Montag, 5. Juni 2017

Die Pause der anderen



 "Mach mal Pause."…"'Mach mal Pause!" Er äffte diesen Spruch seines Hauptlieferanten für braunes Blubberwasser nach. "Mach mal Pause!" Als wenn sich die Würste davon allein brutzeln würden. Das ist doch auch Arbeit. Damit die anderen Pause machen können. Auf seine Kosten … obwohl sie dafür dann wenigstens zahlen müssen.

 Zackig wendet er die Wurst auf dem Grill und schiebt das bunte Füllmaterial für den Teller auf den oberen Rost. Eigentlich kennt er nur Esser, denen Fleisch ihr Gemüse ist. Deshalb hat er schon überlegt ob er nicht nur die Frikadellen als Fleischpflanzen anbieten sollte. Und dann werden die Bratwürste zu Brutzelgurken und Schweineschnitzel werden zu Panadenfladen. Die schicken Nuggets sind Kinderkullerstücke oder Kleblinge. Dazu kommt für das gute Gewissen immer eine Grilltomate auf Salatblatt auf den Teller. Und von da geht beides oft wieder unberührt zurück in die Küche und meistens in den Abfall.

Die Küche hat er inzwischen auch noch mal durcheinander gewirbelt. Die Friteuse hat er mit dem großen Grill getauscht. Dabei ist so eine britzelnde Fettwanne eigentlich so praktisch: Alles was da reinpasst, kann ruckzuck heiß auf einem Teller serviert werden. Bratwurst, halber Hahn und sogar Bananen. Dazu hat er einen Herd für die Bratkartoffeln aufgestellt. Doch jetzt fragt sich der haarige Gehilfe, was das jetzt noch mit einem 'American Diner' zu tun hat. Das klingt docch alles nach einem treudeutschen Imbiss. Selbst die Liebe zu Bananen ist doch ziemlich deutsch.

 "Dann mache ich eben auf 'German Heimat on Route 66'! Oder "The Waldschlosschen in New Mexico'," behauptet der Chef trotzig. Der Gehilfe linst an seiner weißen Kochjacke vorbei auf den rauchenden Grill: "Nun, einige der Würste sehen inwischen mehr aus nach 'German Angst' aus dem Black Forrest."

 Schnell stürmt der Koch wieder an den Grill und rettet die krustigen Würste, die schon schön an der Seite aufreißen, weil die Haut ganz kross durchgehärtet ist. Das Schwarze kann er noch abkratzen und dann reichlich Würzsoße darüber gießen. Kein Grund, das Grillgut schon verloren zu geben, wenn er die Würste rasch an die ungeheizte Seite zieht. Wenn er sie nicht gleich verkaufen kann, sollte der Chef am Grill jetzt aber schauen, dass er sie nicht noch zweimal aufwärmen muss.

Der kruschelige Gehilfe kann sich inzwischen um den Müll kümmern, bevor er mit dem Pfannenwender wieder die Fliegen von den Wurstwaren scheucht.

Eine Maus lässt das Katzen nicht, sie würde halt gern eine Samtpfote sein. Hat nicht jeder Nager das Recht auf die Natur, die er in sich fühlt? Was kann eine gefühlte Katze dafür, wenn sie im falschen Mausekörper geboren ist?

 Die gelbe Mauskatz ist hier ständiger Gast. Nicht wegen der fettigen Pommes oder weil die Hamburger vielleicht doch aus Katzenfutter gemacht werden. (Es gibt so merkwürdige Dosenfunde neben dem Mülleimer.) Nein, sie ist wegen der anderen Besucher hier, die schon seit Tagen ausharren.

Die beiden Miezen am Nebentisch schlagen die Zeit tot mit alten Schnurren, blöden Mausewitzen und milden Prahlereien. Dazu gibt es jede Menge Kaffee, Britzelbrause und einmal die Speisekarte rauf und runter. Für alle Fälle gibt es zwei Flaschen mit Würzoßen, die jedes Küchenexperiment gnädig überdecken können. Damit bekommt jedes Essen den aus Kätzchentagen wohl vertrauten Wohlfühlgeschmack.

Die gelbe Scheinkatz spitzt die Ohren und versucht jede Kleinigkeit des kätzischen Verhaltens am Nebentisch in sich aufzusaugen. Wie gern würde sie jetzt rüberschlendern und sich mit lässigem Schwanzschlag einfach dazu setzen. Aber wenn sie als Katz noch nicht perfekt ist? Wenn sie auffliegt und die großen Katzen sie kalt lächelnd nur zurück schicken? Sie zaudert und nagt noch schnell mit spitzen Zähnen eine Pommes aus der Spitztüte, an der sie sich schon seit Stunden festhält.

 Zur schwarzen Katz traut sie sich garantiert nicht. Die sitzt jetzt schon grimmig in der Ecke. Und wenn es hier auch leckere Süßspeisen wie Waffel mit Früchten unter Sahnehauben begraben gibt – mit diesem Grummelpott ist sicher nicht gut Kirschen essen.

Plötzlich springt die schwarze Katze auf und faucht den Nebentisch an: "Ich halte diese elende Warterei nicht länger aus. Wo bleibt er nur?" Sie erntet nur Schulterzucken.

 "Wir wissen doch auch nicht, warum wir hier festhängen. Vielleicht ist ja etwas dazwischen gekommen." So schlimm finden die beiden das Warten nicht. Es gibt doch schlechtere Orte, als einer, an dem es jederzeit etwas zu essen gibt.

Grummelnd lässt sich der schwarze Unruheherd wieder auf die plastikbezogene Bank sinken, die quitschend nachgibt. Ohne ihr Fell, würde die Katz bei der Hitze sicher daran haften bleiben. So klebt nichts und sie kann weiter warten. Warten in einer erzwungenen Zwangspause, in der sich nichts beweg – wenn die schwarze Muffelmiez nicht frustriert von Zeit zu Zeit den Kaffee umrühren würde. 'Mach mal Pause' … hah, wie sehr sie das inzwischen hasst!


Fotos: W.Hein

Alle Helden von Deb Canham und der Chef von Teddy Herrmann.
Die Einrichtung im Diner hat hier einen kleinen Umweg genommen, die Küche passt besser in einen deutschen Imbiss und einiges ist hier noch improvisiert. Aber wenn die Katzen weiter warten müssen, werden sie sicher auch noch kulinarisch in den Staaten ankommen. Auch wenn die Fototapete im Hintergrund schon New Mexiko leuchten lässt.


1 Kommentar:

Claudia hat gesagt…

Einfach KÖSTLICH !!!
Danke, ihr Lieben!
Ich wünsche Euch eine wunderschöne neue Woche!
♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥