Sonntag, 12. August 2012

Die gefundene Welt



 Etwas ist heute seltsam im Garten. Lisa hat die ganze Zeit das Gefühl, dass kleine kühle Augen sie und Kaninchen die ganze Zeit beobachten. An anderen Tagen rascheln die Vögel im Gebüsch ... doch heute hört es sich mehr wie dumpfes Klatschen und Knacken an. Bis jetzt hat die kleine Bärin noch nichts gesehen, aber es ist so unheimlich, dass Lisa überlegt, ob sie überhaupt etwas sehen will.

"Lass mich! Lass mich! Hier kommt der weltgrößte Unheimlich-Entdecker und allerbeste Heimelig-Macher!" Linus stürmt heran und hat schon Angst etwas zu verpassen. Überall rumpelt es im Gebüsch? Das ist doch nichts für kleine Bärinnen und ihre Kuscheltiere. Aber für ihren todesmutigen Bruder!

 Schon stürmt Linus vorbei und schlägt sich gleich ins Unterholz. Das Unheimliche lauert doch im Dickicht und nicht in der Sonne auf dem Steg. Da kann Lisa noch so viel winken ... die Wildnis ruft und das ganz sicher hinten in der grünen Hölle.

 Die kleine Bärin schüttelt nur den Kopf. Typisch Linus! Immer die ganz großen Flausen im Kopf und keine Zeit für die wichtigen Kleinigkeiten. Zum Beispiel diese kalten Augen waren dort im Gebüsch und sie war doch noch gar nicht hinten im Garten. Weil es schon am Teich viel zu unheimlich war. Das Kuscheltier hält sich auch schon die Augen zu. Und weil kleine Brüder keine große Hilfe sind: "Kaninchen, wir suchen jetzt Anna!"

 Der kleine Petz ist inzwischen tief im Garten angekommen. Hier raschelt es wirklich anders als sonst, Und er spürt auch diese spitzen Blicke im Rücken ... denn, immer wenn er sich schnell umsieht, ... dann sieht er nichts. Das nächste Mal sollte er sich doch nicht so schnell ins Abenteuer stürzen, denn er hat so überhaupt keine Forscherdinge dabei: kein festes Seil, keinen Tropenhelm, kein Buschmesser, keine Grubenlampe, keinen Klappspaten oder wenigstens so ein Wischwischpinsel für staubige Funde. Ein Forscher kann ganz viel Krimkrams mit sich rumschleppen und das Meiste davon steht schon auf seinem Wunschzettel für den Weihnachtsmann.

 Was ist denn jetzt hier im Dickicht? Der allerweltgrößte Gartenforscher muss sich heute auf seinen Instinkt verlassen, wenn er keine Universal-Entdecker-Ausrüstung hat. Er hat zwar noch nichts gesehen, aber wenn das nächste Mal etwas durch das Grün plumpst, wird er sich noch schneller drehen und dann ...

 ... sieht der kleine Bär endlich zarte lange Hälse die über den Zweigen und Blattspitzen schwanken. Ein leises Trompeten und Schnauben begleitet knirschende Fressgeräusche, wenn zarte grüne Blattspitzen zermahlen werden. Und es knackt und rauscht im Unterholz, während die schwingenden Hälse sich auf den überraschten Bären zu bewegen.

Das sind doch Dinosaurier! Linus ist ganz aufgeregt, er kennt diese Pflanzenfresser genau, die aussehen als hätte man eine lange Schlange mitten durch eine Kugel gesteckt und vier Elefantenfüße dran geschraubt. Das sind 'Sauropoden' und die sind ganz friedlich, wie sie die lange Hälse recken und mit den noch längeren Schwänzen wedeln.

 Die Dinos wedeln offensichtlich so eifrig, dass sie sich dabei mit ihren Schwänzen verheddern. Der Bär muss da erst einmal etwas entwirren. Er sitzt mitten in der Saurierherde und kämpft mit den Schlängel-Schwänzen. Und die anderen Dickhäuter schauen neugierig zu, wie der kleine Petz mit dem Knotengewirr aus Saurierschweifen ringt.

Linus ist glücklich: Er hat jetzt dicke großartige Dinokumpels im Garten. Und die sind schwer in Ordnung, weil er einfach zwischen ihnen sitzen kann. Und ganz schön schwer zu tragen. Wie er die Herde wohl ins Haus bekommt? Anna kann er sicher nicht fragen, denn die findet es immer besser, wenn es drinnen leerer und dafür im Garten voller bleibt.

Bis er weiß, wie er die neuen Freunde an Anna vorbei ins Haus schmuggeln kann, hat sich der kleine Bär mit der Herde auf einen Hochsitz im Farn zurückgezogen. Denn hier sind erst einmal alle sicher. So harmlos die podigen Saurier sind, so gefährlich leben sie auch. Wo es so viele Pflanzenfresser gibt, sind die hungrigen Fleischfresser garantiert nicht weit.

Ganz in der Nähe schnappt scharf ein Kiefer mit spitzen Dolchzähnen im Dickicht. Ein langer Speichelfaden tropft auf den unruhig scharrenden Krallenfuss. Die Raubsaurier haben mit geweiteten Nüstern schon die Fährte aufgenommen ...


Fotos: W.Hein

Kinder lieben die gigantischen Urzeitechsen. Als kleiner Dötz hatte auch ich das 'große Buch der Dinosaurier' und schon ein paar eher plumpe Plastikfiguren, die noch weit vom heutigen Wissen entfernt waren. Als dann Jurassic Park ins Kino kam, konnte man kleine Jungen im Fahrstuhl von Supermärkten fachkundig über Vergleiche von Oviraptoren im Verhältnis zu Velociraptoren philosophieren hören. So war eigentlich klar, dass in Linus ein großer Saurierfan schlummert. Und nachdem meine Mutter mir plötzlich beim letzten Besuch einen nagelneuen Giganotosaurus in die Hand gedrückt hatte, gibt es nun auch endlich eine Dinosammlung für kleine Bären.

Eines der ersten Bücher mit Dinosauriern war 'die verlorene Welt' von Arthur Canon Doyle. Und auch der zweite Jurassic Park Film hieß "The Lost World", Aber Lisa hat mit recht darauf hingewiesen, dass das so nicht richtig ist, denn die Welt wird doch gefunden, sonst würden die Leute doch keine Saurier kennenlernen und nur im Nebel herumfahren und diese Inselwelten suchen. Und Linus findet, dass es sowieso wichtiger ist, 'was' man findet als 'wo' man es findet. Und deshalb hätte es seiner Meinung auch heißen können: "Der weltbeste Alles-Entdecker findet die geheimnisvollen Urzeitechsen."

Lisa und Linus sind immer noch Rica-Bären und 
die Saurier von europäischen und amerikanischen Firmen bekommen wohl alle in China die schicke Tarnfarbe.


Kommentare:

JoergTh hat gesagt…

Muss schon sagen: Die Bilder sind echt süüüüüüß! liebe Grüße aus Hessen! Jörg

tollkirsche hat gesagt…

Hab dich gerade entdeckt - im BlogZug !Schön hast du es hier...wahnsinn´s Bilder, tolle Geschichten !!!
Ganz liebe Grüße
die Babs

Björn Schröbel hat gesagt…

Wahnsinn - wirklich ein toller Blog - werde jetzt sicher ein treuer Leser :-)

Carlin hat gesagt…

Och süss, nicht nur die Bilder, sondern auch die Kommentare.. Eine richtige Geschichte... Also ich mags..

Anonym hat gesagt…

den Blog haben wir gerade gefunden. Wir leben mit vielen Bären und anderen Plüschtieren auf der kleinen Kanareninsel La Palma. Wir werden uns sicher im laufe der Zeit durch den Blog lesen.


Viele Grüße

Trixi

Anonym hat gesagt…

"Uuuuuuh, Diiiinoooos im Garten der Haus-und-Garten-Bären" macht Mini große Augen und alle Kuschelbären drücken sich am Bildschirm die Nasen platt. "Gibts ja gar nicht, die sind doch längst ausgestorben", piepst die naseweise kleine Kuschelkuh Klein-Ida. "Aber da SIND sie doch! Leibhaftig", kräht Cappuchino aufgeregt.
"Wenn du's mir nicht glaubst....", ist Klein-Ida beleidigt "komm Bärenmamam, wir holen das alte "WAS IST WAS-BUCH" aus dem Regal.
"Hier, DIE DINOSAURIER", meint sie wenig später und schlägt sofort die Seite auf, wo steht, daß sie ausgestorben sind. Sie kann zwar nicht lesen, aber vom Vorlesen weiß sie es auswendig.

Nun sind alle platt und gucken vom Buch zum Bildschirm hin und her und sind ganz verwirrt.

Das ist Stoff zum Grübeln - mal sehen ob die Kuschelbären dahinter kommen :-)

Tolle Geschichte. Ihr kommt aber auch immer auf die verrücktesten Ideen :-)

Liebe Grüße
Eure KBs
die gerade aus dem Urlaub von der Jurassic Coast http://www.jurassiccoast.com/ zurückkommen :-)
In echt! So`n Zufall, gell?

Michelle Jiafang hat gesagt…

Chanced upon your blog and enjoy reading it!

Herz und Leben 2 hat gesagt…

Huch, jetzt habe ich diesen, Deinen Blog über den Blog-Zug gefunden :-)Sah dort auf den ersten Blick gar nicht so aus.
Dann geht's zumindest hier also weiter!

Niedlich, die Teddys! Und auch ihre schöne Bekleidung! Meine Teddys aus der Kindheit gingen irgendwann kaputt und wurden dann wohl entsorgt. Aber ich war als Kind auch "eigen" - wenn sie repariert worden wären, wären es doch nicht mehr die Teddies gewesen, wie ich sie kannte. Mir fielen selbst kleinste Veränderungen auf und dann fühlte ich mich als kleines Kind "betrogen" *lach*. So bleiben zumindest wenige Fotos und ein paar schöne Erinnerungen ...

Liebe Grüße
Sara

Nina Nici hat gesagt…

Sehr süüüße Bilder! Und die Geschichte dazu... *sweet*
❤❤❤

SchneiderHein hat gesagt…

@ JoergTH
Schön, dass Dir die kleine Saurierwelt gefällt. Irgendwann gibt es noch mehr Geschichten über Linus, Lisa und die Urzeittiere im Garten ...

@ Babs
Ah, der Blogzug :-) Wenn Zeit nicht so ein knappes Gut wäre, gäbe es schon viel mehr Geschichten auf dem Blog.

@ Björn Schröbel
Wenn Wolfgang hoffentlich wieder etwas mehr Zeit findet, dann wirst Du sicherlich noch viel Spass an den kleinen & großen Abenteuern haben. Ich kenne da noch viele schöne Bilder aus denen hier irgendwann Geschichten entstehen sollen ...

@ Carlin
Aus dem Alter sind wir schon länger raus als es nur Bärenbilder ohne Texte gab. Inzwischen sind unsere Bären richtige Persönlichkeiten mit reichlich Flausen im Kopf.

@ Trixi
Dann wünschen wir Euch viel Spass beim Lesen und Entdecken :-)

SchneiderHein hat gesagt…

@ Kuschelbären & Klein-Ida
Ah, das Was ist Was Buch :-) Ja, dass hat Wolfgang auch und noch andere Bücher aus Kindertagen. Daher kam ja auch plötzlich ein Saurier ins Haus - aus einem neuzeitlichen Schleich-Regal ...
Inzwischen wimmelt es im Garten. Und das Urzeitgetier trägt nun sogar ganz zeitgemäß auch Hut, Sonnenbrille & Taschen - gib es auf dem Blog SchneiderHein zusehen ;-)

@ Michelle Jiafang
Thank you :-)

@ Sara
Das ist eigentlich Wolfgangs Blog! Ich habe noch immer reichlich Postprobleme und vergnüge mich derweil im Blogzug ;-) Mal schauen, ob wir den Bärenblog damit noch etwas bekannter machen können!?
Mit den anderen Blogs geht es wohl wirklich erst ab Mitte Oktober weiter, wenn hoffentlich mal Zeit für eine Gerneralüberholung der Technik ist ...

Mein grauer Lieblingsteddy hatte kaputte Pfoten und landete bald darauf im Müll - unwiederbringlich verloren. Das war ein hartes Kinderschicksal, denn einen Ersatz akzeptierte ich nicht. Und alle nachfolgenden Plüschtiere hatten nicht die Bedeutung für mich. Gut, heute würde er auch nur im Kinderkorb auf dem Dachboden auf ein neues anderes Leben warten. Aber damals hätte ich gern noch weiter mit einem zerschlissenen Teddy gespielt. Schließlich hatte er Persönlichkeit!

Doch Wolfgangs Kindheitserlebnis hat noch schlimmere Folgen für ihn und seine Mutter gehabt: http://baeren-im-garten.blogspot.de/search/label/Zotty

@ Nina Nici
Schön, dass Dir unsere kleine abgedrehte Bärenwelt gefällt :-)