Sonntag, 11. November 2012

Ich bin dann gleich mal weg



"Upps! Da kommt ein Knochending!" Das Sputnik sitzt im roten Sardinenrenner und überlegt fieberhaft, was jetzt zu tun ist. Das ist nur ganz schön unübersichtlich, so schwirren die Gedanken im Flusenkopp, denn: "Das Klappergestell rennt ja direkt auf mich zu."

"Sput ... nix wie weg!" Schwirren ist das richtige Wort. Mit dem Kopfpropeller wird es davon sausen. Das Sputnik beugt sich nach vorn, damit der Luftquirl schon mal in die richtige Richtung zeigt. Es knirscht schon zwischen den Ohren, so stark konzentriert sich das rote Fusseltier, um mit Gedankenkraft die Luftschraube zu drehen. 

"Was macht du da?" Erst schiebt sich ein Pinguin mit platschenden Füßen vorbei. Dann folgt ein neugieriger Knochenhase. "Ich haue ab!" presst ein Sputnik hervor.

"Wann?" Das findet das kleine Skelett jetzt aber spannend. "Gleich bin ich weg." Wie soll man sich konzentrieren, wenn immer jemand fragt? "Nur noch den Turboprop fixieren ... dann macht der 'ne Menge Wind." Und die Blechkiste geht ab wie eine geölte Sardine.

"Wuhaha!" Da hat sich das Propeller-Tier so auf das Tempomachen beim Fluchtwagen konzentriert ... es hatte gar nicht bemerkt: Das fiese Knochengerüst ist schon ganz nah in Augenhöhe. Erschreckt weicht der Zottelantrieb zurück.

Das ist hier ein Spurt-nix: Die ganze gedachte Luftschrauberei hat den Dosenflitzer noch nicht richtig weit gebracht. "Hmm!" Das Hasengerippe schaut an sich herunter. Es zupft verlegen am Knochenärmel. "Das sieht wirklich etwas schrecklich aus." Ein Sputnik kann da nur stumm nicken.

"Ich geh' mich mal umziehen," verkündet das Schreckgespenst.

Und nu?

Das Sputnik atmet auf. Der Knochenhase ist weg. Upps! Dafür steht da eine helle Bärin. Nur der Pinguin war eben auch schon dabei.

Und diese Petzeline ist auch noch neugierig: "Wie fährt denn nun dein Sardinenrenner?"

"Ich nutze meinen Propeller," erklärt stolz das rote Fusseltier: "So! Jetzt denke ich fest ans Fahren ... " das Sputnik zittert schon vor Anstrengung "... und dann dreht sich der Luftquirl immer schneller ..." der ganze Blechwagen zuckt inzwischen schon mit, wenn der silberne Kopfschmuck träge wackelt "... und es geht los ... jetzt ... nein jetzt ... also gleich ..."

Wenig später saust die rote Dosensause über den Beton. Das Sputnik krallt sich mit verkrampften Pfoten am Dosenrand fest. Auch dem Pinguin als sehendem Passagier am Bug weht der Fahrtwind um die Nase.

Voran geht es jetzt mit flinker Bärenkraft im Sauseschritt. Wenn der Pinguin sich weiter vorn so gut festhält, kann die Kleine mit dessen Schubstange das ganze Blechmobil fast auf irrwitzige Wetzgeschwindigkeit beschleunigen. 

Dem Sputnik wird sogar schon ein bisschen schwindelig vom ungeahnten Rausch der Geschwindigkeit. So schnell war die Blechkarre doch noch nie.


Fotos: W.Hein

Die Kleine ist eine Rica-Bärin mit Deb Canham Pinguinschieber. Das Sputnik heißt mit vollem Namen Snezhana Sputnik und ist eine Abgesandte der keuns and bears von Karin Peire. Die Bärenhöhle Mahnke in Hannover hat bis vor Kurzem noch dem Propellerkopf Unterschlupf und einen Stellplatz für das Gefährt Typ 'Sardine' gegeben.


Kommentare:

Felsi-Bears hat gesagt…

Die Geschichte und die Bilder sind einfach Weltklasse! So richtig herzzerreißend zum weglachen.
Weiter so noch viele Male.

Liebe Grüße und einen schönen Montag
Ulf

Björn Schröbel hat gesagt…

*lach* Sardinenrenner - tolle Idee und erstklassige Umsetzung!

Damit könnte man ganze Bücher füllen!

Immer wieder gut!

LG Björn :-)

Alex näht hat gesagt…

Das Sputnik ist ja klasse!!! Mit Propeller - hahaha - tolle Geschichte!
Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer!!!
Liebe Grüße, Alex

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ulf
Das Sputnik bietet mit dem Propeller auf dem Kopf, aber auch viel Handlungsspielraum :-)

@ Björn
Die Idee mit dem Sardinenrenner kommt aber leider nicht von uns! Das Gefährt hat Sputnik aus der Bärenhöhle mitgebracht. Sein Bärenvater hat es ihm angeblich mitgegeben ...

Bücher könnten wir füllen - nur leben lässt sich davon wohl kaum. Bzw. tolldreiste Ideen erfordern auch einiges an Ausstattung für kleine Bären und ihre Freunde ... ;-)
Also hat Wolfgang einen anderen harten Brotjob und nutzt den Blog zeitweilig als Ausgleich - so wie andere in den Urlaub fahren oder Kurzreisen machen. Und wir freuen uns, wenn wir diese Geschichten später mit anderen teilen können - anstatt sie nur für uns zu fotografieren und in dicke Fotoalben zu verpacken, die dann nur irgendwo rumliegen.

@ Alex
So schnell geht das mit den neuen Geschichten leider nicht. Für eine mittellange Story inklusive Ausstattungsvorbereitung, Fotos, Auswahl & Bildbearbeitung sowie Text ist schnell ein Wochenende weg - wenn das Wetter mitspielt.
Und solche Ideen wie das Karussell der Kuscheltiere, das Baumhaus oder das Teehaus aus Pappkartons vom letzten Jahr sind so lang und aufwändig, das Wolfgang bisher nur die Bilderauswahl getroffen hat und nicht weitergekommen ist . Denn seinen erste Urlaubswoche nach 5 Jahren Selbststndigkeit hat er dann erst einmal Ende September im Bett verbracht. Da sollten eigentlich auch ein paar große Abenteuer on Blog ...

Zwischen den Meeren hat gesagt…

ich lach mich schief!
glg