Samstag, 14. Juni 2014

Weiter nach der Werbepause



Endlich geht es weiter mit der Kastenschau "Dschörmänis-Nächst-Topf-Dino". Die Freifrau Türano de Bärjerak von der Teerkuhle kann es schon gar nicht mehr erwarten, dass endlich ihr großer Auftritt beginnt. Diese anderen Dinotussen – alles nur unreife junge Hühner – wird sie doch mit Leichtigkeit in ihr Täschchen stecken, das keck an der Krallenhand schaukelt.

Die Chefin im Ring ist überhaupt nicht beeindruckt. Noch so eine fette Planschkuh. Das Magermodel klappert unwirsch mit dem Gebiss: "Gibt es denn hier nur so dicke Trampel mit Wohlstandswampe? So kann ich nicht arbeiten." Doch dann besinnt sie sich, dass es laut Vertrag immer 'alles ganz groooßartig' sein muss. "Das ist schon mal so ganz schön," schrillt ihre Stimme, die so einzigartig ist, weil ihr jedes Tömbrä fehlt. "Dann soll der Bruhss, unser Laufguru, doch auch mal was dazu sagen."

Der Dicke vom Dienst (links außen) ist froh, dass er erst einmal Pause hat. Er hat als Ernährungsexperte nur Erfahrung vom anderen Ende der Nahrungskette. Aber die sind jetzt nicht gefragt. "Hiär gäht äs um nätürlischä Schönhait," erklärt dafür Bruhss, der Fachmann für Schreit-Fragen (rechts von Heidi): "Tzie müssän laufän, wiä einä jungä Göttän in Morgänrötä! Lockä, luftäch und laicht." Frau Türano wird sofort auf den Laufsteg geschickt, der bei der Heidi merkwürdigerweise immer wieder 'Katzengang' heißt. Nun, die hochaufgeschossene Reißzahndame wird es diesem affektierten Schnabelträger schon zeigen, wie entschlossen eine Freifrau von der Teerkuhle auftritt.

Da hält es den Schreit-Experten nicht hinter dem Jüritisch. Er stürmt auf den Laufsteg: "Hältung, mainä Liebä, Hältung ist älläs. Ihar Läufstil isst doch so ältbackän, kaine Gräzie!" Er wackelt aufgeregt mit dem kleinen Kopf vor und zurück: "So hoch aufgärichtät isst völlkommän auss där Modä." Seine Krallenhände rudern etwas hilflos in der Luft. Wo soll er da nur anfangen? Dieses uneinsichtige Schlachtross hängt ja nur noch schwer auf seinem kräftigen Schwanz. Wahrscheinlich fällt die Freifrau gleich vom Steg, wenn sie nur auf zwei Beinen laufen soll.

Ihr Laufstil sei altbacken? Sie soll nur noch flach geduckt umher schleichen? Nichts ist doch so nobel wie der aufrechte Gang! Das Haupt hält sie immer hoch erhoben über den Dingen. All diese kleinlichen Dinge und niederen Dienste, um die sich Bodenkriecher kümmern können,wenn sie eh da unten rumwuseln. Sie und altbacken! Und das sagt ihr ausgerechnet so eine komische Schnabelechse, die es noch nicht einmal zum Fleischfresser gebracht hat! Eine Freifrau versteht vielleicht keine Kastenschau, aber auf jeden Fall etwas von der hochherrschaftlichen Lebensart. Und die kommt gut ohne dieses würdelose Schaulaufen aus.

Die Gigantoechse mit dem hochroten Kopf bekommt dagegen gute Haltungsnoten. Sie hält sich topmodern sehr schön flach und der Schwanz wedelt natürlich in Kopfhöhe. Der Schreit-Experte ist begeistert ... bis sie die ersten Schritte macht. "Mainä Damä, dass isst doch nur Sauropödengätrappel." winkt der Schreit-Experte ab. Ups, hastig wendet er sich seinem beleibten Jürinachbarn zu: "Nix gägen dich, main lieber Sauropödenfreund!" Der Dicke vom Dienst nickt bedächtig dem hektischen Schnabelträger zu: "Kein Problem." Doch innerlich brodelt es: "Diese gackernde Blödechse stakst hier die ganze Zeit rum wie ein Storchimitator im Salat. Der Bruhss kriegt keinen verständlichen Satz raus und kann froh sein, dass er in der Jüri sitzen darf. Sonst würden seine 'natürlichän' Morgenrötenbestien diesen zahnlosen Laufhilfswicht gleich im Ganzen rupfen und noch zum Frühstück verspeisen." Dann fällt dem grauen Riesen ein, dass es schon wieder Essenszeit ist. Das nächste Mal geht er in die Jüri einer Kochschau, auch wenn dort die Gage in Naturalien ausgezahlt wird.

'Ze Klump' ist inzwischen wieder bei ihrem Lieblingsthema angekommen: "Disziplin, eiserne Disziplin, meine Damen. Sonst wird das nichts mit der Karriere im Museum." Hier scheinen alle – außer ihr – vollkommen talentfrei zu sein, denn keine der Bewerberinnen hat die nötige Figur. Sie müssen alle auf Diät. Aller-aller-strengste Diät. Und wenn das mit der Nulldiät nicht klappt, gibt es eben eine Minusdiät. Das soll der Dicke diesen maßlosen Fressmaschinen ständig einschärfen. Sonst kann er sich den Dinotussen gleich selbst zum Fraß vorwerfen. Denn dann wäre dann eh egal. Und für die nächste Staffel könne sie sich auch gut so einen grazilen Flugsaurier an ihrer Seite vorstellen. So einen Luftikus, den gleich der erste Windhauch umbläst.

Doch vorher zeigt sich noch in dieser Staffel die Terropodine von ihrer besten Seite. Sie geht entschlossen voran in die Neuzeit mit ihrer Pelzboa: Pelz ist das neue Federkleid. Der duftige Spitzenhut ist keck übers Auge geschoben und eine dezente Klunkerkette hebt die ganze Erscheinung.

"Das ist doch schlimmster Rosa-Retro-Lolita-Luuk," kreischt sofort das genervte Magermodel. Der Terropodine bleiben die Widerworte im offenen Maul stecken. Und bevor sie das Brüllen, Grollen und Knurren wiederfindet, wird sie schon von der Bühne geschoben. "Denn jetzt wird es Zeit für unseren Gaststar," verkündet sägezahnhell die erleichterte Chefin der Jüri.

"Die ist ja so klein." Die Allo Devot kann es nicht fassen, als der heutige Ehrengast, die Fukui-San über den Laufsteg schreitet. Sie ist die Gewinnerin der letzten Staffel und hat inzwischen ein Job in einem japanischen Provinzmuseum. "Vor allen Dingen ist sie dünn," sägt sich die helle Stimme der Klump dazwischen. "Nur so hat man Erfolg und kann sogar auf des Blietschen der Knochen verzichten. Also meine Damen, ich sage immer wieder hungern, hungern, hungern."

Bevor es zum Höhepunkt der heutigen Kastenschau kommt, gibt die Heidi schnell noch ein paar Pflegetipps. Die Veloci muss ihren Schminkkoffer ausräumen, damit sie lernt, was ein Profimodel wissen muss. Doch die Klump kommt aus dem Zetern nicht heraus. Statt einer Zahnbürste für die Knochenpflege oder einem Poliertuch, was muss sie da sehen: "Eine Haarbürste! Was willst du fellloses Ding mit einer Haarbürste? Bist du etwa so ein räudiger Beutelsäuger, der ständig sein Fell striegeln muss? Fehlt ja nur noch Enthaarer und Lockenwickler." Die arme Veloci hätte nicht gedacht, dass diese Stimme noch durchdringender werden könnte. Jetzt könnte 'ze Klump' wahrscheinlich damit sogar Glas schneiden. Am Liebsten würde sie sich mit den Krallenhänden die Ohrlöcher zuhalten. 

Nun gut, ein richtiges Schminkseminar muss sich das Magermodel für eine der kommenden Folgen der Kastenschau aufheben. Heute haben sich zwar alle Dinotussen aufgerüscht wie alte Puffmütter auf dem Weg zum Frauenarzt. Aber Schick und Anmut sind damit nicht zu wollen und die Gnade der Kosmetik ist auch wohl noch nicht in der Provinz angekommen. Sie wird da noch viel Arbeit haben. Doch jetzt läuft ihr die Zeit davon, es gilt noch schnell ein wenig Äckschen in die Schau zu bringen.

"Meine Damen, sie wollen doch hoch hinaus. Das werden wir jetzt einmal praktisch üben." Das Magermodel hat inzwischen ein Trampolin aufbauen lassen, damit die Bewerberinnen hüpfend ihre Persönlichkeit entwickeln können. "Sie müssen auch in schwierigen Situationen eine gute Figur machen. Wer weiß denn schon, wann sie wo entdeckt werden. Bereit sein ist alles!" Nun, das Magermodel verschweigt natürlich, dass die meisten Supermodels der Museen in irgendwelchen Wüsten unter Sand und Felsgestein gefunden wurden, als sie ihre Karriere begannen. Das wäre für eine Kastenschau auch eher unvorteilhaft und langweilig, wenn alle Modellehrlinge jetzt in eine Sandkiste steigen und dort jahrtausendelang nur so dumm rumliegen würden.


"Auf, auf die Damen," schreit die Heide nach unten: Vielleicht können sie ja wenigstens so noch ein paar Punkte machen." Sie betrachtet beiläufig ihre Stummelarme: "Ist  natürlich alles freiwillig. Aber sie wissen ja, wer hier jetzt kneift, braucht in der nächsten Folge gar nicht mehr wiederkommen." 

Die Reptilin hat sich vorgedrängelt. Von wegen, sie sei ein Schwergewicht der Unbegabung. Sie wird hier zeigen, dass sie überall eine gewinnende Erscheinung hat. Auch wenn ihre liebste Vorzeigefreundin, die Frau Türano noch beleidigt in der Ecke steht. Sie springt mit schweren Krähenfüßen kräftig ins Gummituch, um sich langsam mit jedem Hüpfer höher zu schrauben. Im Hintergrund hat die Allotusse schon richtig Höhe gewonnen und am Rand steht noch Allo Devot. Sie beginnt erst langsam zu wippen, um sich an den schwankenden Boden zu gewöhnen. Das Magermodel ist längst wieder heruntergeklettert. So ein Trampolin würfelt immer nur ihre Knochen durcheinander.

Wenig später beult sich die unglückliche Allo Devot ihre Nase ein, da es kaum möglich scheint, eine stabile Fluglage zu halten. Die vorlaute Raptorenbrut kommentiert von unten hämisch die unfreiwiligen Sprungfiguren des grüngetigerten Reptils. Das gäbe aber eine lausige B-Note trotz des gestreckten Schwanzes und jetzt müsse schon ein doppelter Salto mit eingesprungenem Flip-Flop her oder sie könne gleich nach Hause hüpfen.

Dann hat es die eifrige Reptilin endgültig übertrieben. Die silberne Handtasche der Drama-Kwien hüpft schon länger im Takt der Sprünge auf dem Gummituch. Nun segelt ein einsames Federbüschel zu Boden, von der schweren Dinotusse ist noch nichts zu sehen. Da beginnen einige empfindsame Gemüter sich Sorgen zu machen. Nur Frau Türano scheint glücklich, dass diese devote Schleimerin endlich verschwunden ist.

Wieso sollen die Dinodamen mal wieder den ganzen Spaß haben? Die hüpfen auf dem Sprungtuch herum, immer wieder von kleinen Bärenpfoten in die Luft geworfen. Und die Petzelinen haben die Arbeit. Vor allen Dingen, wenn eine Reptilin plötzlich fast im Apfelbaumgeäst hängen bleibt. "Komm, wir räumen die Urzeit ab."

"Eine Kastenschau ...(hopp)... können wir auch ...(hüpf)... morgen machen." Jetzt springt Larissa lieber selbst in die Mitte des Trampolins. Immer schön auf das weiße Kreuz zielen und dann immer höher ... (hoppla-hopp) und höher.

Da passt auch noch eine Nelleke mit auf das Sprungtuch. Kaum hat sie mit ein paar kräftigen Sprüngen etwas Höhe gewonnen, versucht sie einen Salto. Oder sie lässt sich zwischen jedem Sprung einmal auf den Rücken fallen, um sich in der Luft wieder aufzurichten und dann ordentlich Schwung zu holen.

Juhu! Das ist jetzt wirklich großartig! Und viel zu großartig, um es einem miesepetrigen Knochenklappergestell zu überlassen. Die kann inzwischen allein weiter rumzetern und so viele hoffnungsfrohe Topf-Dino-Bewerberinnen niedermachen, wie sie unlustig ist. Die Bärenmädchen geben das Trampolin erst einmal nicht wieder her.

"Und was wird aus der Kastenschau?" Larissa hat ein schlechtes Gewissen, ob es nicht ein richtiges Ende bis zur nächsten Werbeunterbrechung geben müsse. "Ach das ist so eine endlose Geschichte, da können wir auch morgen weiter machen. Vielleicht werden wir die Dinotussen in den Aluteich werfen. Oder wir lassen sie Kekse backen. Die dürfen sie dann natürlich nicht essen." Da müssen die Mädchen laut lachen und singen fast schon im Chor: "Denn sie müssen hungern, hungern, hungern ..." 


Fotos: W.Hein

Die Kastenschau ist vielleicht schon zu lange in Planung. Fast zwei Jahre sind seit der ersten Idee vergangen und in der Zeit ist die Geschichte immer weiter gewachsen. So gab es inzwischen Planungen, das Magermodell mit einer Haut zu versehen oder es gab noch keine gehörnten Zwillinge. Auch die Frage, woher man ein Trampolin nehmen soll, war länger ungeklärt. Jetzt ist die Kastenschau ein echtes Monster geworden, das es den Lesern nicht immer einfach macht. Das aktuelle Fernsehen verbindet sich hier mit der Lust an den Fakten der Urzeit und dazu kommt noch ein Kauderwelsch, das entsteht, wenn man Denglisch in Lautschrift verwandelt. Zum Glück gibt es an anderer Stelle im Blog auch nur niedliche und ganz harmlose Bärengeschichten. Darin werden sicher auch künftig wieder Nelleke, Marie und Larissa, alles Rica-Bären, mitmachen. Und da wird die größte, altkluge Besserwisserin von allen eine kleine weiße Maus sein, die persönlich Deb Canham kennt.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Zupfgras



"Ich höre nichts! Keinen Laut. Es ist mucksmäuschenstill!"" Klein-Genni hört kein Gras wachsen. Vielleicht macht das Grünzeug gerade Pause. Mifi schüttelt den Kopf, alle Schrebergärtner wissen doch: Gras wächst eigentlich immer. Deshalb heulen doch jedes Wochenende die Rasenmäher in den Nachbargärten auf.

"Was macht ihr da?" Aufgeregt kommt Jack heran gerudert und hat Angst, schon irgendetwas versäumt zu haben. "Ist das etwa besonderer Pflanzkram?"

"Nein, nein, nein, das ist ganz gewöhnliches Gras," beruhigt ihn Rosa. Sonst könnten sie jetzt ja auch nicht wissenschaftlich untersuchen, wie es klingt, wenn der Rasen wächst. Vielleicht hört man ja grüne Töne, wenn Genni daran ordentlich zieht und zerrt. Mifi findet, Zupfgras verfälscht doch das wissenschaftliche Ergebnis.

Albert hat ganz andere Probleme, als Jack zu ihm weiter rudert. Der Mäuserich in der hellblauen Samtjacke versucht so eine verflixte Ziehharmonika-Papierschlange auseinander zerren zu lassen. Und das Klippklapp-Buch ist dabei wirklich nur widerspenstig. 

Endlich ist der vordere Teil platt gepresst. Die drei Mäusemädchen helfen inzwischen eifrig mit, denn da scheint es wichtige Erkenntnisse für ihr Experiment zu geben: "Gras wächst nicht schneller, ..."

"Achtung! Nein ... nein ... nicht loslassen ... oh ... oh!" Albert schlägt die Pfoten über dem Kopf zusammen. Denn kaum versuchen die Mausemädchen das Spruchband zu entziffern, lassen immer mehr winzige Mausepfoten das plattgepresste Buch los, das sich sofort wieder zusammenzieht. Und eine kleine Maus allein kann die schiere Papiergewalt nicht mehr halten. Flappalappadapp!

Endlich haben sie auch die zweite Hälfte unter ihre Kontrolle gebracht. Alice zieht mit aller Kraft am Zugband am Ende, während die anderen Mäuse auf die hohen Spitzen drücken. Albert liest: "... wenn man daran zieht." "Seht ihr," ruft Genni, "Ich hab es doch gesagt, zupfen bringt nix."

"Da steht noch was ganz klein am Ende," stellt Alice fest: "... aus China," liest die weiße Maus vorsichtig vor. Vorsichtig, weil sie doch aufpassen muss, dass sie dabei das Zugband nicht sausen lässt. "Och, das gilt nur für Gras aus China," Rosa ist enttäuscht: "Albert, hast du auch ein Spruchband für Mitteleuropa?"

"Und, hab' ich was verpasst?" Miss Evie, die noch ein paar Runden mit dem Roller gedreht hatte. "Ich weiß nicht," Jack ist sich nicht sicher: "An Chinagras darf man nicht zerren und wenn man hier im Garten dran zieht, hört man nichts. Also, wenn das Wissenschaft ist, ist es ziemlich öde."


Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein

Das kleine Leporellobüchlein, das hier die Deb Canham-Mäuse so eifrig platt machen, hat uns eine liebe Freundin geschickt. Es sollte uns aufbauen und bestärken, nichts krampfhaft beschleunigen zu wollen, was noch nicht seine Zeit hat. Nun ist es auch ein Teil der Mäusewissenschaft für Gras in unserem Garten.


Sonntag, 8. Juni 2014

Schnuckiputz

Bevor hier weitergelesen wird, ein kleiner Hinweis. Nach längerer Pause sind hier einige Posts nachgeholt. Es lohnt sich also, etwas in die Tiefe zu gehen.

Huschdihusch angelt sich die Bärenpfote das nächste Lakritzkonfekt. Der Bärenjunge räubert sich durch die Schlickerschale auf dem schwarzen Lacktisch.

Doch bevor Conroy die Süßholzleckerei auch noch wegschnabulieren kann, verliert er das Gleichgewicht und dabei das Lakritz. Plötzlich ist ein schnaufendes 'Etwas' hinter dem Leckermaul aufgetaucht und über dieses schnaufende 'Etwas' stolpert nun der Bär.

"Futt, futt, futt, schlurp!" Schon ist das lose Konfekt im schwarzen Schnaufsauger verschwunden. Sofort saust der Kleingierschlund weiter, schnüffelt rechts und links, "futt, futt, futt," schnauft und rattert eifrig dabei, "futt, futt, futt," die roten Tentakelaugen blitzen und blinken, "futt, futt, futt," immer auf der Suche nach weiterem Fremdzeug und Flusenkram auf dem Boden.

"Gummifrösche und Schichtlakritz sind doch kein Flusenkram!" Conroy ist entrüstet! "Das Saugvieh hat meinen Schlickerkram weggefressen!" Alisa versucht den Bärenjungen zu beschwichtigen. Das sei nur ein Zufall, ein Versehen, denn kleine Staubsauger seien keine Schlickerräuber.

"Dann sollten sie auch nicht räubern!" muffelt der Kleine. Schnell verdrückt er noch einen Leckerschmecker, bevor das gefrässige Monster wieder schneller ist. "Dasch ischt ain Schtaubschauga?" Oh ja, sogar ein Staubsaug-Roboter, der alles ganz automatisch von allein absaugt. Alisa hat ihn hier ausgesetzt, um das Parkett von all' den umherfliegenden Katzenhaaren zu befreien. Graue Katze liegen bei der Hitze zwar fast immer auf der faulen Haut, aber irgendwie ist noch genug Zeit zum Putzen und dann segeln die grauen Fussel durch den Raum.

Für die eckigen Ecken und schwierigen Winkel haben die Bärenmädchen sogar noch einen richtigen Roboter besorgt. Einer, der mit unbestechlichen Elektroaugen in den letzten dunklen Staubfänger schaut und dann mit unermüdlichen Stahlarmen den Besen schwingt.

Doch wie sagt bär es jetzt dem Blechhelfer. Keiner der beiden Petzelinen kann doch robotisch. "Sag was," schubst Alisa ihre Freundin an. "Was denn?" flüstert Maylin zurück. "Na, putz-frei oder feg-los!" Die weiße Bärin stupst zurück: "Und wo soll er denn sauber machen?" Aber dann fasst sie sich ein Herz: "Feg hinter dem Sauger her!" Das scheint zu funktionieren, denn ächzend wendet sich der silberne Technikknecht dem gerade wieder vorbeischnaufenden Bodenschlürfer "futt, futt, futt," zu.

Der Roboter fixiert den fröhlich schnaufenden und summenden Sauger und senkt die Antennen. Das ist doch keine Aufgabe, hinter einem Saugautomaten hinterher zu wedeln. Der wuselt doch nur geistlos durch den Raum, dagegen hat er doch schon ein richtiges Programm!

Aber Roboter müssen dienen, auch wenn kleine Bärenmädchen offensichtlich keine Ahnung von Technik haben. Also schwingt er auch das Kehrblech.

Dabei könnte er mit einer Rohrzange auch tropfenden Wasserhähnen zu Leibe rücken. Oder anderes gerade rücken. Ein Haushaltsrobot kann viel mehr als nur Putzen, das verstehen die beiden Fusselinen jetzt hoffentlich.

"Hey, ich bin kein Schmutzfleck!" Alisa schubst den kleinen Staubsauger zurück, der sofort wieder nachdrängelt. So hat sich die kleine Bärin die automatische Sauberkeit nicht vorgestellt. Vielleicht hat Conroy ja recht, dass der kleine Saubermann noch lernen muss, dass nicht alles, was auf dem Boden liegt, steht und geht, da auch überflüssig ist.

Maylin kann das Glucksen kaum unterdrücken, als der Staubsauger "futt, futt, futt," Alisa immer weiter folgt. "Du kannst ihm ja zeigen, wo er noch saugen soll." Aber dann hätten sie doch keine drei Automaten besorgen müssen. Das kommt doch von automatisch, damit man selber nichts machen muss. "Also schleich dich!" "Futt, futt, futt ..."

So lange der Staubsauger noch durch den Raum wuselt, macht das Eckenfegen noch keinen Sinn. Bis jetzt wirbelt der schwarze Selbstsauger selber noch Staub auf. Da kann der unstete Haushaltsrobot schnell etwas Platz schaffen. Zum Beispiel auf dem schwarzen Lacktisch. Bevor noch jemand "futt, futt, futt," das Geschirr vom Tisch fegt.

Heute ist Conroy mit dem linken Fuß aufgestanden. Das ist kein Wunder, weil Conroy zwei linke Füße hat. Wenn der linke Schuh ein Glücksschuh ist, den er in den nächsten Tagen zum Fußballspielen braucht, dann ist es doch gut, wenn man doppelt Glück hat. Doch heute ist das mit dem Glück so eine Sache, denn der kleine silberne Roboter räumt gerade den Tisch ab. Dabei gibt es sogar noch Konfekt!

Die Blechhaushaltshilfe lässt aber nicht mit sich reden. Sie bleibt so stur bei ihrem Programm, da kann sich das auf Diät gesetzte Schleckermaul die Schnauze fusselig reden. Nicht das kleinste Piep, Widdewiddewidde oder ein Flöt-Tüt als Antwort. Sie rattert davon und ein kleiner Bär muss sich erst einmal setzen.

Das sind doch keine Haushaltshelfer, wenn sie nicht helfen, sondern immer nur Probleme machen. Sie fressen einem das Lakritz vor der Nase weg, stehen immer im Weg und dann lassen sie auch noch kleine Bären verhungern.

Da haben die Mädchen einen Fehler gemacht, das sie diese Roboter ins Haus gelassen haben. Wenn bär nicht aufpasst, rennt einem die Technik einfach auf und davon.

"Hey, hallo Conroy, wo willst du hin?!?"


Fotos: W.Hein

Die drei kleinen Bären kommen als Rica-Bären aus Detmold. Ulrike und Claude Charles haben Alisa, Maylin und Conroy die lieben Flausenköpfe gegeben. Wir sehen jetzt, was daraus entsteht. Die kleinen Haushaltshelfer kommen als Steampunks von Anna Freimane (Pushok1983) aus Lettland. Dort hat sie eine ganze Reihe skuriler Lederfiguren geschaffen, Roboter, Spinnen, Luftschiffe und futuristische Fahrzeuge und einige findet man immer mal wieder bei Ebay. Wenn man nach weiteren "Steampunks" sucht findet man zwar noch einige schräge Figuren, aber solche Geschöpfe wie von Pushok1983 haben wir bisher noch nie gesehen. Jetzt müssen sie noch lernen, nicht zu übereifrig den Haushalt von kleinen Bären zu schmeißen.


Mittwoch, 14. Mai 2014

Der Stellvertreter



Gestern saß der Bär noch in der Klinik in Osnabrück. Zusammen mit dem Einnasenlochhasen blickte er auf das Krankenbett meiner Mutter. Denn er ist ein Stellvertreter und hat meine Mutter die letzten Jahre wieder begleitet. Er ist ein Stellvertreter für einen Zotty, den mein Vater meiner Mutter während ihrer Verlobungszeit schenkte. Das ist übrigens derselbe Zotty, den ich später auf dem Weg ins alpine Hintertux verloren habe. An anderer Stelle ist zu lesen, wieso dieser Verlierbär wahrscheinlich der Ursprung dieser ganzen Geschichten geworden ist. Dafür gibt es inzwischen schon einen Wiedergänger. Und weil auch meine Mutter ihre Zottygeschichte hatte, hat sie einen eigenen Stellvertreter bekommen. Der sieht auch jetzt noch so frisch aus, wie in den Tagen als das Original verloren ging.

Jahrelang saß der neue Zotty nun am Bett meiner Mutter. Als sie einige Wochen vor Ostern ins Krankenhaus kam, steckte im Blumenstrauß zu den Feiertagen der kleine Einnasenlochhase. Er ist von Strauß zu Strauß gewandert, wenn die Blumen immer wieder welkten. Als es am letzten Wochenende für meine Mutter ernst geworden ist, ist der Zotty auch ins Krankenhaus gekommen. Und hat ausgeharrt, bis es gestern nacht vorbei war. So ist er eigentlich viel mehr als nur ein Stellvertreter geworden, da er mich jetzt immer an die letzten Tage meiner Mutter erinnern wird.


Text und Fotos: W. Hein

Wer genau auf den Hintergrund achtet, ahnt, dass das Bild nachgepostet worden ist. Aber in den letzten Wochen gab es gute Gründe, dass die Bären Pause gemacht haben.


Montag, 5. Mai 2014

Ein Nutzgarten



Wo ist der Nutzgarten, wenn man ganz dringend einen braucht? Hier gibt es kein Versteck für einen Nager auf der Flucht. Das Hoppy hat schließlich extra ein ganz fantastisches Ganzkörper-Möhrenkleid übergestreift. Und könnte damit super zwischen Gemüse untertauchen.

Aber hier gibt es als Brauchpflanzen nur ein Waldmeisterfeld. Und da kann das Langohr auch wetzen wohin es will, es bleibt unauffällig wie ein Feuermelder in dem ganzen Weiß-Grün.

Und vor lauter Aufregung hat der Hasenfuß längst vergessen, warum er sich überhaupt verstecken wollte. Vielleicht lag es ja daran, dass bei so einer großen Möhre den anderen Hasen das Wasser im Mund zusammenläuft. Und sie dann das Hoppy so komisch lüstern mustern. Jetzt braucht es dringend ein paar Tarngemüsebeete in Reih und Glied und nicht so einen Wildwuchs. Ob beim Nachbarn noch ordentlich gesät und geerntet wird?


Fotos: W.Hein

Hoppy VanderHare besitzt viele Kostüme, nicht nur so wohlschmeckende. Aber manchmal kommt es mit der Garderobe durcheinander und begibt sich etwas unnötig in Gefahr. Mjamm! Mjamm!