Mittwoch, 14. Juni 2017

Ein Traum voller Silberglanz



Der Chef steht in der Küche und brutzelt sich einen. Den engen Imbisswagen hat er schon hinter sich gelassen und ist in ein Diner umgezogen. Doch in der Küche ist alles immer noch so kleinlich, altbacken und speckig.

In seinen Träumen sieht er sich ganz woanders. In seinen Träumen steht er in einer Profi-Küche. In einem Traum voller Edelstahl und chromblizenden Armaturen.

Da würde er natürlich auch ganz anders kochen. Mit frischem Gemüse, das er hauchfein 'jülienne' schnippeln lassen würde. Der Gehilfe soll schnell das Wagu-Fleisch auf die Grillplatte legen. Und der Rest kommt bitte gleich wieder in die Kühlung.

Los schnell, der Küchenhelfer muss den Drahtkorb ins frische Fett tauchen, damit die Tempura-Chips schön knusprig werden. Und dann gibt es hier noch Schinken, der durchscheinenddünn geschnitten werden muss. Das Gemüse ist immer noch groß und klobig. Und so eine Tart backt sich auch nicht von allein.

Wie herrlich knusprig glänzt die Ente. Der nächste Vogel liegt schon im Fritierkorb. Das Gemüse dünstet derweil schon in der Eisenpfanne. Hier kann er sternengleich kochen. In so einem Traum ist jeder Koch zu Höheren berufen.

Hopp Hopp, der Gehilfe muss sich sputen. Gemüse putzen, die Posten aufräumen, Pfannen und Töpfe spülen. So eine Profi-Küche ist doch kein Kindergeburtstag.

Die Schinkenscheiben sind ja daumendick! Und das Grünzeug welkt ja schon, wenn das Schnitzeln nicht bald beginnt. Der Gehilfe soll doch bitte mal das Messer schwirren lassen, anstatt ihn so entgeistert anzugucken. Doch vorher müssen sie noch etwas klären …

Jetzt müssen sie noch überlegen, wohin mit dem Gehilfen, wenn die Gewerbeaufsicht kommt. Die Gewerbeaufsicht? Natürlich, in Profi-Küchen kommt die Gewerbaufsicht und prüft alles ganz genau. Da gibt es keine Fettränder und Kruschecken wie im Diner, der in Amerika immer unterm Radar fliegt. Und auch der Assi kann dort immer etwas pekig und verschwitzt sein. Doch hier muss sich der Assi schnell unsichtbar machen, wenn die Kontrolettis kommen.

Das ist in so einem ordentlichen Glitzerding natürlich fast unmöglich. Der kleine Gehilfe kauert geschockt auf dem Hocker. Er ist nur 'der Schmutzfaktor' in dieser Küche. Das muss er jetzt erst einmal sacken lassen.

Genug Trübsal geblasen, der Chef hat schon viel Verständnis gezeigt, doch jetzt ist doch schon viel liegen geblieben. Presto, presto, es wird jetzt wieder geschnippelt, gedünstet, sautiert, konvektiert und natürlich gespült. Und zwar im schnellen Vorlauf. Doch der Gehilfe bleibt lieber in der Ecke sitzen. Ein Schmutzfaktor sollte hier besser nichts mehr kontaminieren.

Puh, zum Glück ist es nur ein Traum. Profi-Küchen haben doch ihre ungeahnten Tücken. Hier im Diner kann er den Gehilfen überall hinscheuchen, wohin er will. Jetzt zum Beispiel gerade zum Müll rausbringen. Er dreht noch schnell eine Wurstschnecke auf dem Gasgrill.

Und draußen warten die Katzentische, dass endlich die nächste Runde 'heiß und fettig' anrollt.


Fotos: W.Hein
Ein kleines Zwischenspiel im Diner. Für eine fiebrige Fantasie von einer professionellen Küche. Doch demnächst erfahren wir hoffentlich endlich, worauf die Katzen wirklich warten…


Auf schnellen Sohlen – eine Maus sieht rot



 Es gibt immer den richtigen Zeitpunkt. Worthing, der stattliche Kater, weiß, dass er einfach die Ruhe bewahren muss. Wenn katz eine Mausefalle aufstellt, ist Warten die wichtigste Tugend.

 Ächzend quält sich der Kater wieder hinter das Sportlenkrad. Diese engen, stickigen Minicockpits in verkappten Rennwagen sind nichts für normalgebaute Katzen. Wenn er nicht die Maus ins Visier genommen hätte, würde er lieber riesige Geländekästen verkaufen. Riesenschlitten für die Betonwüsten der Innenstädte, hoffnungslos verkeilt in Parklücken aber drinnen mit Platz ohne Ende. Und sparsamer sind diese Sportwagen auch nicht. Da rotzt der Auspuff auch eine dicke Fahne raus. Außerdem weiß ein guter Autoverkäufer aus Erfahrung: Gewissen macht selten Spaß. Außerdem hat die kleine weiße Maus schon beim letzten Mal einen sportlichen Eindruck gemacht. Fast hätte alles schon mit dem Silberpfeil gepasst – ein Autostarverkäufer hat so etwas im Urin – wenn die Maus im letzten Moment nicht einen roten Wagen gesucht hätte. Doch diesmal werden sie die Ziellinie überqueren – und die karierte Fahne wird eifrig geschwenkt! Denn diesmal sitzt er in einem … roten Auto. Jetzt muss nur noch die Maus kommen … und seine Falle schnappt zu.

Endlich kommt eine kleine weiße Maus …

Doch was ist das? Worthing muss schlucken – sie ist längst mobil und braust in einem roten Flitzer heran.

Mit quitschenden Reifen bremst der Nager schnittig mit der kleinen Nussschale im letzten Moment neben dem roten Riesenrenner.

"Wir hatten einen Termin?" begrüßt ihn fröhlich die naseweise Maus. "Dann bin ich ja froh, dass ich nicht zu spät bin. Mit einem fixen Flitzer habe ich es gerade noch geschafft. Ich habe ihn gerade gesehen und mich sofort darin verliebt."

 "Na, der ist ja auch rot," knirscht der Kater, der den Schock erst einmal verdauen muss. "Und er ist natürlich der ideale Zweitwagen."

 "Zweitwagen? Pappalapapp! der hat doch ideale Mausegröße. Mehr Auto brauch' ich nicht." Die kleine weiße Maus will doch höchstens mal Alice oder Jack mitnehmen. Oder eine andere Maus. Und eben an den See, das Eiscafé oder anderen Abenteuern pesen. Einkäufe machen besser die großen Tiere und die können sich dafür auch gern klobige Möbelumzugswagen anschaffen.

"Wir können ja gern mal zusammen eine Ausfahrt machen. Dann brausen wir ganz in Rot ins Grüne." Der weiße Nager ist etwas kurz angebunden: Warum wollten wir uns eigentlich sehen?" Der Kater winkt aus dem Fenster matt ab: "Ach, es hat sich erledigt."

"Das ist gut, ich hab eh keine Zeit!" ruft die kleine weiße Maus, zwinkert noch einmal der gepressten Miez zu und beginnt das Fahrzeug zu wenden. Ja, keine Zeit! Das ist ja das Merkwürdige an diesen Flitzern. Um so schneller sie maus von A nach B bringen, umso weniger Zeit hat ein Nager. Vielleicht, weil es plötzlich viel mehr Pläne gibt, was alles in die vorhandene Zeit gepackt werden kann?

So hat sie noch nicht einmal Zeit für einen Abschiedsgruß, als die rote Nuckelpinne wieder in Fahrtrichtung steht und sie langsam und dann immer schneller Fahrt aufnimmt.

Bevor Worthing ausgestiegen ist, um der Maus noch schnell die letzte Pfote zu schütteln, saust der Nager wieder davon.

Gnarzend zwängt sich der Kater wieder hinter das Lenkrad. Mühselig zieht er den Fuß über den Schweller und fädelt das Bein fluchend in den engen Tunnel mit der Pedalerie. Der Kopf stößt gegen das Dach. Bei der harten Federung des Sportwagens wird er bei jeder Bodenwelle wieder eine kleine Kopfnuss bekommen.

Morgen hat er garantiert wieder Nackenschmerzen. Brubbelnd startet der Motor. Ein schlafendes Ungeheuer, das langsam zu rollen beginnt, bevor der Zwölfzylinder das erste Mal aufkreischt. Etwas mühselig und ungelenk wendet er das Fahrzeug, die Lenkung ist für  hohe Geschwindigkeiten ausgelegt, erst dann reagiert sie leicht und präzise auf den leisesten Wink.

Der Motor heult noch einmal auf und der rote Renner schießt davon. Das nächste Mal nimmt der Kater auf jeden Fall einen bequemeren Wagen. Wenn's dann mit der Falle doch nicht klappt, muss er nicht wie eine Ölsardine in der Dose abfahren. Hoffentlich kann er diesen Wagen vorher wieder zurückgeben.


Fotos: W.Hein

Der Ferrari 250 GTO ist zwar nicht so selten wie ein Mercedes Benz 300 SLR, aber mit 36 gebauten Exemplaren übersteigt auch hier die Auflage der Modelle und Nachbildungen die Zahl der Originale bei weitem. Zum Mythos Ferrari gehört die Verrücktheit des damaligen Chefs, der die zivilen Sportwagen eigentlich immer nur als Mittel zum Zweck für den ungehemmten Bau von echten Rennwagen ohne Kompromisse sah. Der 250 GTO von 1962 ist ein knackiger Rennwagen mit Straßenzulassung für Sportwagenrennen und war nie als zahmes Flanierstück gedacht. So ist klar, dass er auf Katzenkomfort oder üppige Fahrhilfen noch nie Rücksicht genommen hat. Dafür gab es immer schon eine endlos lange Motorhaube und am Heck einen ersten Heckspoiler. Schon zwei Jahre später waren die Tage der Frontmotoren bei Ferrari Rennsportwagen mit der Nummer 250 gezählt. Sein Nachfolger 250 LM hatte schon einen Mittelmotor hinterm Fahrer. Das ist bis heute immer noch die effizienteste Bauweise für Sportprototypen, die bei den großen Rennen um den Gesamtsieg fahren wollen. Aber wenig später hätte auch niemand mehr eine Rennmaschine mit einem Straßenwagen verwechseln können. Beim 250 GTO kann man dafür immer noch die Illusion haben, dass er genauso gut dafür taugt, erst die Brötchen vom Bäcker zu holen und am Nachmittag ein Rennen auf einer Rundstrecke gewinnen zu können.



Sonntag, 11. Juni 2017

Keine Inderstube



"Das ist heimtückischer Kuchenraub!" zischt die Alloschnepfe. "Genau!" presst die Reptilin zwischen zwei Kuchenbissen hervor. "Dabei sind es noch nicht einmal Raubtiere! Da schmückt sich jemand mit fremden Federn!"

Das ist der (eigentlich so winzige) Grund, warum sich die Dinotussen so aufregen. Die federgeschmückten Damen sind gern der Einladung der Rexi zum Kaffeeklatsch gefolgt. Und auch wenn sich ihre Kaffeetafel unter den Torten, Kuchen und 'Kappkäkes' biegt, Mitesser brauchen die kalten Echsen nicht. So sehen sie es mit großem Missvergnügen, dass sich da plötzlich zwei Mäuse am 'Kuchenbüffett' bedienen.


"Wir sollten gehen," erklärt – betont ruhig – eine kleine weiße Maus. "Oh ja," stimmt eine Alice da ganz schnell zu. Sie findet es unheimlich, wie diese reich bezahnten Echsen die beiden Nager so angeifern.

Sie sind schon fast weg, da stellt eine Bary-Onyx die beiden Mäuse : "Ihr könnt gern bleiben und am Essen teilnehmen," gurrt die giftgrüne Dinodame. "Ihr seid doch eine Bereicherung für jede Festtafel." Und zwar als Hauptgang! Der Bary-Onyx fehlt schon lange eine Fleischeinlage. Immer nur Erdbeeren – als wenn sie so etwas wäre, wie eine Vegetarin äh Veganesin oder wie so eine Grünzeugesserin heißt.

 Das würden erst recht die echten Pflanzenfresser begrüßen, wenn jetzt endlich mal jemand anders dran wäre, gefressen zu werden. Auch wenn es bei den gefrässigen Raubdamen diesmal Kaffee und Kuchen geben soll. Wenn man auf der falschen Seite der Nahrungskette steht, bleibt echs lieber vorsichtig. So haben sich alle Pflanzenfresser tief im Garten im Grün versteckt.

So bleibt den Raubsauriern heute nur eine Fleischbeilage mit Fell. Hoffentlich ist das nicht eine zu haarige Angelegenheit, die dann den Gaumen kitzelt. Doch die beiden Mäuse riechen den Braten und haben plötzlich ganz wichtige Verpflichtungen, die sie zum Aufbruch drängen. "Vielleicht ein anderes Mal," bedankt sich die kleine weiße Maus. "Vielen Dank, aber wir können nicht bleiben." Und dann geben beide schnell Fersengeld.

"Die nehmen wir uns vor, wenn sie wiederkommen," verkündet 2a-Hörnchen. Die Zwillingsschwester nickt begeistert. "Säuger sind nicht besonders helle. Die merken ja gar nicht, was wir vorhaben." Nur müssen sie bis dahin auf Fleisch verzichten. Oder sie haben bis jetzt die falschen Erdbeeren genascht: Die ohne Fruchtfleisch.

Rexi will jetzt endlich wieder für ihr opulentes Kuchenbuffet gelobt werden. Was hat sie nicht alles an Süßspeisen auffahren lassen, um die Damen zu beeindrucken. Und jetzt rangeln sie miteinander wegen zwei Fellklumpen. Wenn sie nicht mal eine Mahlzeit ohne Fleisch aushalten, sollen sie doch sehen, wer sie zur nächsten wurstigen Grillparty oder Sommerfest mit Fleischsalat satt einlädt!

Wenigstens die Reptilin langt wieder herzhaft zu. Sie ist doch auch eine ganz Süße. Und nicht nur beim Kuchem, wie sie mit einem kecken Augenaufschlag über den Tränensäcken verkündet.

Dann schlingt sie ein weiteres Stück herunter und lässt den Kiefer lustvoll zusammenkrachen, bis die Sahne spritzt. Sie bleibt ein wildes Tier, auch wenn es nur um eine wehrlose Torte geht. So etwas wie eine Kinderstube ist doch etwas für Weicheier – oder was daraus geschlüpft ist.

Auch die Giga langt jetzt kräftig zu, bevor eine Reptilin alles allein niedermacht. Sie balanciert das Tablett mit den 'Kappkäkes' ins Maul, um es rapide mit einer einzigen Nackenbewegung in den Schlund rutschen zu lassen. Dann spuckt sie das ungenießbare Metalltablett aus, um sich gleich darauf den Herzküchlein zu widmen. Ob ein Herz nun wirklich besser schmeckt, weiß sie nun wirklich nicht, dafür ist es viel zu schnell runter geschlungen.

An anderer Stelle wird die Kaffeetafel anders leergefegt. Mit einem kräftigen Schwanzhieb räumt eine der Zweihorn-Zwillinge den Kuchen gleich mit dem Teller ab. Upps, das ist doch keine Absicht, das sie sich so gedreht hat. Sie wollte doch ihrer Schwester zeigen, wo die leckeren Törtchen stehen.

Die Rexi beißt die Zähne zusammen. Schmale Lippen kann sie mit dem Überbiss ja nicht machen. Dennoch kocht es in ihr gewaltig. Die feine Lebensart wollte sie heute feiern. Doch mit diesen rüden Kaffeegästen verwandelt sich die schönste Kaffeetafel in ein blankes Chaos. Das nächste Mal lädt sie ein zum rustikalen Fressen nach Ritterart im Mittelalter. Viel Fleisch, kein Besteck und keine Regeln für den Benimm. Das werden die Damen dann vielleicht so gerade noch schaffen. Hier knurrt sie nur noch: "Guten Appetit!"


Fotos W.Hein

Die Dinotussen kommen alle aus den diversen verlängerten Werkbänken in China. Die beiden Fleischbeilagen von Deb Canham sind ihren Schicksal diesmal noch knapp entkommen. Das Erdbeerfest sollten eigentlich die Mäuse ohne Echsen feiern. Doch die Vorbereitungen haben sich bisher noch hingezogen: Da gab es immer noch Kleinigkeiten wie die passenden Servietten und Tischecken. Solche Feinheiten brauchen die Dinotussen nicht wirklich. Und so haben sie für den Diorama-Wettbewerb des Dinosaur Toy Forum die Kaffeetafel gestürmt und kräftig geschlemmt. Als Wettbewerbsbeitrag musste das große Schmausen nur anonym bleiben und so konnte hier nicht zeitnah darüber berichtet werden. Dann war die Erdbeerzeit wiklich vorbei und deshalb erscheint der Bericht erst mit fast einem Jahr Verspätung.


Das ist das offizielle Bild für den Wettbewerb im Dinosaur Toy Forum.



Dienstag, 6. Juni 2017

Das große Fressen



Die Freifrau Türanno muss sich sputen, soweit es ihr ausladender Kopfschmuck zulässt. Sie kann ja nicht wie ein zerrupftes Huhn aussehen, wenn sie gleich ihren großen Auftritt hinlegt. Hoffentlich haben die anderen noch nicht angefangen. Aber zu früh kann sie auch nicht auftauchen, wegen des Auftritts. Da braucht sie doch ihr gebanntes Publikum. Außerdem hasst sie es, wenn sie auf andere warten muss.

Die Rexi hat eingeladen zum Kaffeeklatsch mit Erdbeertorte an Schlagsahne, und alle Dinotussen haben sofort zugesagt. Jetzt verteilt die grüne Saurierdame des Hauses mit zuckersüßem Lächeln schon die ersten Tortendreiecke, als Frau Türanno endlich mit lautem Hallo an der Tafel auftaucht. Sie beginnt sofort ein Bussi hier und ein Bussi da in die Runde zu werfen: "Ach meine Guteste, das Sie schon hier sind. Ich hätte es ja fast nicht geschafft, es ist ja immer in dieser Urzeit so viel Verkehr."

"Typisch," tuschelt die Alloschnepfe mit der Bari-Onyx. "Erst kommt die holde Dame auf die letzte Minute, und nun will sie wieder den Ehrenplatz haben." Das würde die Alloschnepfe der herrschsüchtigen Freifrau von der Teerkuhle natürlich nie Ins rasiermesserscharfe Gebiss sagen. Die alte Dame würde es auch gar nicht verstehen: Was dieser Zwergenaufstand von Echsen soll, die noch nicht einmal die höhere Kreide geschafft haben.

2a-Hörnchen und 2b-Hörnchen, die eineiigen Zwillinge haben sich zwar vor dem Schlüpfen einen Eidotter geteilt und wahrscheinlich auch den Verstand, aber dennoch will jede Echse einen eigenen Teller. Nur beim Erdbeertörtchen wollen beide dasselbe und … öh, äh … Kaffee haben sie noch nicht probiert. Vielleicht gibt es für beide auch ein Schälchen Säugermilch.

Die Prädatorin hat sich von hinten an das Kuchenbuffet herangeschlichen. Bis Frau Türanno huldvoll alle gegrüßt hat, und die Rexi jedem das passende Kuchenstück zugeteilt hat, ist der hungrigen Bestie am Buffet doch längst der Sabber aus allen Mundwinkeln getropft. Da macht sie ihrem Namen als Raubsaurier lieber alle Ehre und greift zur Selbstbedienung. Das ist doch höchstens etwas Mundraub.

Auch direkt an der Tafel haben die Erdbeeren ein kurzes Leben. Da bekommt Rexi schon beim Zusehen Schnappatmung, wenn ihr dabei rhythmisch die Luft wegbleibt. Diese Planschkuh von Reptilin hat vielleicht Klunker satt am Faltenhals, aber immer noch keine Kinderstube, so wie sie den Kuchen mit einem Happs runter schlingt. Frau Türanno hat sicher recht, dass die Reptilin sicher aus einem Eierbrutschrank von einer dieser Zirkusinseln für nachgemachte Dinos stammt.

"Meine Liebste," versucht Rexi den letzten Rest an Benimm zu retten, bevor der gleich mit der Torte im Schlund der gierigen Reptilin verschwindet: "Meine Liebste, sie wissen doch: Hastig heruntergeschlungen wird die auch zarteste Versuchung zum Hüftgold, dass schwer auf die Knochen drückt. Es besteht kein Grund zur Eile, wir haben doch Kuchen satt."

"Grumpf, neöiiin sött bön öch noch lange nüchd," schmatzt die Reptilin mit vollem Maul, bevor sie gleich das nächste Stück hinterherschiebt. Sie kennt 'Büffetts' nur aus dem Urlaub als 'All-ju-kän-ieet'-Angebote. Und das heißt, alle laden sich gleich beim ersten Durchgang die wildesten Kombinationen von Vorspeisen, Fisch, Bratensoße und Süßspeisen turmhoch auf den Riesenteller, als wenn es keine zweite Runde gäbe. Die sieht dann auch ziemlich kümmerlich aus. Und dieses feine Porzellan ist auch ziemlich mickrig, da passen kaum zwei Stücke drauf. Schnell noch eine Tasse Kaffee hinterhergespült. Sie muss noch mal zu den dahinschwindenden Kuchenplatten.

Rexi hat sich eine Kuchentafel mit Stil gewünscht und entsprechend der Jahreszeit alles mit Erdbeeren dekorieren lassen. Auch die Torten, Kuchen und Flans sind mit den roten Früchten gefüllt, belegt und dekoriert. Passend hat sie dazu das feine Erdbeerporzellan auflegen lassen. Ja ihre Tafel hat sicher Stil. Bei der Gesellschaft hat die Gastgeberin so ihre Zweifel. Es ist aber auch schwierig, genug Damen der Urzeit zu finden, die eine Kuchengabel mit derselben Anmut in der kleinen Krallenhand halten, wie sie noch vor ein paar Stunden voller Wildheit einen trägen Pflanzenfresser gerissen haben. Da können sie sich neuerdings noch so sehr mit Federn aufrüschen, darunter lauert immer noch das eiskalte Reptil.

Da kann ihr die Freifrau Türanno nur zustimmen: Wenn ihre Dinotage eines Tages gezählt sind, dann liegt das sicher daran, dass die feine Lebensart nur eine dünne Tünche ist. Wie wollen die Damen jemals den Aufstieg schaffen und sich eine gute Partie sichern, wenn sie nicht wissen, welches Besteck sie zuerst nehmen sollen? Die wissen, dass eine Dame von Urwelt nicht mit vollem Rachen spricht und Knochen bei Tische nur leise knackt. Gut, Erdbeeren haben jetzt keine Knochen, aber es geht doch ums Prinzip! Da müssen sie ja schon willfährige Gespielinnen sein, wenn sie sich rechtzeitig einen reichen Säuger für die Neuzeit angeln wollen. "Doch meine Damen, Schönheit vergeht, Manieren bleiben!" Spricht's und nimmt nur ein kleines Stück mit spitzen Krallen, um zu zeigen, wie es sich für eine Dame geziemt. Dabei spreitzt sie noch nicht einmal die kleine Kralle ab. Aber darauf braucht sie sich nicht zu viel einzubilden: Sie hat nur zwei Krallenfinger am Arm und die müssen schon den Kuchen halten.

Schnell scharrt Bary-Onyx Sand über das Missgeschick. Wenn Frau Türanno gerade mal wieder Lektionen in Benimm erteilt, muss doch niemand sehen, dass ihr das feine Porzellan vom Tisch geknallt ist.
Alli beruhigt 2a-Hörnchen und 2b-Hörnchen. Sie können sich ruhig noch ein Cremeröllchen auftun. Jede von beiden! Die Freifrau ist eben noch nicht in der neuen Zeit angekommen, wo alles etwas zwangloser ist. Jeder kann sich hier sattessen und muss kein Anstücksstück auf Teller zurücklassen. "ich hab doch nur ein Röllchen. Wo bekomme ich denn dieses Anstandsstück?"

Zwei kleine Säuger sind es müde geworden, auf ein eigenes Erdbeerfest zu warten. Wenn sich hier die Tische unter der Last von Süßspeisen biegen, fällt es doch sicher nicht auf, wenn ein Mausebissen fehlt. Die kleine weiße Maus hat sich gerade ein Törtchen gesichert, als Klein-Alice schon zum Aufbruch drängt. Ihr ist die Nähe zu so vielen geifernden Räubern nicht geheuer.

Da ist es schon zu spät. Eine Bary-Onyx hat die beiden entdeckt und überhaupt keine Lust, die zuckersüßen Köstlichkeiten mit zwei haarigen Leckermäulern zu teilen. "Habt ihr überhaupt eine Einladung?" blafft sie die Mäuse an. Hofftlich haben sie nichts Schriftliches, sie kann doch nicht lesen. Denn Schrift und Schule wird doch erst lange nach den Dinos erfunden.

Der weltbeste Saurierforscher wundert sich mal wieder, wo seine Raubsaurier geblieben sind. Seid Stunden hat er keinen Raffzahn und keine Schwanzspitze mehr gesehen. Normalerweise wissen die Mädels doch immer, wohin die plötzlich wieder aufgerüschten Fressmaschinen verschwunden sind.

Doch Nelleke zuckt nur mit den Schultern. Sie hat die Dinotussen heute auch noch nicht gesehen. Auch von der kleinen weißen Maus fehlt jede Spur …


  Hier geht es noch weiter.


Idee Erdbeerfest: SchneiderHein     Fotos: W.Hein


Diese Fotos schlummern jetzt fast schon ein Jahr auf der Festplatte. Am Anfang durften sie nicht gezeigt werden (Das Warum folgt im nächsten Post) und danach war die Erdbeerzeit vorbei. Doch jetzt wird es endlich Zeit, diese Geschichte zu erzählen.
Nachbars Kater Cäsar hat vor einem Jahr die Katzentradition des Hauses aufgenommen, dass die Bärenshootings genau inspeziert werden müssen, bevor sie auch von den Samtpfoten abgenommen werden. Erst wenn alle Bären beschnuppert und einige von den Tatzen geholt worden sind, kann weiter fotografiert werden.