Sonntag, 19. November 2017

Herrenlose Herrentorte



Manche würden es kitschig nennen – Rosie nennt es nur lecker. Da hat jemand eine herrenlose Herrentorte auf Fuß mitten in einem Traum aus pastösen Schaumzucker und Marzipanrosen stehen lassen.

Wer macht so etwas? Und vor allen Dingen, wer lässt die ganzen Köstlichkeiten unbeaufsichtigt? Es gibt da sicher unverantwortliche Naschkatzen und -mäuse. Anders als Rosie, die sich höchstens ein, zwei oder drei Stücke abschneiden würde.

Auch ein vorbeistreunender Herr Reinicke hat keine Ahnung, wer diesen Traum jeder Prinzessin im Tütü hier im Garten aufgebaut hat. Er ist sowieso mehr für herzhaft als süß. Mehr als etwas Preiselbeerkompott zum Gänsebraten braucht es für ihn nicht zu geben.

Die kleine Maus kann ihr Glück nicht fassen: Ein zuckersüßes Kuchenbuffet – nur für sie. Passend zu Haarschleifchen und Organza-Kleidchen. Wobei … sie würde es auch nehmen, wenn sich die Farben beißen würden. Wenn sie reingebissen hat, bleiben am Ende doch nur Krümel.

Auch der alte Dachs erhebt keine Ansprüche. Er ist da eher neugierig, woher der Fuchs die Eichel am Bande hat. So eine Hartschalentasche hätte er auch gern. Weil man ja nie wissen kann, was man im Wald am Wegesrand findet.

Das ist eine Öko-Frühstücksbox. Und ein Geschenk. So kann der Fuchs leider nicht sagen, woher sie kommt und mag die Eichel – weil sie ja ein Geschenk gewesen ist – auch nicht einfach weitergeben.

"Aber ich habe auf dem Weg hierher Kastanien gesehen, die fest und prall im Laub leuchteten. Wenn wir zurückgehen, kann man davon sicher ein ganzes Reisegepäck basteln." Herr Reinicke ist ein höflicher Fuchs und dem Dachs gern behilflich.

"Nein, nein," grantelt der Dachs. "So wichtig ist es nicht." Dabei ärgert es ihn schon, dass er nicht weiß, wo es solche Eichelboxen gibt. Leider sind Dachse Einzelgänger ohne große Sippschaft. Da gibt es keinen, von dem er sich die Hartschalen-Tasche zu Weihnachten wünschen könnte. Er verabschiedet sich hastig, denn er wird gleich weiter die Augen aufhalten müssen, wenn er die passenden Eicheln finden will. Oder jemanden treffen, der seine Naturdose leichteren Herzens weitergibt.

"Und Dir? Kann ich dir helfen?" fragt freundlich der Fuchs den aufgeregt umherwuselnden Nager. "Soll ich Dir beim Kuchen essen Gesellschaft leisten." Doch die Maus winkt ab. "Das ist nicht nötig, ich bin Einzelmaus und das Alleinessen gewohnt." Der Fuchs verabschiedet sich in aller Form und zieht beruhigt ab. Auch Rosie ist erleichtert. Wer weiß denn schon, wie viel Cremefüllung in so ein großes Tier passt?

Doch Rosie hat sich zu früh gefreut. Denn schneller als sie 'papp' oder gar 'satt' sagen kann, sind die Mitesser da.

Da kann die Maus noch so viel zetern, die Mädchen finden, dass ihre Kleidchen mindestens genauso gut zu den Küchlein und Torten unter den pastellfarbenen Marzipan-Überzug passen. "Man ist was man isst," verkündet der auf Krallenspitzen tänzelnde Balletdrache. Rosie hat zwar das Gefühl, dass damit eigentlich etwas anders gemeint sein müsse.Aber sie fühlt sich angesichts dieser hungrigen Übermacht etwas hilflos. Sie unternimmt noch einen letzten Versuch: "Es wäre doch schade, wenn wir uns die schönen Kleidchen bekleckern würden. Jemand müsste Teller und Kuchengabeln holen."


Ja, das sollt jemand tun. Wenn dieser jemand den anderen trauen könnte.


Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein


Rosie und die kleinen Mitesser kommen von Deb Canham, einer Britin in Florida. Fuchs und Dachs sind als gefilzte 'TenderMouse' von Sophia aus Luxenburg. Der weiße Pavillion sollte eigentlich irgendwelchen Hochzeitstafeln zu einem glanzvollen Höhepunkt verhelfen. Jetzt hat Johanna, eine liebe Blogfreundin, gedacht, dass er auch gut die Feste unserer Mäuse, Bären und Hasen schmücken könnte. Unter seinem Dach werden die schönsten Rosentorten und Cupcakes von Mellisminnis dargereicht. Die gibt jetzt nicht nur im 'Il Pinguino' Eiscafé, sonder auch bei jedem gehobenen Gartenfest der kleinen Sahneschnuten.

Samstag, 18. November 2017

Das böse Blech

Es bleibt unheimlich. Die Mäuse fühlen sich immer etwas unwohl, wenn kalte Maschinenaugen sie fixieren. Selbst wenn der Riesentrum sich nicht bewegt und ihnen nur die rot leuchtende Optik sirrend folgt. So ganz geheuer sind ihnen diese Roboter nicht, die plötzlich immer häufiger auftauchen.

 

  Die Mäuse haben ja nicht unrecht. Diese zweibeinigen Maschinen sind immer so missvergnügt. Das macht sie so unleidlich für ihre Umgebung. Warum sind die Roboter eigentlich solche dumpfen Spaßbremsen. Was macht sie eigentlich zu Bö-Botz? Gibt es überhaupt böse Elektroden? Da muss Wolfgang wohl noch etwas erklären. Und weil er die passenden Fotos nicht zur Pfote hat, hat er schnell ein paar Zeichnungen gemacht. Also die Roboter sind solche Muffköppe, weil sie wohl so etwas wie gefallene Helden sind, die ihren besseren Tagen nachtrauern. 

Bevor sie zu den Bö-Botz wurden, waren sie glänzende Ritter in strahlenden Rüstungen. Als militärische Geheimnisträger standen sie unangefochten an der Spitze des technologischen Fortschritts. Denn natürlich haben sind sie für das Militär entwickelt worden. Wer hat sonst Geld ohne Ende, alle Zeit der Welt und kann es sich leisten, unzählige Spezialisten und Militärs in geheimen Labors werkeln zu lassen? Die erste Aufgabe war der Schutz ihrer eigenen Geburtsorte, die ständige Bewachung dieser geheimen Einrichtungen. Denn die lagen schon immer an den unwirtlichsten Ecken der Welt. Mitten in der Wüste oder am Polarkreis. Hauptsache dort, wo niemand freiwillig hin will. Das galt natürlich auch für die menschlichen Soldaten. Und irgendwann mussten die ja wieder zurück zu ihren Familien und wurden gefragt, was sie die letzten Wochen und Monate so getrieben haben. So wurde es immer schwieriger, diese ganzen Geheimnisse auch wirklich geheim zu halten. 


Hier waren Roboter eine geniale Idee. Roboter haben keine Familie und müssen nicht nach einigen Wochen wieder abgelöst werden. Als Wache werden sie nie müde und passen rund um die Uhr auf. In der Nacht sehen ihre Sensoren mit Restlicht-Verstärkern immer noch jede Bewegung. Ihre Mikrofone schlafen nie ein, auch wenn der Dienst 24 Stunden dauert. Außerdem waren sie ja selbst ein so streng geheimes Projekt, das niemand kennen sollte. Wie diese anderen Geheimprojekte von Tarnkappenflugzeugen, schlimmeren Bomben und später die Satellitenabwehr im Weltraum. So schützten sie als Geheimwaffe die anderen Geheimnisse in den trockensten Wüstenhangars und den kältesten Eislabors. Als Geheimnisträger konnten sie ja nirgendwo anders hin. Alles was je jemand von ihnen gesehen hatte, passte in diese ganze Aufregung um UFOs und Außerirdische. Sie kamen von einem anderen Stern oder alle sollten es wenigstens glauben. Denn dann war jeder froh, wenn sie unsichtbar blieben.


Froh wären die beiden Mäuse heute auch, wenn dieser Roboter unsichtbar geblieben wäre. Plötzlich kommt Bewegung in die Arme aus Stahl. Kreischend und ächzend heben sich die Arme, klackend klicken die Metallglieder der Hände. Summen zoomt das Auge, wenn es die Nager fixiert und jede Bewegung der beiden nachführt.

Die Erfinder dieser Maschine haben sich viel Mühe mit dem selbstständigen Denken gegeben. Und offensichtlich kein besseres Vorbild gekannt als den eigenen Geist und die dabei in Kauf genommen, dass die Maschinen dabei auch eigene Gefühle mitbekommen. Denn warum sollte sich sonst ein Roboter am Kopf kratzen, wenn er für sich noch keine eindeutige Handlungsanweisung gefunden hat? So lange kratzen, bis der Flugrost von der angegriffenen Kopfschale rieselt.


Das selbstständige Denken war eines der größten Erfindungen für die Maschinen. Dabei waren am Anfang die Aufgaben auch noch viel übersichtlicher. Doch schon bald wurden ihre Herren immer maßloser in den Wünschen. Konnte man sie nicht in geheime Missionen einbinden. Sollten die Gegner sie nicht fürchten lernen, wenn sie mit kalter Maschinenpräzision und kühl kalkulierend auf die Schlachtfelder künftiger kalter Kriege ziehen würden. Deshalb wurden die Programme immer komplizierter. Die Programme für die Roboterköpfe und die Planungen für immer waghalsigere Aktionen. Dabei gab es schon in den 6oern die ersten Risse in der glänzend schimmernden Fassade des Botz-Programms:

Sie passten einfach nicht mehr zu den modernen schmutzigen Kriegen, die ein selbsternannter Weltpolizist führen wollte. Diese Maschinen waren viel zu groß und schwerfällig für die kleinen schmutzigen Dschungel- und Wüstenkonflikte, in denen scheinbar ungebildete Bauern und Hirten den hochgerüsteten industriellen Militärapparat an seine Grenzen brachte. Die schweren Maschinen tappten oberhalb des im Dschungel aufsteigenden schwülen Nebels über den Ho-Chi-Min-Pfad. Oder verirrten sich in den Sandstürmen der iranischen Wüste. Sie konnten immer noch massive Schäden anrichten und sinnlos wüten und zerstören. Aber wie jede große Maschine nur mit groben Rastern und oft bar jeder Vernunft. Für einen guten Frieden waren sie damit denkbar ungeeignet.

Die letzten großen Heldentaten der Roboter begannen, als die Amerikaner feststellten, dass die ganze Mondmission nicht funktionieren würde. Weil zwischen der Erde und dem Mond der für die damalige Technik unüberwindbare Van-Allen-Gürtel mit seiner für die Astronauten tödlichen Strahlung liegt. So wurde alles am Boden im Studio von einem bekannten Hollywoodregisseur inszeniert. Der große Schritt für die Menschheit hing die ganze Zeit an dünnen Drähten. Und die „Beweise“ für die amerikanischen Mondmissionen wurden später von diesen Robotern auf den Mond gebracht. Deshalb gibt es inzwischen auch die Fahnen und gestrandeten Mondmobile an den richtigen Stellen auf dem Erdtrabanten. Es wurde einfach notwendig, da die Erd-Teleskope immer besser wurden. Das erklärt auch, warum so viele Space-Shuttle-Missionen geheim waren und warum es einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Mondgestein auf der Erde gibt.

Die beiden Mäuse hätten jetzt auch gern so einen Mondstein oder besser ein ganzes Mondgebirge, das zwischen ihnen und diesem quietschenden Stahlmonstrum stände. Dann müssten sie es nicht sehen. Und noch besser diese fiese rotleuchtende Maschinenauge könnte sie nicht sehen.


Es ist wohl besser, sie verschwinden hier. Noch ist genug Platz, dass sie nicht immer auf diese Stahldinger treffen müssen. Sie können schnell einen anderen Weg wählen. Und wenn sie sich beeilen, sind sie weg, bevor dieses Monster eine Entscheidung gefällt hat. Und vielleicht doch noch gefährlich wird.

Mit dem Ende des kalten Krieges begann der Abstieg für die Roboter. Das Militär legte sie auf Eis und wer Glück hate, wurde nur entlassen. Wer brauchte in diesen unübersichtlichen Zeiten noch diese teuren Roboterprogramme? Wie sollte man diese Riesen weiter geheim halten, wenn überall – auch aus den gar nicht so rückständigen Gebieten – Handyfilme blitzschnell ins Internet hochgeladen werden. So eine Drohne fliegt viel schneller und ohne großes Aufsehen zu ihrem niederen Zielen. Und inzwischen schickt man lieber nur einen Computervirus, um einen Gegner zu lähmen.

Überhaupt diese alten Elektrogehirne in ihren schwerfälligen Rüstungen. Die künstliche Intelligenz entwickeln sich immer schneller. Und das können diese alten Schaltungen nicht mehr aufholen. Früher hätte ihre Rechenleistung für eine ganze Apollo-Mission gereicht, heute ist jeder Heizungsthermostat klüger. Und dazu laufen die Botz noch mit einem Dieselmotor. Damals schien es der ideale Antrieb zu sein und welches Militär achtet schon auf den Umweltschutz? Aber heute – und nicht erst seit dem Dieselskandal der Autoindustrie – will niemand mehr riesige Dreckschleudern, deren Luftverschmutzung jede Tarnung überflüssig macht. So wurden die Botz längst ausgemustert. Eine Zeitlang hielten sie sich noch bei privaten Sicherheitsfirmen über Wasser. Einige sollen immer noch bei der russischen Mafia durchgreifen. Aber der Abstieg war unaufhaltsam. Viele wurden Reinigungskräfte, also schlechtere Putzroboter in dreckigen Industrieanlagen, dort wo niemand anders noch arbeiten wollte. Oder sie arbeiten in Mülldeponien und im staubigen Tagebau mit all den staubigen Schadstoffen und der Gefahr von der nächsten Sprengung begraben zu werden.


Einige Botz wurden sogar an den Küsten im indischen Ozean gesichtet, wo sie den Ärmsten der Armen dabei helfen, die riesigen Seeschiffe mit bloßen Händen abzuwracken. Sie werden mit den Altölresten aus den Schiffswracks „bezahlt“. Das ist für die Reeder eine billige Entsorgung. denn die Botz brauchen jeden Tropfen Energie, selbst wenn es nur eineverseuchte Teerpampe ist, die sie aus den alten Tankresten kratzen. Wer kümmert sich dort auch um giftige Zusätze in ihren immer noch ungefilterten Abgasen? So schrumpft die Zahl der überlebenden Botz ständig. Die Überlebenden sehen dabei auch immer abgerissener aus. Niemand nimmt sich die Zeit für einen schönen Anstrich. Dazu werden die Gelenke immer träger. Sie verharzen, rosten fest und andere werden dafür immer lockerer mit ausgeschlagenen Lagern. Dabei gibt es für alte Militärtechnik kaum noch Ersatzteile. Und woher sollen sie bei ständig steigenden Energiepreisen den benötigten Diesel bekommen? Ihre Jobs werden immer schlechter bezahlt. Und was wird, wenn der Diesel irgendwann vollkommen geächtet wird?


So ist verständlich, dass die Botz längst zu missmutigen 'Bö-Botz' geworden sind, die verbissen um Energie, Aufgaben und Bedeutung kämpfen. Die neidisch auf diejenigen blicken, die leicht durchs Leben kommen. Besonders auf so kleine Lebewesen, die wie diese Mäuse in so schönen Welten leben. Kleine Wohlstands-Gewinnler, die sich immer wieder anpassen und unbeschwert durch ein reichgedecktes Buffet der Möglichkeiten hüpfen. Ihre Vorfahren hausten noch in Löchern unter der Erde. Und unterhöhlten mit anderen Nagern den Boden, auf dem die Botz stehen. Wenn der jetzt immer mehr zu schwanken beginnt, ist sicher die Bautätigkeit dieser ganzen verdammten Nager schuld. Eben diese "Erdlinge", die schon immer die Quelle allen Übels für die Maschinen gewesen sind. Denn sie versteckten sich schon immer mit kleinen Trippelschritten in den größten Werkhallen, knabbern an Kabeln und dreckeln alles ein!

Das würde Pinkie nie so sagen. Nicht weil er es nicht denken würde, aber er würde es nicht sagen.

Schließlich gehört er zu den letzten Generationen der Roboterentwicklung. Er ist deshalb einfach viel zu intelligent, sich frühzeitig in die Karten gucken zu lassen.

Stattdessen beobachtet er diese wuselnden Nager. Hier sind schon wieder zwei unterwegs.


Bis auf einen kleinen Fingerzeig, verrät seine eiserne Miene nichts über seine Gedanken.


So ahnen die beiden nicht, warum überall diese abgerissenen Maschinenwesen herumstehen. Bis jetzt tun sie zum Glück nichts und die beiden Mäuse verdrängen immer mehr den Gedanken an die unheimliche Kälte, die diese eigentlich einschüchternden Stahlkolosse ausstrahlen.


Dann, wenn keiner mehr darauf achtet, beginnt Pinkie zu zählen.

Das wird ein Wolf wohl besser im Auge behalten …



Fotos: W.Hein    Zeichnungen: Wolfgang

Die Mäuse kommen von Deb Canham, der Wolf von Teddyana. Die beiden Roboter und die Vorlagen für die Zeichnungen hat Ashley Wood entworfen und ThreeA produziert. Eigentlich sind die Roboter in einer Art Dauer-Pupertät gefangen mit riesigen Wummen, umgeben von leichtgeschürzten Damen mit riesigen Samurai-Schwertern und zuhause in der indifferenten Militärromantik einer Welt aus den Schrecken der beiden Weltkriege. Das kann man eigentlich so nicht lassen. Da wird es spannend, wie sich die Bö-Botz in die heile Welt von Haus und Garten einfügen werden.


Samstag, 11. November 2017

Gutes Rad



Da ist gutes Rad teuer. Dieser Einkaufwagen humpelt und schleift mehr schlecht als recht auf nur noch drei Rollen durch sein dienstbares Leben. So ist er als spontan wilde Wertstoffsammelstelle gleich im Gebüsch gelandet.


Seine beiden Brüder sind offensichtlich besser beieinander und rollen vollbeladen durch das Dickicht. Malte und Dita haben sich die Drahtkörbe gegriffen um einen schnellen Raubzug richtig flink in Sicherheit zu bringen.


Malte kann ihr Glück kaum fassen. Jede Menge Süßkram hat im Haus nur auf immer hungrige Füchse gewartet, die schlau genug sind, sich beim Naschen nicht am Süßwarenlager erwischen zu lassen.


Die beiden Fluchtwagen sausen über die Betonplatten. Dita muss nur aufpassen, dass die Füchsin nicht in Wurzeln oder Blattranken hängen bleibt. Bis jetzt hat noch niemand den Mundraub bemerkt. Denn offensichtlich folgt ihnen keiner. Sie könnten jetzt Tempo rausnehmen, bevor die kleine Verschieberin noch den ganzen Wagen in der nächsten Kurve umwirft.



Im Haus hatten beide Füchse eine offene Schublade voller Süßigkeiten und Schokostücken entdeckt. Die Leckerwaren warteten auf irgendwelche Sänger, die viel Proviant bekommen, weil sie noch nach Bremen wollen. Ganz so weit haben es die Füchse nicht zu ihrem Bau, aber auch sie könnten etwas mehr Wegzehrung brauchen. Da trifft es sich gut, dass zwei herrenlose Einkaufswagen gleich neben den Vorräten stehen. Das ist doch sicher Absicht. Und so haben die roten Spitzohren die beiden rollenden Transporter schnell bis zur Draht-Halskrause beladen.


Jetzt ist es passiert. Ihre wilde Flucht wird gestoppt, weil Malte in der scharfen Kurve zwar nicht den ganzen Wagen, aber doch ein Riesenbonbon verloren hat. Das wollen sie auf keinen Fall verloren geben.


Wenn sie so auffällige Spuren hinterlassen würden, könnten sie ja gleich eine Spur von Brotkrumen streuen, die den Weg markieren. Außerdem hat das Schokostück den Unfall fast unbeschadet überstanden. So eine kleine Delle verschwindet beim Schlickern.



"Beeil dich!" Dita drängt zum Aufbruch. Sie können hier keine Wurzeln schlagen. Und wenn sie sich beeilen und immer noch keiner ihre Einkaufstour bemerkt hat … dann könnten sie noch eine zweite Runde starten, so lange es noch hell ist.

Sie sausen weiter zum Fuchsbau. Für das nächste Jahr sollten sie die Einkaufswagen nicht aus den Augen verlieren. Wobei sie ja gehört haben, dass der Einzelhandel auch für Süßwaren inzwischen einen Bringdienst anbietet. Die Bestellung geht natürlich ohne Leine. Denn wenn sie erst eine Schnur spannen müssten, wüsste ja jeder, wo die geheimen Vorräte liegen. Und dann könnten sie ja gleich doch noch diese Brotkrumenspur legen.



Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein

Die beiden Füchse Dita und Malte von Teddyana haben sich schon vorher als große Leckermäuler gezeigt. Und das große Einsacken im Herbst ist hier immer wieder ein Thema gewesen. Da ist es sehr praktisch, dass die in China bestellten Einkaufswagen eine perfekte Fuchsgröße haben. Auch wenn die beiden den dritten Wagen leider verloren geben mussten, da er nur als hinkender Dreiroller angekommen ist. Die süße Füllung kommt zwar offensichtlich von Lidl, ist aber selbst gekauft und wird in keinster Weise von dem Discounter oder einem anderen Gewerbetreibenden gesponsert. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass hungrige Martinssänger bei uns nicht mit Markenwaren sondern nur mit ihren fast-ähnlichen Imitaten abgefüttert werden.




Freitag, 10. November 2017

Erdlinge



Da muss der Wolf mal etwas klären. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht hier im Blog für etwas Ordnung zu sorgen. Immer wenn es jetzt so eine Geschichte gibt, die eigentlich hier nicht hergehört, in der falschen Jahreszeit spielt oder sogar eine alternative Zeitlinie nutzt, dann wird er es künftig kommentieren, wie in diesem Fall:

"Errrdlinge" schnarrt der Kettenrobot, als er eine Maus aufgreift und sie laut schimpfend in die Höhe hebt: "Lass mich los du alte Blechdose. Du verknitterst mir ja das Fell!" Doch der Roboter Harold hält den Protestler mit eiserner Faust fest.

"Oh, oh," Der Armstrong mit starken Armen und schwachem Geist blickt mit entsetztem Kamera-Auge auf den aufgegriffenen Eindringling. Diese flinken, warmen Lebensgeister machen einem Roboter richtig Angst. Verflucht sei der Tag, da seine Schöpfer ihm Emotionen mitgegeben haben.

"Wass soll ich mit dem Errrdling machen?" Harold schwenkt unschlüssig die Maus in der Maschinenhand. Die Metallwesen nennen sich selber 'Botz' und wenn sie jemanden beeindrucken wollen gar "Ro-botz". Aber vor diesen Erdlingen haben sie Angst. Die unterhöhlen für ihre Behausungen den Boden unter den schweren Tritten der Botz. Und wenn der schwere Eisenmann auf so eine Höhle oder Gang tritt, kommt er schnell aus dem Tritt, wenn der Boden unvermittelt unter ihm nachgibt. Und so ein gestürzter Robot kommt nur wieder schwer auf die Beine. Deshalb mögen sie keine Errrdlinge.

"Tu ihn schnell weg" haspelt der ängstliche Armstrong, "Und pass auf, falls es hier noch mehr von diesen Wühlgeistern gibt." Hastig zählt er mit den Fingern all die Begegnungen ab, die er bisher mit diesen pelzigen Unholden hatte.

Da können zwei nur mit den Köpfen um die eigene Achse rotieren. Denn verdrehen können sie ihre Infrarotaugen nicht. Nur die Blende zieht sich grimmig zusammen, als sie von diesem verrückten Plan hören. 'Laufen lassen?' und wenn er gleich zu graben anfängt? Sie stehen ja nicht immer auf so einem sicheren stählernen Boden. 'Bring mich zu eurem Führer, Erdling.' Das soll Harold sagen! Damit man gleich sehen kann mit wem und vor allen Dingen mit wie vielen man es tun hat.

Doch zu spät. Bis die korrigierte Befehlskette beim Mausefänger ankommt und er sie verarbeiten kann, hat er den ungehaltenen Nager schon wieder freigelassen.

"Das wurde aber auch Zeit!" ruft die entrüstete Maus und springt schnell von dannen. Sie hat keine Angst vor diesen tumben Metallklötzen, doch weiter quetschen lassen will sie sich auch nicht.

"Oh, jetzt ist sie gleich verschwunden." Der Armstrong schaut sich hektisch um, ob nicht schon der Boden zu schwanken beginnt. Die beiden Intelligenzbestien können noch so fluchen. Sie hätten diesen gefährlichen Nager doch niemals laufen lassen. Vielleicht haben sie ja recht, doch der bronzefarbene Roboter kann im Moment keinen klaren Gedanken fassen. In seinem Positronengehirn schwirren die Daten so sehr versucht er die kommenden Gefahren schon jetzt abzuschätzen.

"Kein Prrroblem," beruhigt sie Harold. "Die grreife ich mirr wieder." Wenn sich so ein Bodenunterwanderer sich wieder blicken lässt, wird sie der Roboter nicht noch mal entkommen lassen.

"Sie sollen nurrr kommen," der Raupenroboter ballt die Fäuste. Er vergisst dabei, dass die flinken Nager ihn dreimal umkreisen können, bevor er auf seinen trägen Ketten eine zu fassen bekommt. Der letzte Fang war pures Glück, da hat die Maus einfach nicht aufgepasst. Sie konnte ja auch nicht glauben, dass diese Botze sich für sie interessieren.

Die Botz mögen keine Mäuse, die sie aus naheligenden Gründe Erdlinge nennen. Das kann Wolfgang so schon mal aufnehmen und skizieren. Da werden sie zu Bö-Botz zu bösen Robotern. Dabei sind sie ständig missgestimmt, denn die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen und das künstliche Leben hat den Botz bisweilen böse mitgespielt. Aber davon muss der Wolf später berichten. Denn gerade gibt es ein weiteres Treffen Maus Maschine.

Plötzlich steht Jack zwei unheimlichen Gestalten gegenüber. Der eine ist ein Kasten auf Beinen mit schnarrender Stimme. Diese verlangt gerade von dem roten Riesen, "dass er diesen Erdling vor ihnen wegmachen soll."

Klotzkopf ist das Hirn der Botz, denn außer Denken kann er ja nichts. Aber dafür hat er in seinem Kopf mehr Rechenleistung als für die Mondlandung benötigt wurde. Das beeindruckt die kleine Maus wenig. Jedes Telefon hat heute mehr Grips als die gesammte Weltraumforschung in den 60ern.

Und was soll der lange Lulatsch jetzt machen? Seine Schöpfer haben ihm Dampframmen statt Greifhände gegeben. Die Wumme auf seiner Schulter hat er längst umbauen lassen zu einem Laubpuster, damit er wenigstens einfache Gartenarbeiten übernehmen kann. Denn es gibt ziemlich wenige Jobs für ehemalige Kampfroboter mit Dieselantrieb.

"Dann puste ihn weg," knarzt Klotzkopf. Er kann diesen naseweisen Rotzlöffel schon jetzt nicht leiden. Jedes Telefon ist klüger, pah! Einen großs Schritt für die Menscheit macht man nicht mit einem Telefon. Es ist diese typische naseweise Missachtung, die ihnen als Roboter etwas ausserhalb ihrer Zeit überall noch entgegenschlägt. Sie waren mal militärische Geheimnisse und streng geheim. Inzwischen sind sie nur noch Dreckschleudern, die um jeden Job betteln müssen.

Doch bevor der lange Rote seinen Laubpuster anwerfen kann, sucht Jack lieber das Weite. Klotzkpf kann nur hilflos mit den Füßen trappeln. So viel Hirn und keine Hände zum greifen. Da kann die kleine Maus nur lachen und ist dann mal weg.

"Da kann man nichts machen," brummt der rote Riese. "Das liegt nur daran, dass du so träge bist," grummelt der kleine Kasten. "Im Laufe der Jahre werden die rostigen Glieder nicht schneller," verteidigt sich der so Gescholtene. "Und schließlich habe ich auch keinen Turbodieselmotor. Mein Stinker ist noch gute Nachkriegsware."  

Endlich außer Sichtweite nimmt sich Jack Zeit zu Verschnaufen. Diese Bö-Botz werden sicher noch Ärger machen. Denn sie mögen offensichtlich keine Mäuse.

Da hat Jack leider recht. Denn der Wolf kennt da noch ganz andere Geschichten.
Andere Geschichten um den Hunger nach Öl, die er ein anderes Mal aufzeichnen wird.


Fotos: W.Hein


Die Roboter von Ashley Wood sind eigentlich die finsteren Gestalten in einem großen Abenteuer in der fernen Zukunft. Doch bis dahin machen sie schon mal hier Haus und Garten unsicher.