Samstag, 1. November 2008

Hoch hinaus



Die Rollente hat extra ihr Zugband mitgebracht.
Für die große Ausfahrt im Garten. Vielleicht hat
der Neue ja Zeit.

Der kleine Bär begrüsst das Rolltier ganz aufgeregt.
Nein, für eine Ausfahrt hat er jetzt keine Luft.
Aber vielleicht kann sie ihm ja helfen ...

Die ganze Zeit seit seiner Ankunft hat der Bär gehört
"Ohh, ist der leicht!" und "Das ist aber ein Fliegengewicht."
und "Meen Jung, dich Floh pustet ja die nächste Bö innen Teich."
In den Teich will der kleine Petz nicht, aber ausnutzen will er
das "Fliegengewicht" schon.

Der junge Bär will hoch hinaus und die weite Welt entdecken.
"Denn die nahe Welt kenne ich schon." Schließlich hat er die
letzten Tage damit zugebracht, das ganze Haus zu erkunden.
Er ist eifrig durch alle Kisten und Kästen gestöbert, in denen
sich der bunte Krims und der glitzernde Krams türmt.
Wenn das hier schon so viel zu entdecken gibt, was wird
da draußen wohl alles an Abenteuern auf ihn warten?


Deshalb will er dem Herbstwind davon fliegen.
Nach reiflicher Überlegung hat sich der Bär für einen
Luftballon entschieden, der ihn in den Himmel tragen
soll. Und zur Sicherheit noch für einen zweiten, falls
der erste platzt.

"Gutes Flugwetter heute!" Denn immer wieder fährt der
Wind in die Zweige und schüttelt die letzten Blätter. Da ein
Motor sicher ganz furchtbar schwer ist und er ihn die ganze
Zeit tragen müsste, will der mutige Petz den Wind die Richtung
bestimmen lassen. Sonst würde es ihm ergehen, wie diesem
berühmten englischen Bären, von dem sie ihm im Haus erzählt
haben. Der hing am Luftballon bei Windstille und kam nirgendwo hin.
Weder zum Honigbaum noch zu neuen Ländern.


Das soll ihm nicht passieren! Deshalb hat er auf Wind gewartet.
Nicht zu viel, denn eigentlich will er heute sein Flugerät nur
testen. Aus Gewichtsgründen hat er sogar auch die Straßenbahnkarte
für die Rückfahrt eingespart. Und der Holzschnatterich muss
aufpassen, wohin er fliegt. Damit jemand im Haus Bescheid
sagen kann.

Es wird noch einmal die Pfote angeleckt und genau geprüft,
aus welcher Richtung der Wind weht. Der Bär will ja nicht
gleich in den ersten Ästen hängen bleiben.


Schon haben sie die Freifläche erreicht und der Bär hält
seine beiden Ballons so hoch es nur geht in den Wind.
Den Fahrvogel führt er noch am Halteseil, falls es plötzlich
nach oben gehen sollte. Das Bodenpersonal folgt aufmerksam
jedem seiner Schritte und rollt hinten drein.

"Jetzt fliegt und nehmt mich mit." Der kleine Bär kann
es kaum erwarten, dass der Wind nicht nur sanft die
beiden Luftballone hin und her schubst. Da kommt wieder
so ein Windstoß. Also beim nächsten geht es gleich los ...


Aber irgendwas stimmt noch nicht. So sehr der Bär auch
versucht, die bunten Bälle in den Wind zu halten, sie heben
ihn nicht. Nicht mal den kleinsten Hüpfer. Das fliegt nicht!
"Du bist doch ein Vogel." fragt er seine Holzfreundin.
"Was ist verkehrt? Haben die Luffis die falsche Farbe?"


Quack, was soll sie dazu sagen? Rollenten haben
doch keine Ahnung vom Fliegen. Sie fahren!


Aufgeregte Bären ficht das nicht an. "Also, eigentlich klappt
es ja schon - beinahe." Er zeigt nach oben. "Das ist jetzt
nur noch kein richtiger Bärenflug-Herbststurm - nur so ein
laues Nadelherumweh-Lüftchen."

Der kleine Petz überlegt weiter: "Auf jeden Fall
brauche ich mehr Wegfliegkraft. Zwei Ballons sind
da noch viel zu wenig." Er kratzt sich mit der freien
Pfote das Fell zwischen den Ohren. "Es müssen schon
mehr sein. Viel, viel mehr!" Dann legt er den Kopf
schief und schaut die beiden bunten Flugbälle an:
"Was meinst du, ob Hundertdrei reichen?"

Hundertdrei ist ein Schattenbär. Einer der in den Regalen
der Bärenhöhle in Hannover so im Hintergrund steht und
entdeckt werden will. Ihn hat Hanne Mahnke zwar selbst gemacht,
aber noch nicht einmal ein kleines Stoffflitzchen verät, dass er ein
echter Bärenhöhlenbär ist und mit erstem Namen Ewald hieß.

PS: Der berühmte Bär am Ballon, von dem im Haus erzählt wird,
ist natürlich Pu der Bär, der sich als kleine schwarze Wolke getarnt
an den Honigbaum anschleichen will. Bis die Bienen Argwohn schöpfen.
"Sie schöpfen was?" fragt Christopher Robin. Auf jeden Fall scheint das
englische Klima viel milder zu sein, wenn ein Junge einfach einen
himmelblauen Ballon aufblasen kann und ein Bär damit davonschwebt.
Oder liegt es doch an der Farbe?

Fotos: W.Hein


5 Kommentare:

Lebenszeit hat gesagt…

Eine schöne Geschichte vom neuen Bär. Wie gut das es mit den Ballons nicht geklappt hat...sonst wäre er futsch...und es gäbe keine schönen Geschichten mehr vom kleinen Bär.
Wiedermal wunderbar !!!
LG
Rita

michi 2412 hat gesagt…

Vielleicht sollte es das Fliegengewicht mit einem Flugdrachen probieren? Müsst doch im Herbstwind hervorragend funktionieren?

Bärige Grüße von der Hubärin

Anonym hat gesagt…

Ui, was lesen wir denn da: Zuwachs bei den Haus und Garten-Bären:-). Das ist ja nett. Da ist Eure Familie aber inzwischen auch schon ganz schön groß - wieviele seid Ihr denn eigentlich jetzt so? Wir sind ja jetzt 8 (ohne die Eselfamilie und den Tiger-Kiran) und dachten immer, DAS ist schon viel :-).
Jedenfalls findet unsere Lilly (wir anderen natürlich auch) die kleine Rollente so niedlich, die am Anfang so erwartungsvolle Hoffnungen in den neuen kleinen Bären setzt (...>> Die Rollente hat extra ihr Zugband mitgebracht.Für die große Ausfahrt im Garten. Vielleicht hat
der Neue ja Zeit....<<). Und den neuen kleinen Bären, der prima zu Euch passt, weil er auch so abenteuerlustig ist, finden wir auch sehr sympathisch.
Die Geschichte mit den Ballons bringt uns da übrigens auf eine Idee.... Bäääääärenmamaaaaaaa, wo ist denn eigentlich unser Draaaaachen, wir könnten doch mal Draaaaachen steigen lassen? Au ja. Liebe Haus-und Gartenbären, wir müssen Schluß machen für heute - und nach unserem Drachen suchen.
Tschüüüüüß
Die Kuschelbären & Co

SchneiderHein hat gesagt…

@ alle zusammen
Da haben wir wohl alle Glück gehabt, dass ein Bär nur einen roten und grünen Ballons gefunden hat und keine blauen oder gar Flugdrachen. Denn die anderen Bären haben auf Amrum schon mal ein Drachen steigen lassen. Das hat ordentlich gezogen. Aber das war nur ein kleiner, der keinen Bären mitgenommen hat. Da müssen kleine Kühe, Esel und Giraffen besonders aufpassen. Damit die Familie bloß nicht kleiner wird...

Anonym hat gesagt…

Uii,

ich glaube ich will auch mal einen Ballonflug machen. Spiky der Ballonfahrer...? KLingt gut, ich glaube, ich muss mal mit Herrchen reden.

Lieben Gruß
Euer Spiky