Sonntag, 23. August 2015

Nächstes Jahr



"Von wegen Co!" schnaubt Gerome. Der Giraffenbulle muss gar nicht in den neuen Kalender schauen. Die Giraffen als langjährige, unverzichtbare Gartenbewohner sind hier garantiert wieder zu nullkommanull Prozent in den zwölf Motiven vertreten. "Zu viele Bären," grummelt der aufgebrachte Langhals, bevor er davonstapft: "Viel zu viele Bären."

Alisa, Maylin und Helen haben den neuen Aufkleberkalender entdeckt. Sie finden nicht, dass es zu viele Bären sind. Eher noch zu wenige, denn beim Juli-Bild, wo Anna die Blumenkette hochhält, haben ihr die drei kleinen Bärinnen eigentlich dabei geholfen. Aber davon ist jetzt nichts mehr zu sehen.

"Maylin, menno, stell dich nicht so an!" Wenn sie schon nicht im Kalender sind, können die kleinen Petzelinen die Aufklebermotive von den Seiten abziehen und im Haus verteilen. "Und wenn wir Frau Fuchs einen auf den Rücken patschen … hihi … das merkt die nie!" gluckst Alisa. "Aber die anderen werden gucken," nickt Helen. Aber Maylin will ihnen die Aufkleber nicht geben: "Der Kalender ist für das nächste Jahr. Den muss man erst komplett weggucken, bevor man die Bilder überall hinkleistern darf."

Die verhinderte Kapitisse – bis jetzt weigern sich die Seebären hartnäckig, ihr das ganze Schiffsschoffösenzeugs beizubringen – hat den 'Teddy & Co' Postkartenkalender entdeckt. Voller Interesse betrachtet sie die einzelnen Blätter. So etwas steht erst auf ganz vielen Tischen und wird dann noch in die ganze Welt verschickt. Dann werden das doch berühmte Bären.

So 'berühmt zu sein', das wäre auch ein Job für die Kapitisse. Sie könnte doch so ein allseits beliebtes Kowagörl werden. Sie macht schnell ein paar Bilder hier im Garten und als Kalendernager strahlt die ehrgeizige Neukommerin dann in unzähligen Haushalten. Wer braucht schon noch mehr Bären, wenn er eine schnieke Rättin bekommen kann?

Das mit dem Posen bekommt Antonetta mit Leichtigkeit hin. Sie dreht sich nach links. Sie dreht sich nach rechts. Schüttelt lachend die Schnurrhaare. Streicht sich neckisch über das Ohr. Sie würde sich auch sofort über dem Steg rekeln – wie dieses Pulloverschaf.

Damit es nicht so langweilig wird, kann die schlaue Rättin natürlich auch die Kleider wechseln. Statt in maritime Streifen schlüpft sie in ein leichtes Sommerkleid. Dann wird jedes der zwölf Kalenderblätter interessant. Weil man nachsehen muss, was der Schuhtink-Star jetzt schon wieder trägt. Also der Name müsste natürlich auch anders werden: 'Antonetta & Co', wenn sie jetzt nur wüsste, wer dieses 'Co' sein soll.

Die Pfote leicht heben, die Pose halten. Jetzt sieht sie genau aus wie dieser Geweihbär im Dezember. Den Monat kann das Kalendergörl auch. Doch halt! Da baumelt eine grüne Umhängetasche am Pummelren … die Glämmer-Nagerin braucht unbedingt noch einen modischen Schopper, wenn sie über den Laufsteg tänzelt.

Was für ein Glück, dass die eifrige Rättin nicht nur Kowa-Star kann, sondern auch Schoppink-Kwien werden will. Da kann sie dort hemmungslos einsacken und für den Kalender aus dem Vollen schöpfen. Das wird ein toller Kalender – im nächsten Jahr.


Fotos: W.Hein

Es ist wieder so weit, die neuen 'Teddy & Co' Bärenkalender für 2016 aus dem Kawohl-Verlag sind erschienen. Das ist schon die fünfte Ausgabe. Damals 2011 hätten wir nie gedacht, dass es bis jetzt jedes Jahr einen neuen Kalender gibt. Da wir bei der Bildauswahl keinen direkten Einfluss haben, können wir natürlich nicht versprechen, dass es für 2017 eine Rattenausgabe werden wird.


Samstag, 15. August 2015

Tüdderkram aus aller Welt



"Uijuijui! Das klingt ja wieder mal nach ganz dickem Semannsgarn" Der graue Seebär mag da gar nicht so genau hinhören.

Dafür hängen Antonetta und Doppelblau an den Lippen des kleinen Seehasen: "Natürlich ist das echtes Seemannsgarn, das hier zusammengeponnen ist."

"Wenn so ein Pott auf große Fahrt geht, ist es die meiste Zeit ziemlich öde. Und dann erzählen sich die Matrosen ihre beste Geschichten: Von Meerjungfrauen und Sirenen, die mit lautem Liebesliedern die Seeleute in ein feuchtes Unglück locken. Oder von Hafenspelunken mit leichten Mädchen, die so heißen, weil sie die Männer um die Heuer erleichtert haben, wenn die am nächsten Tag mit einem schweren Kopf aufwachen. Und von Piraten, die Schiffe mit falschen Lichtern an zerklüfteten Küsten mit scharfen Riffen zerschellen lassen. Und wie der Smutje seinen falschen Goldzahn aus Versehen in der Suppe mitgekocht hat. Aus diesen Geschichten und vielen anderen werden mächtige Tampen geflochten, wie dieser hier." Hasenmaus hat sich so in große Fahrt geredet, dass er gar nicht bemerkt, wie die Ratte dem blauen Jungen zuflüstert: "Ich glaube, er erzählt uns was vom Seepferd." 

Dabei wissen nicht nur blauen Seehasen Bescheid. Auch die kleine weiße Maus kennt den Fachhandel für Seemannsgarn und anderen Tüdderkram aus aller Welt. Sie war schon mal mit Genni im Laden, um nach maritimen Gedöns zu suchen, das sich immer gut in der Deko macht und in jedem Neubau im Vorort den würzigen Duft von Abenteuer und der weiten Welt wehen lässt.

Während Genni Sinclair nach den neusten Altwaren fragt … sie sollen doch aussehen, als ob sie mindestens eine Weltumseglung und eine Sturmflut überstanden hätten … während Sinclair also noch überlegt, ob in Südostasien beim Basteln der Instant-Antiquitäten diese auch ordentlich geschmirgelt und abgewetzt werden, hat die weiße Maus einen kleinen Tiefseetaucher entdeckt. Den würde sie ja gern für die Badewanne mitnehmen. Wenn sich der Taucher dabei nicht unterfordert fühlt.

Ein eigener Laden für maritime Kurzwaren mit Unterhaltungswert? Kaum zu glauben, da will dieses Langohr Antonetta einen riesigen Seebären aufbinden. Mit diesem geflochtenen Band aus feinstem Seemannsgarn, das der Hase ihnen jetzt großzügig überlässt: "Ihr könnt es ja mal anfassen, wenn ihr mir nicht glaubt." Doppelblau nickt eifrig, natürlich ist das geflochtene Seegeschichte: "Oh ja, das ist ja ganz wunderprächtig."

In der Ecke sortieren die beiden Leichtgehilfen die Auslagen und sperren sperrige Schnüre, Taue und Tampen wieder in die Schübe. Jetzt bloß nicht 'Bändsel' sagen, aber die Verkaufsgespräche überlassen beide sowieso dem Chef.

"Schau mal, Genni, eine große Atlantiküberfahrt mit ohne Eisberg – schon sauber aufgewickelt" Die kleine Maus hat endlich das richtige Seemanngarn aus den Schubladen gezogen. Zuerst sah es ja nach nichts aus, aber dann musste Sinclair den beiden mit dem Eisberg nur auf die Sprünge helfen.

Das muss auch Hasenmaus, er spürt noch ein gewissen Unglauben bei seinen beiden Zuhöhrenden. Noch mögen sie nicht zugeben, dass sie hier echtes Seemannsgarn in den Pfoten halten.

Lotte hat lange genug zugehört. Sie wundert sich, dass die alten Seebären dabei so ruhig bleiben. 'Seemannsgarn' ist doch nur Seemannsgarn.

"Tschäh, das kann nicht wissen," Die alten Zausel wollen sich nicht so festlegen lassen: "Manche sagen so – andere sagen wieder so." Eigentlich sind sie einfach zu neugierig, wie weit es der kleine Seehase noch treiben kann.

Ehrfürchtig lässt Doppelblau die Knoten durch die Pfoten gleiten. Endlich darf der kleine Bär das kostbare Tau allein anfassen. Antonetta wird schon ungeduldig, aber noch kann Doppelblau nicht davon lassen. Wie gern hätte er dieses Stück maritime Geschichte. Doch das kann er sich sicher nicht leisten. "Das ist auch unbezahlbar!" ruft Hasenmaus.

Lotte schüttelt die Löffel. Dieses Langohr ist doch ein Schande für die ganze Sippe. "Wollt ihr ihn nicht aufhalten?" Die alten Seebären sollten es doch besser wissen.

Die winken ab: Flunkern ist wichtig für die B-Note. Der kleine Leichtmatrose muss doch immer noch die Prüfung zum Seebären ablegen.

Im Laden gibt es immer noch dieses unentwirrbare Knäuel voller aufgespleißter Seemannsgarne, wo alle Geschichten durcheinander gekommen sind. Wenn man daran zieht, verschlingen sich die einsamen Inseln mit den Kannibalen und drücken auf die Weltumsegelungen. Oder man zieht den weißen Hai hervor, wenn es eine einsame Badebucht im Mittelmeer sein soll. Die wilde Fahrt um Kap Horn ist hoffnungslos mit dem Titanic-Eisberg oder dem Südseeparadies verknotet. Zerschneiden dürfen sie den Haufen Garnspliss nicht, aber so sind die Tampen eigentlich unverkäuflich.

Vielleicht sollte es den Besuchern zu denken geben, wenn sich ein kleiner Flunkerkobold aus dem Ostfernsehen hier so wohl fühlt.

In den glühensten Farben schildert Hasenmaus immer neue Gefahren der Hochsee-Schifffahrt, die nur der Laden mit seinen handlichen Schnüren jedem in seinem gemütlichen Heim bieten kann: Sturmfahrten im Krähennest, einäugige weiße Wale, die sich mit Riesenkraken um die Schiffe streiten. Aber auch männermordende Meerjungfrauen und wackere Feuerschiffe mit Leuchtfeuern – beide haben ja Sirenen – sind hier in diesen Erzählungen verwoben.

Doppelblau kann nur staunen. Er blinzelt so viel er will, er sieht immer nur ein blaues Band. "Ja, das können auch nur die echten Seefahrer sehen. Die mit Seemannspatent und Äquatortaufe mit Diplom." Wieso dann aber eine Hasenmaus das alles sieht, bleibt den echten Seebären ein einziges Rätsel. Ist der denn schon über den Gartenteich hinaus gekommen?

Auch Belly wird es zu viel. Er greift seinen Seesack, dazu ein wenig Tüdderband und heuert lieber auf dem nächsten Maschseedampfer an.

Das kümmert keinen großen Geist – auch wenn er in einem kleinen Seehasen steckt. Hasenmaus schwärmt weiter von seinem quasi unbezahlbaren Seemannsgarn. Er muss nur aufpassen, damit er es am Ende nicht doch wieder mit nach Hause nehmen muss.

Das geht doch auf keine Seekuhhaut! Der Geist der Sefahrt kann es nicht fassen, was eine Hasenmaus hier zusammenspinnt. Und dann die Gedanken so verknotet, bis in diesem Lügengespinst keiner mehr rausfindet. Das lässt ein geist sich nicht bieten und verschwindet wieder…

Sinclair zeigt sein öligsten Lachen, als Genni mit zweienhalb Klaftern bestes Seemannsgarn abzieht. Ihr ganzes Monatsgeld hat sie dafür gegeben. "Beehren Sie uns bald wieder." So leichtgläubige Kunden sind hier gern gesehen.

Antonetta hat Hasenmaus sein Seemannsgarn dagegen glatt für Umme abgeschwatzt. Aber braucht eine Kapitisse so etwas?

Genau untersucht die Anwärterin auf große Patente den neuen Schatz. Der Erzähltampen ist schon schick mit Goldband. Dass darin wilde Erzählungen über Schiffbruch, Verrat oder Untergang mit Mann und Maus verwoben sein sollen, mag sie kaum glauben. Und wenn dies auch nur eine keusche Version für junge Rättinnen ist? Mit säuseligen Südseeträumen, einem drolligen Seepferdchenballet und einem Bad mit fluffigen Badeschwämmen?

Vielleicht sollte sie selber den Laden für Tüdderkram aus aller Welt aufsuchen, um an die wilden Schnurren zu kommen.


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein

Ein weiteres Beispiel für den florierenden Einzelhandel, dem es immer wieder gelingt unseren Helden Angebote zu machen, denen sie nicht widerstehen können.


Sonntag, 12. Juli 2015

Ein Tor zum Wundern



Sie rüttelt aus Gewohnheit am Tor und als sich nichts rührt, huscht die Maus weiter. Genni wundert sich, wieso der Torbogen plötzlich an dieser Stelle im Garten steht und welchen Zugang er verwehrt. Denn jedes Mal wenn sie vorbei kommt, rüttelt die kleine Maus an den Gitterstäben am Eingang – in der Hoffnung endlich mal hinter die Torflügel blicken zu können. Doch bis jetzt öffnet sich das Gitter dabei keinen Spalt breit.

Mimi und Finni haben sich im Garten lieber hinter hohen Büschen auf die Lauer gelegt. Auf offener Steinfläche wurden sie schon mal von Riesennagern überrascht. Doch diese Maus hat endlich wieder eine leckere Größe. Es lohnt sich also, bei diesem Gartenkleinsttor zu warten. Nur leider ist die Maus immer so hektisch und so flink wieder verschwunden. Aber da raschelt es schon wieder und leises Schimpfen ist zu hören ...

Der kleine Hutmacher quengelt schon den ganzen Weg. Er drängt dabei selbst ein weißes Mausekaninchen so zur Eile, dass es vergisst "keine Zeit" zu rufen. Der Hütehandwerker will im Wunderland ankommen, bevor wieder irgendwelche Hutgroßkotze ihm die Arbeit streitig machen oder sich bei den ständigen Nicht-Geburtstagsfeiern allzu breit machen. Also würde jetzt bitte endlich jemand dieses Tor öffnen?

Beherzt drückt die kleine Maus unter dem roten Zylinder den sanft quietschende Torflügel auf. Das hatte der Hutmacher immer schon Klein-Alice zeigen wollen: Dieser Hintereingang zum Wunderland ist doch deutlich bequemer als das dunkle Kaninchenloch, das das Mausemädchen beim ersten Besuch nehmen musste.

Mjam, worauf wollen die beiden Miezen noch warten? Es sind schließlich schon drei pelzige Schmackhappen am Tor. Aber Pst! ducken ... da kommen noch mehr.

Drei weitere Mausbraten nähern sich mehr oder weniger entschlossen dem rosenbekränzten Gartentor. Ein besonders stachliger Gesell trippelt nervös mit den Pfoten, weil die Schlafmaus sogar barpfotig mal wieder 'lange Socken anhat'. Die Miezen im Lauerversteck zögern, als sie die grinsende, gelbe Katzenmaus erblicken: Darf katz die nun auch mausen? Oder muss katz hier die kleine Konkurrenz erst wegkatzbuckeln?

Nun reicht es Klein-Alice. Sie kommt zurück und treibt die säumige Schlafmaus zur Eile an. Der Hutmacher wird sonst immer unerträglicher. In sein Schlummerkissen kann sich der schlappe Nager immer noch kuscheln, wenn sie wieder zuhause angekommen sind. Dort wartet sicher eine bequeme Schlaftasse auf den geübten Teegesellschaftsschnarcher.

Jetzt haben die beiden grauen Samtpfoten doch zu lange gewartet und kommen diesen berühmt berüchtigten 'einen Katzensprung' zu spät. Na eigentlich sind das doch schon zwei oder drei Hoppler, denn das Tor ist zu und von dem Nachmittagsimbiss sieht man noch nicht einmal die kleinste Schwanzspitze.

Mit aller Gewalt reißt Finni das kleine Gartentor wieder auf. Das kann doch nicht sein, dass ihr Magen knurrt und die Mäuse so einfach weg sind.

Wo ein Katzenkopf durch passt, kommt die ganze Katze hinterher. Doch der Kopf passt nicht und Finni hängt wimmernd im Gitterbogen fest. "Du braucht einen Trink-mich-Zaubertrank für einen Schrumpfkopf." Diesen blöden Rat hätte sich die Mimi auch sparen können.

Als die graue Miez sich endlich wieder vom Drahtverhau befreit hat, hält sich Finni noch länger den schmerzenden Kopf. Es ist zum Glück noch alles dran und auch die Ohren haben keinen dauerhaften Knick bekommen. Ihre Schwester ist währenddessen einfach hinter das Tor getreten und sucht die flüchtige Zwischenmahlzeit.

Mimi kann es immer noch nicht glauben. Die leckeren Mäuse sind doch durch das Tor gelaufen. Jetzt steht sie dahinter und guckt genau unter jedes Blatt und hebt jeden tiefhängenden Zweig an. Aber da ist nichts ... kein Pfotenabdruck, kein Mausehaar, kein Fetzchen Stoff. Sie sind alle verschwunden ... ohne eine Spur zu hinterlassen. Das ist schon ziemlich wunderlich ...


Fotos W.Hein

Die kleinen Alice-im-Wunderland-Mäuse kommen von DebCanham. Den Rosenbogen stellt der Dekohandel bereit. Der ist leider viel zu klein für die CatSisters von Marjan Balke (Tonni Bears).


Samstag, 4. Juli 2015

Kerl's day



Der alte Zausel schmaucht unentwegt ein lustiges Pfeifchen. So ein Schiffschef hat offensichtlich ein leichtes Leben. Seine Matrosen müssen dafür schon den ganzen Tag die Quetschkommode pressen oder die Mundorgel flink hin und her flitzen lassen. Dann doch lieber als Oberwassermotz die Meerschaumpfeife vor sich hin dampfen lassen und von Zeit zu Zeit einen schönen Rauchring machen. Antonetta muss unbedingt so einen Schiffsführerschein machen. Die junge Rättin will auch eine Kapitisse werden.

Und dafür hat sie sich richtig rausgeputzt: Ein schickes Kleid mit seeblauen Streifen, dazu ein breiter Kragen und ein kecker Matrosenhut. So kann jeder sofort sehen, dass es hier eine junge Rättin ernst meint: Sie will etwas aus ihrem Leben machen, jemand werden und sich nicht mit den anderen ziellosen Nagern durch den Kompost arbeiten. Jetzt muss sie nur noch echte Seebären finden, die ihr alles beibringen können.

Doch leider ist sie heute nicht die Erste bei den großen Fachbären. Dieser kleine blaue Bär hat sich vorgedrängelt und die ehrgeizige Rättin muss unruhig von einer Pfote auf die andere trippeln, bis sie endlich den alten Fahrensmännern diese wichtige, diese einzig wirklich wichtige Frage stellen kann.

"Ich möchte ein richtiger Seebär werden. So schnell wie möglich!" Der kleine Doppelblau hat sich die letzten Tage immer im Schlepptau des hibbeligen Seehasen gehalten, um zu sehen, was ein Leichtmatrosenanwärter so alles macht. Aber wenn es hier jetzt schon ausgewachsene Schwermatrosen gibt, kennen die sicher eine Abkürzung. Weiter kommt der kleine Bär nicht … denn wenn die alten Raubeine schon mal beim Seebärenmachen sind, können sie schnell noch eine Kapitisse dazu machen. "Das will nämlich ich werden," drängelt sich die Rättin nach vorn. "Heiliger Klabautermann," entfährt es da Bo Brummel, auf den hier alle hören.

Die Seebären müssen sich dringend beraten und murmeln dabei in den nicht vorhandenen Seebärenbart. "Das wird jetzt aber unübersichtlich," grummelt Hümpel, "und eigentlich machen wir hier doch Ferien." "Ich weiß, ich weiß," brummelt der Obermatrose zurück. "aber wir haben uns blöderweise schon einmal breitschlagen lassen." Er denkt an diesen eifrigen Hasenmaus. "Und jetzt …" er zupft an seiner verschlissenen Jacke, die nur noch in der letzten Knopfreihe passt … "haben wir bald einen ganzen Kinnergarten am Hals. Wenn das weiter einreißt, will alles, was Pfoten und Fell hat, noch ein rauer Petz auf der noch raueren See werden!"

Also muss der Bo Brummel ein Machtwort sprechen: "Frauen an Bord bringen Unglück und die Ratten bleiben sowieso nie lange, das lohnt sich nicht." Wenn das Schiff untergeht, sind die Ratten weg. Das weiß jeder Seebär und das sollte die Nagerin bedenken, bevor sie … wie war das noch mal … 'Kapitisse' werden will. "Also für das "Von-Bord-Gehen", müssen wir einer Ratte nichts beibringen und eine Frau bleibt besser gleich weg!" Jetzt noch zu diesem Wasserfloh – er wendet sich Doppelblau zu: "Na, du Kurzer musst doch einfach noch wachsen, dann wirst du automatisch ein blauer Junge." Damit sollten sie jetzt wieder ihre Ruhe haben.

Das ehrgeizige Rattenmädchen kann es nicht fassen: "So ein verzopftes, altes Mackerpack von vor-gestern. Von vor-vor-vor-gestern." Antonetta schnaubt, bis die Schnurrhaare zittern: "Die werden noch sehen, was sie davon haben. Wenn sie demnächst an Land hocken bleiben, weil künftig Frauen alles an Bord regeln werden." Sie will jetzt erst recht so eine Schiffs-Schofföse werden und wenn sie dafür hier alle Nagerinnen, Langohrenträgerinnen und Petzelinen davon überzeugen muss, mit an Bord zu kommen. Nixen und Seekühe sind sicher noch nicht genug Frauen für die echte Gleichberechtigung auf See.

Doppelblau ist auch enttäuscht. Aber er muss ja nur warten. So lange lässt er sich erklären, warum Hümpel immer eine Harpune für die Jagd nach Moppel Dick bei sich hat. "Man weiß nie, wann der übergewichtige Wal auftaucht. Plötzlich bläst er an und eh bär sich versieht, stürzt Moppel Dick sich auf den armen Seebären und der liegt dann unter einer riesigen Masse Walfett mit Lebertran." Aber wenn man den wütenden Wal rechtzeitig piekst, pfeift er erschreckt auf und rollt beiseite. Der kleine blaue Bär ist sofort beeindruckt: So einen Pieksstab braucht er auch, wenn er endlich zum See fährt.

Wenn der kleine Doppelblau wüsste, wie gefährlich allein schon das Seemannsgarn ist, das hier gerade gesponnen ist. Es umwickelt den Verstand von kleinen Petzen, bis die ganz geknebelt, sich jetzt schon vor großen weißen Walen fürchten, die plötzlich aus dem Gartenteich springen, um sich auf sie auf die Planken zu werfen. Dabei hatte Hümpel immer schon ein verkürztes Bein. Und so eine selbstgebaute 'Harpune' mit einem Windmühlenmesser sieht doch viel besser aus als eine normale Krücke.

Zwei Langohren beobachten die Seebären schon länger. "Hast Du keine Angst, wenn jetzt hier jeder Seebär werden will?" will Lotte wissen. "Dann ist das doch ein Allerweltsberuf und es wird ganz schön eng auf den Schiffen." Doch Hasenmaus winkt lässig ab: "Pah, ich habe doch einen Riesenvorsprung! Ich kann doch schon ganz viel von diesem Seebärenzeugs. Die Prüfung mache ich mit links!" … "Backbord!" verbessert er sich hastig.

Antonetta nimmt noch einmal Kurs auf die brummeligen Seebären und startet noch einen Versuch: "Habt ihr schon mal eine Rättin zur Seefrau gemacht?" "Natürlich nicht!" Da kann Bo Brummel doch nur den Kopf schütteln. Wer wäre bisher auf so eine verrückte Idee gekommen? Die Nagerin lässt nicht locker: "Aber dann könnt ihr doch gar nicht wissen, wann ich von Bord gehen werde. Vielleicht bleibe ich als Kapitisse ja da. Und selbst wenn, ihr habt doch auch das Schiff verlassen, um hier zu sein."

"Das ist was ganz anderes!" Ein alter Seebär lässt sich doch von einer naseweisen Langnase nicht sagen, was hier jetzt 'von Bord' bedeutet. "Basta!" Und Nager haben noch nie eine Ausbildung bekommen. Die Schiffsratten sind bisher immer ohne ausgekommen.

Die anderen Seebären können dem Brummel nur zustimmen. Das mit dem Unglück durch Frauen stimmt garantiert. Sie fühlen sich gerade nämlich nicht besonders glücklich. 

Endlich zieht die Rättin ab. Da sind sie noch mal davon gekommen: "Die sind wir los, hoffentlich." Aber Sebastian bleibt unsicher: "Ob das mit den Frauen doch noch irgendwann kommt?" Grummelpott zuckt mit den Schultern: "Vielleicht sind ja die elektrischen Komm-Puter schneller und übernehmen vorher die Schiffe."

"Wenn die mich nicht Kapitisse werden lassen," wütend stapft die Rättin wieder ins Haus, "dann … dann werde ich eben vorher Schoppink-Kwien!" Und die Erdbeeren da unten pflückt sie auch gleich. Auf dem Hinweg hat sie die roten Früchte noch hängen lassen – aus Angst vor Flecken auf dem weißen Matrosenkleid. Doch das ist jetzt egal: Als besinnungslose Vielkäuferin kann sie nun so viele Kleider bekleckern wie sie will.


Fotos: W. Hein

Die ehrgeizige Antonetta ist von Marjan Balke (Tonni Bears). Lotte und Doppelblau kommen von Petra Valdorf (Valdorf Bears). Hasenmaus hat von Bell Bears Design bei uns angeheuert. Die blauen Jungs sind als Obermänner eigentlich alles Landratten aus Berlin. Das hören die Seebären natürlich nicht gern. Obermänner, bis auf Hümpel von Kathleen Wallace, den wir aus der Bärenhöhle Mahnke (Hannover) an Bord geholt haben.