Sonntag, 1. Mai 2016

Autsch!



Zahlreich sind die Zutaten in der Hexenküche: Teufelskralle und Schlangenaug, Fliegenbein und Mückenschleim, Drachenzahn und Bilsenkraut garniert mit Totenkopf und Knochenmehl liegen zwischen Geheimrezepten, Tiegeln, Gläsern mit Glibberzeug, eingelegten Tieren sowie schrecklich spitzen Silberwerkzeugen.

Die grüne Hexe fuchtelt aufgeregt mit dem Kupferschaber, es gibt heute viel zu tun. Nur sind es heute eher Zucker, kandierte Früchte und Marmelade, die von den Küchenunholden verkocht oder verbacken werden sollen. Das Naschwerk soll vielleicht gruselig aussehen, aber total lecker schmecken. Da geht es natürlich auch nicht, wenn alles nachtschwarz aus dem Ofen kommt.

Tuffs kommt da schwer ins Schwitzen. So anstrengend hatte er sich die Hexenküche nicht vorgestellt: Ein wenig im Zauberkessel den Sud rühren, mit leichter Hand ein paar Kräuter einstreuen oder kleine Pillen drehen. Doch so eine Gruselfeier mit vielen hungrigen Schreckern ist dagegen Schwerstarbeit. Immer neue Bleche müssen belegt und den Ofen geschoben werden. Und wenn er noch dampfend das Nachwerk nach oben ans Büffett bringt, kann er gleich die leergefutterten Bleche wieder abräumen. Die dann wieder neu gefüllt werden müssen.

Das Vorratsregal ist schon gut geplündert, nur die Mauseohren und Nagerschwänze bleiben heute in den Schubladen. Aber auch scharfe Adlerkrallen und goldenes Teufelshaar dürfen die Unholde nur einschmuggeln, wenn die Hexe mal nicht aufpasst. Sonst fehlen die Haare in der Suppe, wenn es wirklich darauf ankommt.

Die Hexe gibt Truly die letzten Anweisungen für den Ofen. Sie hätte ja gern schon längst einen Umluftherd mit Ceranfeldern eingesetzt. Aber noch müssen die humpelnden Helfer am klassischen Kohleofen schwitzen. Doch einige ihrer Hexenschwestern haben sogar noch einen Kessel am offenen Feuer in der Küche hängen – die bleiben einfach immer im Mittelalter. Dafür kochen sie ihre Zaubertränke wahrscheinlich auch nach der Steinzeitdiät.

Die Unholde sollen auch nicht so viel Chaos bei der Zubereitung hinterlassen und das rechtzeitige Spülen nicht vergessen. Sonst haben sie alle Flächen zugestellt und könnten die nächste Fuhre nur noch am Boden zusammenmengen. Und das will die Hexe in ihrer Küche nicht sehen.

Überhaupt, haben sich die Unholde die Pranken gewaschen oder nach dem letzten Teigkneten nur die Finger geleckt? Es wird ja immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu bekommen. Und die Kinderstube von Unholden findet Grunzen, Kloppen, Rückenkratzen und Angsthasen-Schrecken viel wichtiger als so einen steten Waschzwang.

Dann muss die Hexe weg zur eigenen Walpurgisparty und die Unholde bleiben allein in der Küche zurück. Die Mahnungen zum Abschied sind zahlreich, denn die hochgewachsene Küchenchefin weiß, dass das Meiste davon in Unholdohren zu einen Seite rein und sofort zu anderen Seite wieder raus geht.

Schon zieht Truly die nächsten Blechfuhre aus dem Ofen mit Totenkopfkuchen und Fledermauskeksen. Natürlich mit Schokoladenflügeln und Früchten in den toten Augen.

Noch muss das Naschwerk ein wenig ruhen und die Backwaren auskühlen. Sonst verbrennen sich die feiernden Gruselgäste gleich die gierigen Mäuler. Wenn die Leckereien erst einmal aufgetischt werden, gibt es kein Halten mehr und niemand will warten, bis jemand schneller zugreift.

Tuffs ist wieder zurück vom letzten Büffettbefüllen. Die leeren Bleche hat er zwar vergessen, aber vielleicht denkt er ja bei der nächsten Lieferung daran.

So übergibt Truly dem drängelnden Unhold schon jetzt das nächste Blech mit den Horror-Keksen: "Vorsicht heiß und fettig!"

"Autsch! ist doch gar nicht fettig!" Tuffs versteht diese Küchenwitze nicht. Er kann das rote Einauge ja fragen, wenn er wieder zurückkommt. Doch dafür muss er erst einmal loslaufen. So pustet der schwere Grünling auf Pranken und Backwaren, bevor er mit dem heißen Metallbrett davoneilt.

Langsam wird es auf dem Büffett schon wieder sehr übersichtlich. Midnight schaut mit Schrecken auf die sich leerenden Schalen und dahinschwindenen Kekse. Besser sie stopft sich noch schnell eine Pfotenvoll ins Mäulchen, bevor es eine andere Maus tut.

Da kommt der Nachschub gerade recht, als der grüne Unhold wieder in Tür steht. Das Backblech wechselt er ständig von einer Pranke in die andere und würde gern auf die Begrüßung verzichten, um schnell zum Tisch zu kommen.


Wanda lässt den Unhold gleich durch. Dafür muss er nur –'autsch, ist das heiss'– etwas süßen Wegezoll bei ihnen lassen: "Oha, so heiheiss, da hilft nur pff pff pff ganz schnelles Pusten."

Im großen Raum sitzt ein verzweifeltes Schwein. Hella hat sich überreden lassen, mit den Mäusen gemeinsam Walpurgisnacht zu feiern. Obwohl die Feier schon beim letzten Mal so ein usseliger Mausestall war, den sie kaum sauber bekommen hat. Jetzt hängt sie in diesem Hexenhaus voller Spinnweben, Staubflusen und Dreckecken fest. Die Putzsau hat zwar ihren Staubwedel mitgebracht. Aber wie soll sie das hier alles sauber bekommen?


Idee: SchneiderHein        Fotos: W.Hein


Das Hexenhaus stand bis vor wenigen Wochen auf einem Dachboden. Silkes Urgroßvater hat es schon vor vielen Jahrzehnten für Silkes Mutter gebaut. In die Jahre gekommen haben sich die Räume von der letzten Verschönerung mit d-c-fix noch nicht wieder so ganz erholt. Inzwischen sind die alten Tapeten auf den Wänden wieder zum Vorschein kommen. Sie sehen jetzt ohne die Folien recht etwas mitgenommen aus, passend zu den abgewetzten  Türrahmen mit ihren Plaka-Farbresten. Die Wände und der Boden kleben auch noch leicht von den angezogenen Klebefolien, da halten inwischen die Spinnweben sehr gut. Und zum Glück sorgen die frisch ausgelegten Teppiche für sorgloses Mausegetrippel. Die kleinen Nager für das Trippeln, die Hexe für das herrschaftliche Schreiten und die Unholde für die schweren Tritte kommen von Deb Canham aus Amerika. Hella, die überfordete Buntsau von Hanne Mahnke, hatte da von der Bärenhöhle Hannover einen deutlich kürzeren Anreiseweg.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Huch und Autsch und Endscool ;-) Das Puppenhaus hat mich gestern schon sehr begeistert und heute als gruseliges Hexenhaus ... besser geht nicht !!! Diese vielen Details und Requisiten ... Totenkopfkuchen, das gefüllte Vorratsregal, Kupferkessel und Backbleche und welche Größenverhältnisse ? Echte Perser und ein schicker Servierwagen im Hintergrund ... ein Hexenstudierzimmer mit Geheimwissen und Globus, mit Dinos und dicken Wälzern über Skelette, Klappleitern und Falltreppen ... da brauch ich jetzt auch einen bequemen roten Ohrensessel ! Ich weiß gar nicht, welches Bild ich zuerst nochmal genauer bewundern soll und welche Textstelle ich noch ein paarmal lesen will ! P.S. Die Hüterin des Besenschranks vor Vanille-Himmelblau mit Morgentee hab ich mir heut ausgedruckt, macht einfach gute Laune ! Nochmal viele liebe Grüße und schöne Maitage an euch Helden, Manu :-)

Gartendrossel hat gesagt…

iiiiii sooooo gruselig, Totenkopfkuchen und Fledermauskekse und die übrigen Zutaten, da wurde ja eine tolle Walpurgisnacht mit allem Drum und Dran gefeiert. Wie schön, dass Ihr das Hexenhaus mit Hexen, Unholden und wie sie alle heißen, wieder zum Leben erweckt habt. Mich begeistert Euer Post und ich finde die Einrichtung und ganz besonders den Mini-Stangenherd genial!
Vielleicht kann die überforderte Buntsau Hella sich ja einen Staubsauger anschaffen, damit sie es nicht mehr ganz so schwer hat?
Toll! Eure Geschichte, lieber Wolfgang und liebe Silke.
Ich wünsche Euch einen gemütlichen 1. Mai-Abend
und schicke liebe Drosselgartengrüße mit.
Traudi

SchneiderHein hat gesagt…

@ Manu
Für die Details haben wir aber auch eine super Unterstützung bei Ebay gefunden! Dreamhobby & Minisforall (siehe Sidebar) haben uns echt umgehauen, was die für detaiverliebte Accessoires im Miniaturformat für Halloween zu bekommen sind. Es ist ohnehin der Wahnsinn, was als Miniaturen alles angeboten wird: sogar Särge & ein elektrischer Stuhl. Aber das wäre für kleine Mäuse dann doch etwas zu gruselig. Wir bleiben da dann doch lieber nur bei Spinnen & Skeletten ;-) Aber satt sehen können wir uns auch nicht an den Details. ich glaube, wir werden das Haus jetzt doch noch verrücken - damit das Fenster zum Hof endlich mal wieder geöffnet werden kann, und uns dann doch noch etwas länger an dem Haus erfreuen …
Schön, dass Dir Hella mit Umfeld so gut gefällt. Zunächst war es für Wolfgang ja mal wieder eine 'Auftragsarbeit'. Aber irgendwann konnte er sich zum Glück dann doch gut mit dem Thema anfreunden ;-)

SchneiderHein hat gesagt…

@ Traudi
Ja, wir hatten in den letzten Wochen auch unheimlich viel Spass uns das Thema zu erarbeiten. Dabei kam Ostern fast unter die Räder! Und der nostalgische Metallherd wurde eigentlich für ein anderes Thema angeschafft. Aber das zeigen wir dann hoffentlich in der Weihnachtszeit …

Staubsauger? Hast Du gar nicht bemerkt, dass die Walpurgis-Geschichte inzwischen aus 5 Teilen besteht? Sie beginnt mit 'Die Hüterin des Besenschranks' und die arme Sau besitzt inzwischen sogar 2 Staubsauger - einen, der was wegschafft und den mit dem sie zum Brocken reiten will: http://baeren-im-garten.blogspot.de/2015/10/ihr-flug-wurde-gestrichen.html

Ein gemütlicher 1.Mai wurde es zwar nicht, da wir ihn am Nachmittag zum 'Tag der Garten-Arbeit' machten, und Hella danach auch wieder ihrem Putzzwang nachgab, aber schön war es trotzdem ;-)

Nicola Hinz hat gesagt…

Was für eine wunderschöne Puppenhauswelt mit so vielen Details zu entdecken! In meinem Puppenhaus haben übrigens auch immer Tiere gewohnt.: )

Liebe Grüße
Nicola