Samstag, 11. April 2020

Hasenbrot



Die Mäuse haben eine geniale Idee. Seit sie die Hasenwerkstatt für Schokohasen in Goldpapier, bunte Ostereier und Hefeteilchen mit Ohren oder Schaumeiern entdeckt haben, überlegen die Nager, wie sie schon vorab ein paar Süßigkeiten abgreifen können. Am Ende fällt dieses Jahr die Eiersuche aus, wenn alle wegen dieser blöden Neuviren eigentlich daheim blieben sollen.

Die kleinen Schlaumäuse setzen sich Hasenohren auf und schleichen sich in die Osterlager, wenn sie noch reich gefüllt sind. Zusammen mit dem Mundschutz werden sie unter all den eifrigen Hasen sicher nicht auffallen. Nur Megan muss draußen bleiben, Eine Hasenschürze reicht nicht. Ohne Ohren fällt sie doch sofort auf und alle könnten auffliegen.

"Du kannst doch Schmiere stehen," tröstet der weiße Hase die unglückliche Megan. "Und pass auf unsere Kettcars auf." Die Maus mit der lila Schürze schaut missmutig auf die Tretautos. Warum soll sie die jetzt abschmieren? Dabei macht sie sich nur dreckig und quietschen tut bei den Fluchtwagen doch gar nichts. Das können die anderen sich hinter ihre Hasenohren schmieren.

"Wir bringen dir auch etwas mit", ruft der weiße Hasenmäuserich. Wenn er ganz ehrlich wäre, würde er auch lieber hier bleiben. Aber die anderen drängen zum Aufbruch. Wenn sie sich nicht ranhalten, ist alles weg. Vor dem Haus werden schon die Wagen beladen.

In den letzten Jahren haben die Hasen alles daran gesetzt, um sich die lästige Verteilerei zu sparen. Doch an Gartenfeste, Kirmes und selbst Oster-Ladengeschäfte ist im Moment nicht zu denken.

Also lässt der Novemberhase wieder die Autos beladen und verteilt die ganzen Osternester und bunten Gelege wieder auf fast traditionelle Weise. Nur die Kiepe spart er sich, dafür sind es einfach zu viele Kunden. Dabei achtet er beim Verstecken auf die Abstandsregel und hält von Nest zu Nest mindestens 1,5 m ein. In den Gärten ist es noch einfach. Aber in den Mietskasernen kann er es eigentlich nur vor die Tür stellen und höchstens noch die Fußmatte drüber legen.

Also sind die Osterboten dieses Jahr wieder spät dran. Es ist noch so viel zu verteilen und so fällt Ihnen wieder auf die langen Füße, dass diese Autos zwar selbst wie fahrende Eier aussehen, aber kaum Stauraum haben. Die Hasen versuchen, so viel es geht, hineinzustopfen, müssen die ganze Zeit aber aufpassen, dass sie dabei die hohlen Schokohasen, die empfindlichen Eier und die üppigen Schleifen nicht zerdrücken.

Die Chefpackerin Ernestine beklagt sich bei Karla Karotti. Sie bekommt die Heckklappe nicht zu. Kann die Häsin noch ein paar Kisten auf den Beifahrersitz nehmen? 

"Fehlt noch was?" Der Hase steht gerade am Vorratsregal und könnte noch ein paar Kisten packen. "Ich schicke sie gleich runter." Wenn er jemanden findet, der für ihn die steile Stiege runtersteigt. Bei der nächsten mehrstöckigen Hasenwerkstatt will er unbedingt einen Aufzug. Gehören Giraffen nicht auch zu den Hasentieren? Sonst wird sie zum 'Osterhasen' ehrenhalber und kann die Körbe mit ihrem langen Hals direkt runterholen.

Nugget wird sicher nicht die Treppe rauf- und runterwetzen. Er macht Pause und das schon länger. Seit vielen Jahren kennt er diese ganze Hektik und den riesigen Stress, den der große Novemberhase jedes Jahr verbreitet, wenn er ständig auf seine Uhr schaut. Dabei ist es bis jetzt jedes Mal am Ende doch gut ausgegangen.

So hat der kleine Hase beschlossen, es dieses Jahr ganz entspannt anzugehen. Und sich vor allen Dingen von niemanden stressen zu lassen. Er hatet sogar vorschlagen, dass Eiermalen in Home-Office zu erledigen. Doch der Novemberhase befürchtete, dass die Abstimmung über die Farben und Dekore nur mit grob gepixelte Videokonferenzen viel zu lange gedauert hätte.

"Ich sehe nichts!" jammert der Märzhase. Wie soll er blind den Zuckerguss auf die Teigteile verteilen? "Nimm das nächste Mal doch keinen Mundschutz für Großtiere." Lopsi ist etwas genervt von dem bunten Hasen. EIne große Hilfe ist er gerade nicht, dabei hat Lopsi doch überall im Haus für kleine Produktionsstraßen gesorgt, damit die Arbeit flüssig ohne Störungen vorangeht.

Im ersten Stock werden die Eier in Serie gefärbt und schnell mit einfachen Mustern bemalt. Die graue Häsin eilt von Station zu Station und kullert dabei die Eier mit. Wenn eine Farbe trocknen muss, springt sie wieder zur nächsten Position um eine andere mit schnellen Pinselschwüngen zu dekorieren.

Die Hasenmäuse haben es ins Haus geschafft. Zwei verstecken sich im Badezimmer und schauen sehnsüchtig der grauen Häsin bei der Arbeit zu. Wie kommen sie jetzt an der geschäftigen Eierstraße vorbei zu den Süßwaren in den Regalen dahinter?

"Du Schisser!" Die Maus im Hasenmantel schwitzt schon die ganze Zeit unter der Kutte. Und nun soll sie allein die Eier und Süßigkeiten organisieren, während der weiße Hasenmäuserich im Bad zur Sicherheit alles im Blick behalten will. "Nichts da, das machen wir zusammen!"

 Die graue Häsin ahnt nichts von all dem, was hinter ihrem Rücken passiert. Sie ist vollkommen in die Arbeit vertieft und überlegt, ob rote Eier blaue oder lila Punkte bekommen sollten? Oder doch lieber grüne Streifen?

 Als die beiden Hasenmäuse endlich aus dem Versteck kommen, merken sie sofort, dass sie sich keine Sorgen hätten machen müssen. Die Tarnung funktioniert und auch sonst achtet keiner auf die beiden. Es ist der Endspurt der letzten Stunden vor Ostern. Alles soll frisch sein, aber zu spät geliefert, sind bunte Osternester keine Freude.

Endlich stehen sie vor dem Ziel ihrer Wünsche. Ein ganzes Regal voller Kuchen, Gebäck und anderem Süßkram. Mist! Sie haben Beutel und Taschen vergessen und alle Nester und Körbe sind hier schon gefüllt. Haben Osterhasen denn keine Kiepen mehr? WIe sollen sie die ganzen Leckereien jetzt wegschaffen?

 Vielleicht haben die anderen Hasenmäuse im Erdgeschoss eine Idee, was sie jetzt tun sollen. Doch als die Maus im Hasenmantel gerade runter stürmen will, hält sie auf der Treppe inne. Unten stehen zwei große Hasen und zurück kann sie gerade auch nicht.

Der Novemberhase sieht herrenlose Eier über den Boden kullern. Dafür stapeln sich die Nester hinter dem Auto, statt darin zu verschwinden. Und die blaue Häsin hat ihre Möhre mit unter den Mundschutz gestopft, der sich jetzt beim Kauen ständig bewegt. Er schaut schnell auf seine Uhr. So wird das nie was mit pünktlichen Ostern. Sie müssen schneller werden und viel, viel, viel präziser!
Der einzige Fremdarbeiter in der Osterwerkstatt – der Bär mit Hasenohren – wartet in der Küche, bis der nächste Schwung hartgekochter Eier fertig wird. Er köchelt auf dem Herd erst einige Minuten und muss danach noch ordentlich erschreckt werden. Fiese Grimassen unterm Mundschutz zu ziehen reicht da nicht.

Der lila Mausenager hat inzwischen wenigstens schon Hefeteilchen entdeckt, die zum Glück sogar in einer Kiste verpackt sind. Die wird er sich schon mal vormerken, aber vielleicht liegt in der nächsten Ecke noch was Leckeres.

Lopsi schaut ob der Märzhase mit dem Bemalen der Einzeleier vorankommt. Der verrückte Hase kennt die wildesten Farbkombinationen, aber es dauert manchmal etwas länger, bis die Farbe aufs Ei kommt. Dafür bekommen Tisch, Boden und die umherstehenden Möbel ein poppiges Sprenkeldekor.

 Das sieht doch alles schon sehr schön aus – im und neben dem Eierbecher. Der bunte Hase hüpft begeistert um seine Meisterwerke. Und ist vollkommen schokiert, dass er gleich noch mal vier weitere bemalen soll.

Die beiden Mäuse haben das Richtige gefunden. Schokohasen – leider ohne goldenes Einwickelpapier! Das wird ein schmieriger Transport, wenn die Schokolade unterwegs schmilzt. Vielleicht liegt in diesem ganzen Durcheinander noch etwas Metallfolie. Auf die Glöckchen können sie gern verzichten, sie wollen ja unerkannt bleiben.

 Unten an der Treppe hat der ängstliche Hasenmäuserich eine tolle Entdeckung gemacht: Fertig gepackte Osternester – gleich abholfertig bereit gestellt. Da könnte doch jede Maus eins in jede Pfote nehmen und mit zwei Stück unbemerkt in ihrem Versteck verschwinden.

 Nun, unbemerkt sind die eifrigen Mauseaktivitäten nicht geblieben. Doch Nugget lehnt sich entspannt zurück. Von so ein paar Nagern lässt er sich nicht aufscheuchen.

 Sie haben alles zusammen. Mehr können sie auf einmal nicht wegtragen. Jetzt schnell weg, bevor ihre geheime Mission auffliegt, weil jemand noch Alarm schlägt.

 Die Hasenmäuse schlagen sich gerade in die Büsche, als der große Hase in den Rückspiegel blickt. Er kann es nicht fassen: Sie sind viel zu spät und die Osternester werden sicher nicht reichen. Und da bekommen sie auch noch Beine, weil hier einige Kunden nicht auf ihre Zuteilung warten können!


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein

Es sind schon über fünf Jahre, dass sich bei uns die Hasen um die Osterversorgung kümmern. Sie haben dabei schon die unterschiedlichsten Methoden ausprobiert. In diesem Jahr gibt es wieder eine Werkstatt – diesmal im knalligen 70er-Ambiente mit Flachdach. Auch der Ärger mit den knapp geschnittenen Smart-Cabrios geht in eine weitere Runde. In Zeiten der Corona-Krise wird es natürlich auch für die Osterboten nicht leichter: Mundschutz, Abstandsregeln und die kontaktlose Übergabe in den Wohnungen sind zusätzliche Hemmnisse, wenn die Zeit – wie immer – knapp wird. Da hilft die Selbstbedienung von vorwitzigen Schokovertilger nicht wirklich.


Die Hasenmäuse sind glücklich zurück im Versteck. Sie haben reiche Beute gemacht, über die sie sofort herfallen. Vergessen sind die wartenden Fluchtwagen. Und wer will schon bis morgen warten?

Upps! Sie werden gestellt! Die Hasen sind ihnen gefolgt und haben ihr Versteck entdeckt. Vielleicht hätten sie doch leiser jubeln und schmatzen sollen?

Nur die Schokohasen dürfen sie behalten. Die haben den Transport nicht unversehrt überstanden und die meisten sind sicher schon angeleckt.

 "Jetzt schnell zurück!" Der große Hase treibt alle zu Eile an. "Keine Zeit! Wirklich keine Zeit! Absolut keine Zeit!" Sie haben zwar einige Nester retten können, aber dabei so viel Zeit verloren.

Da haben die Hasenmäuse Glück gehabt. Die Hasen ziehen wieder ab und nicht die ganze Beute ist weg. Megan beißt zufrieden in den Schokolöffel. Diese Schokoschmiere ist klasse. Und morgen findet sie sicher noch ihr offizielles Osternest.


Donnerstag, 2. April 2020

Maskeneinkauf



"Das ist doch nur ein besseres Wischtuch vor dem Gesicht," muffelt Jack über das Tragen eines Mundschutzes im Supermarkt. "Der ist doch zum Schutz für die anderen, damit du deine Viren ihnen nicht ins Gesicht rotzt." Alice findet, dass auch kleine Schritte helfen. "Pah, ich rotze in die Armbeuge und wenn wäre das ja was für 'Lissspler" mit ihrer feuchten Aussssprache."

In den Zeiten von Corona - genauer der Covid-19 Pandemie (Alice kann da sehr genau sein) – sollen alle wenigstens einen passiven Mundschutz tragen, wenn sie einkaufen gehen. Aufgeregt wuseln die Mäuse durch die Gänge, um für die nächsten Tage kleine Vorräte einzukaufen. Eine Maus ist vielleicht ein Nagetier – aber noch lange kein Hamster. Wobei, die machen vielleicht dicke Backen, aber warum gibt es keinen Generalverdacht gegen Eichhörnchen? Die legen doch überall Vorratsnester an, um im Ernstfall die Hälfte zu vergessen.

Die Versorgungslage bei Obst und Gemüse ist noch sehr gut, es gibt eine reichhaltige Auswahl auch aus fernen Ländern, als ob nicht die meisten Flieger am Boden stehen würde. Aber im Regal für Nudeln, Reis, Kartoffelpüree, Mehl und Zucker gibt es riesige Lücken und ein paar einsame Pakete mit Ladenhütern wie Instant-Flocken für Semmelknödel mit Röstzwiebelaroma. Die werden dennoch gleich in der Tasche von Valentina verschwinden. Die Maus kann nur den Kopf schütteln. Mit diesen schmalen Resten werden auf ihrem Einkaufszettel viele Ausfälle blieben.

Der kleine Wolf schüttelt auch nur den Kopf. Ständig saust er ins Lager, um einige der Regale immer neu aufzufüllen. Aber wenn er wenig später nachschaut, gähnt da wieder ein großes Loch. Vielleicht sollte er sich den Umweg sparen und die Kunden gleich durch das Lager führen.

Wobei … einige Artikel sind wirklich selten geworden. Pink hat noch eine Box mit Frischhaltetüchern und zwei Flaschen mit Desinfektionsreiniger entdeckt und sofort eingesackt.

Der rote Bär entdeckt einen echten Schatz in der Deko. Eine Rolle Klopapier hat sich unter einer Häkelmütze versteckt! Dafür ist das Fach für Müllbeutel fast leer und bei den Putzmitteln liegen nur Streusand, Gallseife und Bohnerwachs wie Blei in den Auslagen.

Victoria möchte rechtzeitig die Vorräte in ihrer Käsevitrine auffüllen, um auch für eine längere Quarantäne vorzusorgen. Sie kann sich nur noch nicht entscheiden, welche Käse sie nach Hause rollen will. Ganze Laibe halten sicher länger als aufgeschnittene Tortenstücke. Und manche Käsesorten werden mit der Lagerung noch viel aromatischer. Aber dass ein dreimonatiger Rohmilchkäse bei ihr noch sieben weitere Monate reifen kann – das glaubt sie selber nicht.

Auf jeden Fall nimmt sie einen Handvorrat von kleinen Rundkäsen mit … als Snack für zwischendurch.

Albert wartet, bis Victoria sich endlich entschieden hat. Er würde gern einen Schluck Wasser aus dem Wasserspender nehmen, doch irgendwie stört der Mundschutz und er sucht noch die Einwegbecher. Da tippt ein Finger auf seine Schulter …

"Hey du," spricht die dunkle Gestalt im Mantel Albert von hinten an: "Hey du, womit wischt du dir jetzt noch den Po ab?"

"Natürlich mit Klopapier," dreht sich der Mäuserich um. "Psst, nicht so laut, es muss ja nicht jeder hören, dass wir über Klopapier reden." Der Fremde neigt sich zu Albert runter: "Und, hast du noch Klopapier?" Albert bemüht sich zu flüstern: "Es wird Tag für Tag weniger und in den letzten beiden Wochen war es hier immer ausverkauft." "Dann ist ja gut, dass ich welches habe," antwortet der große Mantelträger. "DU HAST KLOPAPIER!" ruft Albert begeistert. "Psst, nicht so laut." "Du hast Klopapier …" flüstert erschrocken der Nager im hellblaue Samtfrack. "Genaaau."

Zum Beweis lüpft der Affe die linke Mantelseite, bis im Innenfutter die ersten Rollen blitzen.

"Und, willst du Klopapier?" Albert nickt eifrig: "NATÜRLICH!" Er ist doch kein Wellensittich, der mit einer alten Zeitung als Unterlage zufrieden ist. "Psst! Muss ja nicht jeder mithören." Der Mauseherr zuckt zusammen: "Du würdest es mir verkaufen?" Er wirft einen letzten Blick auf die Rollen, bevor der Mantel wieder zuklappt: "Genaaau."

"Ich bezahle die Rolle dann vorn an der Kasse?" Albert versteht noch nicht, warum der Supermarkt das Klopapier nur noch einzeln und persönlich übergibt. Und warum der Fremde keinen weißen Kittel trägt, wie die anderen Mitarbeiter. "Nun, ich bin selbstständiger Einzelhändler und nur hier, weil meine Kunden auch hier sind," erklärt die dunkle Gestalt. "Dann gehörst du gar nicht zum Personal?" "Genaaau. Deswegen habe ich ja noch ein paar besonders gut gewickelte Rollen für spezielle Kunden." Der Affe blickt sich schnell um, ob auch niemand sie belauscht. "Die sind aber ruckzuck weg." Albert schluckt: "Ich kaufe bei dir direkt?" "Genaaau."

"Jack, leg deinen Mundschutz an." Alice findet es überhaupt nicht witzig, dass der Mäusejunge ihn runtergezogen hat, als er sich zwei Lutscher gegriffen hat. "Wie soll ich denn lutschen, wenn ständig ein Stofffetzen vor der Nase hängt?" Es reicht doch, wenn die Süßigkeiten alle unter Quarantäne sind, weil alles einzeln in Folie verpackt ist.

Menno, Alice ist so eine Schlaumeier*in: "Gelutscht wird erst, wenn sie bezahlt sind." So lange kann der kleine Matrose auch mit dem Mundschutz warten und sich draußen dann in eine einsame Ecke verziehen. "Wenn alle anderen so eine Maske tragen, kann ich auch ohne gehen." Muss ihm ja keiner nachmachen.

Der Hase ist aufmerksam geworden. Was zeigt der Affe heimlich der kleinen blauen Maus? Das sieht doch verdächtig nach Klopapier aus. Er hat schon die Tiefkühlwaren und Bananen gebunkert. Auch etwas Schokolade für die eigene Belohnung, wenn er nun alle Tage brav im Bau bleibt. Aber die kostbare Rollenware für stille Orte fehlt noch im Einkaufswagen.

Er spricht die große dunkle Gestalt im weiten Mantel an. "Ihr habt das weiße Gold unserer Tage?" Der Affe bürstet ihn unwirsch ab. "Warte doch, bis du dran bist!" Er hasst es, mitten im Verkaufsgespräch unterbrochen zu werden, wenn der 'Fisch' gerade am Haken zappelt. Sonst springt er doch noch davon.

Der 'Fisch' äh Albert lässt sich von irgendwelchen Konkurrenten längst nicht mehr beiseite schieben. Im Gegenteil, er sollte zugreifen bevor diese letzten Rollen auch noch weg sind. Zumal er nur noch jetzt einen streng limitierten Sonderpreis als persönlichen Bonus bekommt. "Weil ich so ein guter Kunde bin …" "Genaaau."

Die Verhandlungen sind fast abgeschlossen: Der kleine Nager im blauen Frack muss sich nur noch zwischen 'drei-lagig flauschgenoppt' und 'vier-lagig supersoft' entscheiden. Natürlich kann er nicht mit Karte zahlen und es gibt keine Punkte. "Nur Bares ist Wahres," murmelt er, als er nach dem Portemonnaie nestelt. "Genaaau."

"Ich habe eine Quittung!" Albert versteht gar nicht, warum Victoria sich aufregt. Damit bekommt er seine Rolle gleich sicher durch die Kasse. Er hat sich immerhin um die gemeinsame Versorgung mit überlebenswichtigen Wertstoffen gekümmert. Bevor das letzte Blatt runtergespült ist und die Familie in die sprichwörtliche Pappröhre guckt.

Das ist mal wieder typisch für ihren Albert. Kauft er mitten im Supermarkt für einen Horrorpreis eine einzelne Rolle Klopapier. Als wenn das wirklich helfen würde. Victoria seufzt, sie hat längst nachgefragt und sich vom weißen Wolf für morgen ein 12er Paket zurücklegen lassen. Das kostet dann sicher weniger als Alberts Einzelstück. Der Affe ist inzwischen weitergezogen und verhandelt längst mit dem nervösen Hasen.


Idee: SchneiderHein       Fotos: W.Hein

Ewige Kinder meiner Generation haben es sicher sofort erkannt: Das Verkaufsgespräch mit dem Affen und Albert ist eine direkte Hommage an die dubiosen Geschäfte von Schlemihl mit Ernie in der Sesamstraße. Es ist zwar kein 'A' oder eine 'Flasche mit Luft'. Aber der immer noch andauernde Hype um Klopapier ist im Moment auch kein Deut vernünftiger. Einige eifrige Käufer machen wahrscheinlich aus den gekauften Paketen eine Dämmung für den Innenraum in der kalten Jahreszeit. Oder planen eine Zweitwährung für die Zeit nach dem Euro. Eine Rolle hat 250 Blatt, man kann also auch kleinere Beträge rausgeben.