Sonntag, 5. Oktober 2014

Es furunkelt im Garten



Da ist eine kleine Bärin mal wieder viiiiieel zu langsam. So aufgeregt wie Maylin der Alisa zuwinkt, sollte das Bärenmädchen am besten fliegen können.

 "Nun komm doch endlich," wird Alisa von der weißen Petzeline begrüßt. die vor Aufregung fast platzt: "Ich habe einen riesigen Karfunkelstein gefunden!" Maylin platzt jetzt nicht, sie bleibt zum Glück beieinander und verteilt sich nicht explosionsartig im Grün, weil sie endlich jemanden diesen Riesenklunker zeigen kann, der unter dem Farn hervor glitzert. Alisa kann gar nicht fassen, wie man den vorher übersehen konnte. Doch Maylin zuckt nur mit den Schultern: "Ich weiß nicht, woher er plötzlich gekommen ist." Die Hauptsache ist doch: Ich habe ihn gefunden und bin jetzt steinreich!"

Doch so ganz kann es keine der beiden Pelznasen lassen, ein wenig Jungmädchengarn zu spinnen, wie so ein Oschi direkt vor ihren Pfoten im Garten landet: "Vielleicht ist er aus dem Himmel gefallen? Oder er hat einfach die Fassung verloren?"

Alisa runzelt unterm Fell die Stirn: "Das ist doch ein angeeckter Brilli –mit so vielen Glitzerkanten! Trägt man solche Brillis nicht in einem Ring oder Diadem?" Jetzt schüttelt ihre Freundin den Kopf: "So einen Riesenklunker soll man auf einen Ring kleben können? Der ist dann wohl für Guudzillas Braut!" Dann sollten sie den Monsterstein schnell wegschaffen, bevor jemand nachgucken kommt und ihren Lieblingsgarten dabei verwüstet. Sie benötigen wirklich Hilfe.

"Du könntest wirklich mehr Verantwortung im Gartentransport tragen, dieser Furunkelstein sieht sehr schwer aus." Alisa hat den silbernen Haushaltsroboter aus der Küche hinzugezogen. Und das mit Ziehen kann man ruhig wörtlich nehmen. Die kleine Bärin musste die blecherne Haushilfe den ganzen Weg am langen Spiralroboterarm in den Garten zerren. Und auch jetzt zeigt der Metallspund wenig Begeisterung: "Widdewiddewid ... es sieht wirklich sehr schwer aus ... widdewiddepfiuhh!" Abgesehen davon ist 'Begeisterung' eh nichts für das logische Denken.

"Oh ja, der hat sicher ganz viele Karachos," ächzt Maylin, als sie den schweren Kristall allein hochwuchtet. "Das widdewidde sind eigentlich Karat," murmelt der Blechgriesgram. Die Bärin ist beeindruckt: "Oh, er kann auch Karate." Ein Schnaufen entfährt dem Metallgehäuse: "Pfühiit, eher nicht." Doch Maylin ist nicht mehr zu bremsen: "Vielleicht sogar Juijitschu, so glatt wie das asiatische Funkelgestein ist." An manchen Tagen fragen sich kleine Roboter, warum es keinen Intelligenztest für Käufer gibt. Dann wäre die logische Haushaltsführung sicher einfacher.

Maylin will endlich den Klunker aus dem Garten schaffen, bevor die übellaunigen, brilli-suchenden Riesenechsen kommen. Juiijitschu hat sie auf eine Idee gebracht: Wenn sie Schlittschuhe hätten, könnten sie den Stein auf Kufen setzten. So haben schon die alten Ägüpter ihre dicken Steine zu den Piramiden geschafft. Sie geht mit Alisa im Haus die Schlittschuhe suchen und bis dahin kann der Blechmann das Glitzerding übernehmen und schon mal ein paar Meter gut machen.

Das geht leider nicht: "Widde-Widde-Wiknarz – Ich bin ein Haushaltsroboter, ich betone Haushaltsroboter und kein Feld-, Wald- oder Wiesenroboter! Das ist keine Arbeit für mich." Der silberne Helfer muss leider ablehen. So haben sich das die beiden Petzinnen das aber nicht vorgestellt: Von wegen 'Maschinen erleichtern den Alltag'. Alisa ist richtig sauer: "Du erklärst immer nur, was Du nicht kannst!" Wenn er könnte, würde der kleine Roboter jetzt mit den Schulter zucken: "Ich kann nicht anders – widde-widde-widdidid – das ist immer nur logisch." Oh ja, dieser Intelligenztest...

"Ich habe jetzt einen Firlefanzstein," klärt Maylin Conroy auf, als er mit Gerome zufällig vorbei kommt. Die beiden Jungs sind echt beeindruckt, dass ein Firlefanz so dick kommen kann.

Doch bevor sie den jetzt wegschaffen können, holt Conroy erst einmal sein Maßband hervor und hält es an den 'Fiesematentenstein'. "Nein, es ist ein Furunkelstein," korrigiert ihn der Giraffenjunge, der genau aufgepasst hat. Furinkel hin oder her, das Ding ist wirklich riesig, so satte 23,5 bis 31,7 Zentimeter, wenn bär mal genau misst.

Das wird wirklich eine ordentliche Schlepperei. "Das wussten wir schon vorher," merken da leise die Mädchen an. "Den musst du nur anheben."

 Dennoch ist es besser, wenn man es genau weiß. Conroy lässt den Maßstab einschnappen.

 "Außerdem: um so mehr Stein man misst, um so mehr Karambas hat er," verkündet der Bärenjunge in der Latzhose sehr gewichtig . "Juhu, Ich bin reich!" jubelt Maylin. "Jede Menge Karambas!" Aber waren das nicht eigentlich Karachos? Egal, wenn das Prachtstück hier nicht langsam verschwindet, kommen sicher bald die missmutigen Brautschmuck-Vermisser Guudzilla und seine glanzlose Frau.

Endlich sind sie raus aus dem wuscheligen Grün. Auf dem Steg blitzt und blinkt der Vieleck-Stein noch viel schöner. Die kleine Bärin muss ihn nur ein wenig hin und her drehen und schon springen ganz viele bunte Lichter über das Kleid oder das Holz. Doch Maylin ist noch lange nicht glücklich, auch wenn die anderen schon schnaufen und ächzen: der Klunker muss ins Haus, wo er viel unauffälliger umherblinken kann.

"Und im Haus übernimmst du endlich den Stein-Transport?" will Alisa vom kleinen Roboter wissen. "Widde-widde-wiääh Ich werde prüfen, ob der Fundstein nicht meine zulässige Tragkraft überschreitet. Widde-widde-widhmmm, ihr müsst sicher ein Upgrade für Schwerlastaufgaben bestellen." "Von Abgräten hat uns niemand was gesagt," muffelt die hilflose Besitzerin. "Nun, widde-widde-widde, es konnte niemand bei der Bestellung wissen, dass ihr Schwerstklunker im Haushalt habt. Ihr müsst schon das Kleingedruckte lesen." Das ist doch bodenlos arbeitsscheu – Alisa kann es nicht fassen: "Ich habe da nichts Kleingedrucktes gesehen!" Logisch: "Weil es ja auch extra klein gedruckt ist. Widde-widde-witt!"

Da diskutieren die Bären noch eifrig mit einem silbernen Zwerg und haben keine Zeit nach rechts oder nach links zu sehen. Das nutzt Frau Fuchs schnell aus, um unschuldig pfeifend sich an den neugierigen Petzten vorbeizuschleichen. Am Besten verzichtet sie sogar auf das Pfeifen – das könnte doch noch ihre Aufmerksamkeit erregen. Nur noch wenige leise Schritte und sie ist den lästigen Fragebären entkommen.

Geschafft! Die rote Spitznase ist durch. Und keiner hat es bemerkt. Jetzt einmal richtig durchatmen... upps – ist das laut... Aber zum Glück, es guckt immer noch keiner. Alle starren gebannt auf dieses Glitzerding, das in alle Richtungen gleißt. Frau Fuchs würde ja gern wissen, was da so funkelt. Aber dann hätte sie sich die ganze Schleicherei sparen können und am Ende würde sie ja wieder nur von diesen irren Bärenkinderfragen verwirrt werden. Und wüsste weniger als zuvor.

Wenn kleine elektrische Helfer keine große Hilfe sind, muss sich eine Petzeline eben selber helfen. Die kleinen Bären haben sich den roten Rattenrenner ausgeliehen und gemeinsam den Finkelstein in den Bollerwagen gewuchtet.

Nun passen die Mädchen am Heck auf, während Conroy vorne lenken soll, um nicht in den Längsrillen hängen zu bleiben. Das ist nicht so einfach, weil die Bärinnen von hinten kräftig schubsen. Und wollen, dass 'Herr Zentimetergenau' endlich mal mitziehen soll.

Frau Fuchs muss hier auf jeden Fall weg. Die kleinen Nervensägen kommen dank des Bollerwagens jetzt viel schneller voran. Und dann muss die rote Dame sicher wieder viele Fragen beantworten: Wieso poltern Glitzersteine aus dem Himmel? Warum trägt Guudzillas Braut beim Hochhaus-Einreißen überhaupt einen Ring? Wie verhält man sich richtig, wenn ein wütender Suchsaurier mit seinem alles wegbrutzelnden Leisah-Strahl durch den Garten pflügt? Und was hat so ein Stein nun: Karachos, Karates oder doch nur die Strahlenkrankheit? Aber er ist dann doch immer noch ganz viel wert?


Fotos: W.Hein

Den großen Furunkelstein hatte eine gute Freundin meiner Mutter geschenkt. Aus gegebenen Anlass ist er nun zu uns gekommen. Und unsere Bären passen inzwischen gern darauf aus. Die kleine Petze sind hier alles Rica-Bären, Gerome ist ein Hampton Bear, obwohl natürlich ein waschechter Giraffenbulle bleibt. Er muss da noch mal mit Lynda reden, ob sie ihre Tiere nicht besser als "Hampton Giraffes mit anderen" heißen könnte. Frau Fuchs kommt aus dem Osten von Natasha Kataeva und der eigensinnige Roboter von Anna Freimane.


Kommentare:

kleine-creative-Welt hat gesagt…

herrlich, die Abenteuer dieser bunten Pelzschar zu erleben - es passiert aber auch immer was Spannendes - der Klunker ist ja von riesigem Ausmaß - der in echt.... Wahnsinn - da wär man alle Sorgen los - Frau Fuchs sieht prächtig aus - Maylin ist zauberhaft - ich liebe kleine Bären -

nun wünsche ich auch den süßen Fellnasen eine schöne Adventszeit

liebe Grüße - Ruth

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ruth
Für die kleinen Bären ist das große Funkeln echt - und das ist die Hauptsache. Und für uns ist der Klunker eine schöne Erinnerung an eine ganz liebe - leider schon verstorbene, Freundin von Wolfgangs Mutter. Und nun befindet sich das Teil im Bärenfundus, wo er sicherlich ab und an noch für tolldreiste Geschichten sorgen wird ...