Sonntag, 23. November 2014

Neue Blätter für den Garten



Das muss sie unbedingt Lausebär zeigen. Mit beschwingten Schritt eilt Anna durch den Garten. Die Bärin summt vor Vorfreude, seit sie den neuen Teddy-Kalender für 2015 entdeckt hat. Auf dem Titel schaut dieses Jahr ein tiefenentspannter Lausebär die bärengeneigten Betrachter an.

Doch als Anna den Titelhelden endlich findet, kommt die große Bärin zu spät. Der Bärenjunge zeigt Lisa und Kaninchen schon den Kalender "Teddy & Co" und der hat noch viel mehr zu bieten als nur große Bären, die sich im grünen Stuhl rekeln.

Lisa findet den Januar zum Beispiel viel wichtiger. Denn dort kann Kaninchen sich selbst entdecken, wie es von ihr, also Lisa, sicher durch einen Wald von Kunstblumen im Schnee getragen wird. Leider kommen dann ganz viele andere Bilder ohne schlappohrige Kuscheltiere.

"Nein, nein, wir brauchen keinen Kleinbild-Kalender," schüttelt Lausebär den Kopf, als Anna ihm den Aufkleber-Jahresbegleiter unter die Schnauze hält. Währenddessen erklärt Lisa ihrem Langohr, was eine Flüstertüte ist, die Nelleke da auf dem Bild hält. Und das ganz anschaulich - besser anlautlich - also so laut, dass dem kleinen Frotteetier die langen Ohren davonfliegen.

Wer nicht will, der hat schon. Das stimmt diesmal auf jeden Fall. Dann nimmt Anna den kleinen Kalender wieder mit und wird für sich selbst aufstellen. Vielleicht in der Küche oder vor dem schlossgesicherten Schrank mit den Schlickersachen, oder er bekommt einen Sonnenplatz auf der Fensterbank.

Auch für das nächste Jahr gibt es wieder einen neuen Kalender "Teddy & Co" vom Kawohl-Verlag in drei Größen: Als großen Wandkalender, mittleren Postkartenkalender zum Aufstellen und als kleinen Aufkleberkalender, den man besser nicht in kleine Bärenpfoten gibt. Denn die Aufkleber haften fast überall.



Auch andernorts werden sich die neuen Kalenderblätter gesichert:

"Widde-widde-widde es ist aber sehr unglücklich, die Bilder ohne Sicherheitsgurte durch den Garten zu tragen pi-füh." Der silberne Haushaltsroboter hält immer eine Metallhand zur Schafsrettung bereit, wenn der laufende Couchtisch sich klackernd und schnaufend durch das Herbstbunt arbeitet. "Widde-widde-pihuh was machen Laufmöbel eigentlich im Garten? Und endet der Haushalt nicht an der Wohnungstür? Pfüh-tschack!"

 "Wenn ich groß bin, will ich auch so einen Renner haben." Der kleine Waldbär stapft wütend mit dem Fuß auf, dass alle Schellen klingen.

Oh, menno, immer dasselbe mit diesem Dummbatz. Die kleine Mia kann nur den Kopf schütteln. Waldbären sollten unsichtbar bleiben und nicht riesige, knallbunte, weitleuchtende Bärenkalender durch das Unterholz wuchten. Sie sind in diesem Jahr ja noch nicht einmal drin abgebildet.


Fotos: W.Hein


Sonntag, 5. Oktober 2014

Es furunkelt im Garten



Da ist eine kleine Bärin mal wieder viiiiieel zu langsam. So aufgeregt wie Maylin der Alisa zuwinkt, sollte das Bärenmädchen am besten fliegen können.

 "Nun komm doch endlich," wird Alisa von der weißen Petzeline begrüßt. die vor Aufregung fast platzt: "Ich habe einen riesigen Karfunkelstein gefunden!" Maylin platzt jetzt nicht, sie bleibt zum Glück beieinander und verteilt sich nicht explosionsartig im Grün, weil sie endlich jemanden diesen Riesenklunker zeigen kann, der unter dem Farn hervor glitzert. Alisa kann gar nicht fassen, wie man den vorher übersehen konnte. Doch Maylin zuckt nur mit den Schultern: "Ich weiß nicht, woher er plötzlich gekommen ist." Die Hauptsache ist doch: Ich habe ihn gefunden und bin jetzt steinreich!"

Doch so ganz kann es keine der beiden Pelznasen lassen, ein wenig Jungmädchengarn zu spinnen, wie so ein Oschi direkt vor ihren Pfoten im Garten landet: "Vielleicht ist er aus dem Himmel gefallen? Oder er hat einfach die Fassung verloren?"

Alisa runzelt unterm Fell die Stirn: "Das ist doch ein angeeckter Brilli –mit so vielen Glitzerkanten! Trägt man solche Brillis nicht in einem Ring oder Diadem?" Jetzt schüttelt ihre Freundin den Kopf: "So einen Riesenklunker soll man auf einen Ring kleben können? Der ist dann wohl für Guudzillas Braut!" Dann sollten sie den Monsterstein schnell wegschaffen, bevor jemand nachgucken kommt und ihren Lieblingsgarten dabei verwüstet. Sie benötigen wirklich Hilfe.

"Du könntest wirklich mehr Verantwortung im Gartentransport tragen, dieser Furunkelstein sieht sehr schwer aus." Alisa hat den silbernen Haushaltsroboter aus der Küche hinzugezogen. Und das mit Ziehen kann man ruhig wörtlich nehmen. Die kleine Bärin musste die blecherne Haushilfe den ganzen Weg am langen Spiralroboterarm in den Garten zerren. Und auch jetzt zeigt der Metallspund wenig Begeisterung: "Widdewiddewid ... es sieht wirklich sehr schwer aus ... widdewiddepfiuhh!" Abgesehen davon ist 'Begeisterung' eh nichts für das logische Denken.

"Oh ja, der hat sicher ganz viele Karachos," ächzt Maylin, als sie den schweren Kristall allein hochwuchtet. "Das widdewidde sind eigentlich Karat," murmelt der Blechgriesgram. Die Bärin ist beeindruckt: "Oh, er kann auch Karate." Ein Schnaufen entfährt dem Metallgehäuse: "Pfühiit, eher nicht." Doch Maylin ist nicht mehr zu bremsen: "Vielleicht sogar Juijitschu, so glatt wie das asiatische Funkelgestein ist." An manchen Tagen fragen sich kleine Roboter, warum es keinen Intelligenztest für Käufer gibt. Dann wäre die logische Haushaltsführung sicher einfacher.

Maylin will endlich den Klunker aus dem Garten schaffen, bevor die übellaunigen, brilli-suchenden Riesenechsen kommen. Juiijitschu hat sie auf eine Idee gebracht: Wenn sie Schlittschuhe hätten, könnten sie den Stein auf Kufen setzten. So haben schon die alten Ägüpter ihre dicken Steine zu den Piramiden geschafft. Sie geht mit Alisa im Haus die Schlittschuhe suchen und bis dahin kann der Blechmann das Glitzerding übernehmen und schon mal ein paar Meter gut machen.

Das geht leider nicht: "Widde-Widde-Wiknarz – Ich bin ein Haushaltsroboter, ich betone Haushaltsroboter und kein Feld-, Wald- oder Wiesenroboter! Das ist keine Arbeit für mich." Der silberne Helfer muss leider ablehen. So haben sich das die beiden Petzinnen das aber nicht vorgestellt: Von wegen 'Maschinen erleichtern den Alltag'. Alisa ist richtig sauer: "Du erklärst immer nur, was Du nicht kannst!" Wenn er könnte, würde der kleine Roboter jetzt mit den Schulter zucken: "Ich kann nicht anders – widde-widde-widdidid – das ist immer nur logisch." Oh ja, dieser Intelligenztest...

"Ich habe jetzt einen Firlefanzstein," klärt Maylin Conroy auf, als er mit Gerome zufällig vorbei kommt. Die beiden Jungs sind echt beeindruckt, dass ein Firlefanz so dick kommen kann.

Doch bevor sie den jetzt wegschaffen können, holt Conroy erst einmal sein Maßband hervor und hält es an den 'Fiesematentenstein'. "Nein, es ist ein Furunkelstein," korrigiert ihn der Giraffenjunge, der genau aufgepasst hat. Furinkel hin oder her, das Ding ist wirklich riesig, so satte 23,5 bis 31,7 Zentimeter, wenn bär mal genau misst.

Das wird wirklich eine ordentliche Schlepperei. "Das wussten wir schon vorher," merken da leise die Mädchen an. "Den musst du nur anheben."

 Dennoch ist es besser, wenn man es genau weiß. Conroy lässt den Maßstab einschnappen.

 "Außerdem: um so mehr Stein man misst, um so mehr Karambas hat er," verkündet der Bärenjunge in der Latzhose sehr gewichtig . "Juhu, Ich bin reich!" jubelt Maylin. "Jede Menge Karambas!" Aber waren das nicht eigentlich Karachos? Egal, wenn das Prachtstück hier nicht langsam verschwindet, kommen sicher bald die missmutigen Brautschmuck-Vermisser Guudzilla und seine glanzlose Frau.

Endlich sind sie raus aus dem wuscheligen Grün. Auf dem Steg blitzt und blinkt der Vieleck-Stein noch viel schöner. Die kleine Bärin muss ihn nur ein wenig hin und her drehen und schon springen ganz viele bunte Lichter über das Kleid oder das Holz. Doch Maylin ist noch lange nicht glücklich, auch wenn die anderen schon schnaufen und ächzen: der Klunker muss ins Haus, wo er viel unauffälliger umherblinken kann.

"Und im Haus übernimmst du endlich den Stein-Transport?" will Alisa vom kleinen Roboter wissen. "Widde-widde-wiääh Ich werde prüfen, ob der Fundstein nicht meine zulässige Tragkraft überschreitet. Widde-widde-widhmmm, ihr müsst sicher ein Upgrade für Schwerlastaufgaben bestellen." "Von Abgräten hat uns niemand was gesagt," muffelt die hilflose Besitzerin. "Nun, widde-widde-widde, es konnte niemand bei der Bestellung wissen, dass ihr Schwerstklunker im Haushalt habt. Ihr müsst schon das Kleingedruckte lesen." Das ist doch bodenlos arbeitsscheu – Alisa kann es nicht fassen: "Ich habe da nichts Kleingedrucktes gesehen!" Logisch: "Weil es ja auch extra klein gedruckt ist. Widde-widde-witt!"

Da diskutieren die Bären noch eifrig mit einem silbernen Zwerg und haben keine Zeit nach rechts oder nach links zu sehen. Das nutzt Frau Fuchs schnell aus, um unschuldig pfeifend sich an den neugierigen Petzten vorbeizuschleichen. Am Besten verzichtet sie sogar auf das Pfeifen – das könnte doch noch ihre Aufmerksamkeit erregen. Nur noch wenige leise Schritte und sie ist den lästigen Fragebären entkommen.

Geschafft! Die rote Spitznase ist durch. Und keiner hat es bemerkt. Jetzt einmal richtig durchatmen... upps – ist das laut... Aber zum Glück, es guckt immer noch keiner. Alle starren gebannt auf dieses Glitzerding, das in alle Richtungen gleißt. Frau Fuchs würde ja gern wissen, was da so funkelt. Aber dann hätte sie sich die ganze Schleicherei sparen können und am Ende würde sie ja wieder nur von diesen irren Bärenkinderfragen verwirrt werden. Und wüsste weniger als zuvor.

Wenn kleine elektrische Helfer keine große Hilfe sind, muss sich eine Petzeline eben selber helfen. Die kleinen Bären haben sich den roten Rattenrenner ausgeliehen und gemeinsam den Finkelstein in den Bollerwagen gewuchtet.

Nun passen die Mädchen am Heck auf, während Conroy vorne lenken soll, um nicht in den Längsrillen hängen zu bleiben. Das ist nicht so einfach, weil die Bärinnen von hinten kräftig schubsen. Und wollen, dass 'Herr Zentimetergenau' endlich mal mitziehen soll.

Frau Fuchs muss hier auf jeden Fall weg. Die kleinen Nervensägen kommen dank des Bollerwagens jetzt viel schneller voran. Und dann muss die rote Dame sicher wieder viele Fragen beantworten: Wieso poltern Glitzersteine aus dem Himmel? Warum trägt Guudzillas Braut beim Hochhaus-Einreißen überhaupt einen Ring? Wie verhält man sich richtig, wenn ein wütender Suchsaurier mit seinem alles wegbrutzelnden Leisah-Strahl durch den Garten pflügt? Und was hat so ein Stein nun: Karachos, Karates oder doch nur die Strahlenkrankheit? Aber er ist dann doch immer noch ganz viel wert?


Fotos: W.Hein

Den großen Furunkelstein hatte eine gute Freundin meiner Mutter geschenkt. Aus gegebenen Anlass ist er nun zu uns gekommen. Und unsere Bären passen inzwischen gern darauf aus. Die kleine Petze sind hier alles Rica-Bären, Gerome ist ein Hampton Bear, obwohl natürlich ein waschechter Giraffenbulle bleibt. Er muss da noch mal mit Lynda reden, ob sie ihre Tiere nicht besser als "Hampton Giraffes mit anderen" heißen könnte. Frau Fuchs kommt aus dem Osten von Natasha Kataeva und der eigensinnige Roboter von Anna Freimane.


Samstag, 14. Juni 2014

Die Kastenschau



"Aiiiiijahhhr! Das wird wieder so groooßartig!" kreischt das Magermodel. "So grooooßartig, weil ich dabei bin!" Heute beginnt die neue Staffel von "Dschörmänis-Nächst-Topf-Dino". Das ist die beliebteste Kastenschau der Urzeit, die immer wieder die nächste fastberühmte Dinotusse für eine Seesong in einem gnadenlosen Wettbewerb unter eiskalten Echsen auswählt.

Geleitet wird auch diese Staffel wieder von der Heidi, die alle nur ehrfurchtsvoll 'ze Klump' nennen. Sie ist eines dieser fabelhaften Supermodels aus Amerika, die Haut und Knochen längst überwunden haben und nur noch Knochen sind. Ihre Kolleginnen treten in den berühmtesten Museen auf, die Sue, der Stan, die Jane. Bei 'ze Klump' gab es Gerüchte von schlecht bezahlten Auftritten in fahrenden Wanderausstellungen, aber die sind längst verstummt und alle sind glücklich, wenn sie nun von der Heidi zusammengefaltet werden.

Das lassen sich die hiesigen Dinotussen nicht entgehen. Sie haben ihre schönsten Tasche hervorgezuppelt, den herrlichsten Federschmuck auf's Haupt gepresst und auch nicht mit Klunkern, Haarreifen und Diademen gegeizt. Jetzt trippeln sie aufgeregt von einem Krallenfuß auf den anderen und können es gar nicht erwarten bis die Heidi das hell kreischende Wort an sie richtet.

Besonders die Giganoto hat sich in die Saurierschale geworfen. Sie kommt betont jugendlich daher mit dem Nuckelfläschchenhalter am Herzkettchen. Auf den Ohrlöchern tanzt der Kopfhörer in rosa und in der Krallenhand hält sie einen Akkufön. Wenn hier jemand schon heute bereit ist für ein Morgen im Scheinwerferlicht, dann ist es die größte Saurierdame im dichten Feld der Bewerberinnen.

Das Magermodel arbeitet sich durch die Reihen der haltlosen Bewunderinnen. Noch ist sie zu allen so freundlich: "Ja, das ist ein sehr geschmackvolles Abendtäschchen, eine gute Wahl." Und: "Diese Farbe steht ihnen ausgesprochen gut. Das Grün der Federn passt ja sogar zu ihren blitzenden Augen." Sogar: "Diese Krallen machen Sie ja zu einem richtig todbringenden Killerbiest. So glänzend und spitz, da möchte man kein Opfer sein." Nur einmal kann sie sich nicht beherrschen, als sie den rosa Riesenkoffer sieht, den die zierliche Veloci über die Steine scheuert: "Also das ist ja ein absolutes Unding. Ein Überseekoffer gehört doch nicht ans Handgelenk. Was ist denn da drin? Ein vierstöckiger Brontoburger für die nächste Vesper?" "Nur meine Schminksachen," stammelt das völlig überraschte Beißreptil. "Na, das muss ja eine morgendliche Großbaustelle sein, wenn der Koffer fast so groß ist, wie die damit zu bearbeitende Raptorin."

Wenig später – im Kreise ihrer Raptorenbrut – findet die Veloci die spitze Zunge wieder. Die Heidi will sich schon der Spinotusse zuwenden, da hört sie die Raptoren ätzen: "Den Schwanz, also den Riesen-Schwanz, den hat sie sich doch machen lassen." Die nächste Raptoren-Bitsch setzt nach: "Genau, da sieht man noch genau den Ansatz." Da mischt sich noch eine Ische ein:  "Wahrscheinlich schmückt sie sich auch mit fremden Federn." Doch: "Psst! Das machen wir doch auch."

"Das habe ich gehört," kreischt 'ze Klump'. "Alles!" Daran merkt man mal wieder, dass dieses rotzfreche Jungvolk keine Ahnung hat. Man muss sich herausputzen so weit es nur geht, wenn man als ehrgeizige Echse ins Scheinwerferlicht will. Da kann ein zu kurzer Schwanz entscheiden, dass man nie ein Supermodel wird. Es kommt hier immer auf Traummaße an. Und da kommt das Beste aus fremden Funden gerade recht. Diese nassforsche Bande soll ihr mal den Museumsstar zeigen, dessen glatte Schönheit nicht aus mehreren Gerippen komponiert worden ist.

Endlich wird es Zeit die weiteren Mitglieder der Jüri vorzustellen. Der schwere Apatobrocken neben dem Magermodel ist der Dicke von Dienst. Er hat seine Berühmtheit, weil er schon in vielen Jüris gesessen hat. Und sitzt deshalb wieder in vielen weiteren Jüris, was seinen Ruhm mehrt. Besondere Fähigkeiten braucht man dafür nicht, es ist einfach seine raumfüllende Ausstrahlung. Hier gibt er den Fachmann für Ernährungsfragen. Aber in Wahrheit wollte die Heidi ihn haben, weil sie neben ihm noch schlanker wirkt. Auf der anderen Seite darf ihr der Bruhss nickend zustimmen. Er ist ein besonders gestelzter Geher und soll den wild trampelnden Dinotussen das würdevolle Schreiten beibringen. Er kann froh sein, dass die Klump hier den schrillen Ton angibt, sonst würde hier keine Raubsaurierdame mit messerscharfer Reißzahn-Kauleiste auf einen Schnabelträger hören.

Mit aller Kraft knallt die Klump ihre Vorderläufe mit leichtem Klacken auf den Jüritisch: "Meine Damen es wird Zeit. Wer ist die erste, die ein Topfmodel werden will?" "Na ich," ruft die Rexi. "Mein größter Vorzug? Meine Krallenfüße im Glanzlack ... und die kecken Hornwülste über den Augen. Einen besseren Halter für die kuhle Sonnenbrille hat wohl keine Dame." Man muss ja nur mal sehen, wie so eine Hippie-Brille ohne Halt bei Allo Devot immer nur hin und her rutscht.

Dann klappt der Rexi die Kinnlade zu, weil die Heidi das alles mit ihren Stummelarmen wegwischt: "Meine Liebste, das ist doch gar nichts. Aber für ein echtes Supermodel bist du zu fett, meine Herzsallerliebste, einfach viel ... viel ... viel zu fett." Dieses letzte 'fett' betonte die Heidi mit so klirrender Schneidstimme, dass es nicht nur der Rexi in den Ohrlöchern schmerzt. "Aber mein Herzblatt, ich will dabei ja nur dein Bestes."

Wutschnaubend wendet sich die Rexi ab. Sie könnte mit ihrer Statur jeder Zeit die Hauptperson in jedem Jurassik Park werden. Und dieser dürre Hohlkopf will ihr sagen, sie werde nur deshalb kein Supermodel, weil sie noch nicht an jedem Morgen ihre Knochen zählen muss, ob noch alle da sind. Pah! Die Freßmaschine in Rage wundert sich immer noch, woher diese glasschneidende Kreisch-Stimme aus so einem kleinen Luft-Kopf kommen kann.

Die Alloschnepfe hat sich hier wohl zu viele Hoffnungen gemacht. Wenn sogar schon eine selbstbewusste Rexi so fertig gemacht wird, wie soll sie dann noch punkten können. So eine Kastenschau ist wahrlich kein harmonisches Kaffeekränzchen und sie gehört dabei nur zum lustigen Füllmaterial für bissige Jürikommentare.

Als 'ze Klump' die schweren Tritte der nächsten Kandidatin hört, ahnt sie, dass es wieder eine fette Kritik werden wird. Das kommt davon, wenn sich jeder Provinztrampel zum Supermodel berufen fühlt, nur weil er schon mal ein Museum von innen gesehen hat. Aber dass jeder doch eine Chance erhält, sagen die Macher ja in jeder Kastenschau. Damit die Trampel kommen. Dennoch hat sie keine Lust, die Schmutzarbeit immer allein zu machen. Sie winkt dem Dicken vom Dienst zu: "Das ist dein Fachgebiet."

Die giftgrüne Reptilin sah die Rexi völlig zu Recht scheitern. Sie hat doch nicht ihre Klasse. Wer hat sich denn vor ihr schon Federn unter den Armen machen lassen? Ein Glitzerband betont den kräftigen Schwanzansatz. Außer ihr trägt nur die untadelige Frau Türano einen eng gewickelten Stoffschirm an der Armbeuge. Und jetzt kommt noch nicht einmal die Heidi? Nur so ein grauer Langhals, der immerhin ganz wohlproportioniert ist. Doch was will er nur von ihr: "Ich bin künftig ihr Ernährungsberater und muss ihnen leider sagen: Halten Sie ab jetzt strengste Diät! Am besten nur noch Rohkost!" 

Der Promidicke vom Dienst soll nur reden. "So ein Schwallmund! Das sind doch nur schwere Knochen," denkt die Reptilin und hält den Kiefer weiter straff zusammengepresst. Sonst würde längst der Speichel runter tropfen, der Sauropodenschnuckel sieht einfach zum Anbeißen aus. Soll er doch weiter Rohkost fressen, sie nimmt den ganzen Kerl.

Die anderen Dinodamen gönnen der Reptilin diese Ansage. Sie kann wirklich etwas abspecken. Wer rennt denn auch mit Federn unter den Spüdelärmchen rum? Und wie sie immer um Frau Türano herumscharwenzelt, da ist die Klump schon ein anderes Kaliber. Die weist eine feiste Schleimerin gleich in die Schranken.

Doch jetzt kommt mal endlich ein echte Gewinnerin. Die Giganoto hat entschlossen die anderen – eigentlich chancenlosen – Bewerberinnen beiseite geschoben. Das ist ihr bei ihrer Größe auch nicht schwer gefallen. Nun dreht sie sich immer wieder um die eigene Achse, damit die Jüri selbst entscheiden kann, welche nun die schokoladigste ihrer Seiten ist. Wenn es nach der Giganoto geht, eigentlich alle.

Da hält es eine Heidi nicht mehr lange hinter dem Jüritisch. Was soll sie bloß mit so einem Riesenbaby machen? Es ist so hoch wie drei Bulldozer und trägt dann noch eine Schnullerflasche am Hals. Und dazu diese Blumenbanderole um den Schwanz wie ein neckisches Strumpfband für Vorstadtschlampen. So einen schweren Fall von zielloser Zwangsjugendlichkeit hat sie ja noch nie gesehen.

Die Klump schraubt ihre Stimme noch etwas höher, damit das Riesenkalb auch nichts unter dem Kopfhörer verpasst: "Was wollen Sie denn da noch fönen, meine Liebe? Ihren Stoffbeutel für verheulte Taschentücher, wenn ich hier fertig bin? Oder hoffen Sie auf spontanen Haarwuchs im Alter? Vielleicht musste es ja nur irgendetwas Elektrisches sein, auch wenn es aus der Ecke für den haarigen Säuger kommt. Nehmen Sie doch das nächste Mal eine elektrische Kaffeemühle oder eine zackige Motorsäge, damit wir alle sehen, dass auch Sie in der Moderne angekommen sind."

2a-Hörnchen und 2b-Hörnchen, die eineiigen Zwillinge, haben sich vor der Geburt nicht nur im Ei ein Dotter geteilt. Auch die Hirnmasse musste für zwei reichen, das macht sie etwas langsam im Denken: "Ähm ... örks ... Äh." So hat das Magermodel ein leichtes Spiel, den doppelten Hörnchen ihre größte Schwachstelle aufzuzeigen. "Wir sind ... langsam?" Das ist in der glitzernden Museenwelt kein echtes Problem. Die gefeierten Stargerippe im Scheinwerferlicht der Vitrinen sind auch nicht schnell.

Denn gerade eineiige Zwillinge mit den doppelten Herztäschchen scheitern bei einer Kastung; "Wo bleibt denn da die Einzigartigkeit eines echten Topf-Models?" will die Heidi wissen. "So als tumbes Doppelpack." Nach einer Pause: "Höih, wir sind doch Zwillinge." "Sag ich ja!" schießt es schnell zurück. Wieder eine längere Pause: "Das heißt, wir sind gleich ..." Schon genervt: "Sag ich doch!" Es dauert noch eine Weile: "Ohh!" 

"Da können wir wohl wieder gehen." Und endlich: "Öhh ... ja." Die beiden Zwillinge setzen sich sogar in Bewegung. Die Klump ist über so viel unerwartete Hellsicht erstaunt. Das ging jetzt doch viel schneller als gedacht. Schon naht der erste Werbeblock, die Zeit wird knapp, deshalb stürmt die Chefin der Jüri gleich weiter zu der vorlauten Raptorenbrut.

"Wir sind doch keine Schwestern! Wir sind ein Rudel, das ist noch viel geiler!" Der Raptorin klappt die Reißzahnleiste runter, als sie von der Klump vom Jüritich herab angemacht wird: Ob sie sich denn auch in der Masse verstecken wolle? Dann könne sie gleich nach Hause gehen. "Heh du Klappergestell, eine echte Raptorenbraut beißt sich auch allein durch." Und zwischen all den Planschkühen hier, hätte sie doch wenigstens eine gute Jägerinnen-Figur. So viel Zickenalarm ist schon mal eine gute Grundlage. Die Raptorin darf bleiben.

Wenigstens ist die Heidi, wenn sie in Fahrt kommt, zu allen hart und ungerecht. Die zarte Alberta duckt sich zwischen zwei große Raubsaurierdamen, die noch eifrig über die knochentrockenen Jürifehlurteile ratschen. Von kleinem Wuchs hat Alberta zwar ein markantes Profil, aber eine schrecklich schmale Nase. Vielleicht sollte sie einfach nur untertauchen, da zwingt die unsichere grüne Dinomaid eine herrische Quietsch-Stimme zum Jüritisch: "Du da mit dem blauen Kindergarten-Prinzessinnentäschchen, komm mal her!"

Doch jetzt geht es erst einmal zur Werbeunterbrechung:

Warum ausgerechnet Sauerkraut? In Dosen? Jedes Mal wenn Gerome mit dem gut gefüllten Einkaufswagen zurück kommt, wundert sich der junge Giraffenbulle, was er wieder eingekauft hat. Diesmal also eingelegtes Sauerkraut im Sommer. Dabei macht er keine Diät, will nicht den Körper entwässern, kennt das saure Flusenzeug nicht aus seiner Heimat Australien. Er mag es nicht einmal besonders gern. 
Vielleicht hat er diese Dose Sauerkraut im Supermarkt nur gegriffen ... wegen der freundlichen Farben, den großzügigen Gängen und weil die Dose genau in Giraffengriffhöhe stand. Oder weil die ganze Zeit von oben immer leise Stimmen "Kauf mich ... Kauf mich ... Kauf mihiiich!" säuselten. Das sind also die geheimen Verführer in den 'Kauf mich'-Supermärkten.

Bei 'Kauf mich!' gib es alles , was eine Giraffe braucht und noch viel viel mehr …


Idee: SchneiderHein     Fotos: W.Hein

Nach der Werbeunterbrechung geht es gleich im nächsten Post weiter. Zurück bleibt ein fassungsloser Gerome, der als sonnenverwöhnter Australier wirklich kein Sauerkrautfresser ist. Gemacht hat ihn Lynda Hampton im fernen Kangeroo-Island.