Montag, 3. September 2018

Mobile Zeiten



Ihre Hoheit ist ungehalten. Das läuft gar nicht wie geplant. Es prangt das königliche Wappen auf dem weißen Lack. Aber was ist das für ein Gefährt? Es hat so wenig von einer Nobelkarosse.

"Aber Euer Gnaden, ihr fahrt damit an der Speerspitze des Fortschritts." flötet der Kammerherr. "Die Elektromobilität wird die Zukunft auf unseren Straßen sein." Der Kammerherr braucht gut Wetter. Nicht so sehr, weil sie praktisch im Freien sitzen. Er hat dieses Vehikel besorgt, als der König unbedingt einen fahrbaren Untersatz wollte. Dieser schien ihm dabei das geringste Übel mit den geringsten Unterhaltkosten zu sein. Denn selbst wenn dies eine Leihgabe ist, den Unterhalt müsste sie dafür doch bestreiten.

So grummelt der König in einem offenen Elektroschuhkarton, der so winzig ist, dass der Fahrer neben ihm sitzt. Selbst schnöde Blechteile bekommen einen größeren schwarzen Kasten auf Rädern, wenn er sich umschaut.

Wenigstens können die Sicherheitsleute ihn begleiten. Am Heck dieses kuriosen Gefährtes ist eine kleine Ladefläche, auf die sich die Leibwache stellen kann, wenn sie sich gut festhält. Diese königliche Kutsche ist keine Raketentechnik, da muss auch niemand befürchten, bei einem Raketenstart und Lichtgeschwindigkeit sofort wieder abgeworfen zu werden.

Im Moment sichern die Sicherheitsleute den Bereich großflächig. Denn sie stehen gemeinsam im Stau und kommen höchstens im Schritttempo voran.

Leonidas rümpft die Nase – ohne zu tief einzuatmen. Es ist einfach ätzend, die Spitze der Elektromobilität zu sein, wenn man dabei zwischen lautern Stinkern festhängt. Da säße er schon lieber in einem vollklimatisierten, perfekt abgeschotteten Wohnzimmer auf Rädern und nähme die Umwelt gefiltert durch getönte Scheiben wahr.

Er wird sich künftig um einige Dinge selber kümmern. Wenn ein Monarch immer alles anderen überlässt, braucht er sich nicht zu wundern, dass das Ergebnis anders wird, als er es erwartet. Morgen fängt er mit der königlichen Fortbewegung an.


Fotos: W.Hein

Da hat der Kammerherr den König in eine schöne Situation manövriert. Mitten in den Stau mit einigen guten Bekannten. Bis auf Leonidas ohne Land und seinen ziemlich dienstbaren Geist von Julia Nazarenko müssen hier die Bären und Hasen von Deb Canham warten, bis es wieder schrittweise voran geht. Das prächtige Wappen am könglichen Gefährt hat Moloko88 gesttaltet und der Hofstaat für den Kammerherrn bei Shutterstock besorgt.


Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Was für ein toller Fuhrpark :O)))
Danke für die schöne Fortsetzung ....
Habt noch einen wunderschönen Tag!
♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

Anonym hat gesagt…

Da haben wir ja wieder einiges zum Lesen nachzuholen, das Ende des Sommers haben wir zum Beispiel noch gar nicht mitgekriegt, hier blühen nämlich gerade die Rosen zum dritten Mal. Um den tollen Billad-Tisch beneiden wir Euch wirklich. Unser alter Bärenonkel Kasimir, der ja seinerzeit ganz nach Siziliem ausgewandert ist, war als junger Spunt mal Bärenregionalmeister im Minitischbillard. Jetzt spielt er allerdings nur noch so zum Spass, in seinem Alter spielen die Knochen nicht mehr so mit.

Und Euer schickes offenes Sommergefährt sieht uns ja fast eher aus wie ein Fahrzeug vom Golfplatz (wie heissen die Dinger nochmal? Caddy?).
Heutzutage kann ja jedermann Golf spielen und ist nicht mehr nur Königs vorbehalten, Daher sollte sich Euer Monarch mal überlegen, ein Turnier mit dem gemeinen Volk zu veranstalten. Das bringt Spass, der schicke Wagen käme zu besonderem Einatz und müsste nicht mehr so oft im stinkenden Verkehrsstau stehen :-)

Wir werden heute zwar nicht golfen gehen, aber das Wetter ist so herrlich sommerlich, dass wir im Garten Krocket spielen wollen und anschliessend vielleicht noch ein paar Würstchen grillen

Viele (spät)sommerliche Grüsss
von den Kuschelbären

heinwerken hat gesagt…

@ Claudia,
hier ist es ja eher ein "Stehpark". Dafür hat man auch mehr Zeit, die einzelnen Teilnehmer näher in Augenschein zu nehmen ;-)

Allerliebste Grüße zurück Wolfgang


@ Kuschelbären
Das Ende der Ferien wäre vielleicht passender gewesen, denn es stimmt. dass sich das Wetter in den letzten Tagen immer wieder von der sonnigen Seite zeigt. Da kann es gut sein, dass kleine Bären und Schweine auch bei uns mit dem Grill in den Garten ziehen, um ganz vegetarisch etwas garantiert Ferkelfreies auf den Rost zu werfen. Und die Erdmannen jubilieren bei der Vorstellung, ein Krocket-Turnier zu veranstalten. Haben die Mäuse doch die Ausstattung zum Glück wieder aus dem Urlaub mitgebracht. Der Kammerherr stöhnt dagegen bei dem Gedanken auf, dass der König auch noch Golf spielen will. Wenn er auch dafür einen Hoflieferanten findet, der ihm eine Ausrüstung und Clubmitgliedschaft für ein königliches Lob "leiht"…

Viele nochsommer Grüsse zurück