste. Damit kann sicher jeder fliegen. Den muss sie gleich oben vorführen. Die kleinen Schrecker werden staunen, wie schnell sie gleich durch die Luft segeln. Die weiße Maus will schon davonstürmen, bis ihr etwas auffällt: Sie braucht jetzt keine Gebrauchsanleitung mehr für Besen, aber eine für Zauberstäbe.

 
Idee: SchneiderHein       Fotos: W.Hein

Snoot und eine kleine weiße Maus kennen Deb Canham, oder besser Deb Canham kennt sie. Und die geheime Hexenbibliothek befindet sich in einem alten Puppenhaus, das Silkes Urgroßvater gebaut hat. 



Juchee!



 Der einzige, der heute Abend fliegt, ist wieder einmal die Fledermaus. Mit trägen Flügelschlägen schwebt sie über das Geäst und stakeliges Gestrüpp, das den Dachgarten umgibt.

Sie nähert sich dem Wundertor, das heute – ganz gespensterig umrankt – den Zugang zum Hexenhaus freigibt. Schnell huschen hier die kleinen Gruselschrecker durch. Wer weiß denn schon, ob die Eule, die gerade auf dem Bogen landet, nicht Lust auf Mausebraten hat.

Drinnen im Garten wärmen sich die kleinen Mausegeister am Feuer für den Kupferkessel mit heftig dampfenden Krötensud. Der traditionell gebraute Hexentrank schmeckt sicher ganz köstlich, wenn sie nur jemanden finden könnten, der den ersten Schluck probiert.

Eigentlich wollten alle kleinen Schrecker dieses Jahr endlich zum Winterausstand in den Harz fliegen. Auf den Besen zur Walpurgisnacht auf dem Brocken reiten. Doch leider hat die weiße Maus immer noch nicht die Bedienungsanleitung für die Hexenbesen gefunden. Ohne Startknopf oder so ein 'seid's gewesen'-Zauberspruch kleben die Flugfeger wie hundsgewöhnliche Reinigungsgeräte am Boden. Und damit den Harz putzen wollen sie garantiert nicht. Da warten die kleinen Nagerhexen und Mauseschrecker lieber noch im Haus auf die Startfreigabe und vertreiben sich inzwischen die Zeit mit einem blubbernden Kessel voll grünen Glibbers mit Froschaugen.

Den wundermächtigen Bernstein haben sie dafür Aug in Aug mit der Granitkröte im Froschbrunnen aufgestellt. Wenn die Suppe endlich Abnehmer fände (oder einfach nur verkocht), bekommen sie hier neues Nass für den Krötensud.

Die beiden in der Gruselgartenlaube haben sich aber einfach verquatscht und ganz vergessen, dass die Glaskelche zu ihren Mausepfoten noch immer trocken sind. Würde der grüne Mäuserich aber gefragt werden, was er trinken wolle, würde er sowieso lieber Waldmeisterbrause nehmen. Und sie hätte gern Kirschsirup. Oder etwas anderes Zuckersüßes. Auf jeden Fall nicht so eine gesunde selbstgemachte Hexenbrühe mit handgefangenen Froschhüpfern.

In der grusellauschigen Laube können die beiden Plaudertaschen entspannt warten, bis es endlich Zeit für den Abflug wird. Die Besen aus Hellas Besenschrank haben sie so lange im Besenständer geparkt. Wenn sie gewusst hätten, dass die weiße Maus immer noch keine Ahnung von Besentechnik hat, hätten sie sich beim Abstauben der Fluggeräte mehr Zeit lassen können. Vielleicht hätte Hella als schwäbische Hausfrau ihnen dann noch eine Honigmilch angeboten? Aber so müssen sie warten, weil der altklugen Fliegerchefin erst kurz vor knapp einfällt, dass Fliegen ohne Ahnung nicht funsioniert.

Jemand mit einem grünen Mantel wäre sehr froh, wenn die kleinen Schrecker endlich abfliegen würden. Die Froschmaus betrachtet diese ganze Krötenkocherei mit großem Misstrauen. Wenn sie nicht aufpasst, wird sie noch verwechselt und landet beim nächsten Aufguss mit in der Suppe.

Diese Froschtarnung für Mäuse ist ziemlich nervig, wenn sie plötzlich am Ende auf zu vielen Speisezetteln steht. Für mausende Katzen ist sie ein grauer Nager, Störche mögen keinen Salat sondern lieber Frösche, Eulen nehmen wohl beides – Nager und Frösche, aber bitte ohne Beilagen. Und jetzt soll sie noch von Hexen versaftet werden.

Da seilt sich eine Froschmaus lieber ab und ist plötzlich von der Bildfläche verschwunden.

Juchuh, ein 'stilles Örtchen'! Das ist doch ein passendes Versteck für eine heiß begehrte Froschmahlzeit. Sie braucht jetzt höchstens noch eine Klammer für das feine Näschen und dann kann sie in Ruhe abwarten, wie anderorts mit frischem Froschtrunk in den Mai gefeiert wird.

Mist! Das Häuschen ist belegt und das offensichtlich schon länger. Lektüre sollte auf Klos verboten werden. Dann dauern die Sitzungen nicht so lange und es stinkt weniger, weil schnell wieder ein Deckel auf das Plumpsloch kommt.

Im Gruselgarten kümmert sich ein Horrorhoppler um neues Feuerholz für die Kesselkocherei. Er würde freiwillig keinen Krötenkockteel trinken. (Oder ist es ein Punsch, weil die Grünlinge abgekocht werden?) Aber wenn hoffentlich die anderen eifrig zuschlagen, könnte er für die Mitternacht im Kupferkessel ein leckeres Möhrensüppchen zubereiten. Vielleicht müsste er dafür den Krötensud nach unten in den Tanzsaal bringen? Wenn die kleinen Gruselschrecker erst einmal im Hexenhaus verschwinden, kommt keiner in den Garten zurück. Und dann fehlen hier natürlich die dringend benötigten Krötenkonsumenten.

Die Treppe runter wird es für kleine Mauseschrecker richtig lecker. Unten warten die ersten Süßigkeiten oder herzhaften Käselaibe. Spookie Wookie ist begeistert, als sie die Stufen herunterklettert. Das hätte ihr auch jemand früher sagen können, dann hätte sie sich nicht die Pfoten so lange im Garten abgefroren. Auch Hella ist inzwischen angekommen. Es ist sicher besser, wenn sie ihre Besen im Auge behält, wenn damit später wilde Flugfiguren aufgeführt werden.

Skeleton drängelt sich schnell an Spookie Wookie vorbei, die immer noch sprachlos auf dem Treppenabsatz verharrt. Die grüne Klappermaus will nicht zu spät kommen, bevor das ganze Büffett geplündert ist. Eine Kürbiskatze hat damals nur geflunkert, dass Geistermäuse keinen Magen haben und deshalb maßlos essen können. Aber dennoch können sie ruckzuck eine Menge verputzen, und wer weiß, wie lang die Vorräte dann noch reichen? Bis jetzt hat es noch keinen letzten Aufruf für den 'Walpurgisflug' zum Harzer Brocken gegeben.

Mimosa hat sich noch nicht entschieden, ob ein Stück Blauschimmel ihr Startgewicht unzulässig erhöht. Auf jeden Fall ist es von der Leitung des Hexenflughafens sehr aufmerksam, dass es Häppchen in der Abflughalle gibt.

Batters findet es sehr schwierig mit dem schwarzen Kater ins Gespräch zu kommen. Der grummelt verstimmt in seiner Sofaecke, weil er sich diesmal auf eine ruhige Nacht gefreut hat, wenn die Gruselmäuse endlich außer Haus sind. 

Schon im letzten Jahr hat ihn die wilde Feier eine ganze Nacht lang wach gehalten. In diesem Jahr hatte er dies Haus entdeckt, das mit seinem Renovierungsstau so einen herrlich unbewohten Eindruck machte. Und jetzt sind schon wieder die Plagegeister eingefallen.

Ein schwazer Unhold lugt ängstlich durch die Tür zum Esszimmer, wie viele hungrige Mäuler es hier noch gibt. Und ob noch leckerer Nachschub für das Büffett kommt, weil dort schon genug hungrige Mäuler die Tafel plündern.

Tabitha gehört zu diesen hungrigen Mäulern am Büffett. Sie ist extra auf einen Stuhl geklettert, um noch besser zulangen zu können. Das krümmelige Süße hat sie prima im Griff, nur das klebrige Süße fehlt. Midnight könnte mal den Rababasprudel rüberwachsen lassen, doch ihre Freundin hört überhaupt nicht zu.

Denn Midnight hat es sich inzwischen im Schaukelstuhl bequem gemacht. Kekse, Kuchen und Schokolade sollte maus immer im Auge behalten. Leider ist sie gerade ganz schrecklich abgelenkt, weil einige Hausspinnen nicht nur in ihren Netzen an der Decke bleiben.

So kann Tabitha noch so viel winken und rufen, die Schaukelmaus greift nicht zum Flaschenregal zu ihren Füßen. Da schickt sie wohl besser Wanda zum Sprudel holen. Dafür möchte die nur vorab schokoladige Wegzehrung, damit sie unterwegs nicht verhungert.

Eigentlich könnte Midnight auch dieses Jahr auf den Flug ins wilde Walpurgistan verzichten. Die Hexenfeier hier im Haus ist doch viel zu nett. Und es gibt so leckere Sachen, die sicher jemand maust, wenn sie jetzt aufbrechen müssen. Wenn nur nicht dieses haarige, achtbeinige Monster wäre, dass sich gerade direkt vor ihrer Nase abseilt …


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein


Die Mäuse, Katzen und Frösche hat Deb Canham für die gruseligen Tage und Nächte geschaffen. Den ängstlichen Unhold auch. Nur Hella, die besenvernarrte Putzsau, kommt aus der Bärenhöhle von Hanne Mahnke. Das Hexenhaus mit Renovierungsstau hat Silkes Urgroßvater für seine Enkelin (ihre Mutter) gebaut. Die hat es für ihre Tochter in den späten Sechzgern ganz modern mit pflegeleichten d-c-fix-Klebefolien bezogen. Die Folien sind inzwischen wieder verschwunden, zurück geblieben ist eine Puppenstube mit Abbruch-Chic. Ideal für kleine Hexen, die darauf warten, dass endlich ihr Flug in den Harz startet.