Dienstag, 26. Februar 2013

Zweierlei ist einerlei



Die Eiskönigin friert. Nur die richtige Königinnentracht reicht wohl nicht. Erst recht nicht eine mit bloßen Armen. Benita bibbert im Schnee und wenig später muss die Winterwelt ohne gekröntes Haupt auskommen. Die Eiskönigin dankt ab und geht ins warme Exil.

Rudi, die Rentiermaus, trägt stolz sein Geweih durch die winterliche Steppe. Sie hält eifrig Ausschau nach anderen Nagern, mit denen die Maus ihre mächtigen Schaufeln kreuzen kann.

Das alte Ren zeigt zwar immer noch gern sein eindrucksvolles Geweih. Aber so eine gehörnte Maus ist doch kein ernstzunehmender Revierrivale. Der Rentierhüter hätte sicher auch etwas dagegen. Samuel steckt immer noch in der stilechten Nordmannkutte. Als bunter Putzlappe hat sich der Bär für die Wanderung in der oberricklinger Tundra prächtig herausgeputzt.

Ein kleines Kitz stöckelt wieder auf eisigen Hufen durch den hohen Schnee. Die einzige Eisblume, die es kennt, klebt an seinem eigenen Hinterteil. Und die langen Stelzen zittern immer noch wie Espenlaub. Warum trägt es eigentlich einen Muff, wenn es dort seine Hufe nicht reinkriegt?

Überall ragen nur noch spindeldürre Stöcker, nackte Zweige und einzelne Gräser aus dem Boden. Die Flächen sind überall so leer und weit. Doch dafür ist es im Garten immer noch ganz schön einsam. Doch hallo! der bunte Lappe hat endlich ein hoffentlich bekanntes Fellknäuel im weiten Garten entdeckt: "Schneeeeweisssscheen ... Schneeeeeweisschen!"

Die weiße Bärin wollte eigentlich nur nachsehen, was die Schneeglöckchen machen. Immer wieder überdeckt der Schnee die zarten grünen Spitzen. Danach will sie nur wieder schnell ins kuschlige Haus. Doch jetzt spitzt sie die runden Puschelohren: Ruft da jemand ihren Namen?

Das Wunder der Technik hat den Weg verloren. Das blaue Blinklicht blinkt jetzt schon die ganze Zeit und dennoch weiß das Navi nicht so ganz genau, wo sie sich befinden. Sie sind im Garten, das ist klar. Aber durch den ganzen Schnee kann man doch keinen Weg finden. Das muss Plümm doch verstehen, so kann doch kein Navi arbeiten.

Die kleine Hasendame kann es nicht mehr hören: "Gib zu, wir haben uns verlaufen." Das Navi findet, 'Verlaufen' ist jetzt etwas übertrieben. Die Schneefrau bleibt dabei: "Wir sollten Hilfe rufen." Also gut: "Schneeweisschen" und lauter "Schneeeeweeisscheeen!"

 Inzwischen ist die weiße Bärin sich sicher, jemand ruft seinen Namen: "Schneeweisssssschen ... Schneeeeeeeweiiisssschen."

Es ist das Navi, das inzwischen voranläuft. Hoffentlich weiß bald jemand wohin. "Schneeeeweiiiisssscheeeen!" Wenn dieser jemand bitte endlich auf seinen Namen hört: "Schneeeweiiisssscheeennn!"

Da steht ein zartes Rehkitz noch immer im Schnee und spitzt die Schnute. Jemand ruft seinen Namen. Doch noch sind die Rufe weit weg und es kann noch niemanden sehen ...

Die Hasendame Bu hört auch die Rufe: "Schneeeeweiiiiisssschen ... Schneeeweiiiiihiiisscheeen." Dann ein Huuhuuuu? oder doch ein Buuhuuu? Wie Hasendame Bu? Nein doch nur "Huuhuuu ... Schneeeeweiiiiisssschen."

Schneeweisschen und Schneeweißchen sind ganz verwirrt. Irgendjemand ruft die ganze Zeit ihren Namen und sie wissen immer noch nicht wer. Wo steckt dieser Schreihals? Sie gehen jeweils ein paar Schritte rückwärts, um einen besseren Überblick zu bekommen. Und noch ein paar Schritte ...

"Schneeeeeweiiiissssschen" Die helle Bärin hält inne. Sie sieht immer noch nichts. Wenn sie jetzt nur noch etwas zurücktritt, kann sie hinter den Busch da hinten schauen.

Noch einen Schritt zurück und einen Huf zurücksetzen, da prallt die Bärin auf ein schlankes Reh, und schon kommt die Große ins Stolpern. Dann fällt sie über das braune Kitz, das plötzlich unter die Füße kommt.

Sie purzeln übereinander und schon ist Schneeweisschen obenauf. Oder Schneeweißchen?

Als sich beide endlich ausgekullert haben, schaut ein braunes Reh der weißen Bärin vorwurfsvoll in die Augen. Hat die Petzeline denn hinten keine Augen im Kopf,wenn sie schon so ein riesiges tapsiges Fellgebirge ist. Es hätte platt sein können wie ein Bettvorleger. Na wohl eher für ein Nachtschränkchen, so winzig klein wie die heranwachsende Hirschkuh ist.

Sie hören immer noch diese "Schneeweisssscheeeen ... Schneeeeeeweisscheeeen." Es kommt aus verschiedenen Ecken des Gartens mit ganz verschiedenen Stimmen. Mehrere Bären können sich da wohl nicht entscheiden. Wen meinen die bloß? Wer immer da ruft, sollte genauer das Ess betonen: Bärin oder Kitz oder beide. Wenn man es nicht weiß, ist es doch einerlei.

Die anderen können gern weiter frieren, Schneeweißchen und Schneeweisschen gehen lieber wieder ins Haus. Das schmale Kitz hat sowieso schon wieder Eisbeine. Hoffentlich ist die Schneezeit bald vorbei, dann nimmt sie lieber modisch bunte, geringelte Strickstulpen für den Sommer. "Warum trägst Du eigentlich einen Muff?" will da die weiße Bärin wissen. "Ach frag besser nicht!"


Fotos: W. Hein

Schneeweisschen ist ein Rehkitz von Eillen Seifert (Teddy-Manufaktur) und Schneeweißchen eine weiße Rica-Bärin mit Beschützerinstinkten. Die Frostbeule Benita ist eine weitere Rica-Bärin aus Detmold. Die Hasendame Bu und Samuel träumen als Hampton Bears wahrscheinlich immer noch vom sonnigen Winter in Australien. Rudi das Mauseren kommt aus Holland von den ForestBlueFactory. Plümm von den Niederländer Tonni Bears könnte dorthin wohl rüberschauen. Denn bei dem Unterwaaserland ist es doch so platt, da hat man sicher alles im Blick. Zum Schluss: Im planlosen Navi-Kostüm steckt Fleckerl, ein Bär aus den Fleckerwald.


Endlich haben auch das Navi und eine Schneefrau den Weg nach Hause gefunden. "Ich habe einen speziellen Herum-Irr-Modus Zweipunktnull, das macht mich auch zum erstklassigen Wegeverlierer" verkündet gerade das um seinen Ruf besorgte Moppelren.


Kommentare:

kleine-creative-Welt hat gesagt…

Benita als Eiskönigin ist entzückend anzusehen und Rudi scheint sehr stolz auf sein Geweih zu sein -
Samuel sieht sehr stolz aus in der schönen Tracht -
ein wenig verloren scheint Bu sich zu fühlen -

na die Bärin ist ein richtiger Hans-Guck-in-die-Luft - das arme kleine Kitz - na ist ja noch mal gut gegangen -

alles Liebe - Ruth

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ruth
Na, wie würdest Du Dich den fühlen, wenn Du aus dem heißen Australien ins frostige Deutschland verschickt wirst ;-) Trotz Plüschpelzjacke und Kissen unter dem Hasenpo macht sie auch beim Frühlings-Picknick noch nicht einen so glücklichen Eindruck ...

Aber bis auf Benita, die Bu ihre Jacke gegeben hat, hatten alle doch Spass im Schnee :-) Na gut, Schneeweisschen freut sich jetzt vielleicht auch auf den Frühling ;-)

Eileen Seifert hat gesagt…

Ach... es ist einfach immer zaubääärhaft, Eure schönen Geschichten zu lesen. Schon bald müssen die Süßen nicht mehr im Schnee frieren. *freu*

Ich wünsche Euch ein wuuunderschönes Wochenende.... fühlt Euch lieb gedrückt von mir und gebt Schneeweisschen mal ein Küßchen bitte :) Winke winke :*

SchneiderHein hat gesagt…

@ Eileen
Für gestern war auch eine ganz andere Geschichte geplant. Aber unsere Hausgenossen sind ja flexibel. Nur Schneeweisschen hat nun endgültig die Nase voll von der weißen Pracht und will erst wieder vor die Tür, wenn es weder Mütze noch Muff braucht ...