Dienstag, 15. Januar 2013

Schwanentümpel



Luna Beronaskova blickt innig auf den verwunschenen Schwarzvogel. Sie hat ihn zusammen mit ihrer russischen Tracht aus einem Zollpaket gezogen und wüsste immer noch gern, wer entzaubert in dem knuddeligen Wasservogel steckt. Dann setzt unerwartet Musik mit einer langezogenen Bläsermelodie ein ... bald gefolgt von heftigen Geigenwolken und dramatischen Blechfanfaren. Die weiße Bärin schaut verwundert den Schwan an und blickt dann neugierig in die Runde. Was soll das jetzt bedeuten? Dann übernehmen die Holzbläser mit einer freundlich hüpfenden Melodie. Luna wippt im Takt. Und der Schwan nickt nach rechts und links mit dem Hals dazu.

Plötzlich schweben zwei Feen mit duftig schwingenden Röcken über das Parkett. Sie heben passend zur Musik mit leichten Schwung die Arme und stellen sich in Positur. "Geht's los?" wispert Sissi. "Psst, ja", wispert Clara zurück. Dann schreiten sie mit durchgestreckten Knien langsam auf Luna zu. Sie singen dabei: "Wiihiir haaben einen Plaaahaann!"

Der Beronaskova ist das ungewohnte Umschmeicheln nicht so ganz geheuer und zieht ihren gefiederten Freund dicht an sich. Die beiden guten Geister singen unbeirrt weiter: "Der schwaaarze Schwan ist veeerzauuubert uuunnd verwuuunschen und muhuuusssss weg. Schwaaahaarz briingt Uuunglüühhhüüüück." Eigentlich sollte man den beiden sagen, dass beim Tütühopsen nicht so viel geträllert wird.

Während die beiden duftigen Hopser im Rüttel-Mus der Musik weiter wechselseitig die Arme wedeln lassen, enscheidet das russische Mädchen: "Nichts da, der Flatterich bleibt." Da passt eine plötzliche Trompetenfanfare gut als Ausrufezeichen! Die beiden Tanzbärinnen halten einen Moment verdattert inne, dann beginnen sie wieder die Arme sanft zu wiegen und umgarnen dabei die prächtig geschmückte Petzelina mit dem eng umschlungenen Vogel. 

Ein paar Takte später haben Clara und Sissi die widerstrebenden Luna doch überredet: "Keineee Ahaaanngst. Wir entzauhaubern ihn für diiiich..." Und schon sind die beiden Ballertrinen mit dem kleinen Schwan entschwunden. Luna bleibt zurück und zieht sich langsam aus dem Licht an die Seite zurück. Wie es jetzt wohl weitergeht?

Die Musik wird wieder fröhlicher und mit neuem Schwung hüpft sie von einem Triller zum nächsten. Da kommen zwei Langohren hervor und spähen aufgeregt nach rechts und links. Sie nicken einander zu und spähen noch einmal ausgiebig in die Runde. Und dann erblicken sie einen wunderschönen weißen Schwan.

Sie heben die Arme und beginnen den weißen Flaumtraum zu umkreisen. Die Hoppys hoppeln dabei anmutig auf spitzen Pfoten und ihre Tütüs wippen im Takt. Mit kleinen Trippelschrittchen nähern sie sich dem geduldig wartenden Vogel.

Ein Hoppelhase verbeugt sich langsam vor dem Vogel, der mit einem knappen Nicken den Gruß huldvoll erwidert. Die sanftschleifend schwingenden Kreise der beiden Löffeltänzerinnen haben die strahlende Hoheit der Teiche und Tümpel offensichtlich milde gestimmt.

Sie werfen die gestreckten Beine nach außen, machen eifrig dabei flicker-flacker und neigen sich dabei immer wieder dem weißen Vogel zu. Im leichten Paller-Döh wagen sich die beiden, oberprima Ballertrinen in kleinen, schnellen Sprüngen vor und weichen mit getrippelten Schritten spielerisch zurück.

Dann geben sich Vogel und Hase einander Köpfchen und schnäbeln ein wenig. Der lange Schwanenhals folgt Hoppys sanftem Wiegen im Walzertakt. Doch schon nähert sich das zweite Hoppy für ein paar quirlige Piru-Etten.

Das himmelhellblaue Langohr streckt das Bein nach hinten und schlägt dazu ein paar Kapriolen. Dann drehen sich alle mehr oder weniger einmal um die eigene Achse ... jetzt ein elegant eingestreuter Walzerschritt. Das ist doch jetzt wirklich ein weißer Tanz.

Die Mümmeleleven setzen das lang gestreckte Bein vor und zurück, die Fußspitzen klopfen dabei immer wieder auf den Boden. Sie menuetten gemeinsam mit dem großen Vogel über Tanzboden. Dabei sind sie so in die Musik versunken, sie bemerken gar nicht, dass eine hippelige Luna sie schon länger beobachtet.

Die weiße Bärin nähert sich langsam und vorsichtig dem großen Vogel. "Ist das mein entwunschener, schwarzer Schwan?" fragt das russische Mädchen zaghaft. "Der ist ganz schön gewachsen."

De beiden Hasen ziehen die Bärin weg. "Nein, nein, das ist nur ein weißer Vogel", versichert ihr ein Hoppy. "Der tanzt einfach nur gern", pflichtet ein Hoppy bei. Und er mag keine Aufregung, denn der Schwanenvogel verschwindet, als in einer kurzen Pause zwischen zwei Musikstücken sich von hinten eifrige Schritte mit quitschenden Sohlen über den Holzboden nähern. 

Die guten Feen sind zurück. Ohne den schwarzen Flattermann aber mit einer guten Nachricht:"Warte, oh warte nur, wir haaaabeeen deineeeeen Priiihiinnzen." Clara zupft die Beronaskova am Arm, bevor sie dem weißen Schwan folgen kann.

"Das soll mein entzauberter Schwan sein ... ein rotes Fusseltier mit Propeller auf dem Kopf?" Luna kann es nicht fassen. Das Sputnik tritt verlegen von einem Bein auf das andere. Er ist doch auch ein Flugtier, das sich jetzt schon leicht im Takt zur schnaderhüpfenden Flötenmelodie wiegt.

"Ich hab' dir gleich gesagt, das klappt nicht." raunt Sissi ihrer Zweitfee zu. "Mehr Zeit hatten wir aber nicht," flüstert Clara zurück. "Doch schnell, unser Einsatz kommt." Sie heben die Pfoten und stellen sich wieder in Positur ...

"Das könnt ihr vergessen!" Luna stapft wütend davon. "Und ich will meinen schwarzen Vogel wieder." Sie dreht sich noch mal um, bevor sie grummelnd abgeht: "Und zwar genauso wie vorher!" "Und das Unglühhück?" "Da pfeif ich drauf!" Dann ist das russische Mädel weg. 

"Kann ich jetzt gehen oder braucht ihr noch einen Prinzen?" Das Sputnik fühlt sich bei dem ganzen Gehoppel doch nicht so ganz wohl. Die Feepetzelinen und Hoppelhupfdohlen sehen sich an: Dann können sie wohl auch die Bühne räumen. Sie gehen ohne Verbeugung ab. Nur die Plinkermusik dudelt tapfer weiter, bis sie mit einem lauten Kracks abbricht.

"Einen Prinz? Ihr sucht einen Prinz?" Der winzige Mausekönig läuft eilig über die verlassene Bühne. Er wirft suchende Blicke, die aber niemand erwidert. Der gekrönte Nager versteht diese großen Ballettratten nicht. Da hätten sie ihn doch fragen können.

Fotos: W.Hein

Im alten Russland gab es schon lange Märchen über verwunschene Schwanenmädchen, die erlöst werden müssen. Das inspirierte Herrn Tschaikowski und seine Librettisten zum überaus bekannten Ballet 'Schwanensee', dem absoluten Traum für alle tütüseligen Ballettmäuschen. Hier findet Prinz Siegfried in einem verzauberten weißen Schwan seine große Liebe Odette. Der Zauberer Rotbart täuscht ihn darauf mit einem schwarzen Schwanenmädchen, dem der Prinz unglücklicherweise ewige Treue schwört. Statt seiner geliebten Odette, um diese zu erlösen. Seinen Irrtum erkennend sucht er das echte, narürlich weiße Schwanenmädchen und da hängt das Ende vom Blutdurst des Regisseurs ab: Beide werden glücklich (unblutig, gähn). Oder der Prinz stirbt. Oder das Schwanenmädchen (jeweils bisschen blutig). Oder gleich beide (voll blutig). Oder sie einigen sich auf eine fast gütliche Trennung von Tisch und Bett wie in unserem Fall.

Das russische Mädchen ist Luna von den Valdorf Bears. Die beiden guten Feen geben Clara von Claudis Charming-Bears und Sissi von Sylvia Reiter. Die eifrigen Karnickel im Tütü sind zwei Hoppy VanderHare von der North American Bear Company im eigenen Kostüm. Das stehengelassene Sputnik ist von keuns and bears. Der verspätete Mausekönig wurde von Deb Canham für seine fast tragende Rolle ausgestattet.

Der Bühnenaufbau war schnell gemacht. Einfach eine noch weihnachtliche Fenstergestaltung aus Silkes 'Dekogerümpel' ziehen und fertig ist der Winterwald aus Tannenmetallgestellen mit eingehängten Perlensternen. Nur das vanilleduftende Potpourri, das die Metallfüße umhüllte, ist in der Fensterbank geblieben. Dafür haben die Bären noch schnell einen grünen Glitzerhirsch aus einer anderen Dekoecke herbeigeschleppt.


Kommentare:

Jerry and Ben hat gesagt…

Wow! Wonderful ballet!

Björn Schröbel hat gesagt…

Das ist definitiv die allerbeste Darbietung von Schwanensee die ich bisher gesehen habe :)

Lieben Gruß
Björn :)

kleine-creative-Welt hat gesagt…

mich begeistert die Darstellung - zuerst wird recherchiert - dann werden die Details festgelegt - besorgt - der Hintergrund gestaltet - die Geschichte nachgestellt... für mich auch die beste Schwanensee-Darbietung... weil gar nicht langweilig - total süß und man lernt noch was dabei (hatte ich Story nicht gekannt) -

sehr schön gemacht - danke für die Kurzweil -

liebe Grüße - Ruth

Anonym hat gesagt…

Eine wunderbare Neuinszenierung !! Angefangen beim Handlungsablauf und den Regieanweisungen ... zum Glück nicht voll blutig :-) ... über neue Nebendarsteller wie das Sputnik bis hin zu den schönen Kostümen, Requisiten und Bühnenbildern ... da kann das Publikum nur aufstehen und Zugabe fordern !
LG Manu und die Münchner Bären :-)

Anonym hat gesagt…

Mein lieber Schwan, was für schöne Balettratten - und vor allem was für ein toller Kuschelschwan! Den würden wir hier alle zu gerne mal streicheln, er sieht so herrlich flauschig aus!

Bei uns hat sich die Röschen-Überraschung noch ein winziges Stückchen verzögert, dafür kommt sie aber nun bald doppelt. Wir sind schon soooo aufgeregt....

Cobia hat gesagt…

Wunderschön! Ihr seid richtige Bären-Märchen-Künstler.
Vielen Dank für den Minikalender!
Liebe Grüße
Cobia

Calendula hat gesagt…

Geniale Aufführung! Da wird auch der letzte Ballett-Muffel schwach! Es hat mir viel Spaß gemacht!

SchneiderHein hat gesagt…

@ Jerry and Ben
Thank you :-) Some of our bears and a lot of Hoppie's like ballet. I think we need some more outfits for them ...

@ Björn
Als Kind mochte ich sowohl den Nußknacker als auch Schwanensee unheimlich gern. Keine Ahnung, wie viele Stunden ich dazu rumgehüpft bin ;-) Das lag aber wohl auch daran, dass meine Mutter eine Schallplatte davon hatte, die ich rauf und runter dudelte. Heutzutage sagt mir die Musik vom Nußknacker mehr zu. Obwohl das Bühnenbild von Schwanensee meist eindrucksvoller ist. Und ich bin auch immer noch ganz erstaunt, wie Wolfgang an einem Sonntag Nachmmitag aus meiner Deko eins fix drei so ein Bühnenbild zauberte - und so eine Inszenierung mal eben mit den Plüschgesellen aufs Parkett legte ...

@ Ruth
Auch wenn ich Schwanensee schon von kleinsten Kindesbeinen an kenne, so habe ich die Handlung erst durch Wolfgangs Recherche mitbekommen. Früher waren mir immer nur die Musik, das Bühnenbild und die Tänze wichtig. Ja, man lernt nie aus ;-)

@ Manu und die Münchner Bären
Ich bin auch immer noch ganz fasziniert, was so ein russisches Muffy-Kostüm alles auslösen kann. Ich glaube, dass ist jetzt meine liebste Wintergeschichte :-)

@ Die Kuschelbären
Der Kuschelschwan musste extra vor ein paar Tagen anreisen, damit es diese Inszenierung überhaupt geben konnte ;-) Wenn er nicht mindestens schon 2 Reisen hinter sich hätte und sich noch etwas von seinem Eingesperrt-Dasein erholen müsste, könnten wir ihn zum Streicheln ja mal zu Euch auf den Weg schicken! Aber im Moment ist er heilfroh, dass er endlich frei ist ...

Ach ja, Eure Fotos sind wieder so schön. Und auf dem Foto in der Kuschelbärenstube bekommt man wieder ein Gefühl dafür, wie groß Ihr in etwa alle seid :-)

@ Cobia
Wir hatten ja schon gesehen, dass sich Euer Leben nun bald verändert. Hoffentlich habt Ihr Euch gut erholt! Denn so ein kleiner ungestümer Kerl wirbelt das Leben bestimmt im Anfang ganz schön durcheinander. Hoffentlich sieht er die Bären nicht als sein Spielzeug an ...

@ Calendula
Na ja, Ballett trifft es wohl nicht ganz. Denn etwas Komödie und Operette ist ja wohl auch dabei ;-)