Samstag, 6. April 2013

Das Honigschaf



Die ersten Sonnenstrahlen nach Ostern haben nicht nur die Bärenmädchen herausgetrieben. Auch die vielen Krokusse in der Wiese strecken ihre Blütenblätter mit aller Kraft dem hellen Licht entgegen. Dort wo die Sonne mit ihrer Wärme ihre zarten Blüten streichelt, öffnen sich Kelche um die saftig gelben Staubgefäße und roten Stempel freizugeben.

Die Frühblüher warten auf eifrigen Bienenbesuch und bieten ihnen die ersten Pollen und frühen Nektar dafür. Die erste Biene ist schon interessiert und wirft einen Blick auf das leckere Buffet im Inneren einer zart violetten Blüte.

Das Honigschaf hat gehört, dass die Bienen in diesem Jahr besonders in Schwierigkeiten sind. Schon seit Jahren reduzieren Krankheiten die Völker und nun hat der lange Winter die Honigbrumseln wochenlang auf Zwangsdiät gesetzt. Doch wenn es immer weniger Bienen und Hummeln gibt, wer soll die ganzen Blüten bestäuben? Da müssen wohl jetzt die Großbienen ran und die Pollen umverteilen. Am besten üben sie jetzt schon mal auf der Wiese, bevor sie später auf den hohen Bäumen für die spätere Apfelernte herum klettern müssen.

Die beiden Bärenmädchen schauen sich immer noch in der Krokuswiese um. So eine reich gedeckte Bienentafel. Und dennoch ist es ganz still. Bis auf das Zwitschern der Vögel, die sich auf dem Gartentisch um das leckere Vogelfutter einer verlängerten Winterfütterung balgen.

Die große Wollbiene schaut in die nächste Krokusblüte. Die ist auch so winzig wie die davor. Wie soll sie da bloß irgendwas bestäuben? Das ist doch keine Arbeit für Großflügler. Und woher kommt dann der Honig, auf den die Bären im Haus immer so gieren? Sie hat doch keine Ahnung. Sie hat doch nur ein Kostüm.

 Da hört sie ein leises Summen, das sich plötzlich zu einem lautem Brummen steigert. Und als sie zu ihren Füßen blickt, sieht sie eine etwas unscheinbare Verwandte, die gerade träge aus einer Blüte klettert. Es gibt sie doch noch, die wilden Bienen, die die ganzen Blüten im Garten bestäuben können.

Da überlässt das Honigschaf die Arbeit lieber wieder den Profis. Die haben wenigstens die richtige Größe, um sich in den fitzelig kleinen Blüten zurecht zu finden. Und wissen auch wohin mit dem ganzen gelben Staub. Hoffentlich hört die Schnuckenbrumsel schon bald wieder das nächste anschwellenden Brummen aus einem sonnendurchfluteten Krokuskelch. Wenn eine kleine Wildbiene den nächsten Anflug zum Pollenbad nimmt.


Fotos: W.Hein

Lisa und Marie sind Rica-Bären, die selig durch die Sonne tapsen. Lena, das kleine Deichlamm aus dem Rosenfachhandel, hatte die Bienenmontur noch vom Rosenmontag behalten. Aber noch ist es zu frisch im Garten für das leichte Kleid und außerdem kann ein so großes Tier den Bienen beim Honigmachen doch nicht so recht helfen. Also kann Lena jetzt auch in etwas Bequemes schlüpfen.


Kommentare:

Calendula hat gesagt…

So eine schöne Geschichte! Und war für eine nette Wollbiene. Da wollen wir wirklich mit ihr hoffen, dass die Profi-Bienen bald wieder Blüten und Nektar finden!
LG Calendula

Bente hat gesagt…

Och, ne ist das drollig.
Ich bin ganz fasziniert - beinahe gerührt - von dem Aufwand der betrieben wird.
Das letzte Foto - es ist köstlichst!

Ganz liebe Grüße - Monika mit dem Bente-Tier

SCHNUFFi WUFFi hat gesagt…

Biene Maja ist ein Schaf ??!?? :-O

heinwerken hat gesagt…

@ Calendula,

Die Profibienen haben die Arbeit schon aufgenommen, heute mussten wir sogar zwei dicke Hummel wieder aus dem Haus setzen, weil die schon scheinbar nicht genug neue Blüten im Garten finden.


@ Bente-Tier und Monika,

Die Bären finden eigentlich, dass der Aufwand sogar noch etwas größer sein könnte: Wo ist z. B. der köstliche Honig, den das Wollschaf gesammelt haben könnte. Und Lena wäre gern noch mit den Flügeln etwas umhergeschwirrt, aber das sind dann doch nur Attrappen. Und die Wildbienen sind als Komparsen zwangsverpflichtet worden. Es gab dafür noch nicht einmal eine Extrablüte oder einen Blumenstrauß mit pelzigen Staubgefäßen. Und die großen Jungs hätten endlich gern ihr Autorennen, die Saurierforschung hängt, dann gibt es noch ungehobene Piratenschätze und der große Wildwest-Treck wartet. Baustellen wohin man sieht ...


@ Schnuffi Wuffi

Nein! Unser Magermodell ist ein Saurier und Lena bleibt ein wohlproportioniertes Schaf. So eine Hungerbiene, wie die neue Maja ist kein Rollenmodell für Lena. Außerdem fragt sich das Lamm ja immer noch, wie die echten Bienen das mit dem Honig machen.

Liebe Grüße, Wolfgnag (und Silke)