Donnerstag, 17. Mai 2007

Der Sommer kann kommen ...



Die dicken schweren Regenwolken sind endlich abgezogen.
Die Sonne lacht über den ganzen Himmel und treibt ein paar
Schäfchenwolken vor sich her. Zeit für eine kleine Bärin,
sich einer großen Aufgabe zu stellen. Der Sommer naht mit
Riesenschritten und der Teich wartet schon. Nelleke muss sich
beeilen, wenn das mit dem Schwimmen nocht etwas werden soll.

Aber die Kleine ist schon mitten in den wichtigen
Vorbereitungen: Der neue Zweiteiler mit kurzer Hose passt.
Statt Schwimmflügeln hat sie sich lieber einen großen
Schwimmring besorgt. Bei der ersten Anprobe mit aufgeblasenen
Flügeln hingen die Arme immer so komisch in der Luft. Und zum
Plantschen und mit Wasser spritzen muss man doch die Pfoten
frei haben.

Die neue Schwimmhilfe passt wie angegossen
und Nelleke stellt sich schon mal ganz dicht ans Wasser.
Das sieht alles schon richtig gut aus ...

Plötzlich merkt die Kleine, das sie beobachtet wird.
Ein großer dunkler Schatten nähert sich aus dem Hintergrund.

Es ist nur der alte Seebär, der immer noch zu Besuch ist.
Jeden Tag wandert er in den Garten und guckt erst die
grünen Blätterwände und dann den Himmel an. Dann brummelt
und seufzt ein wenig, bevor er wieder zurückkommt. Jetzt
ist er neugierig: "Na, meen Deern, was ist denn das für´n putziges
Spielkram um´m Bauch?"

Nelleke hat keine Angst vor dem alten Grummelpott.
Und sie braucht ja immer noch jemand, der ihr die Sache
mit dem Schwimmen beibringt. Seebären müssten sich doch auch
mit ganz kleinen Seen auskennen: "Ich muss schwimmen lernen.
Weil doch der Sommer kommt. Jetzt ist das Wasser noch
zu kalt. Aber bald ist das hier ein warmer Schwimmteich.
Mit meinem gelben Luftreifen kann ich nicht untergehen und
Blubb machen."

Der alte Seebär schüttelt den Kopf: "Soon Schwimmring
hat doch nix mit Schwimmen zu tun. Den brauchst du nur,
wenn du in Seenot bist. Du musst doch ohne solchen

aufgeblasenen Kram den Kopf über Wasser behalten.
Das geht aber ganz anners." Er zieht seine blaue

Regenjacke aus.

"So, und nun pack mal dies gelbe Gedöns weg."
Nelleke steigt begeistert aus dem Schwimmring.
Ein echter Seebär gibt ihr Schwimmunterricht.

"Das Wichtigste sind die Arme. Wenn du mit
denen was wegschaufelst, dann bleibst du über
den ollen Wellen." Mit großen Armbewegungen
zeigt der alte Seebär, was er meint.

Mit Feuereifer macht Nelleke mit. Sie rudert
mit ihren Arme und malt große Kreise in die Luft.

Das ist jetzt also Hundepaddeln für kleine Bären. Oder,
wie der alte
Seebär sagt, Kraulen. Aber Kraulen hat ja
auch was mit Hunden zu tun. Denn Nelleke krault Nachbars
Bello am liebsten hinter den Ohren
.

Dann soll Nelleke das Ganze noch mal zeigen. Der
alte Seebär schaut, ob das auch alles seine Ordnung
hat. Er ist mit seiner kleinen Schülerin sehr zufrieden.
Aber er sagt ihr nicht, dass er, wie so viele Seeebären,
eher ein Theoretiker in Schwimmfragen ist. Seit Jahren
hat er lieber ein Schiff zwischen sich und dem Wasser
oder bevorzugt das hochprozentige Innennass. Badeurlaub
ist doch was für Touristen.

Aber die Kleine ist nicht zu bremsen und doch
wirklich ne Nette. Also zeigt er ihr als Nächstes
die richtige Beinarbeit. Sie lassen die Füße über den
Steg hängen und schwingen die Beine auf und ab. So
das muss man nun alles gleichzeitig machen. Aber das
geht nur im Wasser und das ist noch zu kalt. Aber bis
dahin kann Nelleke das schon mal weiter üben.

Zum Schluss zeigt ihr der alte Zausel noch "Toter Bär".
Wenn man sich ganz flach auf das Wasser legt und sich
nicht rührt, dann trägt einen das Wasser. Besonders, wenn
es salzig ist. Nelleke schaut den alten Bären mit großen Augen
an. Ob die Fische das mögen, wenn sie den ganzen Salzstreuer
in den Teich kippt. Vielleicht muss das auch noch viel mehr Salz
sein. Und das Still-auf-dem-
Wasser-Liegen ist eigentlich nichts
für quirlige, kleine Mädchen. Nelleke findet Stillsitzen schon doof.

"Du alter Bär, wenn ich bald schwimmen kann, dann
muss ich auch ein Seepferdchen-Schild haben. Auf der
Badehose, damit alle es sehen können." Schon springt
die Kleine auf und rennt ins Haus.

Wenig später kommt sie mit Papier und bunten
Filzstiften zurück. "So ein Seepferdchen-Zeichen
kann ich doch jetzt schon mal malen. Nachher ist
sicher keine Zeit, weil ich dann ja schwimmen muss."

Nelleke kann gut zeichnen. Sie ist ganz schnell und
weiß auch immer wie so etwas aussieht. Der alte Seebär
staunt nicht schlecht, wie flink der rote Stift über das Papier
saust. Die kleine Bärin ist nicht zu bremsen und schon kann
er die ersten Formen erkennen.


Ruckzuck hat Nelleke ein Seepferdchen auf das Papier
gemalt. Mit allen drei Farben. Und freundlich guckt es auch.

Sie hält sich das fertige Bild vor die Brust. "Guck mal!
Das ist mein Seepferdchenzeichen für tolles Schwimmen."
Der alte Seebär schüttelt den Kopf. "Das ist doch ´n alter
Klepper, der in nem Tümpel planscht. So ein richtiges
Seepferdchen sieht nen büschen anners aus." Und, weil die
Kleine sich doch so viel Mühe gegeben hat: "Meen Dern, du
schwimmst schon so prima auf´m Trocknen - du kriegst sicher
ein echtes Tiefseepferdchen als Abzeichen."

Dann setzen sich beide noch mal hin. Nelleke malt eifrig
ein richtiges Tiefseepferdchen. Und der alte Seebär
versucht ihr zu erklären, wie so ein Wundertier aussieht.
Das ist nicht ganz einfach, denn selber zeichnen kann er nicht.
So muss sich Nelleke auch ganz viel Mühe geben. Sie ist so tief
in die Arbeit versunken, dass die Kleine noch nicht mal merkt,
wie ihre rausgetreckte Zungenspitze jede Bewegung des
Stiftes mitmacht.

Dann ist es geschafft. Stolz zeigt Nelleke ihr Werk.
Auch der alte Seebär ist zufrieden. Beide finden,
dass es ein fabelhaftes Seepferdchen geworden ist.
So eines gehört auf Nellekes Badehose. Und der
Sommer kann kommen.




Fotos: W. Hein



Nelleke von U.&C.Charles (RicaBär) / Der alte Seebär (OhRest!) von U.Amadori
Nellekes Bade-Set von U. Schneider / Schwimmring aus der Bärenhöhle, Hannover



Kommentare:

Gyde hat gesagt…

Einfach süß Eure Bärengeschichten!! Macht richtig Spaß zu lesen. Übrigens, Ihr habt Post im Mailbriefkasten ;o)

Liebe Grüße
GGG

Birgit hat gesagt…

Hallo Wolfgang, nun wollte ich endlich auch hier mal einen Kommentar hinterlassen. Wir finden Deine Bärengeschichten und -bilder einfach zauberhaft. Du lässt die Bären richtig leben. Man hat das Gefühl beim Ansehen und Lesen, dass es reale Geschichten sind. Wirklich ganz bezaubernd. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende. Nach dem schönen Wetter gestern, regnet es hier ja mal wieder. Gruß Birgit

Luna hat gesagt…

Süüüüß !!! Ganz toll inszeniert !!!
Ich finde die Geschichten toll und die Bilder dazu ganz liebevoll ausgesucht und die Bären passend angezogen. Es macht Spass alles anzusehen :-) Birgit hat recht, es ist als würden die Bären richtig leben !?!?!
Liebe Grüße
Stefanie

exile61 hat gesagt…

Hi, Eure Bärengeschichten sind süß! Wo habt ihr nur immer die vielen Ideen her? LG Andrea

manus-schafe-gartenwelt hat gesagt…

Hallo Ihr.....Schmusibu war total entzückt von der tollen Bärengeschichte und besteht natürlich jetzt prompt auf so ein Seepferdchenabzeichen! Das hab ich nun davon, dass ich ein Schaf Blog Seiten durchstöbern lasse....grins....ganz liebe Grüße an Euch und die Bärenrasselbande senden Manu & Schmusibu

Yolanda Elizabet hat gesagt…

I heart Nelleke. She is too cute for words and what a clever little bear she is! Loved the story about her swimming lessons and about the old sea bear who prefers to imbibe firewater instead of swimming in it.

Your bear stories and illustrations are absolutely wonderful!!!!

Verena hat gesagt…

Hallo Silke und Wolfgang,
du hattest Recht Silke, diese Geschichte ist wirklich viel fröhlicher! Und es freut mich, dass der brummelige Seebär doch scheinbar gar nicht so brummig ist :-)!
Viele liebe Grüße, Verena

michi 2412 hat gesagt…

Knuddelig, sensationell, faszinierend, zuckersüß, ...

... einfach bärig!!!!!

Anita hat gesagt…

Hach, wie süüüüß! Ihr solltet das mal einem Verlag anbieten - für ein Kinderbuch!

Herzlichen Glückwunsch zu diesen tollen Bären-Ideen!

Um auf Silke's Fragen zu meinen selbstgemachten Tonkugeln zu antworten: Nein, es ist kein VHS-Töpferkurs - ich kann aber nicht beurteilen, ob solche Kurse besser oder schlechter sind....

Die Kugeln werden aus zwei hohlen Halbkugeln hergestellt, die in einer Form aus Gips geformt werden und dann zusammen-"geklebt" werden mit Ton. Unten haben sie nur ein klitzekleines Löchlein, sonst würden sie beim Brennen platzen, hab ich gelernt. ;-))

Viele Grüße an Eure Bären!

Anita

sugarsandsalts hat gesagt…

They are darn cute bears!!