Donnerstag, 31. Dezember 2015

Die Zukunft funkelt



Das neue Jahr gleißt und glitzert. Die kleine weiße Maus hat ein Bild auf einer Staffelei entdeckt und es gleich herbei gewuchtet. Denn das Bild, das ist die Zukunft. Und – keine Frage – es sind glänzende Aussichten. Doch was für welche?

Vielleicht ist es ja ein verschlungender Weg, der sich am Ende einkreist? Und die vielen Dreiecke zeigen dabei nach oben? Oder das ist die falsche Zukunft, weil … Genny dreht das Bild… sie in Wirklichkeit eher breit ist. Doch Jack und Cedrick können noch so viel blinzeln wie sie wollen, da ist jetzt auch nicht mehr zu erkennen. Wahrscheinlich sollten sie erst den Rhabarberwein köpfen. Nach ein oder zwei Flaschen würden sie sicher genauso laufen können wie dieser Silberstreif.

Und das ist ein goldenes Blatt? Oder eine Rakete wegen der Sterne? Oder haben das Chinesen zusammengeklebt, damit man sich beim Gucken passend zu ihrem Jahr des Affen selber zum Affen macht? Jack ist doch für die Rhabarber-Sichtweise. Er hat extra seinen Ruderrenner abgestellt, damit er heute etwas trinken kann.

Die Schlafmaus hatte schon immer den Verdacht, dass die Zukunft von allein kommt – egal was maus tut oder eben nicht. Deshalb würde sie diesen ganzen Trubel am liebsten einfach wegratzen wollen. Nur haben leider Mardi und Bling die ganze Sylvesterdeko auch in ihrer Schlaftasse verteilt. Und im Bällebad findet die Maus keine Ruhe. Ständig hat sie Angst, dass eine schwedische Stimme sie dann aus den schönsten Träumen reißen wird: "Die kleine Slafmütse will auss dem Kinderparadiss abgeholt werden."

Also raffen die beide Fetenmäuse ihre Ponpons, Glitzerbälle und Puschelkonfetti wieder zusammen und verbreiten andernorts ihre Sofort-Feierstimmung, machen dort bunte Unordnung und laden ein zu wilden Flauschballschlachten.

Die Mädchen wollen auch zwischen den Jahren nicht verhungern. Doch die mehrstöckige Torte erweist sich als hohle Attrappe, in der sich eine von ihnen verstecken könnte. Um Null Uhr könnte sie dann dort heraus springen und das neue Jahr begrüßen. Aber bis dahin schauen sie mit hungrigen Augen und knurrenden Mägen auf Olivias Käseplatte. Die hatte damit einen Mitternachtsimbiss geplant, aber bis dahin müssen die Mädchen sicher noch neue Vorräte auftun.

Die Zukunft wird gerade wieder gedreht, doch jetzt zeigen ganz viele Spitzen in den Boden. Ist das noch gut, auch wenn sie dabei so schön funkeln? Und das Blatt hängt dann am seidenen Faden? Die kleine weiße Maus ist sich sicher, dass das Bild alles sagt. Nur blöderweise in einer nichtmäusischen Fremdsprache.

Vielleicht ist aber auch die Staffelei der Fehler. Als wenn die Zukunft auf ein Podest gehört, weil sie so abgehoben ist. Also helfen ihr die Grinsekatz, Alice und Genny dabei, das Bild von dem Gestell zu wuchten. Genau besehen wuchten drei Mäuse und ein weißer Naseweis zeigt, wo es lang geht.

Deshalb hat die Grinsekatz plötzlich keine Zeit mehr und muss mit der Rollrobbe davon rallern. Sonst kommt sie zu spät zum Jahreswechsel, obwohl der doch überall stattfindet. Aber sie kennt da noch eine tolle Stehparty im Miezhaus mit abgefahrener Katzenmusik. Da bedauert es Jack schon ein wenig, dass er sich heute irgendeine Kante geben will.

Dabei hat die kleine weiße Maus endlich die richtige Idee. Jack mit seiner liebevoll umschlungenen Pulle hat sie darauf gebracht. Das ist kein Spielbrett – wie inzwischen hier einige glauben – sondern man muss die Zukunft ganz schnell um die eigene Achse sausen lassen. Wie beim Flaschendrehen warten dann alle, bis sie wieder steht. Und so wie dann das Bild zu ihnen steht – so wird 2016!

Oder man muss weiterdrehen, bis es besser steht. Das ist nur so schwierig, weil die ganze Nagerbande dabei nicht stillsitzen will und kaum schleift das Bild in einem letzen Ruckeln in das neue Jahr, beginnen alle wieder zu wuseln: "Ich will auch einen Stern!" und "Warum bekomme ich immer eine Ecke?" oder "Ist das jetzt ein Zelt oder eine Käseecke?" bis zu "Mir wird schon ganz schwummerig!" "Dann gib mir auch mal den Rhabarberwein."

Da ist es schon besser einfach durchzuschlafen und sich am nächsten Morgen überraschen zu lassen. Egal ob glänzend oder matt - morgen ist auf jeden Fall irgendetwas da.


Idee: SchneiderHein    Fotos: W.Hein


Das Bild mit der Glitzerspur kam schon kurz vor Weihnachten als kleines Geschenk in Haus. Konnte ja niemand ahnen, dass die Mäuse von Deb Canham darin die Zukunft erkennen wollen. Doch wie bei den meisten Bildern ist das ja immer eine Frage der Sichtweise.


Sonntag, 27. Dezember 2015

Diebische Schatten



Das ist gerade überhaupt keine besinnliche Zeit. Hastig zuckt der Langhals immer wieder in Richtung Haus. Gerome ist beunruhigt. Sie hätten vielleicht nicht alle süsssauren Monstergummis auf einmal mopsen sollen … und jetzt rechnet er jede Sekunde damit, dass sie auffliegen.

Sie haben Glück, dass es nur Frau Fuchs ist, die mit fliegendem Rocksaum vorbei hastet. Sie hat nie Zeit für kleine Bären und stellt erst recht keine Fragen. Denn wenn sie erst ein Gespräch zulässt, haben kleine Bären noch viel mehr Fragen. Fragen, die eine arme Dame im Schafspelz nur ins Schleudern bringen.

Doch manchmal wünscht sie sich, eine echte Schlaufüchsin zu sein. Dann würde sie jetzt ganz locker rüber schlendern und die beiden Tunichgute fragen, warum dort ein Rieseneimer gruseliges Weingummi zwischen ihnen steht? In der Weihnachtszeit sollte es doch Lebkuchen, Dominosteine und Zimtsterne satt geben.

Das ist genau das Problem von Conroy und Gerome. Nach all den Tagen können sie den Süßkram nicht mehr sehen und erst recht nicht schmecken. Da konnte Conroy sein Glück nicht fassen, dass er beim Stöbern nach vergessenen Weihnachtsgeschenken in einem Schrank den geheimen Vorrat Monstergummis entdeckte, den Anna dort nach Hallowien eingelagert hatte. Und jetzt hauen sie sich den Bauch mit quietschsauren Gummischreckern voll, bis sie nicht mehr "papp" sagen können, so satt werden sie sein.

Und das beschäftigt die eifrigen Schlickermonstervertilger so sehr, sie bemerken noch nicht einmal, dass sie dabei die ganze Zeit beobachtet werden.

"Schnell gib mir noch einen," ruft Gerome, kaum dass er ein grünes Glubschauge hastig verschlungen hat. Dabei achtet er auf jedes Geräusch und behält den Steg dabei stets im Auge. Dieser Eimer scheint sich immer wieder nachzufüllen, denn bis jetzt ist der Monsterspiegel noch nicht gesunken.

"Willst Du einen blauen Antennenwackler oder ein weißes Spitzohr?" Wie kann Conroy nur fragen? "Gib schon her, egal was!" Die müssen weg, schnell weg, alle weg. Hektisch greift der Giraffenbulle zum Blauen. Ins Haus können sie die Leckerschrecker sicher nicht mehr ungesehen zurück bringen. Und irgendwann wird es stockfinster werden. Wenn die beiden Leckermäuler dann nicht den Eimer leergefuttert haben, was sollen sie dann machen? Die Monsterreste im Garten verbuddeln?

Mit großem Interesse beobachten Hah und Pee das eifrige Gefuttere am Boden. Das neue Revier ist schön schattig und überall hat es Geäst, Gestrüpp, hohe Bäume und all das Zeug, das Flattertiere wirklich lieben. Die Nächte sind auch noch nicht zu kalt, aber die leckeren Früchte sind wohl schon abgeerntet und die roten Beeren sind fest und bitter. 

Ein dunkler Schatten saust plötzlich mitten durch die beiden Monsterfressern. Die erstarren vor Schreck, als der Windhauch durchs Fell streicht. Dann ist es Zeit, sich furchtbar zu verjagen.

Sie wissen zwar nicht, was da gerade durchgezischt ist, aber sie sehen genau, dass es dabei ein rotes Monster gegriffen hat und jetzt abhaut.

Schon segelt ein zweiter Schatten hinter ihnen vorbei, als sie noch vom ersten Schatten abgelenkt sind. Und der rafft auch ein gelbes Gruselgummi dahin. Das sind ja so unverschämte Schatten – diese Mundräuber müssen hier neu sein.

Das war doch flederleicht, diese leckere, bunte Beute abzugreifen. Der Flattermann Pee kann sein Glück nicht fassen. Da ist noch ein Riesenbottich mit bunten Früchten und diese beiden Nichtflieger, haben offensichtlich keine Ahnung, wie sie da einen Deckel drauf kriegen.

Noch ein paar Bissen und dann startet Pee den nächsten Anflug zum Früchtepott. Diesmal versucht er mit einem Anflug gleich zwei Gummifrüchte zu greifen.

Flederfrau Hah soll sich mit ihrer roten Beute mal beeilen und hier nicht nur locker abhängen. Denn zu zweit umflattern sie diese trägen Landtiere, bis sie schwindelig werden und dann wird dieses schnelle Fledermausen so einfach wie das Bis-drei-zählen in der Luft. "Eins – Zwei – Drei!" (Schwierig wird es erst beim Ziehen der Wurzeln aus Zweitausendsiebenhundertdreiundfuffich.)

Es dämmert schon, da verteidigen Conroy und Gerome ihre Schlickervorräte immer noch gegen diese diebischen Schatten. Denn für die haben sie die Monstergummis ganz sicher nicht sichergestellt. Aber fast lautlos stürzen sich diese Flugräuber im Sturzflug immer wieder auf den Plastikeimer. Denen gönnen die beiden Jungen nichts – ach was, sogar nullkommanix – aber bis jetzt fehlt jedem Anflug ein weiterer Gummiunhold. Und bis jetzt hilft dagegen weder lautes Schreien noch saftiges Fluchen.


Fotos: W.Hein

Die beiden Flederflieger Hah und Pee hingen bis zum 20. Geburtstag am 28. November in der Bärenhöhle Mahnke in Hannover kopfüber in den AuslagenAls 'Luna' hatte Hanne Mahnke sie als Vorbild für eine Bastelpackung entwickelt. Für eine Höhle ist ihre lichte Kinderstube ganz schön hell und freundlich. So sind sie inzwischen gern in unseren Garten mit seinen schattigen Ecken gezogen und müssen jetzt nur noch klären, ob es hier mehr als nur sauren Gummikram zu erbeuten gibt.

Samstag, 26. Dezember 2015

Weihnachten ahoi!



 Jetzt ist es doch noch Weihnachten geworden. Das Fest kommt immer so überraschend, denn tagelang hatten die kleinen Mäuse befürchtet, dass Christkind, Weihnachtsmann, Ruprecht, Krampus, Väterchen Frost – und wer sonst noch zuständig ist – sie vergessen hätten. Und plötzlich ist alles doch noch geschmückt und erstrahlt im Lichterglanz.

Eine kleine weiße Maus hat keinen Blick für die bunte Pracht: "Diese Robbe ist drei-Muschel-schnell!" verkündet sie siegesgewiss, als sie Jack auf seinem Ruderrenner herausfordert. Der hat sein Gefährt hinten tiefer gelegt, um eine bessere Kurvenlage zu bekommen.

So ist es kein Wunder, dass Jack die fette Robbe mit dem Ruderrenner ganz leicht abhängt und noch ein paar Extrarunden um Baum, Boot und Bositionslichter drehen kann, bevor ein pummeliger Seehund mit dreifacher Muschelgeschwindigkeit ächzend heranrobbt. Da hätte sich eine kleine weiße Maus besser vorher informiert, die meisten Muscheln liegen träge am Meeresgrund umher und gehören sicher nicht zu den Sprintern in der See.

 Im grauen Ruderboot fiedelt fröhlich eine kleine Seemannkapelle. Wie es sich für das Beiboot für Weihnachten gehört, haben sie einen kleinen Rettungsbaum für alle Fälle aufgestellt. Der kleine Cedrick ist durch die schwere Foliennordsee gestapft, um den goldenen Stern in der halben Walnuss genauer in Augenschein zu nehmen. Deshalb nennt man solche Kleinschiffe sicher auch 'Nussschalen'.

 Neugierig geht Jack längseits und lässt sich von dem braunen Mäuserich genau die ganze Bootsausstattung erklären. Erst war hier überhaupt kein Weihnachten und plötzlich gibt dafür sogar ein Rettungsboot und am Baum hängt ein Ruprecht-Ren-Rettungsring, damit dem Fest jetzt nichts mehr passieren kann.

Jack und Cederick überlegen, was es jetzt wohl zu essen gibt? Statt Süßkram, Käse-Kräcker und Würstchen mit Kartoffelsalat vielleicht nur noch Schiffszwieback, Fischhappen und Krabbenkocktehl? Und die Geschenke sind dann Klabautermann-Äktschenfiguren, Baukästen für Strandburgen und Muschelspardosen für die letzte Heuer? Oder sie dürfen ausnahmsweise mal umsonst in die Fernröhre gucken? Sie werden das mal genau im Auge behalten.

 Dottie, Genny und Holly bestaunen Rettungsringe, Seesterne und Buddelschippe am Baum. So einen Baum haben die drei Mausemädchen noch nie gesehen. Da steckt ein großer Fisch statt eines Engels auf der Baumspitze und überall hängt da statt Lametta dick aufgetragenes Seemannsgarn in den Zweigen. Wirklich nie gesehen? Genny kommt da doch vieles bekannt vor. Aber da war es noch kein Weihnachtsschmuck …

"Genny, das wirst du doch auch zugeben müssen …" schallt es da von der naseweißen Maus auf dem Flossentier auf Rädern: Es war ihr grandioser Plan, sich den ganzen Baumschmuck beim Laden für 'feingesponnenes Seemannsgarn und Tüdderkram aus aller Welt' auszuleihen. Dort hat der graue Seebär an der Kasse erst noch gegrummelt, dass das nun wirklich kein Geschäft sei, wenn irgendwelche Mäuse seine Auslagen kostenlos in 'winntätsch' oder 'jused-luck' verwandeln. Deshalb musste die kleine weiße Maus dafür die Reitrobbe im 'Rolltier-Liehsink' auf Raten kaufen. 48 Monate zahlt sie jetzt nur einen winzigen Schnitz und dann raten sie noch mal am Schluss.

Der Nadelmäuserich Pine-Tree überlegt noch, wem er in dem ganzen Trubel sein Geschenk überreichen soll. Er hat sich mit den ganzen Weihnachtsmäusen lieber in die griechische Hafentaverne zurückgezogen, denn dieses ganze Meeresgerümpel am und um den Baum ist dem kleinen Grünling nicht ganz geheuer. Vielleicht ist Weihnachten jetzt ins Wasser gefallen, und sie haben es noch nicht einmal bemerkt.

 Da erblickt der Geschenketräger Holly in ihrem grünen Ilexkleid. Da sie offensichtlich die gleiche Lieblingsfarbe hat, soll sie schnell sein Geschenk bekommen. Natürlich im glitzernden Kontrastrot, damit es vor lauter Grün nicht untergeht.

 "Jo-ho-ho-ho" murmelt matt die Merry-Mouse zur sprachlosen Weihnachtselfe. Als ausgesprochene Feld- und Wiesenmaus fühlt sie sich bei der ganzen Wasserweihnacht nicht mehr für Geschenke und Stimmung zuständig. Mögen doch andere die Gaben aus dem prall gestopften Seesack verteilen. Und Schäntie-Köre singen die nassgetränkten Lieder zum Fest: Von 15 Mäusen auf der Weihnachtsmannkiste (ho-ho-ho und 'ne Buddel mit Rum) und dem Wiehnachtsmann Veermaster, den se mol gesehn hättn.

Die Rentiermaus schüttelt da nur ihr Geweih. Das erträgt maus doch nur mit einem hochprozentigen "Rababbaba-Schluck. Hicks!"


Idee: S. Schneider   Ausstattung: SchneiderHein   Fotos:W.Hein

Die Canham-Mäuse begehen diesmal maritime Weihnachten und haben dafür den Laden mit dem Seemannsgarn geplündert. Doch ohne die Bärenhöhle Mahnke in Hannover, hätten sie viel weniger zu feiern. Von dort kommt vieles für die perfekte Mäuseausstattung. Da sind der Ruderrenner und die Rollrobbe, Ruderboot und flaschenlosen Buddelschiff im Baum, der kleine Nebenbaum im Boot und der Seesack von Vollmatrose Ruprecht. Und nicht zu vergessen … die griechische Stuhlgruppe mit der Buddel Rhabarber-Wein.


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Zu viel Boot



Die neue Ware ist gerade frisch eingetroffen. Der Laden für Seemannsgarn und Klabautermannbedarf hat sein Angebot erweitert und bietet jetzt Staubfänger und Dekotand an, die jedes Wohnambiente maritim aufwerten und auch tief im Festland für wohlig nautische Gefühle sorgen. Damit kann sich jede Landratte und Stadtmaus als Bezwingerin der rauen See auf allen sieben Weltmeere fühlen.

Die beiden Mäuse sind ganz aufgeregt, da sie die ersten Binnennager sind, die diese Schätze entdecken. Die kleine weiße Maus hat eine Reitrobbe geentert, während Genny schon längst mit einem Krabbenkutter lieb geäugelt hat. Sinclair, der graue Seebär versucht sie derweil mit einem Angebot von "Nimm 2 zum Preis von 3 Seesternen" zu begeistern. Das sind hochklassige Häng-im-Wege auf reichgeblümten Wänden oder wintätsch Nünja-Wurfsterne für alle selbsternannten See- und Tümpelbären. Je nachdem, was sich besser verkauft.

Die Gehilfen enttüddern derweil das neue Seemannsgarn, damit wilde Walfangfahrten nicht mit süsslichen Südseeromanzen vermischt werden. Und die große Sturmfahrt mit dem plötzlichen Klammergriff des Riesenkraken sollte sich nicht mit dem unfreiwilligen Bad beim Hochzeitsantrag während einer Kahnpartie verheddern. So etwas kann auch ein Leichtmatrose noch in Ordnung bringen. Aber so viel die beiden hellen Petze auch an dem blauen Riesen-Nachen rumreißen und ihn immer wieder in neue Ecke wuchten – für diesen Laden ist dieses Boot einfach zu viel Boot.

Darum wird sich der graue Chef-Flunkerer Sinclair später kümmern. Er wird schon noch ein Landei finden, dem er erst die Liebe zum Meer und dann das blaue Boot anschnacken kann. Auch wenn es dann an als Staubfänger eine Wand geschraubt wird und nie wieder Wasser sehen wird. Es wäre aber auch besser so, da er aus eigener Erfahrung weiß, dass gerade dieses Boot es mit dem Außen- und Innennass nicht immer so genau nimmt. Jetzt muss aber erst mal die Rollrobbe raus. Dabei sieht doch jeder, dass einer weißen Landmaus so ein geräderter Seehund viel besser steht … als etwa eine gestreifte Meerkatze … oder ein gerollter Mops. Und wenn der Genny-Antrieb jetzt noch mitmacht, rallert die weiße Maus bald wie Nepptun persönlich durch die Welt.


Fotos: W.Hein

Die beiden Canham-Mäuse treffen im Laden für Seemannsgarn und anderen Tüdderkram auf die weißen Canham-Bären Snowflake und Old Soldier, ein braunes Bärenkind von Ines Kretschmer und den grauen Seebären von Teddy Hermann in Hirscheid.Die Robbe rollte aus der Werkstatt der ds-Bären in die Bärenhöhle Hannover und später zu uns.

  

Montag, 9. November 2015

Die Schlickermonster



Das weiße Monster ist ziemlich sauer. Und wird deshalb auch gleich verputzt. Alisa hat die schwere Aufgabe übernommen, alle Monster und Gummiunholde nieder zu machen.

Dabei helfen Maylin und Helen der kleinen Bärin. Eifrig hauen sie die blauen und lilanen Schreckgestalten weg. Einige schmecken zuckersüss – andere zitronensauer. Dann muss schnell ein süßes Glubschauge hinterher gestopft werden. Nur fallen lassen sollte man die Grimassengummis und Vampirlakritzen nicht, denn der Boden ist sicher überall mit Schneckenschleim, Fliegenschiss und Krötensabber überzogen. Igitt, es reicht ja schon, dass sie darin sitzen müssen. "Und das ist nicht gelogen?" Helen überlegt, ob sie nicht besser stehen sollte …

Conroy wühlt eifrig in der Gummiungeheuerdose. Wenn er und Gerome sich nicht ranhalten, haben die Mädels alles weggeschlickert. Es kommt dem Bärenjunge so vor, dass die Dose heute morgen noch randvoll gewesen ist. Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Monster überhaupt eine Woche durchgehalten haben. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie zur Hälfte quietschsauer sind und sich alle Beutegreifer erst einmal auf den eindeutigen Süsskram gestürzt haben. Aber in der Not frisst ein Teufel vielleicht Fliegen, ein kleines Schlickermonster aber lieber auch saure Weingummischreckgestalten. 

 Conroy greift noch einmal mit vollen Pfoten ins reiche Unholdsortiment. Vorher hat er sich schon eine Vampirfledermaus ins Maul geschoben. Jetzt hat er dafür blaue Grinser, grüne und gelbe Glubscher sowie braune Reißzähnchen fest im festen Griff. Deren letztes Sekündlein hat jetzt geschlagen.

Die Giraffe zuzelt genussvoll am Lakritzvampir. Die sind viel besser als blaue Gummischrecker, die sauerfies grinsen, weil sie sicher gruselig das Mäulchen zusammenziehen. Der Bärenjunge mag sich noch nicht entscheiden, was seine Lieblingsmonster sind. Deshalb hampft er abwechselnd in zwei Unholde, bis er nur noch Glubschaugen und Spitzohren in den Pfoten hält.

"Ich glaube, ich esse jetzt nur noch die gelbe Gefahr." Conroy hat immer wieder abwechseln von beiden Unholden abgebissen und eigentlich schmeckt die Zitrone richtig lecker, wenn da nicht dieser süße Colageschmack fehlen würde. Vielleicht bekommt er ja auch beide gleichzeitig ins Leckermaul: "Das ist dann ein Monsterspezi!"

Kaum ist Alisa vom Beutegreifen zurück bei den Freundinnen, kommt schon wieder diese blecherne Spassbremse. Erst wollte er beim Hallo-Wien-Sammeln unbedingt mitkommen. Wollte alles in den Beuteln ordentlich sortieren und fragte an den Türen immer nach Apfel und Mandelkern, wenn es gerade leckere Schokoriegel geben sollte. Und auf dem Rückweg hat er dann immer diese Nährwerte auf den Süßkramverpackungen laut vorgelesen und jedes mal bei 'Zucker' und 'Palmfett' vorwurfsvoll aufgepfiffen.

"Widde-widde-widde Ich beobachte die letzten Tage mit Sorge, dass – pfiuhh – die Essenszeiten nicht mehr eingehalten werden. Widde-Widduuuuhuh." Maylin hat in der Zeit schon mal ganz interessiert in Alissa reich gefüllte Rockfalte geschaut. "Widde-widde-widdit-dit es scheint inzwischen nur noch ein endloses Dauermampfen zu sein." Maylin findet dieses rote Monster zum Anbeißen. "Widde-widet-du und habt ihr das Kleingedruckte auf der Dose gelesen?" Was will der Blechmann nur, kleine Bärinnen lesen doch nicht so 'nen Quatsch. "Widde-dadidde-dadu das ist alles purer Zucker, der junge Bären vollkommen hibbelig macht." Wenn man – wie dieses unbestechliche Wunder der Technik – kein positronisches Logikbollwerk ist. Und sowieso keine Öffnung für die ungehemmte Energieaufnahme durch Schlickerkram hat.

"Hau ab, du Blechguwertante, du nervst!" Alisa hat wirklich keine Zeit für all das gesunde Zeugs, dass dieser Roboter immer runterbetet. Und wenn sie das gerade hier richtig sieht, hat ihr Maylin mal glatt einen roten Schlickerschreck aus ihrem Schürzenvorrat gemopst. Das geht doch gar nicht.

Es muss unbedingt ein blauer Unhold sein. Und der klebt ganz frech am Boden und will sich nicht wegschmackofatzen lassen. Conroy kriecht immer tiefer in die durchsichtige Dose und angelt und reckt und streckt sich so weit er kann. Doch diese blaue Mistvieh will sich nicht fangen lassen.

"Und wehe, du blaue Monstermacke bist nachher noch supersauer!" Langsam fragt sich Conroy, ob er allein überhaupt wieder aus der Dose kommt. Hoffentlich haut jetzt Gerome nicht ab, um neuen Schlickerkram zu besorgen, wenn er den alten verstopft.

Die Mädels müssen noch ganz genau klären, was 'Mein' und 'Dein' bedeutet. Und warum zu 'Mein' auf jeden Fall der eigene Kleidersaum gehört. Wenn Maylin hier rote Gruselgeister platt machen will, kann sie auch selber zum Eimer laufen. Und da will Alisa jetzt auch keinen Versöhnungs-Colamonster von Helen. Es geht hier nämlich um die Ehre einer Petzeline … und den eigenen schwer zusammengehamsterten Schlickervorrat.

"Widde-Widdu-Widdi wollt Ihr nicht lieber einen süßen Apfel. Die fallen ja schon von den Bäumen, so reif sind die." Ein logisch denkendes Positronengenie kann nicht verstehen, warum die kleinen Bärinnen noch mehr Nahrung in den Garten schleppen, wenn der schon voll davon ist. Und dann auch noch voll bleibt, weil seine unvernünftigen Bestimmerinnen sich nur das mitgebrachte klebrige Zuckerglipperzeug unter die Tatzen reißen.

"Hau bloß ab! Der ist ja giftgritzegrün. Und wenn der auf den Boden gefallen ist, hängt da sicher noch Igelsabber dran. Oder Schlimmeres." Kleine Bärinnen nehmen nur das, wo viel gute Industrie dabei ist. Bei so Natursachen weiß man nie, welche Natur da dran gewesen ist. "Widde-Widdöhöhöiii – ich habe ihn gewaschen und poliert." Mit pfeifenden Prostest zieht der Blechpflücker ab. "Trotzdem!" rufen ihm die Mädchen noch nach.

Gerome hat vorgesorgt. Wenn ein kleiner Bär immer noch in der Dose steckt, passt dort kein Huf und keine Pfote mehr dazwischen. So lange hat der lakritzselige Langhals seinen kleinen Vorrat aus Außenhüftgold. Aber er muss aufpassen, dass der nicht zu knapp bemessen ist, denn noch hört er nur Ächzen und Schnaufen aus dem runden Plastiktopf.

Conroy hat endlich das blaue Monster aus der Dose geangelt. Und die anderen Schlickerschrecker, die dabei mit rausgerutscht waren, hat er hastig vom Dreck befreit und noch übergeputzt, bevor er sie schnell wieder in den Plastikeimer gepfeffert hat. Obwohl … die sollen es sich da gar nicht so gemütlich machen. Wenn der Blaue weg ist, kommt gleich das nächste Schreckgummi dran.

Da haben die Mädchen noch ein Wort oder zwei Worte mitzureden. Sie finden es gar nicht gut, dass die Jungen die Beschaffungswege so kurz gemacht haben, dass sie sich viel schneller den Bauch vollstopfen können.

Und Anna will erst recht ein großes Wort mitreden. Sie findet es überhaupt nicht gut, wenn die ganzen Schlickervorräte im Garten verschwinden und dort klammheimlich niedergemacht werden. Da muss sich auch keiner wundern, wenn nachher beim Abendbrot nur noch ein satter pelznasiger Vogelschwarm am Tisch sitzt und lustlos in die Vollkornbrote pickt.

Die Monster mussten doch vernichtet werden, bevor sie Unheil anrichten konnten. Kleine Bären können das sehr gut erklären. Und sie schwören, nachher ganz doll rein zu hauen. In dieses Abendbrot. Aber noch besser sollte es Abendpommes heißen. Gern auch mit Brikettfischen oder Hühnerklein im warmen Backmantel und ganz viel glitschigem rotweißem Ketschwapp mit Majoneese.

"Widde-widde-widde das wäre ja eine Belohnung für den ganzen Schlickerklau. Und kleine Bären sollten lieber gesunde Sachen essen – wie Broccoli und Spinat. Piuhhh – Ich kippe ja auch nicht irgendein Altöl über meine wertvolle Mechanik." Der silberne Fachbot für Ernährungsfragen lässt fassungslos den Kopf um die eigene Achse drehen. Es ist doch klar, dass junge Geister gesunde Dinge schnabulieren sollten, wenn sie den ganzen Tag so aufgeregt rum rennen. "Du hast ja keine Ahnung," entrüstet sich Maylin. "Geistergummis sind doch kein Altöl! Und ich brauche die täglich!"

Das dauert jetzt sicher länger, bis geklärt ist, warum kleine Bärinnen nicht all das bekommen, was sie täglich brauchen. Doch Gerome hat plötzlich keine Zeit mehr. Der Langhals muss ganz schnell weg, um als erster ins Haus zu kommen. Anna kann hier gern gründlich aufräumen und sich ruhig Zeit lassen.

"Du blecherne Petze!" Wer Anna wohl geholt hat. Maylin ist jetzt mindestens so sauer wie die schlimmsten Gummimonster. "Wenn ich dich erwische, reiße ich dir die Antennen einzeln raus!" Alisa muss der großen Bärin noch ganz dringend etwas erklären. So lange die noch abgelenkt ist, kann Conroy noch schnell in die süßen Reste greifen. Und Helen verdrückt noch schneller ein letzten Cola-Unhold, bevor der wieder zu den anderen in die Dose muss.


Fotos: W.Hein

Die kleine Schlickerbande sind bis auf den Langhals Jerome alles Rica-Bären. Der Girafferich kommt als Hampton-Bear aus Australien. Anna ist eine geplagte Großbärin von Kathleen Wallace. Der Petzebot ist eine Erfindung von Anna Freimane, die aber sicher nicht ahnen konnte, welch wunderliche Programmierung sich inzwischen im positronischen Gehirn breit macht. widde-widde-widde.

Mist! Anna nimmt die letzten Vorräte mit. Ohne Monster und Vampire ist dieses Hallo-Wien nun garantiert zu Ende. 

"Jetzt müssen wir wohl singen," Alisa guckt immer weiter dem entschwindenden Süß- und Sauerkram hinterher. Sie werden am Dienstag schiefe Lieder singen und wenn es sein muss, bis nach Bremen ziehen. Aber weitere Monster zum Wegputzen wird es wohl erst wieder im nächsten Jahr geben. Nur Helen ist über eine Pause nicht wirklich unglücklich – in ihrem Kullerbauch rumpumpeln inzwischen diese rachsüchtigen Schlickerschrecker schon richtig heftig.