Dienstag, 24. Januar 2017

Kalte Küche



 Wieder nichts. Nur leere Teller und luftgefüllte Schalen. Missvergnügt lässt der Kater die Tür wieder zuklappen.

Der gestreifte Mauzelmann hat inzwischen einen Stuhl zum Spültisch gezogen, um leichter Schubladen und Kästen nach leckeren Speisen durchsuchen zu können – bis jetzt alles für die Katz. In der Schale liegen aber nur scharfe Lakritzfiguren und quietschsüße Herzbonbons – das ist nichts für empfindsame Katzenzungen. Marcu sucht zwar herzhafte Leckereien, aber das ist keine Formsache.

Im Brotkasten liegt endlich ein Laib. Er gehört jedoch einem goldgewickelten Schokobären, der mit unendlich schwerer Süße lockt.

Frustriert springt der Kater von dannen …

 Endlich ist der Küchentisch dran. Die Siamkatz geht bis zum Grund der Schale. Dort ist zwar ein hübsches Blumenornament – aber auf dem Weg dorthin nur buntes Konfekt. Und den Süßkram gibt es sicher nicht in den Geschmacksrichtungen Katzenminze, Leberwurst oder Lachsöl.

Upps! Das sieht jetzt ziemlich japanisch aus. Nur sind dies nur Rollen mit Algen und Reis, bei denen jemand den Fisch vergessen hat.

Wie kann man eine ganze Küche so unkätzisch machen? Wer kocht denn hier? Und womit? Das ist doch alles eine Riesenfassade und Vorspiegelung falscher Tatsachen. Da werden extra teure Möbel und viel Technik angeschafft und dann bleibt die Küche kalt. Warscheinlich ist hier keiner, weil sich alle längst im Restaurant bedienen lassen.

 Und keiner denkt an die armen Katzen. Die in einem Haushalt leben, in dem man keine Mäuse mausen darf. Auf jeden Fall nicht die, die einen Rock tragen. Der Streifenkater stößt aus seiner gepeinigten Seele einen tiefen Seufzer aus. Den ja leider niemand hört.

Doch halt, vielleicht hängen da noch Essensreste am Geschirr in der Spüle.

 Oder es klebt noch etwas fettiger Bodensatz in den Töpfen auf dem Herd.

 Genny und Olivia nutzen nur schnell aus, dass zwei Miezen noch abgelenkt sind. Die Kater müssen noch jeden Topf, jeden Deckel und jede Pfanne ganz genau untersuchen.

Kleine Mäuse finden Süßkram überhaupt nicht unappetitlich – sondern überaus lecker. Und hier liegen die bunten Süßholzstücke zum Pfotengreifen nahe überall am Boden verstreut.

Feine Katzenohren hören immer dieses leise Mausetrippeln auf nackten Holzdielen. So wundert sich ein Kater über den offensichtlichen Besuch. Nur hätte er ihn nie dort erwartet …


 Da steht eine Maus in der Konfektschale. Genny hat ja gleich gesagt, dass es ein Fehler war, auch noch den Tisch abgrasen zu wollen. Es hätten doch schon die Bodenschätze gereicht.

"Ihr mögt doch kein Konfekt?" fragt Olivia die verdutzte Miez. Die kann nur die Schnurrhaare schütteln. "Dann habt ihr doch nichts dagegen, wenn wir uns bedienen?" Wieder Kopfschütteln. "Und dann ist es hoffentlich nicht so schlimm, dass wir den Rest in der Schale mit Füßen treten müssen."

So ziehen wenigstens zwei vollbepackt und glücklich ab. Und zurück bleiben darbende Samtpfoten, die gerade die einzig vernünftige Mahlzeit in dieser Küche wieder entschwinden sehen. "Miauuuh!"


Idee: SchneiderHein      Fotos: W.Hein

Die allgemeine Küchenlage ist im Haus inzwischen etwas unübersichtlich geworden. Da kann es schon mal passieren, dass die beiden Kater von Teddyana in einem Vorzeigeprojekt landen. Andererseits, wenn sich die beiden an unsere beiden grauen Damen halten, müssen sie garantiert keinen Hunger leiden. Denn im Alter mit einigen Malleschen kommen die beiden Hausherrinnen inzwischen auf vier bis fünf Mahlzeiten pro Tag, die sie aber fast nie ganz wegputzen. Dazu gibt es noch die Katzenfutterbar mit jeder Menge Trockenfutter. Und das lockt biswellen mit Tiefseefisch, Hochlandschaf und Flugentenbrust. Oder was sich die Hersteller noch alles an wohlklingenden Zusätzen in homöopatischen Dosen einfallen lassen. Nicht zu vergessen Cranberries, Aloe Vera und Rosmarin. Aber auch die Mäuse können sich nicht beklagen. Noch gibt es genügend Vorräte an Süßkram im Haus, die inzwischen gesundheitsbedingt gar nicht mehr so schrumpfen sollten.



3 Kommentare:

Claudia hat gesagt…

Einfach nur KÖSTLICH! Obwohl ich mit dem armen hungrigen Kater ja so Mitleid hatte!
Danke für diese wieder herrliche und zum schmunzeln bringende Geschichte!
Habt einen schönen und glücklichen Tag!
♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

Anonym hat gesagt…

Kalte Küche hört sich erstmal nicht so gut an, weil man ja bei so tiefen Temperaturen gern ein warmes Süppchen im Magen hätte. Aber in so einer schicken Küche wird einem ganz warm ums Herz und dazu die vielen nützlichen Utensilien ... ich würd da sofort einziehen und freiwillig den Abwasch übernehmen. Ganz liebe Grüße an euch und ein erholsames Wochenende, Manu

heinwerken hat gesagt…

@ Claudia
Köstlich, wenn Katzen schmachten? Das ist ja eine satter Schlag mit dem Hungertuch ins Miezengesicht;-) Marcu verzieht da nicht mal die Miene. Wie immer, wenn Katzen nicht sicher sind, ob man sich gerade über sie lustig macht. Aber wenn er sich an unsere beiden grauen Damen hält, hat er ganz schnell einen kleinen Kullerbauch.

@ Manu
Wenn es nach den Katzen geht, ist Abwaschen nicht so wichtig. Wichtiger wäre da Kühlschrank auffüllen und Herd bebrutzeln. Und warm ums Herz ist dabei schon in Ordnung, wenn es in der Pfanne auch warm wird ;-)