Samstag, 6. Juni 2009

Der Fund



Lotte ist ganz sicher kein Hasenfuß.
Aber als sie an diesem Tag durch Wiese
hoppelt, beunruhigt sie doch das aufgeregte
Geschrei, das sich rasch nähert.

Sie stellt die beiden Löffel auf und überlegt noch,
ob sie nicht lieber ein paar Schritte zurücktritt.
Da sieht sie auch schon den wilden Bären, der
die ganze Zeit etwas Rotes hoch über seinem
Kopf schwenkt.

Auch die kleine Bärin mit Hut wundert sich, wer
denn so ein Riesen-Spektakel im Garten macht.
Es ist Alex, mit dem sie noch vor ein paar Tagen
leckeren Milchstuten mit Marmelade in der Sonne
gemümmelt hat.

Der junge Bär, der mit Rosalie auf das Christkind
warten wollte, kann sein Glück gar nicht fassen.
„Ich kenne eine Abkürzung“, ruft er schon von weitem.
Die erschreckte Häsin beachtet er gar nicht und lä8t sie
einfach links stehen.

Lotte atmet tief durch und klappt die langen Ohren
wieder auf halbe Höhe. Die Aufregung hat nichts mit ihr
zu tun und der laute Bär ist vorbei, ohne sie umzureißen.
Da verschwindet sie lieber in den Büschen, bevor er
vielleicht doch noch zurückkommt.

Aber Alex hat keine Zeit zur Hasenjagd. Denn er hat
im Haus eine Mütze gefunden. Die ist feuerrot mit
pelzigem Rand und einem weißen Fusselbommel.
Und er hat gleich gewusst, was das für eine Mütze ist.

Das ist eine Weihnachtsmann-Mütze!“ Voller Stolz reckt
er seinen Fund so hoch es geht. „Und wo der Weihnachtsmann
ist, ist das Christkind nicht weit.“ Wenn er also schon die
Mütze hat, dann müssen sie gar nicht bis zum Winter warten,
um das Christkind zu finden.

Rosalie ist tief beeindruckt. Ganz vorsichtig berührt sie den
roten Stoff. Das ist also die Mütze des Weihnachtsmanns.
Der Junge ist nicht mehr zu bremsen: „Die setze ich
jetzt auf und dann kommen die Abenteuer!“ Denn er hat
gehört, dass er eigentlich bis zum Winter warten soll,
um tolle Bärengeschichten zu erleben. Aber das ist ja
noch so lange hin! Deshalb will er, dass jetzt ganz schnell
Weihnachten wird. Und die Mütze ist sicher der richtige
Festtagsbeschleuniger.

Die kleine Bärin kennt sich mit Hüten aus. Natürlich hilft
sie Alex sofort, die Mütze aufzusetzen. So hat er auch
wieder die Pfoten frei für die Suche.

Wenn der Bär jetzt die rote Mütze trägt, können sie das
Christkind so ja auch viel besser anlocken. Wenn es gerade
mal vorbei schaut und nur so flüchtig guckt, dann hält es
Alex vielleicht für den Weihnachtsmann und bleibt. Er sollte
dann nur noch gleich üben, so ganz, ganz tief "Ho! Ho! Ho"
zu brummen.

Rosalie drückt noch mal an allen Seiten nach. „So, jetzt sitzt
sie richtig fest.“ Alex brummelt etwas, von ziemlich dunkel,
aber die kleine Bärin ist sehr gründlich. Schließlich ist sie
die Hut-Expertin: „Jetzt fliegt die Mütze auch bei Wind nicht
mehr davon.

So geht das nicht. Wenn er nichts sieht, kann er auch
kein Christkind finden. Alex zieht die Mütze am Bommel
wieder hoch bis seine Knopfaugen wieder blitzen. Doch, wo
soll er jetzt suchen? Wo sind denn die ganzen Weihnachtsheinis
im Sommer? Machen die dann blau oder haben einen Ferienjob?

Selbst wenn das mit der Abkürzung jetzt nicht klappen sollte.
„Ich hab auf jeden Fall schon mal die Mütze!“ denkt sich Alex.
Sie ist nur ein wenig warm in der Sonne.


Der abenteuerhungrige Alex ist ein westfälischer Bär von Petra Valdorf.
Rosalie kommt um die Ecke aus Detmold von den Rica-Bären.
Und für Lotte mit den geblümten Innenohren hat Frau Valdorf
wahrscheinlich Großmutters Sofagarnitur geplündert oder so ähnlich.
Denn das geschlissene Hasenfell ist aus über 100 Jahre altem Samt.
Die rote Mütze hat sich Alex von Dezembär geliehen, der sie von
Silkes Mutter wegen seines Namens bekommen hatte.

Fotos: W.Hein


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Immer wieder toll - diese Bären und Hase(n) sind super fotogen :-)

Anonym hat gesagt…

Das ist ja wunderhübsch...

wiebke hat gesagt…

hallo du nähst wunderschöne dinge man spürt die seele der tiere. ich habe früher auch viele puppen genäht ebenso machte ich einen Nis puk für den sagenumwobenen Hof bombüll, als gute liebe menschen dort einzogen,mit Topf und Rezept für die gute Grütze,
und eigentlich haben alle unsere alten Höfe wie in skandinavien ihre guten Hausgeister , es rumpelt manchmal sehr laut.

SchneiderHein hat gesagt…

Hallo Wiebke,
zuviel der Ehre: Wir haben die wunderschönen Bären, Hasen und Mäuse nicht genäht. Auch die Kleidung und Ausstattung ist höchstens liebevoll ausgesucht. Deshalb steht eigentlich am Ende jeder Geschichte, von wo unsere kleinen Hausgeister herkommen.
Nur zur Seele - die durch Haus und Garten rumpumpelt - da tragen wir unseren Teil bei. Weil die kleinen Helden hier den Raum bekommen ihren eigenen Charakter zu entwickeln.